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Warum uns Indietitel so begeistern

Artikel von | 25.10.2013 um 19:03 Uhr

Spiele der heutigen Zeit werden immer schneller, detailreicher und kurzweiliger. Vergleicht man viele aktuelle Spiele mit denen, die es vor einiger Zeit gab, so fallen einem besondere Unterschiede auf. So verzeichnen viele Titel eine realistische Grafik, während man bei den Figuren daraufsetzt, möglichst viele Emotionen zeigen zu können. Titel wie Uncharted, Beyond: Two Souls und L.A. Noire beispielsweise setzen auf Motion Capturing mit richtigen Schauspielern, um ihren Figuren noch mehr Leben einzuhauchen. Alles muss immer möglichst glaubwürdig rüberkommen, dennoch schaffen es einige Spiele, auf genau diesen Realismus zu verzichten und ihren eigenen Weg zu gehen.

Die sogenannten Indiespiele sind derzeit hoch im Kurs und werden von großen Unternehmen wie Sony und Microsoft tatkräftig unterstützt. Unter Indiespielen versteht man Spiele, die von kleinen, unbekannten und ungebundenen Entwicklerstudios kommen, die sich unabhängig von großen Publishern finanzieren und somit die Möglichkeit haben, ihr Spiel so zu entwickeln, wie sie es gern hätten. Oft verfügen sie nicht über die bereits erwähnte detailreiche und realistische Grafik, da den Entwicklern häufig dazu die entsprechenden Mittel fehlen. Dennoch ist der Grafikunterschied zu den großen Spielen kein Manko dieser Spiele.
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Und wenn wir gerade bei den Unterschieden sind: Viele Spiele der heutigen Generation sind wesentlich kurzlebiger als es einige Indietitel sind. Lässt man einmal Onlinetitel außen vor, bemerkt man doch, wie schnell große Blockbuster wieder im Regal verschwinden: Spiele wie The Last of Us, Assassin’s Creed III oder Bioshock: Infinite sieht man heute nur noch selten in der PSN-Freundesliste auftauchen, dafür taucht dann doch eher mal der beliebte Titel Minecraft in Unterhaltungen und Youtube-Videos auf.

Doch woran erinnern uns diese ganzen Indietitel? Das Stichwort hierbei lautet “Retro”, denn viele dieser Spiele weisen eine Grafik auf, die man aus den Anfängen der Videospielgeschichte kennt. Besonders die heutigen Indie-RPGs setzen wieder auf einfache Vogelperspektive, geschriebene Texte und simple Kampfsysteme. Doch was viele Spieler als retro bezeichnen, liegt gar nicht soooo weit in der Vergangenheit, denn man muss lediglich etwa 15 Jahre in die Vergangenheit gehen, um genau diese Spiele zu finden, die heute ausgestorben zu sein scheinen. Die früheren Titel von Final Fantasy beispielsweise kamen ohne viel Schnickschnack aus, denn damals war die Geschichte mit eines der wichtigsten Elemente eines Videospiels. Heute werden Geschichten oft einfach nicht zu Ende erzählt, um sich alles für einen Nachfolger offenzuhalten.

Minecraft screen shotViele Entwickler von Indiespielen legen besonderen Wert darauf, dass ihre Spiele wieder an die legendäre “8-Bit”-Ära erinnern, in der viele Spieler ihre Kindheit verbrachten. Und gerade weil die Indieentwickler darauf achten, den Spielern ein Erlebnis zu liefern, das sie an “damals” erinnern soll, wird man oft von ihnen wesentlich länger vor den Bildschirm gefesselt als es ein kurzlebiger Blockbuster vermag. Vielleicht sollten auch die großen Entwickler einmal “Back to the Roots” gehen, wie man so schön sagt, und sich wieder auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist: Die Story, das Gameplay und das Gefühl, etwas erreicht zu haben.

Denn auch dieses Gefühl fehlt heutzutage, eben weil viele Spiele zu kurz geraten sind und über einfache Inhalte und Gameplayelemente verfügen. Spontan kann man da das kommende Watch Dogs benennen, das vom Hacken lebt. Dieses kann man jedoch simpel durch das Drücken einer einzigen Taste bewältigen. Denkt man da beispielsweise an Spiele wie Sly Cooper zurück, so fällt einem auf, dass selbst dort das Hacken eine Herausforderung war, da es immer in Verbindung mit einem Minispiel stand. Nein, Ubisoft soll keine Minispiele in Watch Dogs zum Hacken einbauen, aber ein wenig mehr Herausforderung wäre schon großartig.

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Man bekommt in vielen Spielen oft die Erfolge hinterhergeworfen, sieht man sich hier beispielsweise das erschienene Final Fantasy XIV: A Realm Reborn an: Wie schnell man auf Level 30 ist, wie einfach die ersten Dungeons sind und das simple Erhalten von Fähigkeiten, machen das ganze Spiel fast zum Geschenk, erst in den höheren Dungeons wird das Ganze zur Herausforderung. Zieht man sich da das wesentlich jüngere Final Fantasy XI Online zu Rate, so wird der Unterschied schnell klar: Man bekam nicht 10.000 Erfahrungspunkte geschenkt, wenn man mit jemandem sprach, der Levelaufstieg war lang und mit vielen anderen Spielern verknüpft und das Erhalten von Zaubern bestand darin, Gil zu sammeln und diese Zauber zu kaufen.

Der Spieler hat oft einfach nicht mehr das Gefühl, etwas erreicht zu haben. Zwar gibt es dann auch Ausnahmen wie Demon’s Souls und dergleichen, doch hier hält es sich eher in Grenzen, während die Indiespiele oft noch über knifflige Rätsel verfügen, bei denen man ein echtes Erfolgserlebnis hat, wenn man diese gelöst hat. Und genau aus diesem Grund begeistern uns Indiespiele in der heutigen Zeit: Sie geben einem das Gefühl, wirklich etwas vollbracht zu haben – Und das schaffen sie mit einer minimalen Grafik und einer tollen Geschichte.

Guacamolee

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