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Uncharted 3: Drake´s Deception – Review

Artikel von | 03.11.2011 um 00:00 Uhr

Die beste exklusive Action-Serie für Playstation 3 kehrt pünktlich zwei Jahre nach dem gigantischen Erfolg des ausgezeichneten zweiten Teils zurück. Zwar bietet Uncharted 3: Drake`s Deception summa summarum „nur“ ähnlich viel Bombast, schafft es aber tatsächlich in der Endabrechnung noch besser zu sein. Gratulation zum vielleicht Besten, was die dritte Sony-Konsole bislang abspielen durfte. Wir beleuchten die vier großen Argumente, warum sich jeder Videospieler dieses Meisterwerk nicht entgehen lassen sollte.

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Besser als Kino

Erstes Argument: Uncharted 3 bietet interaktive Blockbuster-Unterhaltung par excellence dank nahezu perfekter Regieführung inklusive hervorragender Darsteller und Dialoge in einer atemberaubenden Präsentation, die in ruhigen Momenten immer spannend bleibt um dann in den rasanten Szenen reihenweise Kinnladen noch tiefer runterklappen zu lassen. Dabei beginnt das Abenteuer im nächtlichen London. Nathan Drake und sein alter Weggefährte, Victor Sullivan, liebevoll auch „Sully“ genannt, sind auf dem Weg zu einem interessanten Tauschgeschäft. Den, von seinem berühmten Vorfahren Sir Francis Drake hinterlassenen Ring, den Drake für gewöhnlich um den Hals trägt, scheint das neue Objekt der Begierde zu sein. Insbesondere für den zwielichtigen Talbot, der mit Sully´s alter Freundin zusammenarbeitet und die aus irgendeinem Grund nicht mehr gut auf ihn zu sprechen ist. Die Antwort mag sich einige Jahre in der Vergangenheit finden, den wir auch völlig überraschend mit dem blutjungen Nate nachspielen können. Jedenfalls ist diese alte Schachtel mit der gewollt unsympathischen Ausstrahlung einer strengen Mathematik-Lehrerin auch im Besitz einer dazu passenden goldenen Scheibe. Beides zusammen soll den Weg zum sagenumwobenen Wüsten-Atlantis Iram aufzeigen. Nach der geplatzten Übergabe oder besser gesagt: Einige gepfefferte Faustkämpfen später findet der nunmehr vierköpfiger Heldentrupp um Spielfigur Nathan im Untergrund weitere Hinweise: Eine Karte, dessen Inhaber niemand Geringerer als Lawrence von Arabien war.

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Daraufhin trennen sich die Wege erst einmal nach Syrien und Frankreich, um schließlich zum furiosen Finale in der Wüste wieder zusammenzufinden. Ganz ohne Übernatürliches zum Ende hin kommt aber auch der dritte Teil der Serie nicht aus, aber das hat dem alten Indiana Jones schließlich auch noch nie geschadet. So entwickelt sich eine wendungsreiche Geschichte mit vielen Spielgrafik-Zwischensequenzen und gekonnten Tempowechseln über einen angenehmen Zeitrahmen von etwa zehn Stunden, je nach Schwierigkeitsgrad auch etwas mehr oder weniger. Während sich die Story von Uncharted 2: Among Thieves stellenweise schon mal durch die bloße Aneinanderreihung von Bombastszenen verlor, nimmt sich Uncharted 3: Drake´s Deception erfreulicherweise viel mehr Zeit für seine lieb gewonnenen Charaktere. Allen voran Nate und Sully, wobei auch deren gemeinsame Vergangenheit noch weit vor Uncharted: Drake´s Schicksal aufgegriffen wird. Ohnehin gehört das Abenteuer weitestgehend dem sympathischen Duo, die wie alle Figuren dank herausragender Technik in Sachen Mimik und Gestik sehr lebensecht wirken. Dadurch scheinen Emotionen noch glaubwürdiger und alle wichtigen Figuren agieren fast ausnahmslos wie echte Schauspieler. Nebencharaktere der Vorgänger wie Chloe oder Elena sind übrigens auch mit von der Partie.

