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Vandal Hearts: Flames of Judgement – Review

Artikel von | 26.03.2010 um 00:00 Uhr

Vor ziemlich genau 14 Jahren waren es Konami, die mit Vandal Hearts für die Playstation 1 die Welle der Taktik-Rollenspiele in den Westen brachten. Schnell folgten weitere Spiele dieser Art, egal ob Square, Sega oder Koei – alle großen Publisher folgten dem Trend und veröffentlichten ihre Spiele. 3 Jahre später war dann wieder Konami am Zuge: Mit Vandal Hearts 2 wollten sie den Taktik-RPG-Thron zurückerobern und begeisterten mit neuer Story und spielerischen Verbesserungen gegenüber dem Erstling.
Nun, rund 10 Jahre später, nachdem die einst bekannte Serie in Vergessenheit geraten ist, versucht Konami erneut, die Spielerschaft zu begeistern und veröffentlicht über digitalem Wege das Prequel Vandal Hearts: Flames of Judgement. Ob der Nachfolger, der die Vorgeschichte der Serie erzählt, an den Erfolg und der Qualität der Vorgänger anschließen kann, oder ob man es getrost in’s Feuer werfen kann, erfahrt ihr unserem Review.

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Flammen der (Un-)Gerechtigkeit

Angesiedelt ist „Flames of Judgement“ vor dem Original für die Playstation 1. Die Staaten Urdu und Balastrade geben sich einen erbitterten Kampf, tausende von Soldaten sterben. Dann beendet ein überraschendes ‚Himmelsfeuer’ der Götter diesen Krieg. Die gesamte Gesellschaft ist am Ende, Menschen leiden unter Hungersnöten und sterben. Viele Kinder verlieren ihre Eltern und werden zu Waisen.
Das eigentliche Spiel beginnt 16 Jahre nach diesen schrecklichen Kriegs-Ereignissen. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Tobias, der zu jener Zeit seine Eltern verloren hat und ab dato im Kirchenheim des Dorfes leben musste. Eines Tages wird dieses Dorf von einer Bande Banditen überfallen. Tobias und sein Brillentragender Freund Calvin sollen für Hilfe sorgen. Kurz darauf überschlagen sich allerdings die Ereignisse, die beiden Kinder gelangen in ein auswegsloses Abenteuer und es scheint, als würde der vor Jahren beendete Krieg erneut ausbrechen.

Die Geschichte ist in drei Akte unterteilt und wird zwischen den Spielszenen in einer bilderbuchartigen Weise erzählt. Die Bilder allerdings sind nicht starr, sondern zeigen leichte Animationen und sind vertont. Diese Art von Präsentation wirkt nicht nur ungewohnt, sondern ist auch hauptsächlich schlecht umgesetzt und wirkt einfach nur aufgesetzt. Die Bilder selber zeigen zwar deutlich, in welche Richtung das Spiel geht und mit welcher Ernsthaftigkeit die Entwickler versuchen, das Setting rüberzubringen, die absichtliche Unproportionalität der Figuren beispielsweise zieht die gesamte Aufmachung allerdings komplett runter und passt in keiner Weise zur angesprochenen Thematik.
Auch die Geschichte im Großen und Ganzen ist sehr platt und mau erzählt. Die Grundidee – ein Krieg zweier Staaten, der nach jahrelangem Stillstand fortgeführt zu werden scheint – lässt schon nicht viel Potenzial, aber auch aus solch recht uninnovativen Einfällen konnten andere Entwickler schon viel hervorzaubern. Konami gelingt in diesem Fall nicht, das Gesamtpaket gelungen zu inszenieren. Sowohl in den Sequenzen, als auch in den Gesprächen während des eigentlichen Spiels schafft man es nicht, den ‚einfallslosen’ Grundgedanken weiter herauszuarbeiten und die Story durch spannende Dialoge voranzutreiben. Der Spieler versinkt keines Falls in die Spielwelt. Wissbegierige Abenteurer haben zwar die Möglichkeit, im Menü durch Tagebucheinträge verschiedenste Hintergrundinformation nachzulesen, aber auch das ist eher ein kleines Gimmick als eine richtige Möglichkeit, um der Geschichte näher zu kommen.

