Toukiden: The Age of Demons – Die japanische Monsterjagd im Test

Getestet von | 18.02.2014 um 22:40 Uhr

Die Entwickler bei Omega Force sind wahre Experten, wenn es um die Darstellung riesiger Massenschlachten geht: Bereits seit 1997 dürfen wir mit einer gewissen Regelmäßigkeit mit neuen Ablegern der Dynasty Warriors Reihe rechnen, in Kürze schafft die Reihe den Sprung auf die PS4. Doch nun haben sich die Japaner an etwas Neues gewagt: Häufig als “Monster Hunter” Konkurrent bezeichnet, brachte man Toukiden: The Age of Demons nun auch bei uns exklusiv für die PlayStation Vita auf den Markt. Was die Monsterjagd aus Japan auf dem Kasten hat, haben wir uns angesehen.

Komm, wir ziehen gemeinsam in die Schlacht!

Die Geschichte von Toukiden: The Age of Demons ist von der japanischen Mythologie her geprägt. Es geht um die Oni, die die Welt seit einem Ereignis, das im Spiel als “Awakening” bezeichnet wird und acht Jahre vor Handlungsbeginn stattfand, in großer Zahl heimsuchen. Die Midlands mit einem Verbund an sicheren Dörfern sind die letzte Festung der Menschheit, in der ein halbwegs sicheres Leben möglich ist. Ihr seid im Spiel ein Mitglied der Slayer, deren Aufgabe es ist, die Menschheit gegen die Oni zu verteidigen. An verschiedenen Einsatzorten in den Midlands müsst ihr so gegen allerhand verschiedener Feinde kämpfen.
Toukiden: The Age of Demons hat keinen vorgegebenen Protagonisten, sondern ihr stellt euch selbst eine Spielfigur zusammen. Dabei gibt es eine recht große Auswahl an Eigenschaften, wie zum Beispiel Frisuren, Gesichter und Hautfarben – Erstellen dürft ihr selbstverständlich sowohl Männlein als auch Weiblein. Zudem wählt ihr eine bevorzugte Waffe aus, das kann ein Schwert sein, ein Speer, ein Bogen, Wurfspieße, Dolche oder noch einiges mehr. Doch ihr müsst euch keineswegs festlegen, denn ihr könnt während des Spieles jederzeit eure komplette Ausrüstung ändern.
Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen legt eure Waffe in Toukiden: The Age of Demons auch noch nicht eure Klasse bzw. euren “Kampfstil” fest: Dieser wird ausschließlich durch euer derzeit aktives Mitama bestimmt. Mitamas sind die Seelen verstorbener Helden, die ihr im Laufe des Spieles sammelt. Wenn ihr sie an eurer Waffe ausrüstet, legen sie eure Rolle fest. Waffen verfügen über verschiedene Anzahlen von Slots: Das primäre Mitama gibt euch dann vier Fertigkeiten, das sekündäre bzw. tertiäre Mitama verleiht euch lediglich sogenannte “Boosts”, zum Beispiel erhöhte Maximalgesundheit, sofern ihr euch für ein Mitama mit der Rolle “Heiler” entscheidet.
Die Freiheit, verschiedene Waffen zu wählen sowie die Vielzahl an Rollen durch die Mitamas fördert eure Experimentierfreudigkeit: Keiner hindert euch daran, trotz eures Großschwerts den Heiler zu spielen, obwohl es vielleicht sinnvoller sein kann, als Angreifer oder als Verteidiger (“Tank”, für die MMO-Spieler unter euch) in den Kampf zu ziehen.
Wenn es Rollen gibt, heißt das natürlich auch, dass es Gruppen geben muss. Genau diese spielen in Toukiden: The Age of Demons auch eine große Rolle. In den Storymissionen bekommt ihr teilweise eine festgelegte Gruppe mitgeschickt, bei den meisten Einsätzen dürft ihr sie euch jedoch frei aus den bisher getroffenen NPCs zusammenstellen – maximal vier Mitglieder sind möglich. Beschränkungen gibt es dabei keine, einen Heiler müsst ihr so zum Beispiel nicht mitnehmen, auch wenn es ratsam ist.
Das Zusammenspiel mit den NPCs funktioniert hervorragend, doch wer lieber mit echten Menschen zusammenspielen möchte, kann das auch tun: Toukiden: The Age of Demons lässt sich auch online spielen. Sehr schön ist dabei die Gruppen- bzw. Lobbysuchfunktion, die es euch erlaubt, anzugeben, ob ihr die Story fortsetzen, Materialien sammeln oder einfach nur aus Spaß Monster schlachten wollt. Während unseres Tests hatten wir leider verstärkt mit Verbindungsproblemen zu kämpfen und teilweise war nur schwer eine Lobby zu finden, doch wenn es mal klappt, macht auch das Zusammenspiel mit anderen Leuten sehr viel Spaß.

