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White Knight Chronicles 2 – Review

Artikel von | 25.06.2011 um 00:00 Uhr

Wer einen Hang zu japanischen Rollenspielen hegt, seine Playstation 3 für viele Woche möglichst nur mit einer Reihe füttern möchte und zudem White Knight Chronicles aus der berühmten Entwicklerschmiede Level 5 bislang verpasst hat, sollte genau jetzt weiterlesen und spätestens nach dem Fazit die Bestellung losschicken: White Knight Chronicles 2 ist da und hat sogar seinen Vorgänger in aufpoliertem Gewand mitgebracht.

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The White Knight²

White Knight Chronicles 2 beginnt ziemlich verwirrend für Nichtkenner der jungen Serie. Doch anstatt den Leser an dieser Stelle mit den Geschehnissen des ersten Teils zu konfrontieren, die in einem relativ offenem – fast schon unbefriedigendem – Ende mündeten geht es fast nahtlos weiter im Abenteuer. „Fast nahtlos“ dahingehend, dass sich der Spieler anfangs in der gut verhüllten Haut des Leibwächters Scardign, der gemeinsam mit Lady Miu vor feindlichen Truppen flieht, die ihre Stadt erobern und aus irgendeinem Grund großes Interesse an der sanften Schönheit finden, ihres Zeichens Enkelin des mächtigen Erzherzogs. Als alles verloren scheint, kommt der bekannte White-Knight-Chronicles-Trupp ins Spiel. Natürlich dreht sich auch hier wieder alles um den nunmehr sehr erfahrenen Leonard mit seinen Freunden, unterwegs auf dem Flugschiff Shahgna. Schnell stellt sich heraus, dass Hauptfeind Grazel weiterhin die Weltherrschaft als ersten Punkt auf die Tagesordnung gesetzt hat und nunmehr kurz davor steht, den fünften Ritter zu aktivieren. Während des gut und gerne 40-stündigen Streifzuges durch fantasievoll gestaltete Landschaften und Orte – die man größtenteils schon aus dem Vorgänger kennt – trifft der Spieler auf viele interessante Charaktere der unterschiedlichsten Kulturen. Schade nur, dass auch in dieser Fortsetzung die eigens erstellte Spielfigur wieder zum nichts sagenden Statisten degradiert wird.

Konsequente Fortsetzung und Recycling

Was sich schon bei der Story gezeigt hat wird noch weitaus deutlicher in der Spielmechanik: Ohne Kenntnisse des Vorgängers wird sich für die meisten Spieler der Anreiz des Weiterspielens schnell verflüchtigen. Da genügt es auch bei weitem nicht während der happigen Zwangsinstallations-Zeit im Handbuch zu blättern oder auf ein eventuell vorhandenes Tutorial zu hoffen. Das gibt es nämlich nicht in White Knight Chronicles 2. Es führt also absolut kein Weg daran vorbei den ersten Teil zu spielen beziehungsweise bereits gespielt zu haben. Auf der anderen Seite gilt dadurch natürlich auch, dass eben jene Vorkenner sich vom ersten Schritt an sofort heimisch fühlen werden, denn White Knight Chronicles 2 ist in jeder Hinsicht eine konsequente Fortsetzung mit viel Recycling geworden, inklusive einem ganzen Haufen unerledigter Haupt- und Nebenaufgaben. Glücklicherweise steht für die großen Areale auch eine Kartenfunktion parat. Interessant dabei dürfte für Fans die Möglichkeit des Datentransfers vom Vorgänger sowie des PSP-Ablegers White Knight Chronicles: Origins sein, auch wenn alle Werte auf Stufe 35 zurückgesetzt werden. Alternativ ist eine komplette Neuerschaffung des Spielcharakters möglich, der dann folgerichtig ebenfalls mit Erfahrungsstufe 35 beginnt und obendrein noch 200 Fertigkeitspunkte frei verteilen kann. Aussehen sowie Fertigkeitenverteilung lassen auf den ersten Blick kaum Wünsche offen: Für Einhänder, Zweihänder, verschiedene Magie-Arten, Speere, Äxte, Stäbe sowie Pfeil- und Bogen wollen die Punkte sinnvoll verteilt werden. Als Maximalstufe können Charaktere übrigens Level 80 erreichen. Insgesamt gibt es nun deutlich mehr Fertigkeiten zum Verteilen, jedoch hat sich gleichzeitig an der Anzahl von Slots nichts geändert, was die Auswahl schwieriger macht.

