Uncharted 2: Among Thieves – Review

Getestet von | 24.11.2009 um 00:00 Uhr

Nathan Drake ist zurück! Der sympathische Abenteurer sammelt erneut Schätze und stürzt sich in neue Gefahren. Schon mit seiner ersten Geschichte, in der er in den südamerikanischen Dschungel reiste um die sagenumwobene Stadt El Dorado zu finden, begeisterte er viele Spieler aller Welt. Doch der zweite Teil versucht überall noch einen draufzulegen. Mehr Action, längeren Spielspaß und eine noch bessere Grafik versprechen die Entwickler für ihr neustes Werk. Kann Drake sich erneut gegen Genrekonkurrenten wie Lara Croft erneut sehen lassen? Wir haben es für euch herausgefunden und das Spiel getestet.

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Auf dem Weg zum Cintamani-Stein

Den Tag hat sich Drake sicherlich anders vorgestellt! Nachdem er seine Augen öffnet, wünscht er sich gleich wieder, dies nie getan zu haben. Es ist eisig kalt, er hat keine Ahnung wo er ist und blutet stark an der Seite. Viel Zeit zum Überlegen hat er nicht. Er sitzt in einem Zugabteil, der über einem Abgrund taumelt. Blitzschnell reagiert er und rettet sich in feinster Hollywood-Manier aus der Situation und kriecht langsam im verschneiten Nirgendwo herum. Natürlich sind Drake die vorherigen Umstände bewusst, doch der Spieler wird mit einem Fragezeichen hinterlassen. Wie kann jemand in solch eine Lage geraten?
Nach der kurzen Vorschau auf das gefährliche Abenteuer fängt aber erstmal alles von vorne an. Nate trifft sich mit seinem alten Kumpel Harry Flynn um etwas zu besprechen. Schnell merkt man: Da bahnt sich ein neues Abenteuer an. Obwohl Nathan am Ende des ersten Teils nichts mehr von mysteriösen Schatzsuchen wissen wollte, entscheidet er sich schnell wieder um: Flynn überzeugt ihn in ein Museum in Istanbul einzubrechen. Damit beginnt die Reise nach dem Cintamani-Stein. Drake, Flynn und dessen Partnerin Chloe Frazer, die der Held von früheren Bettgeschichten durchaus bekannt ist, folgen Spuren von Marco Polo, die zum unschätzbar wertvollen Cintamani-Artefakt führen sollen. In der Story kommt es nicht selten vor, dass sich das gesamte Ruder umdreht und Nate in der Patsche steckt. Drakes alter Freund Sully hilft dem Protagonisten bei einigen Lagen. Schnell stellt sich auch heraus, dass nicht nur Nathan und seine Freunde hinter dem Schatz her sind. Mit etlichen Männern im Gepäck löst der eiskalte Zoran Lazarevic alle Probleme, die ihm in den Weg kommen. Doch mit Drake hat er wohl nicht gerechnet. Er macht Lazarevic auf dem Weg zum Cintamani-Stein die Hölle heiß. Auch Chloe steht auf Nathans Seite – aber irgendwie auch nicht. Zwar hilft sie dem Helden in manchen Lagen, doch sobald Gefahr für sie herrscht, wechselt sie schnell die Seiten. Gefühlschaos pur für Drake. Da ist es sicherlich nicht nützlich, dass bald noch das „Vorjahresmodell“ auftaucht. Die Reporterin Elena sucht nach einer guten Story und findet sich schnell mit Drake gefangen unter Lazarevics Männern wieder. Ohne zu viel von der Story verraten zu wollen sei gesagt: Es ist ein echtes Actionspektakel, was da geboten wird. Sowohl die Geschichte als auch das Gameplay scheinen einem echt gut gemachten Hollywoodfilm zu entstammen. Die Story ist spannend (außer in einigen Ausnahmen wie z.B. das recht absurde Ende) und wirklich toll inszeniert. Die Atmosphäre ist großartig und das Gesamtpaket lässt sich als neue Entertainmentdefinition in Videospielen küren. Actionfans wird ein tolles, langes Popkornkinoerlebnis geboten.

