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Zone of the Enders: 2nd Runner Mars im Test

Artikel von | 10.09.2018 um 10:55 Uhr

Das Sequel zu Zone of the Enders aus dem Hause Konami, erschien ursprünglich 2003 für die PlayStation 2. Nach nunmehr 15 Jahren bekommen wir mit dem Remaster von Zone of the Enders: 2nd Runner Mars die bisher hübscheste Version des Spiels auf der PlayStation 4 zu sehen. Ob der Actiontitel auch heute noch zu begeistern weiß, oder zurück in die Mottenkiste gehört, aus der er gekommen ist, verraten wir euch in unserer Review.

Ein futuristisches Abenteuer

Die Geschichte von Zone of the Enders: 2nd Runner Mars setzt im Jahr 2174 an, also zwei Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils. Wir schlüpfen in die Rolle des Piloten Dingo. Nachdem Nohman, der Anführer der Organisation Bahram, diesen bei einem Aufeinandertreffen beinahe tötet, wird sein schwer verletzter Körper an den Orbital Frame Jehuty gekoppelt, um ihn am Leben zu erhalten. Mithilfe von Jehuty versuchen wir Nohmans zerstörerische Pläne zu durchkreuzen.

Neueinsteigern, die den ersten Teil nicht gespielt haben, dürfte der Einstieg in die übergeordnete Handlung zunächst nicht allzu leicht fallen. Allerdings ist die Geschichte sehr liebevoll erzählt, wenn auch mit dem typisch japanischen Pathos, der manchmal etwas kitschig daher kommt und wahrscheinlich nicht jedem zusagt. Zwar ist die Story für sich genommen nicht besonders komplex, das Spiel lebt aber von seiner dichten Atmosphäre.

Zone of the Enders nimmt sich viel Zeit für seine Erzählung. Neben wundervoll animierten Zwischensequenzen, sollten sich Spieler auf jede Menge Dialoge einstellen. An dieser Stelle möchten wir positiv hervorheben, dass diese vollständig und hochwertig in englischer Sprache vertont sind.

Altes Spiel in neuem Glanz

Vorweg müssen wir sagen: Zone of the Enders: 2nd Runner Mars ist visuell wirklich verdammt gut gealtert. Das verdankt das Spiel vor allem seinem wundervollen Artdesign. Die zeitlose Cel-Shading-Optik sieht in Full-HD-Auflösung auf der PlayStation 4, oder nativen 4K auf der PlayStation 4 Pro, sehr hübsch aus. Insbesondere wenn wir uns durch das Innere einer Raumstation bewegen, merkt man dem Spiel seine 15 Jahre Alter kaum an. Neben den knackscharfen Texturen machen auch die Lichteffekte einen überaus guten Eindruck.

Schade ist allerdings, dass die animierten Zwischensequenzen nicht den gleichen Boost bezüglich ihrer Pixelanzahl erhalten haben. Bei diesen wurde die Auflösung aus dem Original beibehalten. Da sie aber in dem Anime-Stil der späten 1990er und frühen 2000er Jahre gehalten sind, verleiht ihnen dieser Umstand einen authentischen Charme.

Auch das Design der verschiedenen mechanischen Gegner und Charaktere ist selbst nach so vielen Jahren ein echter Hingucker. Jedoch wirkt die Umgebung auf Dauer sehr karg und steril, wird nach einiger Zeit auch ein wenig eintönig. Zwar wechseln die Kampfschauplätze von verschneiten Bergen, über felsige Marslandschaften hin zu technischen Gebäudekomplexen, allerdings sind diese in sich sehr monoton und bieten wenig Abwechslung.

Reichlich Action, wenig Überblick

Neben seiner Narrative legt das Spiel einen starken Fokus auf rasante Action. Genau genommen beschränkt sich Zone of the Enders: 2nd Runner Mars auf genau diese beiden Elemente: Wir kämpfen uns durch linear strukturierte Level von einem Gefecht in das nächste und bekommen in Zwischensequenzen und Dialogen parallel die Story serviert. Langeweile kommt in den 5-6 Stunden Spielzeit allerdings nicht auf.

Bei den Auseinandersetzungen mit Gegnern müssen wir alle Funktionen anwenden, die uns das Spiel zur Verfügung stellt. Per Tastendruck können wir dashen, um gegnerischen Attacken zu entgehen oder uns unseren Widersachern zu nähern. Während wir sie aus der Distanz mit Lasern beschießen, haben wir die Möglichkeit, in den Nahkampf überzugehen, sobald sie sich in unserer Reichweite befinden. Zudem können wir sie greifen und als Schlagwaffe oder Wurfgeschoss verwenden. Gleiches gilt für Objekte unserer Umgebung: Bestimmte Bauteile, wie Platten oder Rohre, können wir aufnehmen und zu unserem Vorteil nutzen.

Mit einer aufgeladenen Lasersalve visieren wir unzählige Feinde oder gegnerische Projektile gleichzeitig an und holen diese aus der Luft. Dabei müssen wir stets in Bewegung bleiben, um nicht selbst zum Ziel zu werden. Zur Verteidigung blocken wir Attacken und Laser mit einem Energieschild und dem richtigen Timing ab. Besiegte Gegner hinterlassen Erfahrung. Steigen wir einen Level auf, erhöhen sich unsere Statuswerte.