Toukiden The Age of Demons Gruppe

Du bist unser Slayer!

Toukiden: The Age of Demons ist “nur” ein Handheld-Spiel, aber es ist dennoch umfangreicher und anspruchsvoller als so manches Rollenspiel auf Heimkonsolen. Die Oni sind eine riesige Bedrohung für die Menschen und das wird im Spiel auch deutlich. Schön ist, dass man nicht von Anfang an der geborene Held ist, sondern sich tatsächlich im Verlaufe der Storykapitel ein wenig nach oben schnetzeln muss. Die Geschichten und ihre eingebetteten Geschichtchen sind im Übrigen ganz interessant und nett mitzulesen. Synchronisiert ist das Spiel komplett auf Japanisch, was alle Fans des O-Tons erfreuen dürfte (die Texte sind komplett auf Englisch!).
Mit der Zeit werden die Missionen in Toukiden: The Age of Demons immer anspruchsvoller und irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem ihr euch alleine einem der größeren Oni stellen müsst. Erst dann merkt man richtig, wie viel Taktiksinn man haben muss, um bestehen zu können. Außer wenn ihr gerade das “Auge der Wahrheit” aktiviert habt, gibt es keine Gesundheitsanzeige, ebenso müsst ihr euch sämtliche Moves der Gegner merken. Viele Gegner kann man zudem nur besiegen, indem man ihnen nach und nach diverse Körperteile – wie zum Beispiel Beine bei großen Spinnenviechern, den sogenannten “Manhuntern” – abhackt. Auch hier kann euch das Auge der Wahrheit weiterhelfen, zu erkennen, welches Teil gerade am empfindlichsten ist.
Gewöhnen müsst ihr euch in Age of Demons an ein etwas repetitives Missionsdesign – Irgendwie ist das auch kein Wunder, denn es geht eben um eines: Onis umbringen! Dennoch hätte hier und da ein wenig Abwechslung ganz gut getan, zwischenzeitlich gibt es nämlich angenehm andere Missionen, wie zum Beispiel die Einsätze, in denen man alleine unterwegs ist. Dazwischen muss man meistens nur eine bestimmte Anzahl an Gegnern besiegen oder aber eine Anzahl an roten Zonen sichern: Die Schlachtfelder in Toukiden sind in Zonen aufgeteilt, die durch kurze, sehr kurze Ladezeiten getrennt sind. Kehrt ihr wieder in eine Zone zurück, sind auch die besiegten Gegner wieder da, was euch ermöglicht, noch mehr Materialien zu sammeln. Die Zeitlimits von meist 60 Minuten sind für die Missionen sehr großzügig bemessen, sodass euch dafür Zeit bleibt.
Bei den sammelbaren Materialien offenbart Toukiden aber erneut seine Vielfalt: Von Anfang an habt ihr 100 Slots für Gegenstände zur Verfügung, und schon bald seid ihr froh, wenn diese aus 200 erweitert werden. Gesammelte Dinge könnt ihr verkaufen, ihr könnt aber auch Quests mit ihnen erfüllen (ihr liefert den Dorfbewohnern Gegenstände ab und bekommt Haku, die Währung im Spiel, oder andere Gegenstände) oder euch beim Schmied Waffen und Ausrüstung herstellen lassen. Das erfordert ein wenig logistisches Denken, sodass man die richtigen Materialien im Kopf hat, damit man nicht das falsche verkauft oder eintauscht. Zur Not: Greift zu Zettel und Stift!

