Was haben Piraten mit Assassinen gemein?

Artikel von 06.08.2013 um 15:41 Uhr

Die Piraten spielen seit Assassin’s Creed III eine Rolle in der Reihe, so konnte man mit Connor verschiedene Schatzinseln besuchen und Schätze bergen, doch warum legt man das komplette Hauptaugenmerk nun in Assassin’s Creed IV: Black Flag auf das Piratensetting? War Assassin’s Creed III möglicher Weise nur ein Schnellschuss, der schon mal ein wenig auf den vierten Teil vorbereiten sollte und zudem Desmonds Geschichte auf einem schnellen Weg beenden wollte? Man kann an der Stelle darüber spekulieren, denn der dritte Teil der Reihe wirkte zum Teil an einigen Stellen unfertig und wies kein wirkliches Vorankommen in der Story auf. Man führte einen neuen Assassinen ein, der Großes vollbringen sollte, aber nun vermutlich in der Versenkung verschwinden wird, nicht so seine Familie, denn im vierten Teil spielt man seinen Großvater.

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Auf welcher Seite? Man kann davon ausgehen, dass man einen Assassinen spielt, das beweisen die Totenkopfflaggen mit dem Symbol der Assassinen. Möglicherweise hat das Verhalten von Edward Kenway auch dazu geführt, dass sein Sohn Haytham, der Vater Connors, die Seiten wechselte. Vielleicht setzte er mit den Assassinen das Streben nach Reichtum und Macht gleich, dem Edward folgt. Aber auch das sind alles nur Spekulationen, schauen wir uns lieber die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den verschiedenen Kodizes der Assassinen und Piraten an.

764837Der Kodex der Piraten

Zunächst einmal ist zu erwähnen, dass sich der Kodex der Piraten in der Regel von Schiff zu Schiff, manchmal bereits schon von Fahrt zu Fahrt unterscheiden konnte, allerdings waren einige Punkte oft ähnlich. Es konnte vorkommen, dass man dazu gezwungen wurde, diesen Kodex zu unterschreiben, sonst durfte man nicht mit auf diese Fahrt. Es ist jedoch überliefert, dass viele Kodizes in Zusammenarbeit zwischen Kapitän und Mannschaft erdacht wurde und somit ein demokratisches Machwerk war. Im Laufe der Zeit wurde ein etwas gängigerer Kodex erstellt, an den sich die meisten Piraten hielten. Im Gegensatz zu unserer romantischen Vorstellung von einem Kodex, handelte es sich hierbei eher um eine Art Arbeitsvertrag. So besagt es der überlieferte Kodex von dem berühmten Piraten Henry Morgan in Zusammenarbeit mit Dave Bartholomew Roberts beispielsweise das Folgende:

1. Jeder Pirat hat eine Stimme in Angelegenheiten, die alle betreffen. Das gilt auch für die Wahl des Captains und der Offiziere wie Erster und Zweiter Maat, Bootsmann etc.

2. Jeder erhält den gleichen Anteil an frischer Verpflegung und alkoholischen Getränken. Er darf sich zu jeder Zeit bedienen und sie nach Belieben verzehren, es sei denn, dass ein Mangel an Proviant eine Rationierung erforderlich macht.

3. Die Musiker haben am Sabbattag (Samstag) frei, aber an den anderen sechs Tagen nur bei besonderen Anlässen.

4. Wer zuerst ein Segel (eines Beuteschiffs) sieht, soll die beste Pistole oder die beste Blankwaffe erhalten, die darauf gefunden wird.

Weitere Regeln waren jedoch etwas schlimmer angesetzt als diese hier genannten, so verzeichnet der Vertrag Henry Morgans weiterhin, dass das Spielen mit Karten um Geld mit dem Tode bestraft wird, ebenso werden auch Streitigkeiten und Raufereien mit dem Tode geahndet. Diese Arbeitsverträge waren also wesentlich gefährlicher als wir sie heute von unseren Arbeitgebern gewohnt sind.

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Das Kredo der Assassinen

Im Gegensatz zum Piratenkodex ist das Kredo der Assassinen kein Arbeitsvertrag, sondern dient eher dazu, die Bruderschaft und den Einzelnen zu schützen. Hierbei werden in der Regel nur drei Punkte verfolgt, die bereits seit den Kreuzzügen, Al Mualim und Althair mündlich übertragen werden. Vermutlich ist dieser Kodex weitaus älter als wir vermuten. Das Kredo dürftet ihr alle kennen, doch gern noch einmal nachstehend die drei Punkte:

1. Haltet eure Klinge fern vom Fleisch Unschuldiger.
2. Verbergt euch in der Masse.
3. Gefährdet nicht die Bruderschaft.

Zumindest hier lassen sich also keine Ähnlichkeiten finden, eher nur allzu große Unterschiede. Einzig die gewisse Freiwilligkeit zum Unterzeichnen der Regeln lässt sich aufweisen, auch wenn einige Piratenkodizes erzwungen waren. Auch im Handeln lässt sich kaum eine Ähnlichkeit finden, denn mit dem Verbergen in der Masse haben es die Piraten eher nicht so, streben sie schließlich nach Ruhm, Macht und Anerkennung. Auch die Bruderschaft wird mehr oder weniger gefährdet, nämlich durch das Aufsehen, dass das Schiff Edwards mit der gehissten Totenkopfflagge mit dem bekannten Assassinensymbol erhält. Ein geheimes Agieren als Assassine ist somit fast unmöglich.

assassins_creed_4_black_flag-wideDas Setting ist, ohne Frage gut, doch hätte es vielleicht nicht unter dem Namen Assassin’s Creed auftauchen müssen. Gut, genau genommen, setzt es die Reihe nicht fort, sondern liefert uns eine Episode für Abstergo Entertainment, welches wir bereits in Assassin’s Creed III: Liberation kennenlernen durften. Wie wäre es stattdessen mit einer neuen Reihe gewesen, vielleicht unter dem Namen „Pirate’s Code“? Denn bislang bleiben uns jegliche Zusammenhänge zwischen den Assassinen und den Piraten verborgen – Oder nutzt man die Assassinenflagge letzten Endes doch nur als Tarnung und ist als Templer unterwegs?