Venetica – Review

Getestet von | 19.12.2010 um 00:00 Uhr

Seit über einen Jahr ist das Rollenspiel Venetica des deutschen Entwicklerstudios Deck13 Interactive bereits für die Xbox 360 und den PC erhältlich. Nun dürfen sich auch Sony-Jünger endlich auf dem Weg in ein Venedig voller Intrigen und Verschwörungen machen. Ob eine Reise in diese Welt lohnenswert ist, erfahrt ihr in unserem Review!

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Die Mission beginnt

Angesiedelt ist das Spiel in einer Mixwelt aus Realität und Fantasie. Der Spieler übernimmt die Rolle der jungen Scarlett, die zu Beginn des Spiels erfährt, dass sie die Tochter des Todes sei und eine Katastrophe verhindern müsse. Der Nachfolger des Todes – in der Welt von Venetica wird dieser Posten regelmäßig neu vergeben – entpuppt sich nämlich als ein Nekromant, der unsterblich geworden ist und nichts als Unheil stiften will. Scarlett wird höchstpersönlich von ihrem Vater auserwählt, um nach Venedig zu reisen und den Qualen ein Ende zu setzen. Die Ermordung ihres Geliebten nach dem Überfall ihres Heimatdorfes und die damit verbundenen Rachegefühle bestärken die Hauptcharakterin des Weiteren nur, dem Befehl des Todes nachzukommen und sich auf den Weg in die Lagunenstadt zu machen.
Das Spiel kommt sowohl spielerisch als auch geschichtlich eher spät in Fahrt. Wie für Rollenspiele dieser Art teilweise üblich, sind die ersten Spielstunden mehr wie eine Art Einführung anzusehen. Wer sich davon allerdings nicht abschrecken lässt, bekommt im Laufe der Spielzeit ein gut erzähltes Videospiel spendiert, welches bis zum Schluss eine interessante und fassettenreiche Hintergrundgeschichte zu bieten hat.
Während seines Abenteuers im Italien des 16. Jahrhunderts kann der Spieler die Handlung und das Spielgeschehen durch verschiedene Dialogfetzen aktiv beeinflussen. Der Rahmen ist dabei zwar stets vorgegeben, ob ihr allerdings als „Weltenverbesserer“ oder doch lieber als Racheengel durch die Gassen Venedigs ziehen wollt, bleibt euch überlassen. Von diesen Entscheidungen abhängig sind beispielsaweise die Vielzahl an Nebenquests, die ihr in der Lagunenstadt abschließen könnt. Nichts desto trotz sind diese zum Teil viel zu monoton und eintönig gestaltet geworden. Auch die Spielwelt könnte dem ein oder anderen verwöhnten Rollenspieler zu klein erscheinen. Das alles ist im Endeffekt aber meckern auf hohem Niveau – in Punkto Umfang kann Venetica vollends überzeugen.

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Auf sie mit Gebrüll!

Leider nicht allzu überzeugend ist das Kernstück eines jeden RPGs: Das Kampfsystem. Von Anfang sind die Kämpfe wenig abwechslungsreich und die Moves der jungen Scarlett keinesfalls revolutionär. Im Grunde besteht ein Kampf lediglich aus dem bloßen Geschmetter auf die Aktionstaste, gelegentlich kann dieses dann noch mit einem Block oder einem Ausweichmanöver kombiniert werden. Viel Übung benötigt man für das Töten der Feinde allerdings nicht. Einzig und allein Kämpfe gegen größere Horden von Gegnern können problematisch sein und auch nicht selten zum vorzeitigen Tod führen. Dies liegt aber viel mehr daran, dass es so gut wie gar nicht möglich ist, im Eifer des Gefechts gezielt Gegner anzuvisieren und zu eliminieren. Die zum Teil grottige Kameraführung in solch Situationen tut dabei den Rest. Zu mindestens die grundlegend interessanten Bossgefechte bilden hierbei aber die Ausnahme. Hinter diesen Kämpfen steckt eine gewisse taktische Finesse – jeder Boss hat verschiedene Formen und Stufen und muss dabei mit einer bestimmten Taktik vernichtet werden.
Typisch für ein jedes Rollenspiel ist natürlich auch die Charakterentwicklung. In Venetica besteht die Möglichkeit, eigenständig die Schwerpunkte dieser Entwicklung festzulegen. Nach Erhalt von Fertigkeitspunkten, welche ihr durch Levelaufstiege erhaltet, darf der Spieler in dem enthaltenen Fertigkeitsbaum voranschreiten. Wollt ihr euch mehr auf die Magie konzentrieren, so wählt ihr diesen Pfad. Seid ihr mehr der beinharte Schwertkämpfer, so verbessert ihr eure Waffenfertigkeiten. Allzu üppig fällt dieser Baum zwar nicht aus, für ein wenig Individualität kann er aber auf jeden Fall sorgen.

Ab ins Jenseits!