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Laufen, Schießen, Decken, Klettern…

…damit ist quasi das Gameplay umschrieben. Der Spieler begleitet Nathan durch etliche explosive Schussgefechte. In der Third-Person-Sicht steuert sich der Charakter durch viele verschiedene Ambienten. Der wohl größte Teil des Spiels beschäftigt sich aber mit dem Schießen. Das gesamte System wurde vom Vorgänger übernommen. Beim Laufen oder Rennen können ungenaue Blindschüsse abgegeben werden, durch Zielen landen die Kugeln schon eher da, wo sie hin sollen. Das Waffenarsenal besteht aus Pistolen, Maschinengewehren, Scharfschützgewehren, Schrotflinten, Granaten und sogar selten aus Gatling-Guns und Raketenwerfern. Zum Schutz von Drake kann dieser bei nahezu allen möglichen Ecken und Kanten in Deckung gehen. Die Steuerung dabei ist unkompliziert und simpel, der Effekt trotzdem sehr wirksam. Auch hier wurde kaum etwas im Vergleich zum Vorgänger verändert – warum denn auch? Das Deckungssystem funktioniert klasse und dient immer noch als Vorbildfunktion für einige Genrekontrahenten. Weiterhin bedient sich das Spiel an einem Nahkampfsystem, das für den neuen Teil aber leicht angepasst wurde. Drake kann, wenn er den aufmerksamen Gegnern zu nahe auf die Pelle gerückt ist, auch die Fäuste bzw. seine Beine sprechen lassen. Nach einigen Schlägen erledigt man den Gegner stilvoll. Hier hat sich Naughty Dog die Kritik zu Herzen genommen und den zu leichten Umgang in solchen Situationen etwas schwerer gestaltet. Generell ist die künstliche Intelligenz der Pixel-Feinde wirklich zu loben. Die Gegner decken sich, sie machen ausweichende Vorwärtsrollen bei Beschuss und üben in Teamarbeit Manöver aus, um den Spieler aus der Deckung zu locken. Je nach ausgewähltem Schwierigkeitsgrad nehmen die Stärken der Gegner natürlich zu. Nate hat diesmal noch weitere Möglichkeiten zum Ausschalten seiner Gegner. Neben draufgängerischen Nahkampfaktionen und Bleischlachten kann er auf einige Stealth-Einlagen zurückgreifen. Diese ermöglichen viele Lagen ruhig anzugehen und so wenig wie möglich Aufmerksamkeit zu erregen. Drake hat hierbei die Gelegenheit, sich an seine Gegner von hinten anzuschleichen und die Tat zu vollstrecken, oder in Deckung auf diese zu warten. Die Schleichaktionen sind definitiv eine tolle Neuerungen, kommen aber zu selten zum Einsatz. Eine weitere Verfeinerung sind tragbare Schilde. Manche Gegner verstecken sich hinter solchen Schutzmitteln. Auch die Schilde bringen ein wenig Abwechslung ins Spiel, im Grunde genommen bleibt es aber bei einer kleinen, fast schon unwichtigen Veränderung. Kann Nathan also nur stupide Ballereien vollführen? Der andere Teil des Gameplays besteht aus vielen Klettereinlagen, mit denen der Held zu seinen Zielen kommt. Die Entwickler lassen den Spieler an sehr vielen Gegenständen wie ein Äffchen herumklettern. Trotzdem verhält sich hier alles ein wenig linear, in der näheren Umgebung lässt sich einiges, aber eben bei weitem nicht alles erklimmen. Das Klettern geht locker von der Hand und gefällt Parkourexperten wie auch Kletterneulingen. Eine kleine Anmerkung sei hierbei noch kurz gesagt: Während man an Stangen oder Kanten etc. hängt, ist es möglich, nahe stehende Gegner herunterzuziehen. Weiterhin kann Drake beim Klettern jederzeit von leichten Waffen oder Granaten Gebrauch machen und feuern – auch hier fügten die Entwickler zwar kleine aber dennoch feine Neuerungen bei. Auf einer Schatzjagd ist es natürlich durchaus möglich, kleine Wertsachen zu finden. So auch in Uncharted 2. Nate kann auf seiner Reise insgesamt 100 kleine Schätze finden. Diese helfen zwar nicht direkt in der Story, schalten aber viel Geld für neue Waffen und Skins frei. Weiterhin kommen Trophäenjäger nicht drum herum, die Schätze zu jagen. Was darf noch bei einem Schatzsucherabenteuer nicht fehlen? Die Rätsel! Hier erweist sich wohl eine kleine Schwäche im Spielgeschehen. Lediglich 3-4 „größere“ Rätsel lassen sich im gesamten Spiel finden. Diese sind kaum fordernd und auch innerhalb von wenigen Minuten gelöst. Trotzdem muss man zugeben, dass Naughty Dog für Actionfans ein grandioses Gameplayerlebnis geschaffen hat. Das tolle Gameplay vom ersten Teil wurde von Grund auf behalten und nur um kleine Details ergänzt. Da alles so gut funktioniert, ist es Naughty Dog kaum anzuprangern, nicht viel geändert zu haben. Das Spielgeschehen bleibt weiterhin sehr actionreich, wer also auf ein reines Kletter- und Rätselabenteuer aus ist, sollte das Spiel doch noch einmal genau betrachten.