Außerdem stehen uns sogenannte Subwaffen zur Verfügung, zwischen denen wir dynamisch wechseln. Mit dem Geyser zum Beispiel erschaffen wir Minen, die Gegner bei Kontakt unbeweglich machen. Mit dem Gauntlet werfen wir unsere Feinde zurück. Kollidieren sie dabei mit Hindernissen in der Umgebung, erleiden sie beachtlichen Schaden. Mit dem Comet feuern wir zielsuchende Energiekugeln ab, die die gegnerische Verteidigung durchbrechen. Oder mit der Phalanx eröffnen wir ein Sperrfeuer in breitem Winkel. Unser Waffenarsenal erweitert sich stetig im Verlauf des Spiels. Mit dem Steuerkreuz wählen wir zwischen den unterschiedlichen Subwaffen aus. Das wird jedoch sehr umständlich, sobald unser Repertoire einen gewissen Umfang erreicht.

Insbesondere die Bossfights verlangen von uns, all diese Mechaniken zu unserem Vorteil zu nutzen. Diese sind fordernd, lassen sich mit etwas Geschick aber meistern. Wer bei herausfordernden Duellen schnell frustriert ist, den können wir allerdings beruhigen: Das Spiel verfügt über vier verschiedene Schwierigkeitsgrade, von sehr leicht bis schwer. Insgesamt bieten die Bossgegner viel Abwechslung und erfordern unterschiedliche Herangehensweisen. Mal müssen wir sie zu uns locken und in letzter Sekunde ausweichen, damit sie mit der Umgebung kollidieren, mal kämpfen wir in völliger Dunkelheit und lassen uns von der hilfsbereiten künstlichen Intelligenz A.D.A. in Richtung des Gegners navigieren, um in Reichweite zu kommen.

Die Steuerung ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Dem Anvisieren von Gegnern fehlt die nötige Präzision und auch das Auf- und Absteigen in der Luft funktioniert nicht unbedingt intuitiv. Auch die Kamera reagiert nicht immer souverän. Gerade in geschlossenen Räumen werden Kämpfe schnell unübersichtlich. Neben der klassischen Voreinstellung steht uns die Profisteuerung als zweite Option zur Verfügung, die für geübte Spieler gedacht ist. Selbst die Tasten belegen, können wir allerdings nicht.

Eine wesentliche Neuerung besteht in dem Support für Virtual Reality. Zone of the Enders: 2nd Runner Mars kann in PlayStation VR gespielt werden. Statt in Third-Person erleben wir das Spiel in der First-Person-Perspektive aus dem Cockpit.

Haben wir das kurze Abenteuer durchgespielt, stehen uns weitere Missionen zur Verfügung. Darin müssen wir beispielsweise innerhalb eines festgelegten Zeitlimits möglichst viele Feinde niederstrecken. Auch den Endbossen können wir erneut gegenübertreten. Das entschädigt zumindest ein wenig für die kurze Spielzeit.

Soundtrack: Episch und elektronisch

Der Soundtrack von Zone of the Enders: 2nd Runner Mars kann sich wirklich hören lassen und passt hervorragend in das dystopisch-futuristische Szenario: Sphärische Synths vermischen sich mit technoiden Beats und treffen auf orchestrale Klänge.

Auch das Sounddesign wurde aus dem 15 Jahre alten Original weitgehend übernommen. Verglichen mit modernen Produktionen fehlt hier allerdings ein wenig der Bass. Außerdem ist der Ton insgesamt ein wenig leise geraten. Das fällt vor allem dann auf, wenn man mit Kopfhörern spielt. Neu ist allerdings, das nun auch Surround-Systeme unterstützt werden.

Eine weitere Neuerung ist, dass die künstliche Intelligenz A.D.A., die uns im Verlauf des Spiels immer wieder Anweisungen gibt, durch den integrierten Lautsprecher des DualShock-Controllers mit uns kommuniziert. Das trägt zumindest ein wenig zur Immersion bei.

Fazit: Ein Klassiker mit Altlasten

Zone of the Enders: 2nd Runner Mars ist kein Meisterwerk. Bereits das Original wurde für seine kurze Spielzeit kritisiert. Kamera und Steuerung sind nach heutigen Standards ein wenig unpräzise und altbacken. Und auch Story und Charaktere verfügen nicht über besonders viel Tiefe.

Allerdings müssen wir sagen: Wir hatten mit dem Spiel eine Menge Spaß. Hat man sich erst einmal eingespielt, fällt es einem zunehmend leicht, über die Schwächen hinwegzusehen. Die Kämpfe sind rasant und kurzweilig, die visuelle Ästhetik des Spiels bezaubert uns auch nach 15 Jahren noch und Musik und Atmosphäre erzeugen eine Sog, der uns durchgehend bei der Stange hält und gelegentlich sogar eine waschechte Gänsehaut verpasst.

Wer ein Herz für futuristische Actionspiele und Anime hat, könnte hierbei eine echte Perle entdecken, die über die Jahre beinahe in Vergessenheit geraten wäre.

ZONE OF THE ENDERS: THE 2ndRUNNER – M∀RS Testbericht

ZONE OF THE ENDERS: THE 2ndRUNNER – M∀RS

  • Release: 06.09.2018
  • Genre: Mech Action Game
  • Entwickler: Konami
  • Publisher: Konami

Gutes

bezauberndes Artdesign
liebevoll animierte Zwischensequenzen
dichte Atmosphäre
spaßige Kämpfe

Schlechtes

kurze Spielzeit
unpräzise Steuerung und Kamera
wenig Abwechslung

7.8 / 10 Gut

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