Auch wenn das Waffenrepertoire nicht wirklich gigantisch ist, so sticht besonders eine Waffe hervor, die dem Spiel einen eigenen Touch gibt. Die Rede ist von der Mondklinge, die es euch ermöglicht, sämtliche Dämonen zu vernichten, die völlig immun gegen eure Schwerter und Speere sind. Auch ein interessantes – wenn nicht sogar das interessanteste – Spielelement ist die Reise in die Schattenwelt. Nach eurem Tod wird es euch nämlich erlaubt, in dieser Parallelwelt weiterzuleben. Auch könnt ihr euch richtig positionieren, um nach Rückkehr in die „Menschenwelt“ einen gewissen Kampfvorteil zu haben. Allzu einfach wird es euch natürlich nicht gemacht: Um in diese Welt zu gelangen, benötigt ihr Schattenenergie, die man nur erhält, wenn mit der Mondklinge gekämpft wird. Später wird es Scarlett dann auch ermöglicht, abseits vom „Fast-Game Over“ Ausflüge in das Jenseits zu unternehmen. Nützlich ist dies beispielsweise um Gegner zu täuschen oder aber auch um geheime Portale zu entdecken. Zu 100 Prozent wird dieses Potenzial aber nicht genutzt. Im Endeffekt hat man viel zu wenig Freiheit, um das Schattenreich auf eigene Faust zu erkunden. Man wird zu einem gewissen Grade immer an der Hand genommen, immer wird einem gesagt, wann man zu verreisen hat.

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Venedig in seiner ganzen Pracht

Auf Xbox und dem PC hat Venetica mittlerweile schon mehr als ein Jahr auf dem Buckel. Umso verständlicher ist es, dass wir in Punkto Technik einen genaueren Blick auf das Spiel werfen. Haben die Jungs von Deck13 Interactive es geschafft, das Spiel technisch, und vor allem grafisch zu verbessern? Oder stagniert es immer noch auf dem Niveau, auf dem sich zum ersten Release letzten Jahres befand? Kurz und knapp: Ja, tut es. Venetica hat immer noch mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Alles in allem wird einem ein solides Endprodukt geboten. Dass Fehler ausgemerzt werden und ein Spiel bei späterem Release zeitlich angepasst wird, sollte aber eigentlich selbstverständlich sein. Trotzdem sei gesagt, dass Venetica besonders atmosphärisch überzeugt. Die Texturen sind vergleichsweise detailarm und zum Teil auch arg verwaschen, aber besonders in der Lagunenstadt selber überkommt einen ein wohles Gefühl. Die Häuser und die Umgebung sind liebevoll gestaltet und der dynamische Tageszyklus zeigt, inwiefern sich das Entwicklerteam durchweg Mühe gegeben hat. Und auch die Figurengestaltung ist mehr als gelungen. Die bewusst überspitzt gestalteten Charaktere wirken einfach nur liebevoll und sympathisch. Mehr als ärgerlich sind hingegen die angesprochenen Bugs. Die PS3-Version des Spiels hat im Grunde mit denselben Problemen zu kämpfen wie seine Pendants auf Xbox und PC. Neben „harmloseren“ Geschichten wie eine über den Boden schwebende Scarlett, passiert es aber auch oftmals, dass ganze Objekte oder Feine urplötzlich verschwinden oder Interaktionen wie beispielsweise mit Leitern verhindert werden. An der Tagesordnung sind solche Bugs natürlich nicht, den Spielfluss stören sie allerdings trotzdem immens.
Und während die Synchronisierung das Niveau des einen oder anderen Spiels vollkommen nach unten zieht, dürfen sich Rollenspieler in Venetica auf eine wahre Meisterleistung gefasst machen. Nicht nur, dass namhafte Synchronsprecher wie die von Johnny Depp oder Angelina Jolie gewonnen werden konnten. Nein, sie machen ihre Arbeit auch gewohnt hochwertig, sodass es ein wahrer Genuss ist, ihren Stimmen zu lauschen. Der restliche Sound befindet sich auf einem soliden, annehmbaren Niveau, der auf lange Zeit auch nicht langweilt.

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Gelungene Rollenspielkost aus Deutschland?

Venetica vertritt Deutschland als Videospielnation mehr oder weniger gut. Auf der einen Seite überzeugt die interessante Storyline, die bis zum Schluss fesseln kann. Auf der anderen Seite wird einem ein eher mäßiges Kampfsystem geboten, welches eher schnell langweilt als langfristig zu überzeugen. Lediglich die erfrischende Einbindung der Mondklinge und der Schattenwelt, sowie die motivierenden Bosskämpfe sorgen für ein wenig frischen Wind. Technisch wurde das RPG im Vergleich zur Xbox-Version nur geringfügig verbessert. Zum einen werden selbstverständlich immer noch schöne Kulissen, lustige Charaktere und eine für Videospiele fast bahnbrechende Synchronisation geboten. Zum anderen hat Venetica aber immer noch mit vielen Bugs und Grafikfehlern zu kämpfen, die den Spielspaß um einiges schmälern können.
Alles in allem kann man den ersten Ausflug des Entwicklerstudios in die Rollenspiel-Welt als gelungen einstufen. Wer sich an den technischen Problemen und den wenig fordernden Kampfsystem nicht stören lässt, bekommt einige spaßige Spielstunden serviert.

Gutes

- interessante und fesselnde Story
- genügend Umfang
- schöne Kulissen
- abwechslungsreiche Endgegner
- sehr gute Synchronisation
- gute Einbindung der Schattenwelt

Schlechtes

- zu viele Bugs und Grafikfehler
- hinkt technisch hinterher
- zu simples Kampfsystem
- vergleichsweise kleine Spielwelt

7.5 Gut

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