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Transformers: Kampf um Cybertron – Review

Artikel von | 11.07.2010 um 00:00 Uhr

Einfach nicht kaputt zu kriegen
Aus Spielzeug wurden Comics, aus diesen die Zeichentrick-Serie. Um sich schließlich in Gestalt zweier Kinofilme wieder blicken zu lassen. Intelligente selbsthandelnde Roboter die sich ihrem Namen entsprechend in verschiedenste Gestalten transformieren können. Nach zahlreichen, meist ernüchternden Videospiel-Umsetzungen, startet nun ein weiterer Teil der Reihe. Soviel sei bereits im Vorfeld gesagt: Transformers: Kampf um Cybertron ist keine billige Lizenz-Umsetzung. Lest selbst wie sehr sich die Entwickler von High Moon Studios wirklich ins Zeug gelegt haben.

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Wie alles begann…
Wie der Untertitel des Spieles bereits verrät steht diesmal nicht die Erde als Schlachtfeld verfeindeter Transformers auf dem Plan. Die Handlung richtet sich vielmehr an die Comicvorlage der 80er Jahre, dem Ursprung der Transformers Geschichte. Diese spielt ausschließlich auf dem Maschinen-Planeten Cybertron, einer Welt um dessen Vorherrschaft bis zur letzten Schraube gekämpft wird. Während die Autobots die gute Seite verkörpern, und allein für den Frieden in die Schlacht ziehen, drängt es den Decepticons nach der alleinigen Macht von Cybertron. In den Wirren des Krieges dreht sich im Grunde alles um das dunkle Energon. Dessen Macht soll den Decepticons den Sieg über die Autobots bringen. Kenner von Transformers werden bekannte Figuren auf beiden Seiten wiederfinden. Unter anderem erfährt der Spieler wie sich Megatron und Starscream kennen gelernt haben, oder Optimus Prime zum Anführer der Autobots ernannt wurde. Dementsprechend gibt es je eine böse und gute Kampagne, die sich beide wiederum in 5 Kapitel unterteilen. Die Idee auf beiden Seiten zu spielen scheint klar, jedoch spielt die Kampagne der Decepticons direkt vor jener der Autobots, und sollte deshalb zuerst gespielt werden. Genau genommen richtet der Spieler dadurch erstmal gewaltigen Schaden an, um ihn dann anschließend auf der anderen Seite wieder zu bereinigen. So gut sich das auch anhören mag, so oberflächig präsentiert sich leider die Geschichte. Eine epische und komplexe Handlung darf nicht erwartet werden, sorgt aber bis zum Ende hin dennoch für Laune.

Für jene die nicht zu Fuß gehen wollen
Sei es Film, Spiel oder Comic. Wo sich Transformers den Metallschädel einschlagen tritt Action jenseits von Mensch und Natur auf. So auch in „Kampf um Cybertron“. Je nach Kapitel darf zu Beginn einer von 3 verschiedenen Transformer gewählt werden. Die 2 restlichen unverwundbaren Transformer stehen euch nun im Kampf hilfreich zur Seite. Dessen KI ist zwar nicht die neue Referenz, sorgen aber dennoch für einige Abschüsse. Wie es der technische Fortschritt zulässt besitzt jeder seine eigene High-Tech Version der üblichen Waffenarten, wie etwa Maschinengewehre, Raketenwerfer oder Präzisionsgewehre. Da im Spiel fast ständig auf etwas eingeschossen werden muss, gilt neben den Gegnern die größte Sorge der Munitionsknappheit. Obwohl sich auf dem Weg immer wieder Kisten mit Nachschub befinden gehen die Magazine der bis zu 2 tragbaren Waffen schnell zuneige. Hier rettet der Nahkampf, der je nach einem der 3 wählbaren Schwierigkeitsgrade den gegnerischen Transformer sofort zerstören kann. Der Spieler selber besitzt an Lebensenergie 4 Leisten, dessen aktuelle sich wieder auflädt, sofern der Schaden nicht bereits auf die nächste Leiste vorgedrungen ist. Ein System bei dem fast schon automatisch die nächstbeste Deckung gesucht wird, um sich wieder zu regenerieren. Vom Gameplay her unterscheidet sich das Spiel von gewöhnlicher Actionkost wie zu erwarten durch die jederzeit mögliche Transformation, die je nach Wahl der Figur anders ausfällt. Varianten von Auto, Panzer und Jet stehen zur Verfügung, die wiederum ihre eigene Bewaffnung mit sich bringen. Manche Levelabschnitte bestehen fast zur Gänze aus Flugeinlagen, geben aber auch hier das Ziel der reinen Vernichtung zur Aufgabe. Rätsel oder sonstige Denkaufgaben fallen beinahe komplett weg. Nur ab und zu stolpert das Maschinenbein über kaum erwähnenswerte Hindernisse. Angesichts des sehr gut umgesetzten Action-Gameplays aber im Grunde kein Minuspunkt. Allerdings schon eher das durchgehend lineare Leveldesign. Der beigefügte Wegweiser, der stets Richtung und Entfernung zum nächsten Ereignis angibt, erweist sich dadurch eher als nutzlos. Punkten können die Transformers wiederum durch ihre zahlreichen Varianten an mechanischen Gegnern. Manche können sich komplett unsichtbar machen, andere schützen sich mit einem Schild, dessen einzige Schwachstelle der Rücken darstellt. Und wiederum andere bedrohen durch pure Größe und Feuerkraft. Die Möglichkeit der Transformation nutzen dagegen vorwiegend fliegende Einheiten. Selber darf ebenfalls auf bestimmte Fähigkeiten zurückgegriffen werden, die sich erst mit Energon besiegter Gegner aufladen. Etwa einen kräftigen Nahkampfangriff oder das Enttarnen unsichtbarer Feinde. Taktisch wird es allerdings erst bei den Endbossen. Simples Dauerfeuer führt selten zum Erfolg. Erst gilt es die Schwachstelle herauszufinden oder dessen Attacken am Effektivsten auszuweichen. Durch die zahlreichen automatischen Speicherpunkte kommt dabei nie Frust auf. In den Bosskämpfen selber wurden Checkpoints eingebaut, die auch nach Verlassen des Spiels im Kampagnen-Menü angewählt werden können.