Nichts in den Sand gesetzt

Zweites Argument: Uncharted 3 ist eines der ausgewogensten Videospiele überhaupt und bietet abwechslungsreichste Spielmechaniken. Bereits anfangs im Londoner Pub wird klar, dass weitaus mehr Wert auf brachial inszenierte Faustkämpfe gelegt wird, an denen auch Bud Spencer und Terence Hill in ihren besten Tagen helle Freude gehabt hätten. Bei fatalen Finishing-Moves werden sogar Teile der Spielumgebung mit einbezoge. Witziges Detail: Oftmals kommt es vor, dass wir die Granate am Gurt eines Widersachers scharf machen und diesen in sichere Distanz wegtreten, die Wirkung kann sich wohl jeder vorstellen. So was kommt in einer Bar besonders gut zur Geltung, aber auch während aller folgenden Spielabschnitte. Kurze Zeit später werden auch schon die altbekannten Stärken ausgespielt, etwa fantastisch geskriptete, rasante Fluchtpassagen aus jeder erdenklichen Perspektive und leichte Sprung- sowie Klettereinlagen. Die Körperhaltung zeigt offensichtlich den nächsten Griffpunkt an, wenn man den Stick in die jeweilige Richtung drückt. Neben etlichen Quick-Time-Events motivieren zudem knackige Ballereien mit Deckungssystem, wobei nicht selten geschickte Schleichaktionen die bessere Alternative sind.

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Freunde von herausfordernden Schießereien freuen sich über das gelungene Auto-Aiming, das bei weitem nicht so einnehmend ist wie in vergleichbaren Titeln, diesbezüglich kommt es schon sehr auf eigene Zielfähigkeiten an. Gar nicht einfach bei solch cleveren Gegnern, die immer wieder Deckung suchen und je nach Gegnertyp ziemlich hartnäckig sind. Dank fair gesetzter automatischer Speicherpunkte kommt aber nie Frust auf. An spielerischen Höhepunkten mangelt es also nicht, ganz im Gegenteil: In der Wüste reitet Nate dann sogar mal auf einem Pferd, um einen fahrenden Konvoi effektiv auszuschalten. Zuviel möchten wir an dieser Stelle allerdings nicht verraten, denn eine derart geschickte Abwechslung zwischen den Spielmechanismen gepaart mit bombastischen Skriptereignissen bietet eben kaum ein anderes Videospiel. Den qualitativ größten Sprung haben nun deutlich einfallsreichere Rätsel gemacht, wobei das Tagebuch ganz im Gedenken an die ruhmreichen Abenteuer des Indiana Jones entscheidende Tipps gibt. Einige Knobeleien sind sogar klar vom großen Vorbild inspiriert, beispielsweise um den richtigen Weg über Symbolversehene Bodenplatten zu finden.

Noch mehr Spaß mit Network Pass

Drittes Argument: Uncharted 3 ist auch mit seinem Mehrspielermodus für maximal zehn Spieler gleichzeitig auf ebenso vielen Karten sowie 17 Waffen eines der besten Spiele, motiviert ungemein und verlängert mal ganz nebenbei die Gesamtspielzeit um ein Vielfaches. Zwar sind auf dem Papier weniger Modi enthalten, diese wurden aber nicht wirklich gestrichen sondern sinnvoll zusammengeführt, etwa im abwechslungsreichen Team-Ziel-Modus. Was sich so unscheinbar liest, ist eine gelungene Mischung aus beliebten Varianten wie Capture-the-Flag oder Team-Deathmatch, die sich auch noch separat neben dem obligatorischen Klassiker Deathmatch im Angebot auswählen lassen.

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Ganz neu im Sortiment ist das Team-Deathmatch mit drei Partnerschaften. Außer kooperativen Missionen via LAN, Splitscreen oder Online stellt der Knallhart-Modus den einzigen Spieltyp dar, der nur über eine Internetanbindung gespielt werden kann. Entwickler Naughty Dog legt wie schon im Vorgänger großes Augenmerk auf den Mehrspielermodus, was sich auch auf das umfangreiche System aus Erfahrungspunkten durch Abschüsse oder Schätze, Ranglisten, Erweiterungen für Waffen sowie 49 Herausforderungen auswirkt. Jedem Exemplar liegt der so genannte Network Pass bei, mit diesem Code lässt sich der Mehrspielermodus aktivieren.