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Time to Fight

Das Herzstück eines jeden RPG, insbesondere wenn es eines der Unterkategorie „Taktik“ ist, ist aber natürlich das Kampfsystem. Mit den beiden Klassikern haben die Entwickler bereits bewiesen, dass sie durchaus in der Lage sind, das Prinzip des Taktik-RPG-Gameplays perfekt umzusetzen und durch gewisse Features perfekt auszubauen. Grundsätzlich sollten sie es also mit Hilfe des bereits stehenden Grundgerüstes nicht schwer haben, auch bei „Flames of Judgement“ dieses gut umzusetzen. Wer die alten Teile – beziehungsweise Taktik-RPG’s generell – gespielt hat, der wird sich auch hier direkt heimisch fühlen. Das Spielprinzip ist altbekannt: Auf einer in Quadrate eingeteilten Spielfläche müsst ihr mit euren Charakteren Geschick beweisen und die Gegner taktisch eliminieren. Das ganze läuft rundenbasiert ab und bietet euch jede Runde die Möglichkeit, verschiedene Aktionen durchzuführen. Auf der einen Seite dürft ihr euch jedes Mal eine bestimmte Anzahl von Quadraten bewegen. Des Weiteren könnt ihr angreifen – sowohl durch eine angelegte Waffe, als auch durch Magie – oder eure Mitglieder stärken, beziehungsweise die Gegner schwächen. Grundlegend klingt das alles nach einem typischen Rollenspiel, der taktische Aspekt kommt neben den richtigen Laufentscheidungen hauptsächlich bei vielen Kleinigkeiten zum Tragen. So müsst ihr einerseits natürlich darauf achten, dass eure Lebensenergie erhalten bleibt und ihr eure Mana zu den richtigen Zeitpunkten einsetzt, und andererseits auch darauf achtet, dass ihr beispielsweise am Ende einer Runde taktisch gut platziert steht und euer Ziel nicht aus den Augen verliert. Vor jeder Partie erhaltet ihr nämlich solch ein Spielziel. Die Anzahl der verschiedenen Arten ist zwar überschaubar, allerdings recht abwechslungsreich gestaltet. So müsst ihr das eine Mal einen bestimmten Gegner besiegen, ein anderes Mal einfach alle erscheinenden Wellen vernichten oder ein bestimmtes Ziel auf der Karte erreichen. Durch die immer wieder neu erscheinenden – und teilweise auch überraschenden – Gegnerwellen kommt selten Langeweile auf. Ein einzelnes Gefecht kann da schon eine längere Zeit andauern, kommt dabei allerdings nicht künstlich lang gezogen vor. Auch die Spielfelder selber weisen eine extreme Größe vor, sodass es zum ein oder anderen Zeitpunkt knifflig sein kann, sich eine geeignete Taktik zu überlegen und diese dann auch dementsprechend umzusetzen.
Wie bereits vorher erwähnt, spielt die Magie in „Vandal Hearts“ eine große Rolle. In den Geschäften der Städte gibt es verschiedenste Magiebücher zu kaufen, die euch bei Anlegen dabei helfen, die Magie zu erlernen und zu verbessern. Grob gesagt gibt es drei verschiedene Arten von Magie: Zum einen könnt ihr über Angriffsmagie verfügen, zum anderen ist es möglich, mit Magie die Gegner zu schwächen oder euch und eure Kumpanen zu stärken. Auch in diesem Punkt ist es natürlich wichtig, strategisch vorzugehen. Durch den begrenzten Vorrat an Manapunkten gilt es, diesen nicht zu den falschen Zeitpunkten zu verbrauchen. Die Spieler, die mit Magie nichts am Hut haben, können zu physischen Attacken zurückgreifen. Neben Magiebüchern könnt ihr in den Geschäften auch Waffen kaufen, sowohl Nahkampfwaffen, wie Schwerter und Äxte, als auch Fernkampfwaffen, wie beispielsweise Bögen. Während ihr mit den Nahkampfwaffen lediglich einen Gegner im direkten Umkreis verletzen könnt, hat der Bogen einen bestimmten Trefferradius. In „Flames of Judgement“ habt ihr, ähnlich wie bereits im letzten Teil der Serie, die Möglichkeit, zwei Waffen anzulegen. In diesem Zusammenhang spielt auch das Konterspiel eine wichtige Rolle. Werdet ihr von einem Gegner angegriffen, so reagiert euer Charakter automatisch und kontert. Werdet ihr allerdings im Nahkampf angegriffen, ist ein Konter mit einem angelegten Bogen nicht möglich. Rüstet ihr also eure Waffen falsch aus, kann dies fatale Folgen haben. Negativ anzumerken ist, dass Konterattacken keinen taktisch höheren Gewichtspunkt haben. Diese werden immer ausgeführt, unabhängig von Waffe oder Fähigkeiten der Figuren.
Das gesamte Spielfeld trägt allerdings auch zur Spieltiefe bei. Inhaltlich kann dieses überzeugen: Neben „versteckten“ Schatztruhen oder Waffeninventaren findet der Spieler auch Objekte, mit denen er interagieren kann um so sein Spielziel zu erreichen oder sich einen Vorteil zu verschaffen. Auch der Zugang zu versteckten Bonus-Karten lässt sich in einigen der insgesamt nur 12 Story-Bezogenen Spielfeldern finden.

Das Drumherum allerdings ist mehr enttäuschend. Zwischen den Kämpfen lauft ihr nicht, wie in Rollenspielen üblich, durch eine Spielwelt, sondern könnt nur auf einer Karte die verschiedenen Schauplätze anwählen. Dem Spiel selber tut das keinen Abbruch und bei Spielen dieser Art kennt man es auch nicht anders, aber auch hier enttäuschen die kleinen Details. In verschiedenen Städten kann der Spieler sich neu ausrüsten. Dieser Aspekt ist gut gelungen, die Menüs sind übersichtlich und gut gestaltet. Unverständlich sind aber die Kneipen, in denen fremde Persönlichkeiten zu Wort kommen und sich zur Geschichte äußern. Diese Monologe sind total deplatziert und sagen überhaupt nichts aus.

