Zero Escape – Virtue’s Last Reward Review

Getestet von | 27.03.2013 um 16:19 Uhr

Dass der Titel 999: 9 Hours, 9 Persons, 9 Doors hierzulande nur wenigen etwas sagt, ist äußert schade, hat aber auch seine Gründe. Als Nintendo DS-Nischenprodukt konnte sich das Spiel nicht den Ruhm abholen, den es eigentlich verdient. Noch dazu reichte es nicht für ein Deutschland Release, sodass nur Hardcore-Virtual-Novelle Fans in den Genuß kamen. Beim Nachfolger sieht die Welt zum Glück ganz anders aus. Entwickler Chunsoft bringt den zweiten Teil der Zero Escape-Reihe ebenfalls auf die Playstation Vita, auf der Virtue’s Last Reward im leider mauen Spielelineup als ein wahres Highlight heraussticht. Was das Spiel so besonders macht und was euch erwartet, verraten wir in unserem Test.

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Ich möchte ein Spiel mit dir spielen

Ein spärlich beleuchteter Raum. Der Schädel brummt, was ist passiert? Eingesperrt, keine Chance zu entkommen? Wer ist das geheimnisvolle Mädchen, das sich in der Zelle ebenfalls unfreiwillig breit gemacht hat? Was dem Protagonisten Sigma gleich zu Beginn von Virtue’s Last Reward durch den Kopf schießen muss, spiegelt nicht einmal ansatzweise wieder, wie aussichtslos die Lage für den Entführten wirklich ist. Es handelt sich nämlich nicht einfach um eine Entführung, die beispielsweise auf Erpressung abzielt. Nein, der Verbrecher, der nicht nur Sigma, sondern auch acht weitere Personen in eine riesige unheimliche Anlage verfrachtet hat, wird von schier aberwitzigen Motiven geleitet. Erst einmal aus dem Raum befreit, der die Geschichte um Sigma einleitet, zeigt sich das grauenvolle Katz und Maus Spiel, das der Irre für die Insassen bereit hält. In Form eines gruseligen Hasens – Japano-Kitsch lässt grüssen – präsentiert der Entführer „Zero“ einen abscheulichen Wettlauf um Leben und Tod. Das „Nonary Game“, so grauenvoll es auch ist, ist simpel erklärt. Alle Teilnehmer tragen eine Uhr mit einem Ziffernblatt, das zu Beginn eine 3 formt. Wer es schafft, eine 9 auf das Display zu zaubern, kann ungeschoren davon kommen und flüchten – und gleichzeitig alle Kontrahenten, die eine niedrigere Zahl haben, dem Tod überlassen. Nicht genug, dass sich die einzige Fluchtmöglichkeit nur einmal öffnen lässt: Auch wer die Uhr „0“ schlagen lässt, wird mit einem tödlichen Gift zur Strecke gebracht. Den Verlauf des Nonary Spiels haben die Teilnehmer dabei selbst in der Hand. Dazu veranstaltet Zero das „Ambidex Game“, das die einzige Überlebensmöglichkeit darstellt. Die Insassen werden getrennt übereinander ausgefragt. Die alles entscheidende Frage: Könnt ihr eurem Gegenüber vertrauen?

Wer verdient sich mein Vertrauen?

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Die Abstimmung über „Vertrauen“ und „Hintergehen“ ist Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Entscheiden sich die beiden Kontrahenten für die selbe Option im guten Willen, also beide für Vertrauen, werden den Beteiligten 2 Punkte gutgeschrieben. Haben sich beide Parteien für das Hintergehen entschieden, verändert sich nichts am Punktekonto. Wirklich interessant wird es, wenn sich die Abstimmungen unterscheiden. Nutzt man die Gutgläubigkeit seines Gegenübers aus und hintergeht ihn, während dieser euch vertraut, wird die hintergangene Partei mit 2 Punkten Abzug geschädigt. Der Hintergeher hingegen kann sich an 3 Punkten Gewinn „erfreuen“. Egal wie die Wahl lautet, jede Abstimmung hat immense Konsequenzen auf den Storyverlauf. Die Vertrauensfrage des Ambidex Minispiels stellt nicht nur das Herzstück der kranken Machenschaften des Zero dar, sondern kristallisiert sich auch schnell als das wertvollste Element in Virtue’s Last Reward heraus. Sich vor der Abstimmung mit der entsprechenden Person beraten, auf das gegenseitige Vertrauen und die wertvollen 2 Punkte schwören, nur um dann anschließend in allerletzter Sekunde, mit sich selbst ringend, auf den Hintergehen-Knopf zu drücken… Das geht nicht spurlos an uns vorbei. Ebenso groß wie die Empörung über sich selbst nach solch einer Entscheidung ist auch der Wut, den man verspürt, wenn der zuvor geglaubte Verbündete das Vertrauen des Spielers ausnutzt. Der Reiz ist groß und wirft den Spieler in ein toll inszeniertes Dilemma. Der Gedanke an die 3 Punkte näher zum Ziel bringt zweifelhafte Entscheidungen mit sich, die eine spannende Erfahrung ausmachen. Nur zweimal den anderen hintergehen, schon sind die 9 Punkte erreicht. Diese Überlegung wird sich in jedem Teilnehmer früher oder später breit machen. Das psychologische Spiel mit dem Vertrauen der Charakter ist das Highlight des Titels. Doch auch die Story macht ordentlich etwas her. Was sich zwischen den verschiedenen Figuren aufbaut und entwickelt, ist logische Konsequenz des Umgangs miteinander. Die acht anderen Charaktere sind sehr differenziert gestaltet, sodass jedes Klischee, vom Rüpel bis hin zur vollbusigen Tussi, zur Geltung kommt. Die Charaktere sind zwar etwas überzogen dargestellt und können beispielsweise einem Persona 4 nicht das Wasser reichen, wenn es um die Tiefenentfaltung der Figuren geht. Doch da das Nonary Game vorsieht, dass die Charaktere in immer wieder verschiedenen Dreiergruppierungen unterwegs sind, werden viele interessante Hintergrundinformationen ersichtlich. An diesem Punkt vollen wir erwähnen, dass in einigen Dialogen auf den Vorgänger 999 angespielt wird, doch gespielt haben muss man den Titel nicht, um der Story folgen zu können. So mysteriös die Ausgangslage auch ist, es kommt noch dicker. Wir wollen nicht zu viel verraten, doch Krimiliebhaber werden voll auf ihre Kosten kommen und die etlichen Wendungen sehr lange Zeit im Gedächtnis behalten.

5_VLR

Gutes

+ fantastische, umfangreiche Story mit 24 Enden und überraschenden Wendungen
+ motivierendes Flow-System
+ Vertrauensfrage sorgt für Gewissensbisse und Emotionen
+ Rätsel sind angenehm knackig

Schlechtes

- lediglich englischer Text
- etwas zäher Einstieg...
- ... der die Charaktere noch recht überzogen präsentiert

9.0 Must Have

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