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Augenschmaus auf höchstem Niveau

Der Punkt Grafik kurz gefasst: Uncharted 2 ist das Beste, das es momentan auf Konsolen zu sehen gibt. Nachdem der erste Teil bereits Kinnladen aufklappen ließ, fragten sich alle, wie Naughty Dog das noch toppen will. Jetzt ist eher die Frage angebracht, wie Naughty Dog das getoppt hat! Es gibt wohl kaum ein Spiel, bei dem die Entwickler so viel Liebe zum Detail gezeigt haben. Die Texturen sind toll und die Licht- und Schatteneffekte beeindrucken sehr. Schnee und Eis wurden in Videospielen wahrscheinlich noch nie so gut dargestellt, wie in Uncharted 2. Rieselnde Schneeflocken bleiben an Drakes Kleidung und in seinen Haaren sichtbar kleben. Weiterhin spielt der Titel bei Explosions- und Feuereffekten mit den Muskeln. Stellenweise kann man das Gezeigte sogar wirklich kaum noch von der Realität unterscheiden. Auch die Weitsicht trumpft mit wunderschönen Landschaften und sehr realistischen Wolken auf. Und das Beste an allem: Das Spiel läuft zu jeder Sekunde flüssig! Im Test ist kein einziger Ruckler oder Ähnliches aufgefallen, das Spiel läuft (zumindest im Singleplayer) immer stabil. Die Animationen der Charaktere sind wirklich geschmeidig und wirken realitätsgetreu. Auch der Übergang von Zwischensequenzen zum echten Spielgeschehen fällt dank der Optik kaum auf. Das Spiel begleitet die Gamer auf eine Reise vieler beeindruckender Orte, und das spiegelt sich auch in der Grafik wieder. Sei es das Museum in Istanbul, ein Hochhaus mit Sicht auf ganz Borneo oder ein Dorf in Tibet in den verschneiten Bergen – alle Bereiche lassen den Spieler andauernd staunen. Weiterhin gleicht wirklich keine Umgebung der anderen. Jeder Stein, jeder Eiszapfen, jeder unterirdische Vorsprung gleicht keinem anderen. Gibt es bei der Schwärmerei überhaupt etwas zu mäkeln? Nein, gibt es nicht. Naughty Dog hat bei der Optik eine Meisterleistung absolviert und positioniert die grafische Wucht des Spiels als neuen Maßstab im Konsolenbereich, vielleicht sogar darüber hinaus.