Toukiden The Age of Demons 3

Die Vita ganz groß

Toukiden: The Age of Demons kann nicht nur im spielerischen Bereich “großen” Spielen die Stirn bieten, sondern die Vita lässt auch im technischen Bereich die Muskeln spielen. Vor allem grafisch sind wir an vielen Stellen wirklich beeindruckt, denn nicht nur sind die einzelnen Umgebungen detailreich gestaltet, sondern optisch kann das alles wirklich mit einem guten PS2-Spiel mithalten. Kleinere Framerateeinbrüche trüben hin und wieder den Gesamteindruck, halten sich jedoch in erträglichen Grenzen und stören nicht die Spielbarkeit. Ansonsten steckt natürlich mal ein Schwert im Boden und eine Figur im Gegner, aber das verzeiht man einem Spiel dieser Art dann doch ganz gerne.
Der Sound ist auch abseits der japanischen Stimmen über jeden Zweifel erhaben, die Musikuntermalung ist gelungen und drückt in angemessenem Maße Gefahr, Dramatik oder Sieg aus, ohne dabei zu aufdringlich zu sein. Von den Vita-eigenen Features wie dem Touchpad macht Toukiden kaum Nutzen, doch das fanden wir auch nicht wirklich schade. Die Steuerung funktioniert dafür durchgehend sehr gut und ist trotz vielfältiger Tastenbelegungen ziemlich eingängig.

Toukiden The Age of Demons 5

Gelungene Monsterhatz

Omega Force haben mit Toukiden: The Age of Demons eine hervorragende Monsterjagd für die Vita abgeliefert. Alleine um die Geschichte durchzuspielen werdet ihr viele Stunden investieren und durch die Vielfalt an Waffen und Kampfstilen ist der Wiederspielwert sehr hoch. Das Herzstück des Spieles, nämlich die Kämpfe gegen Oni in allen Formen und Größen zeigen sich taktisch, spannend und anspruchsvoll und zeigen, dass auch in einem Handheld-Spiel Anspruch und Tiefgang stecken können. Eingebettet in eine interessante Geschichte, inspiriert aus der japanischen Mythologie, fällt da auch das repetitive Missionsdesign nicht allzu sehr ins Gewicht. Dass Toukiden: The Age of Demons zudem noch ein kleines Technikhighlight auf der Vita darstellt, und neben einer guten Optik auch noch japanische Originalstimmen bietet, lässt die Arbeit der Entwickler insgesamt sehr rund erscheinen. Wir möchten behaupten, dass auch die Spieler in Europa in Zukunft noch mehr Spiele dieser Art sehen möchten. Und wenn es Monster Hunter weiterhin nur auf den 3DS schafft, dann ist Toukiden der perfekte Ersatz für jeden, der unterwegs fiese Monster schnetzeln möchte!

Toukiden-The-Age-of-Demons_baner

Gutes

+ Taktisch & anspruchsvoll
+ Sinnvolles Klassensystem
+ Viel Ausrüstungsvielfalt
+ Interessante Geschichte
+ Hübsche Umgebungen
+ Top Technik auf der Vita

Schlechtes

- Kleinere Framerateeinbrüche
- Verbindungsprobleme im Multiplayer
- Eher repetitives Missionsdesign

9.0 Must Have

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