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Autobots, transformiert euch!
Das Gameplay funktioniert besonders durch die flüssig umgesetzte Steuerung aus der Third Person Perspektive heraus. Um auf die Gegner bestmöglich zu reagieren wurde auf eine temporeiche Fortbewegung geachtet, so dass feindlicher Beschuss aus jeder möglichen Position heraus mit dem linken Analogstick ausgewichen werden kann. Folglich verläuft auch der Sprung nicht statisch, was sich auch hilfreich bei immer wieder auftauchenden, aber kaum fordernden Sprungpassagen herausstellt. Berücksichtigt muss allerdings werden das ein tonnenschwerer Transformer anders springt als es etwa aus diversen Jump and Run-Games der Fall ist. Dafür wirkt das manuelle Zielsystem vertraut. Standartwaffen besitzen als einzige Zielhilfe ein Fadenkreuz, das sich rot färbt sobald etwas Zerstörbares im Wege steht. Die Tastenbelegung muss allerdings erst herausgefunden werden. Die für viele Spiele typische Einführung gibt es nicht. Wer nicht auf gut Glück experimentieren will wird also gezwungen das Handbuch oder das umfangreiche Tutorial im Pausenmenü durchzulesen. Ist diese Phase aber erstmal vorbei geht die Steuerung sofort in Fleisch und Maschine über. Besonders das Markenzeichen der Serie, die Transformation, verläuft über den L3 Analogstick reibungslos. Ebenfalls aus jeder Position heraus kann in Windeseile transformiert und sofort Waffen und Beschleunigung aktiviert werden. Umgekehrt transformiert sich der Spieler nach nur wenig Übung an exakt der Stelle wo er es geplant hatte. Ein schnell fliegender Jet macht da auf erhöhte Positionen keine Ausnahme. Im Gegensatz zur 180 Grad Drehung oder Rammstoß der Landfahrzeuge, verlässt sich der Jet über die R2 Taste auf eine ausweichende Rolle zur Seite, die aber je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad eher selten notwendig sein dürfte.

Stahlharte Grafik-Kulisse
Auch grafisch setzen sich die Transformers vom Stil der Filmumsetzungen ab, und konzentrieren sich auf das Original der Comic-Vorlage. Neben den Transformers spiegelt sich das in erster Linie auf Cybertron wieder. Der gesamte Planet besteht aus einem einzigen zerstörten Setting aus überwiegenden Materialien von Metall. Dementsprechend gibt es während des Spieldurchgangs keinen allzu großen Unterschied der Schauplätze. Aufgrund der detailreichen vom Krieg gezeichneten Umgebung aber nicht unbedingt etwas Negatives fürs Auge. Besonders bei kleineren Gameplay-Features wurde aufs Detail geachtet. Etwa die sekundenschnelle Transformation oder der Waffenwechsel der die Waffe am Arm umbaut. Auch technisch zeigen die Entwickler dass es sich hier um kein billiges Lizenzspiel, sondern um einen eigenständigen Titel, abseits der Filme handelt. Weitsicht, Spezialeffekte und Texturen bewegen sich auf einem durchgehend guten bis sehr guten Niveau, können aber an aktuelle Grafik-Highlights leider nicht anschließen.