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Setzen, 6!

Der wohl größte Schwachpunkt des Spiels ist die technische Umsetzung. Das fängt bei der Grafik an und geht bei der Soundkulisse weiter.
Nichts in dem Spiel kann aus grafischer Sicht überzeugen. Die Umgebung ist detaillos und sehr grob gestaltet. Die Ideen der Gestaltung zeigen gute Ansätze, technisch hängt das Spiel aber Jahre zurück. Bei Strategie-Spielen scheint dieser Punkt unwichtig, aber die Konkurrenz hat bewiesen, dass sich gutes strategisches Gameplay und eine technisch saubere Leistung nicht ausschließen. Die Figurendesigns und Animationen sind weitestgehend auch unterirdisch. All diese Punkte sorgen oft für eine stärkere Atmosphäre, diese findet man bei „Vandal Hearts“ eigentlich gar nicht.
Auch tontechnisch weist das Spiel keine markanten Stärken auf. Die Soundkulisse selber, beispielsweise beim Auftreten von neuen Gegnerwellen, fällt komplett durch. Die Sounds klingen einfach nur aufgesetzt und fügen sich in keiner Weise in dass Spiel ein. Vertont wurden die Gespräche lediglich in den Bilderbuchszenen, dort bleibt diese Sprachausgabe aber solide. Die Stimmen passen gut zu den Bildeinblendungen. Eine komplette Sprachausgabe hätte das Spiel technisch aufgewertet, ist aber zweitrangig und trübt den Spaß in keinem Falle.

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Mit Freunden wäre es doch so viel schöner…

Viele Spiele heutzutage besitzen mittlerweile einen Mehrspielermodus, sowohl offline als auch online. Bei solch einem Strategie-RPG wäre ein Mehrspielermodus auch gut aufgehoben. Offline Co-Op wäre dabei genauso denkbar wie kompetitive Online-Gefechte. Warum der Entwickler auf dieses Feature verzichtet hat, ist unverständlich. Besonders diese Art von Zusatz lockt viele Käufer an und hält den Spielspaß auch für eine längere Zeit im oberen Bereich. So muss sich der Spieler mit ca. 13-15 Stunden Story zufrieden geben. Zwei verschiedene Enden bieten zwar einen etwas höheren Anreiz, das Spiel länger zu spielen, nach dem ersten Durchspielen kann es allerdings nicht mehr lange fesseln.

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Eine taktische Meisterleistung?

Als was kann man „Vandal Hearts: Flames of Judgement“ letztendlich bezeichnen? Ist es ein Spiel, welches sowohl alte Fans als auch neue Anhänger begeistern kann? Oder kann Konami nicht zu alter Qualität zurückkehren?
Alles in allem kann man sagen, dass es den Entwicklern gelungen ist, eine „taktische Meisterleistung“ zu erschaffen. Im Großen und Ganzen gesehen, scheint es so, als würden die Nachteile überwiegen. Die technische Umsetzung erinnert an die Steinzeit. Der Sound und auch die Grafik liegen auf unterstem Niveau – selbst für ein Store-Spiel. Auch die Geschichte, ein Aspekt, der für Rollenspiele grundsätzlich wichtig ist, kann über eine oberflächliche Erzählung nicht herauswachsen. Die Charaktere sind vollkommen charakterlos und Atmosphäre kommt überhaupt nicht auf.
Das Spiel könnte als komplettes Desaster enden, wenn da nicht der Kern des Spiels wäre: Das Kampfsystem. „Vandal Hearts“ überzeugt mit genialen strategischen Kämpfen und einer taktischen Tiefe, wie man sie selten sieht. Egal ob es die Kampflänge, die immer neu auftauchenden Gegner oder die verschiedenen Möglichkeiten zu agieren, sind, der Spieler fühlt sich während den Kämpfen immer dabei und selten unterfordert. Das, was den Machern bei der Geschichte nicht gelungen ist, passt bei den Kämpfen einfach perfekt zusammen.
„Vandal Hearts“ kann man empfehlen – wer weniger Wert auf Technik und mehr auf Spieltiefe legt, ist hier richtig aufgehoben. Das Preis-Leistungsverhältnis ist trotz der Kürze des Spiels gut und Taktik-Begeisterte RPG-Freunde haben einige Stunden ihren Spaß.

Vandal Hearts: Flames of Judgement Testbericht

Vandal Hearts: Flames of Judgement

  • Release: 04.03.2010
  • Genre: Rollenspiel, Taktik
  • Entwickler: Konami
  • Publisher: Konami

Gutes

Schlechtes

7.0 / 10 Gut

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