Toren im Test – Ein schönes kleines Abenteuer für Zwischendurch

Getestet von | 15.05.2015 um 18:08 Uhr

Es gibt so manche Spiele, die ganz leise und ohne große Ankündigung plötzlich im PlayStation Store landen und von einigen womöglich nie beachtet werden – Toren ist womöglich eines dieser Spiele. Entwickelt wird dieses von Swordtales, einem kleinen Indie Entwickler aus Brasilien. Als sei dies nicht schon genug, ist es zugleich auch ihr erstes Adventure und zugleich auch der erste PlayStation 4 Titel durch mithilfe von Publisher Versus Evil. Wir haben den Turm von Toren erklommen und sagen euch, ob sich dieser weite weg lohnt, oder ob man dann doch lieber auf den Titel verzichten sollte.

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Erklimme den Turm! Kann ja nicht so schwer sein… oder?
Toren hat ein einfach zu erklärendes, aber zugleich auch schwieriges Ziel. Ihr müsst den Turm mit dem Namen Toren erklimmen, den Drachen ausschalten, allen Gefahren trotzen und ein paar Rätsel lösen. Was klingt, als wäre es alles andere als ein Kinderspiel, beginnt aber so. Ihr schlüpft in die Rolle des Mondkindes, welches als Baby neu geboren wurde. Doch zuvor starb das vorherige Mondkind wegen des Drachen und ist zugleich auch das Neugeborene. Schnell wird klar, dass ihr euch in einem Teufelskreis befindet, denn solange die Gefahr des Drachen besteht, könnt ihr nicht in Ruhe und Freiheit leben. Schon als Kind fühlt ihr euch eurem Schwert hingezogen und versucht dieses in euren Besitz zu bringen. Doch schon hier liegen die ersten Steine auf dem Weg – und noch einige werden folgen.

Stetiger Begleiter eures Abenteuers ist der Magier. Dieser erklärt euch die Zusammenhänge und auch was ihr tun und auch opfern müsst, damit ihr endlich frei seid. Dafür legt ihr die Saat des Lebensbaums in den Turm und seht ihn gedeihen, sobald ihr die ersten Steine aus dem Weg geschafft habt. Im Laufe der Geschichte des Spiels wächst auch das Mondkind und spiegelt so eure Erfahrung und den Fortschritt wieder. Ihr müsst in die Träume des Magiers, um mit diesem zu Kommunizieren. Dort erfahrt ihr wichtige Informationen rund um den Turm, müsst aber gleichzeitig auch Rätsel lösen um weiterzukommen. So gibt es, neben dem Turm als zentralen Ort, mehrere Träume die neue Umgebungen und Gameplay Elemente mit sich bringen und auch ganz schön anzusehen sind. Außerdem naht wohl die Ankunft eines Ritters, doch welche Rolle übernimmt dieser im späteren Spiel, was ist oben auf dem Turm und wird der Drache auch nach dem Abenteuer der Hüter des Turms bleiben? Nun, dafür müsst ihr Toren schon selbst spielen.

Direkt zu Spielbeginn zieht euch das Spiel in die Welt hinein und fesselt euch. Wer es möchte, der bekommt an jeder Ecke Hinweise, wieso die Menschheit den Turm errichtete und warum dies letztlich scheiterte, oder wer die verschiedenen Charaktere und deren Rollen sind. Ganz klar ist, dass ein schönes Abenteuer mit einer netten Geschichte ist und wenn man darüber nachdenkt, wie oft wohl das Mondkind versucht hat den Turm zu erklimmen und den Drachen zu überleben, dann wirkt alles nochmal ganz anders. Besonders schön ist in dem Zusammenhang auch, dass man nach seinem Tod auch erkennt, wo man letztlich scheiterte und dennoch hat sich die Welt, sei es auch nur minimal, geändert, aufgrund der Aktionen davor. Jedoch ist es wiederum sehr schade, dass Toren lediglich zwei Stunden Spielzeit für einen Durchgang benötigt und daher vom Umfang leider ziemlich mager ist. Wer sich aber auf die Welt einlässt, der findet auch eine schöne kleine Geschichte für Zwischendurch. Besonders die kleinen Gedichte und die Vergleiche und Metaphern fallen sehr positiv aus. Leider verliert Toren nach dem Durchspielen nahezu jeden Wiederspielwert, da es wenig zu verpassen oder zu erkunden gibt.

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Leider ein PlayStation 4 Spiel, welches sich nicht auf Next-Gen Niveau befindet

Ganz klar ist bei Toren das Gameplay leider der größte Schwachpunkt des Spiels. Denn auch wenn das Spiel nicht so lang ist wie manch andere, so fühlen sich manche Gameplay Elemente schon sehr schnell verbraucht an. Man gibt dem Spieler eine gewisse neue Funktion und lässt diesen das gelernte so oft anwenden, bis dieser das zwanghaft aus dem Schlaf erledigen könnte. Das ist nicht das ganze Spiel über so, doch alles in allem gibt es dann doch nicht so viel Abwechslung. Letztlich hat man den Controller mit Viereck zum Schlagen, beziehungsweise Interagieren, und X zum Springen/Klettern fast gar nicht ausgenutzt, was die Möglichkeiten der Abwechslung schnell erschöpfen lässt. Aufgefrischt wird das Gameplay jedoch mit einigen Rätseln die sich über das ganze Spiel hinweg verteilen und so stets den Spieler fordern. Große Kampforgien sollte man aber nicht erwarten, dass Schwert ist allem voran für den Drachen gedacht. Damit dreht sich das ganze Spiel eher darum, den Turm zu erklimmen, Rätsel zu lösen und den Drachen fertig zu machen.