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Heavy Metal mal anders
Akustisch liegt die Qualität nicht ganz auf jener der grafischen Seite, fällt aber nicht allzu weit zurück. Der Soundtrack hält sich eher im Hintergrund, und wird im actionreichen Gefecht oft gar nicht richtig wahr genommen. Unpassend platziert wirkt sie dennoch nicht. Die Pluspunkte gehen allerdings klar an die akustischen Effekte während der durchs komplette Spiel ziehenden Maschinen-Deathmatchs. Explosionen, MG-Geballere, die Geräusche fortbewegender und transformierender Maschinen klingen allesamt glaubwürdig, können sich aber wie auch bei der Grafik nicht ganz auf den vorderen Plätzen aktueller Highlights einreihen. Als zweischneidiges Schwert erweist sich einmal mehr die Sprachausgabe. „Kampf um Cybertron“ wurde komplett ins deutsche übersetzt. Die Sprecher liefern hier gerade noch so befriedigende Arbeit ab, und kommen gegen die optional wählbaren Original-Sprecher ein weiteres mal nicht an. Metall-Lippen-Synchronisation darf aber bei keiner Sprachauswahl erwartet werden.

Auf welcher Seite wirst du stehen?
Wie es das Gameplay anbietet kann die gesamte Handlung wahlweise auch im Coop.-Modus gespielt werden. Dadurch erweist sich das Spiel auch auf dem schweren Schwierigkeitsgrad wesentlich einfacher als offline mit den computergesteuerten Begleit-Transformers. Zudem besteht die Möglichkeit einer Wiederbelebung, wo offline bereits Schluss wäre. Leider kann die Runde viel zu schnell vorbei sein, wenn der Host plötzlich das Spiel verlässt. Als zweites Online-Feature präsentiert sich der Eskalation-Modus. Die Aufgabe ist simpel. Überlebe soviele Wellen an Gegnern wie nur irgendwie möglich. Mit dem richtigen Team, wahlweise auch über eingeladene Freunde, kann sich dieser Modus als wahre Spassgranate mit extrem forderndem Schwierigkeitsgrad erweisen. Wer nicht im Team arbeitet oder seine Fähigkeiten nicht gekonnt einsetzt geht hier sehr schnell unter. Hier zieht die gesamte Feindesschar gegen euch auf. Die durch zerstörte Gegner erhaltenen Punkte spielen eine wesentliche Rolle. Im Spielfeld verteilte Automaten mit Waffen, Munition und Heilung, verlangen ebenso Punkte wie verschlossene Türen. Zusammengefasst bietet Eskalation eine gute Mischung aus Action, Taktik und Teamwork. Der eigentliche Multiplayer bietet mechanische Kämpfe mit bis zu 10 Spielern. Auf je 8 verschiedenen Karten darf einer von 6 Modis gewählt werden. Darunter Deathmatch, Team-Deathmatch und Capture the Flag Varianten. Wie es für einen Transformer gehört darf dieser vor seinem Einsatz noch gründlich in Bewaffnung, Spezialfähigkeiten und Aussehen verändert werden. Zudem bieten die Klassen Anführer, Soldat, Wissenschaftler und Späher ihre eigene vorgefertigte Ausrüstung. Um im Rang aufzusteigen und weitere Ausrüstung freizuschalten wird im Multiplayer nahezu alles mit Erfahrungspunkten belohnt. Unter vielen anderen etwa eine bestimmte Anzahl an Zerstörungen in Folge, Zerstörungen mit bestimmten Waffen, oder lange genug zu überleben. Während der Erstellung dieser Review wurden in den jederzeit einsehbaren Multiplayer-Daten weltweit (wahlweise kann regional gespielt werden) ca. 4000 Spieler online angezeigt. Eine volle Lobby zu finden war nie wirklich ein Problem.

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Altmetall oder Neuwagen?
Der neueste Ableger der Transformers Reihe kann als die ganz große Überraschung angesehen werden. Hier ruhten sich die Entwickler von High Moon Studios nicht einfach auf der Lizenz aus, sondern erschufen eines der besten Transformer Spiele der letzten Jahre. Nur die Handlung gerät eher in den Hintergrund, verrät aber zumindest wie sich so manch Transformer kennen gelernt haben. Aber auch das wird vom actionreichen Shooter-Gameplay überschattet. Ähnlich geht es auch online zu. Dank menschlicher Spieler kommen auch die Transformationen mehr zur Geltung. Ein Punkt der den Multiplayer von anderen abheben lässt. Zusammengefasst kann Transformers: Kampf um Cybertron in allen Punkten zwar überzeugen, stößt aber in keinen der Punkten in den Referenzbereich vor.

Transformers: Kampf um Cybertron Testbericht

Transformers: Kampf um Cybertron

  • Release: 25.06.2010
  • Genre: 3rd Person Shooter, Action
  • Entwickler: High Moon Studios
  • Publisher: Activision

Gutes

flüssige Steuerung
technisch gelungen
Kampagne kooperativ spielbar
Orientiert sich am Original

Schlechtes

Handlung kurz und oberflächig
lineares Leveldesign
deutsche Sprachausgabe Mittelmaß

8.0 / 10 Sehr gut

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