Tony Hawk’s Pro Skater 5 im Test – Das Ende einer Ära?

Getestet von | 22.10.2015 um 16:48 Uhr

Am 2. Oktober diesen Jahres war es soweit und die Skateboard-Ikone Tony Hawk feierte sein Debüt auf den Next-Gen Konsolen. Mit Tony Hawk’s Pro Skater 5 veröffentlichte Activision den mittlerweile 18. Ableger der Reihe. Bereits bei der Ankündigung im November 2014, über den Twitter-Account von Tony Hawk wurde erste Kritik laut, da das Spiel gleichzeitig für Konsolen und Mobilgeräte erscheinen sollte, auch wenn man versicherte, dass es sich dabei um getrennte Versionen handeln solle. Dann die Tatsache, dass das Spiel bei Robomondo in Chicago entstehen soll, einem Studio, welches aus dem Midway-Konkurs von 2009 hervorgegangen ist. Ein Studio, dass für die Entwicklung von Tony Hawk: Ride und Tony Hawk: Shred verantowortlich war und bei beiden Teilen keine Glanzleistung hinlegte. Doch für den neusten Teil verspricht das Studio einiges und nimmt sich vieles vor: Es soll einen fließenden Übergang zwischen Solo- und Koop-Modus geben, außerdem verspricht man Power-Ups und einen Park-Editor. Zudem wird es für die Last-Gen Konsolen keinen Multiplayer Teil geben, die ohnehin erst heute verschoben wurden. Bereits im August waren die Spieler auf der ganzen Welt geschockt, als auf der gamescom die neusten Screenshots gezeigt wurden und man dort sah, dass sich die Entwickler nach starker Fan-Kritik von einem »realistischen« Grafikstil verabschiedet haben und fortan auf eine Art Cel-Shading setzen wollten. Nun ist das Spiel also im Handel erhältlich und wir wollen euch mit diesem Test zeigen, ob die bösen Vorahnungen der Fans wahr geworden sind oder ob es die Entwickler von Robomondo endlich geschafft haben, ein anständiges Tony Hawk Spiel zu entwickeln.

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Absolut minimalistisch

Normalerweise würden wir euch an dieser Stelle etwas über die Geschichte des Spiels erzählen und wie wir (wie in den meisten Skateboard Spielen) unseren Skater vom Nobody zum absoluten Star der Szene hochspielen. Doch leider enthält Tony Hawk’s Pro Skater 5 absolut gar keine Geschichte, sodass wir anders beginnen müssen. Für Serien Veteranen beginnt der Schock schon im Hauptmenü, denn statt einem Skater-Baukasten gibt es nur mehr vorgefertigte Sportler, bei denen man immerhin (freigefahrene) Köpfe und Kostüme austauschen darf und das war es eigentlich auch schon, denn außer Biografien zu den enthaltenen Skatern, findet man auch nicht viel mehr im Hauptmenü. Also stürzen wir uns in den ersten Level und versuchen wie früher die S-K-A-T-E-Buchstaben, Video-Tapes zu sammeln und dabei auch eine der vorhandenen Missionen zu erledigen. Doch schon da kommt der nächste Punkt, welcher negativ auffällt: Sobald man einen Missionsmarker aktiviert, bzw. den Auftrag im Menü auswählt, folgt eine kurze, aber nervige Ladepause. Und nach der Mission schon wieder. Und immer verbunden mit Sound-Aussetzern, Rucklern, hereinploppenden Texturen und einem Absturzrisiko. Denn das Spiel findet immer in einer erzwungenen Online-Lobby statt, in welcher man einfach mit anderen Spielern herumskatet und für die Missionen in eine Offline-Lobby wechseln muss. Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass gar kein Flow aufgebaut werden kann, was die älteren Teile dieser Serie so auszeichnete. Zu Beginn wirken die Missionen noch sehr originell. Neben der traditionellen Punktejagd, mit möglichst ausgefallenen Tricks im Kampf gegen die Zeit, gilt es beispielsweise möglichst viele Eistüten einzusammeln, Videokasetten oder CDs einzuheimsen oder Buchstaben-Kombinationen herauszufahren. Leider nutzen sich diese Muster bereits nach kurzer Zeit enorm ab, da sich dieses Schema immer und immer wieder wiederholt und somit praktisch keine Abwechslung entsteht. Zudem ergeben die Aufgaben keinen Sinn und als Spieler kommt es einem so vor, als wäre den Entwicklern die Ideen ausgegangen oder man hätte das Ganze innerhalb von einigen Tagen konzipiert. Zudem sind die Online-Lobbys zwar mit einigen Spielern gefüllt, jedoch ist jegliche Art der Interaktion oder Kommunikation nicht möglich, worauf wir uns wieder fragen, warum wir denn dazu gezwungen werden, in dieser Halle zu fahren.

Show me your Moves!

Kommen wir nun zu einem weiteren wichtigen Punkt bei solch einem Spiel, nämlich der Steuerung. Diese hat sich nicht im Geringsten geändert: Grabs, Flips, Liptricks, Revert, Manuals – alles funktioniert wie aus den älteren Teilen der Serie gewohnt. Aber trotzdem fühlt sich das Ganze sehr komisch an und kann zu keiner Zeit ein Feeling wie früher aufbauen, woran das liegt? Der gesteuerte Skater agiert viel zu hektisch über die Hindernisse. Ständig legt er sich hin, weil die Drehbewegungen unübersichtlich und zu schnell sind. Viel zu oft bricht er einen Trick ab, um einen anderen auszuführen. Die Animationsübergänge sind so flüssig wie Zement. Und wieso kann man im Grind nicht den Grindtrick ändern? Wieso verlässt der Skater beim Grind oftmals die Linie, wenn wir einen simplen Hellflip machen? Und warum gibt es so unfassbar schlechte physikalische Umsetzungen an Kanten und Grindbalken? Was soll der „Grind-Slam“, der den Skater beim Drücken der Grindtaste nach unten drückt? Dabei sollte in solch einem Spiel doch die Erwartung sein, dass man bis zum perfekten Zeitpunkt wartet, um den nächsten Trick auszuführen und somit eine Art Erfolgserlebnis zu haben. Doch stattdessen wirkt das Ganze wie ein Magnetischer Mensch, welcher alles auf einmal könnte, wenn man es denn nur ein wenig richtig timen würde. Immerhin funktioniert der Editor ganz ordentlich, sodass dank fleißigen Spielern, rund um den Globus, doch noch spaßige Levels vorhanden sind, obwohl man diese länger suchen muss.

THPS5_School_Level_PSInside.de

Gutes

- Einige spaßige Missionen
- Guter Soundtrack
- Gelungener Editor

Schlechtes

- Schwache Grafik
- Unnötige und nervige Ladezeiten
- Langweiliges Leveldesign
- Praktisch keine Abwechslung
- Online-Lobby Zwang
- Keine Interaktion mit Mitspielern möglich
- "Physik" im Spiel

4.0 Schlecht!

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