Um davon eine Pause zu machen, kann das Mondkind die besagten Träume der Welt besuchen. Diese haben stets eine andere Grundlage, wie Beispielsweise Emotion. Dadurch ergibt sich auch immer eine gänzlich andere Welt, was sich sowohl grafisch, als auch spielerisch deutlich von den Anderen abgrenzt. Dies macht besonders Spaß, denn dadurch zeigen sich neue Facetten im Gameplay und besonders grafisch gibt das dann doch viel mehr her. Da aber manche Rätsel vielleicht doch etwas knifflig sein können, ist es besonders nervig, dass man nach dem Scheitern an den Anfang des Bereichs kommt und den kompletten Weg wieder zurück laufen muss. Das kann etwas fristrirend sein, wenn man nicht genau aufpasst und einige Male hintereinander sterben sollte. Allgemein verbaut sich Toren eher selbst den Spielspaß, da es besonders technisch eher mau aussieht. Natürlich ist es „nur“ ein Indie Spiel, aber die Trägheit des Spiels, fehlende Abwechslung und so manche Spielelemente haben viel Potenzial um aus Toren mehr machen zu können.

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Es hört sich besser an als es aussieht

Für einen solch kleinen Titel hat Toren schon ein sehr schönes Design und die, auch wenn zwar etwas wenigen, Charaktere sehen nicht nur gut aus, sondern sind auch gut durchdacht. Indem das Mondkind wächst und auch neu geboren werden kann, hat man ein schönes Zeitgefühl und merkt seinen Fortschritt – gleichzeitig ist es auch schön umgesetzt. Der Turm, sowie der Magier, haben die mystische Stimmung perfekt eingefangen und geben einem das Gefühl, wie klein man doch ist, aber wie viel man dennoch bewirken kann, egal wie viele Versuche man auch braucht um dies zu erreichen. Gleichzeitig erfüllt der Drache die Funktion des Wächters und der allgegenwärtigen Gefahr voll und ganz, dennoch empfindet man Sympathie für ihn. Leider sind dafür manche Umgebungen nicht ganz so schön und wirken fast wie hingeklatscht. Swordtales hat als kleiner Entwickler wohl viel investiert, dennoch sieht man ganz deutlich, dass es grafisch leider nicht so hübsch ist, wobei es vom Design gut inszeniert ist. Auch so manche Clipping- oder Kantenflimmern Fehler haben sich in das Spiel hineingeschlichen. Besonders mies fällt hier aber auch die Kollisionabfrage aus. Falls man denn mit seinem Schwert Feinde schlagen möchte, dann schlägt der Charakter ins leere aber macht dennoch schaden oder es sieht so als würde man treffen, doch letztlich haut man in die Luft. Ähnliches beim springen, denn möchte man mal zu einem Vorsprung springen, dann schwebt man manchmal etwas in der Luft, bis das Spiel den Vorsprung realisiert und darauf reagiert und das Mondkind endlich klettern lässt. Alles in allem ist Toren besonders technisch alles andere als eine Offenbarung.

Beim Ton kann man Toren jedoch kaum Vorwürfe machen. Es gibt zwar keinerlei Sprachausgabe, aber alle Texte sind ins Deutsche übersetzt. Sowohl die musikalische Untermalung einiger Szenen, sowie der stetige Umgebungssound sind überzeugend. Gerade bei wichtigen Momenten weiß die Musik, wie sie dem Spieler nochmal tiefer in das Spiel eintauchen lassen kann. Zwar gibt es an manchen Stellen nicht ganz so schöne Soundübergänge zu einer anderen Musik, aber darüber lässt sich hinwegsehen, da sich die Musik ansonsten lediglich positiv hervorbringt.

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Fazit:

Toren ist ein schönes kleines Abenteuer für alle, die eine schöne Geschichte erleben möchten und dies in einer ruhigen und stimmungsvollen Umgebung. Gerade die Gedichte und Charaktere machen einen Toren besonders erlebenswert. Wer jedoch große Ansprüche an Grafik, Technik oder auch an das Gameplay hat, der wird bei Toren vermutlich nicht zufriedengestellt. Man muss letztlich einfach sagen, dass es für den Entwickler Swordtales ein guter Versuch war, aber leider in vielen Bereichen leider doch zu schwach ist. Durch einen Preis von 9,99 Euro (bzw. 8,99 als PS-Plus Mitglied) bietet das Spiel mit knapp zwei Stunden Spielzeit und nahezu keinem Wiederspielwert vielleicht wenig, doch vergleicht man es mit Spielen wie Journey, dann geht dies dennoch in Ordnung. Also ein Versuch ist es Wert diesen Indie-Titel auszuprobieren, aber ein Must-Have ist es sicherlich nicht.

Gutes

+ Bezaubernde Geschichte
+ Gute Chrakterentwicklund und Hinreissende Welt
+ Wundervoller Soundtrack

Schlechtes

- Grafik und Gameplay leider nicht so gut
- Technisch schon etwas veraltet
- Leider etwas kurz

7.1 Gut

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