Nur ein kleiner Schritt zur Perfektion

Viertes Argument: Uncharted 3 gilt wie seine Vorgänger ohne jeden Zweifel als technische Meisterleistung. Kaum ein anderer Entwickler wie Naughty Dog kommt mit der PS3-Technologie so gut klar, reizt diese gar bis zu ihren absoluten Leistungsgrenzen aus. Man weiß gar nicht, wo man da den Anfang machen soll? Vielleicht bei den Negativpunkten, denn außer einigen Clipping-Fehlern und einer an wenigen Stellen zu leisen Sprachausgabe wird durchgehend Herausragendes geboten. Größter Pluspunkt gegenüber den Vorgängern sind nunmehr abwechslungsreichere Schauplätze: Seien es die Straßen und Katakomben Londons, eine von Wald umgebene Herrenhausruine in Frankreich, gigantische Festungsanlage in Syrien, verzweigte Straßenbilder von Kolumbien und Jemen, Flugplatz, weitläufige Wüste bringt und nicht zu vergessen der atemberaubende Schauplatz des abschließenden Kapitels. Egal welcher Ort, alles wirkt genauso unglaublich detailliert wie glaubwürdig in Szene gesetzt. Figurengesichter wirken noch realistischer, Animationen überzeugen durch professionelles Motion-Capturing-Verfahren ebenso wie Wasser-, Sand-, Licht- und Schattenspiele. Erster Aha-Effekt diesbezüglich rufen kleine, sichtbare Fussel auf Sully´s Hemd wieder – keine Frage: Wer hier genau hinsieht und besonders während der ruhigen Momente die Augen verwöhnen möchte, findet etliche Details und schönste Panoramen, die Uncharted 3: Drake´s Deception zu einem grafischen Augenschmaus erheben.

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Das Beste daran ist die fast durchgehend konstante Bildrate, die nur an wenigen Stellen kleinste Aussetzer zeigt. Das Alter sieht man dem mittlerweile betagten Grafikmotor kaum an, der auch schon beim Erstling im Jahr 2007 zum Einsatz kam. Dem im wahrsten Sinne des Wortes tollen Gesamtbild steht eine glaubwürdige Physik in Nichts nach, denn beinahe alle Gegenstände verhalten sich nach entsprechenden Aktionen realitätsnah – und davon gibt es mehr als genügend, auch dem Umstand einer teilweise zerstörbaren Umgebung sei an dieser Stelle gedankt. Weiterhin überzeugen Präzise Steuerung, Sprachausgabe, Soundeffekte und geschickte Musikuntermalung auf ganzer Linie – im Vergleich zu den in diesen Punkten bereits sehr guten Vorgängern hat sich hier nicht allzu viel getan. So sind die deutschen und englischen Sprecher immer noch die gleichen und scheinen in ihren Rollen geradezu aufzugehen.

Den Ausnahmestatus untermauert: Das Fazit

Unglaublich, Unfassbar, Uncharted 3! Ein Spiel mit so vielen Superlativen gilt als neuer Maßstab für Actionspiele auf der Playstation 3. Selbst Kratos mit God of War 3 muss sich knapp geschlagen geben. Warum? Eigentlich ganz einfach, denn Nate´s Reise bietet als interaktiver Abenteuerfilm eine noch bessere Gameplay-Mischung in einem noch feineren Gesamtpaket. Dadurch ergibt sich eine konsequente Fortsetzung des ohnehin schon fantastischen Vorgängers mit vielen Detailverbesserungen, die letztendlich den Unterschied machen.

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Uncharted 3: Drake’s Deception Testbericht

Uncharted 3: Drake’s Deception

  • Release: 02.11.2011
  • Genre: 3rd Person Action, Action, Adventure
  • Entwickler: Naughty Dog
  • Publisher: Sony

Gutes

+ phänomenale Präsentation
+ perfekte Gameplay-Mischung
+ viele Wow-Effekte
+ tolle Geschichte mit Tempowechseln
+ hervorragende Charaktere
+ präzise Steuerung
+ genialer Soundtrack
+ ausgewogener Mehrspielermodus

Schlechtes

- irgendwann zu Ende
- wenige Clipping-Fehler
- Wartezeit auf einen Nachfolger

9.5 / 10 Must Have

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