Watch Dogs – Mehr als der schnelle Hack für Ungeduldige?

Artikel von 23.08.2013 um 18:12 Uhr

Der Hype, der kurz nach der E3 2012 um Watch Dogs losbrach, wird sich um ein einzelnes Spiel möglicherweise nicht mehr so schnell wiederholen. Ubisoft war unter allen Publishern der schnellste darin, einen echten Next-Gen Titel zu präsentieren. Nun wird es im November als Launch Titel für beide Next-Gen Plattformen erscheinen, aber auch noch auf Konsolen der aktuellen Generation veröffentlicht. Auf der gamescom durften wir Watch Dogs erstmals Probe spielen und gingen mäßig begeistert wieder aus dem Termin heraus.

Eigentlich dachten wir, bei Watch Dogs würde sich schnell das Gefühl einstellen, auf einem riesigen Spielplatz gelandet zu sein, in dem alles gehackt werden kann und auf dem wir daher die Stadt Chicago, wo das Spiel angesiedelt ist, mal richtig aufmischen zu können. Dieses Gefühl war meilenweit entfernt, denn Hacken durften wir nur die immer gleichen Objekte: Sicherheitskameras, Ampeln, Handys und Geldautomaten. im Groben war das schon alles, das Spiel machte aber auch nicht unbedingt den Eindruck, als sei noch mehr möglich. Wir wurden jedoch auch sehr linear durch die Präsentation geführt und durften uns nicht frei im virtuellen Chicago umsehen.

Hacken ist gar nicht so schwer

Ganz in GTA-Marnier, an dieser Stelle ist der Vergleich durchaus angebracht, dürfen wir auch Autos oder Motorräder klauen und uns damit durch die Stadt bewegen. Hier fiel uns die gelungene Steuerung auf, aber auch Aiden Pearce ließ sich problemlos steuern, wobei alles sehr stark vereinfacht wurde, denn insbesondere das Klettern geht beinahe automatisch vonstatten, man muss eben nur im richtigen Moment Dreieck drücken.

Ebenso vereinfacht ist aber auch das zentrale Gameplayelement des Spieles: Das Hacken. Mit einem einzigen beherzten Druck auf Viereck hackt ihr quasi alles, was sich so in der Umgebung befindet, den Prozess an sich müsst ihr also nicht weiter aktiv beeinflussen. Das eigentliche Rätsel liegt darin, Verbindungen zwischen verschiedenen Objekten zu offenbaren und sie somit Schritt für Schritt zu hacken. So gelangen wir über eine Sicherheitskamera in die nächste, die eigentlich nicht in Aidens Blickfeld liegt. Befinden sich Wachen in der Nähe, an denen ihr vorbeischleichen müsst, stehen euch zum einen das simple Deckungssystem zur Seite, zum anderen könnt ihr Objekte (z.B. Tore oder Autos) in der Umgebung hacken, um die Aufmerksamkeit der NPCs zu erregen. Wie gut das funktioniert, wird sich jedoch noch zeigen müssen, in der Demo wirkte das eher gekünstelt, da jeder Wache ein einzelnes Objekt zugeordnet zu sein schien.

Andere Spieler in eurer Welt

Ein besonderes Feature an Watch Dogs ist, das auch andere Spieler an eurem Spiel teilnehmen können. Das geht über eine andere Konsole, aber auch über eine mobile App, die für Tablets und Smartphones mit Android und iOS verfügbar sein wird. So kann man die Kontrolle über beinahe alles in der anderen Welt übernehmen, seien es die Ampeln oder auch ein Polizeihubschrauber. In der Präsentation funktionierte das Feature einwandfrei, sein praktischer Nutzen muss sich aber noch zeigen. Man soll damit in erster Linie anderen Spielern helfen können oder sie eben am Erreichen des Missionsziels hindern. Wollt ihr auf fremde Hilfe verzichten, könnt ihr Watch Dogs auch einfach offline spielen.

Wo ist die gute Grafik hin?

Watch Dogs sorgte bei seiner Enthüllung wohl vor allem durch die großartige Grafik für Begeisterung. Diese vermissten wir jetzt ein wenig: Zwar sieht Watch Dogs keinesfalls schlecht aus, doch das erwartete visuelle Erlebnis blieb auf der gamescom aus. Hübsche Lichteffekte waren ob der zahlreichen Clipping-Fehler, Ruckler, Pop-Ups und des starken Kantenflimmerns schnell vergessen. Insgesamt wirkte Chicago auch bei Weitem nicht so belebt, wie es in den Trailern wirkte, teilweise waren Plätze wie leergefegt. Dafür schienen sich aber die Bürger einigermaßen realistisch zu verhalten und gehen auch ihren eigenen Beschäftigungen nach, obwohl wir das in anderen Spielen schon genau so gut gesehen haben.

Unser Ersteindruck

So richtig warm wurden wir mit Watch Dogs nicht. Zwar wirkte das Hacken schon irgendwie cool, jedoch durften wir nur genau die gleichen Dinge tun, die wir auch schon vor fast anderthalb Jahren bei der Enthüllung gesehen haben. Technisch war es in Ordnung, war jedoch abgeschlagen von den stärksten Titeln der Messe. Das wäre nicht so schlimm, wären die grundlegenden Spielelemente wie das Hacken, Rennen und Klettern nicht unglaublich simpel und kein bisschen herausfordernd. Wir sind gespannt, wie sich Watch Dogs beim Launch der Next-Gen Konsolen schlagen wird, rechnen aber derzeit bestenfalls mit einem soliden Titel, jedoch nicht mit dem erhofften Hit.

Watch-Dogs---Artikelbild---Tailor-DKS