Der liebliche Klang einer… Pistole

Auch die Ohren werden sich freuen. In Sachen Sound hat der Entwickler wie auch beim Vorgänger alles richtig gemacht. Die Waffensounds lassen die Boxen erbeben und die Nachbarn fürchten. Jede Knarre gibt andere Töne von sich. Explosionen hören sich wie in der Realität an: Wuchtig und verdammt laut. Die Synchronisation ist fabelhaft, selbst die deutschen Stimmen lassen sich hören. Dramaturgie und Emotionen kommen sehr gut herüber, gleichzeitig ist die für Nathan Drake typische Andeutung zum Wortwitz gut wiedergegeben. Trotzdem ist die englische Vertonung einfach ein wenig besser. Zum Glück stellt das Spiel frei, mit welcher Sprache gesprochen wird, außerdem gibt es noch optionale Untertitel mit Sprache nach Wahl. Wer der englischen Sprache mächtig ist sollte unbedingt bei der besagten Synchronisation reinhören. Untermalt wird das Spiel in Menüführung und Ladezeiten von einem phänomenalen Soundtrack. Orchestrale Klänge tönen auf, wie sie aus tollen Abenteuerfilmen bekannt sind.

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Drake schießt auf Drake?!

Es handelt sich nicht um schizophrene Klongedanken der Entwickler, sondern um eine tolle Idee, dem Spiel Langzeitspaß zu gewähren: Ein Multiplayerteil. Was anfangs recht kritisch betrachtet wurde, entpuppt sich als wahre neue Stärke im Vergleich zum Vorgänger. In hitzigen Jeder-gegen-jeden Gefechten, wo eben Nathan auf sich selbst treffen kann, als auch in Taktik basierten Mehrspielermodi und sogar in kooperativen Level verlängert sich der Spielspaß von Uncharted 2 enorm. Das Ziel der Entwickler war es, die spielerische Stärke von Uncharted, also das tolle Gameplay mit dem Mix aus Schießen und Klettern, auf mehrere Online Spielmodi zu transferieren. Das hat Naughty Dog auch geschafft. Das Spielgeschehen wurde zwar noch bleilastiger, doch strategische Klettereinlagen unterscheiden von anderen Shootern. Auf sieben Maps, alle mit Hilfe der Story-Orte kreiert, hat der Spieler die Möglichkeit, in mehreren Spielmodi sein Können unter Beweis zu stellen. Von Einzelgefechten über Teamspielerschlachten bis zu „Capture The Flag“ ähnlichen Modi ist alles dabei, was in der Shooterszene gerne gespielt wird. Als Bonus gibt es noch einen kooperativen Teil, bei dem man mit bis zu 2 Leuten (leider nur Online) verschiedene Missionen spielen kann. Diese orientieren sich ebenfalls an Aufgaben der Story. Abgerundet wird das Ganze von einem motivierenden Belohnungssystem. In jedem Spiel erhält man Geld und Punkte, die zum Rangaufstieg verhelfen. Nach und nach können so neue Waffen und Booster (Spezialfähigkeiten im Spiel) frei geschaltet und mit Geld gekauft werden. Die Onlinelobbies sind ebenfalls gut gemacht, sie sind übersichtlich und erfüllen ihren Zweck wirklich gut. Auch hier hat Naughty Dog gute Arbeit geleistet und einen spaßigen Multiplayerteil kreiert. Die Online-Modi bieten viele weitere Stunden Spaß am Spiel.

Fazit:

Was für ein Spiel! Mit Uncharted 2 hat Naughty Dog sich selbst übertroffen. Das Gameplay vom ersten Teil funktioniert weiterhin klasse und wurde sogar mit kleinen Neuerungen verfeinert. Verpackt wird das Spielgeschehen von einer tollen Story mit grandiosen Charakteren. Die optische Leistung des Spiels zählt zum Besten, das es derzeit zu sehen gibt und auch der Sound lässt die Ohren staunen. Weiterhin haben die Entwickler mit einem spaßigen und motivierenden Multiplayerteil für Langzeitspaß gesorgt. Kurz gesagt: Uncharted 2 ist ein gewaltiges Entertainmentpaket, das es so noch nie gab!

Gutes

+ tolle, spannende Story
+ recht abwechslungsreiches actionbetontes (!) Gameplay
+ bombastische Inszenierung
+ phänomenale Grafik und klasse Sound
+ spaßiger Online-Part

Schlechtes

- für ein Schatzsucherabenteuer zu wenige Rätsel

9.0 Must Have

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