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Rundenbasierte Echtzeit

Während das Kampfsystem jetzt auch dynamischer abläuft, gestaltet sich das Umschalten zwischen den Aktionsslots noch immer zu zeitaufwendig und umständlich um wirklich die Kombos effektiv abzufeiern, die man sich für den Kampf vorgenommen hat. Dieses Manko lässt sich aber durch geschicktes Timing ein wenig beheben. Insgesamt wirkt das Kampfsystem weitaus durchdachter, da nun auch die jeweilige Position der Figuren Auswirkungen auf möglichen Schaden hat. Scharmützel selbst laufen in einer Art rundenbasierter Echtzeit ab, d.h. der Spieler steht mit seiner Charaktergruppe den Widersachern in Echtzeit gegenüber, die Angriffe sind aber erst verfügbar und effektiv nutzbar, sobald der Aktionskreis gefüllt ist. Immer den Blick auf die Anzeigen für Lebensenergie (TP) sowie Magiepunkte (MP) gerichtet, sind oft Aktionspunkte das wohlschmeckende Salz in der Suppe. Sind davon genügend vorhanden, steht die Verwandlung in den White Knight – also den weißen Ritter – bevor, der natürlich alles besser kann und einer Schlacht die entscheidende Wendung geben kann.

Online-Funktionen: GeoNet und Georama

Herzstück des Titels dürften die Online-Funktionen sein. Per Geonet verwandelt sich White Knight Chronicles 2 nämlich zum waschechten Online-Rollenspiel mit Chat-Möglichkeiten (Idealerweise mit unterstützter USB-Tastatur), Sprach-Chat per Headset und Messegeboards – immer und jederzeit während des Abenteuers aufrufbar. Das weitaus interessantere Element stellt jedoch Georama dar: Die eigens errichtete Heimatstadt als Startpunkt für Online-Quests hegen und pflegen um sodann mit anderen Online-Spielern gemeinsam in den Kampf zu ziehen. Dieser kooperative Mehrspielermodus ist vollkommen kostenlos spielbar und macht das Abenteuer mit echten Wegbegleitern um einiges spaßiger.

Technisch traditionell japanisch

Technisch zeigt sich White Knight Chronicles 2 etwas schöner als der damalige Vorgänger, der ebenfalls etwas verschönert wurde – trotzdem kann man grafisch nicht gerade von einem Überflieger sprechen. Dafür zeigen sich viel zu viele Mängel: Unsichtbare Barrieren en masse, vereinzelte Ruckeleinlagen, überwiegend blasse Texturen und Charakterköpfe, durchschnittliche Mimiken und Gestiken, Popups, usw.. Das Grafikgerüst hat definitiv schon bessere Tage gesehen, denkt man erste Präsentationen aus dem Jahr 2006 zurück. Zumindest können die Entwickler viele der genannten Schwächen kaschieren und eine für Japan-Fans gelungene Atmosphäre schaffen, wenn man denn auf knallige Farben und Kulleraugen abfährt. Auch beim Sound bekommen wir Durchschnittskost vorgesetzt, obligatorisch bei solchen Spielen ist ja seit jeher die fehlende deutsche Sprachausgabe, trotz guter Leistung der englischen Synchronisationsarbeiten und deutschen Untertiteln. Musikuntermalung sowie Effekte runden den überaus japanischen Eindruck weiter ab.

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Das Fazit

Mit der konsequenten Fortsetzung der Saga inklusive Recycling des ersten Teils um den Weißen Ritter schafft es Level 5 zwar nicht ganz an Glanzleistungen wie Dark Cloud oder Roque Galaxy anzuknüpfen. Lässt man sich allerdings darauf ein und kommt mit dem einen oder anderen Makel zuviel klar, öffnet sich für PS3-Spieler eine durchaus interessante Welt voller fernöstlicher Abenteuer für eine durchaus akzeptable Spielzeit.

White Knight Chronicles 2 Testbericht

White Knight Chronicles 2

  • Release: 10.06.2011
  • Genre: Rollenspiel
  • Entwickler: Level 5
  • Publisher: Sony

Gutes

viele Aufgaben
toller Städtebau
verbessertes Kampfsystem
guter Online-Modus
unterstützt Headset und Tastatur
Teil 1 enthalten

Schlechtes

altbackene Technik
recycelt viel vom Vorgänger
langweiliger Spielcharakter
keine deutsche Sprachausgabe

7.5 / 10 Gut

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