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Tony Hawk: Shred – Review

Artikel von | 05.12.2010 um 00:00 Uhr

Es ist Zeit für eine Revolution! So oder so ähnlich haben Activision Mitte letzten Jahres wohl das neueste Tony Hawk Videospiel angekündigt. Ende 2009 erschien es dann und die große Ernüchterung machte sich breit: Das Skateboard-Spiel mit eigens konzipierten, bewegunsintensiven Board-Controller offenbarte sich als ein einziger großer Fehltritt. Kein Grund für den Entwickler & Publisher nicht einen zweiten Versuch zu starten und den offiziellen Nachfolger zu veröffentlichen – selbstverständlich erneut gesteuert mit dem Skateboard für Zuhause. Ob das Spiel die Fehler des Vorgängers ausmerzen konnte oder ob „Shred“ lediglich zum zerschreddern taugt, erfahrt ihr im PS3inside Review!

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Rauf auf’s Board…

Nachdem ihr das Spiel gestartet habt, dürft ihr euch einmalig dem Kalibrierungsprozedere, welches Spieler des Vorgängers bereits kennen sollten, stellen. Der komplett identische Vorgang lässt in Bezug auf Erkennung und Steuerung nichts Gutes vermuten – doch dazu später mehr. Wollt ihr dann eure erste Spielesession starten, werden besonders erfahrene „Wohnzimmer-Skater“ blöd aus der Wäsche gucken. Seid ihr in „Ride“ – trotz eigentlicher Unspielbarkeit – hauptsächlich im „Erfahren“ oder „Hardcore“-Modus durchs Spiel gebrettert, so müsst ihr in „Shred“ diese Schwierigkeitsgrade erst durch das Ergattern von Sternen freischalten. Es bleibt dem Spieler also nichts anderes übrig, als vorerst lediglich im Casual-Modus durchzustarten und einen der im Grunde genommen nur vier Spielmodi auszuprobieren. Auf neue Ideen hat man im Hause Activision grundsätzlich verzichtet. Wie im Vorgänger kann man mit der Punktejagd, einen wie der Titel vermuten lässt punkteorientierten Spielmodus oder der Zeitjagd, in dem ihr möglichst schnell durch eines der sechs Level flitzen müsst seinen „Spaß haben“. Auch wieder mit dabei sind der „Punkte-Spots“-Modus, bei dem es gilt, an fünf Schauplätzen hintereinander möglichst viele Punkte zu ergattern und der Herausforderungsmodus. Hier müsst ihr vom Spiel vorgegebene Tricks absolvieren. Und es scheint, als ob die Entwickler selber den Eindruck gehabt hätten, dass man durch die Steuerung mit dem Skateboard nicht wirklich das machen kann, was man auch wirklich will. Die logische Konsequenz: Die Herausforderungen sind keine wirklichen Herausforderungen mehr, da man darauf verzichtet hat, vom Spieler anspruchsvolle Tricks abzuverlangen. Sind euch die handvoll Skateboard-Level langweilig geworden – was durch die extreme Linearität verständlich wäre – so dürft ihr euch immer noch im heiß angepriesenen Snowboard-Fahren austoben! Klingt unheimlich spaßig und aufregend. Ist es in der Realität allerdings überhaupt nicht. Snowboarder dürfen sich auf noch weniger Level als die Skater freuen und Abwechslung ist auch hier zu keinem Zeitpunkt geboten. Ihr könnt euch lediglich in den gleichen, bekannten Spielmodi beweisen. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Und da die Steuerung auch im Schnee schlichtweg versagt, kann man hierbei nicht von einer sinnvollen Implementierung sprechen.

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…und schnell wieder runter!

Wer „Tony Hawk: Ride“ nicht gespielt hat, sollte kurz informiert werden, um was für eine spielerische Vergewaltigung es sich dabei gehandelt hat. Der theoretisch gut für solch ein Genre geeignete Skateboard-Untersatz hat in der Praxis keine gute Figur gemacht. Die Erkennung war mehr als mangelhaft, Frustmomente waren nach kurzer Einspielzeit nicht mehr wegzudenken und Spaß hatte man wohl nur beim Vernichten des Controllers. All diejenigen, die das Skateboard für zu teuer befunden haben, um es endgültig aus ihrem Haushalt zu verbannen und es demnach noch im Schrank herum zu liegen haben, dürfen sich nun auf die konsequente Fortsetzung, eben besonders spielerisch, freuen. Denn wer bisher dachte, dass ein Nachfolger zu einem Spiel dazu da ist, um Fehler auszumerzen und eine bessere Erfahrung bieten zu können, wird bei „Tony Hawk: Shred“ eines Besseren belehrt. Da die gleiche miese Hardware mit den gleichen miesen Sensoren verwendet wird, waren Kritiker bereits im Vorfeld misstrauisch. Und sie sollten Recht behalten: Abseits vom Casual-Modus ist es unmöglich, effizient zu spielen. Während man im Anfänger-Schwierigkeitsgrad nämlich noch bei der Hand genommen wird und nicht selber navigieren muss, muss der Spieler im höheren Schwierigkeitsgrad nämlich selber die Richtung bestimmen. Das Tricksen auf dem Board ist schon mehr Glückssache als Können, dabei aber noch sinnvoll zu lenken ist in der Tat unmöglich. Da hilft auch das BSA, eine der wenigen Neuerungen des Spiels, nicht weiter. Dieses zeigt die Gewichtverlagerung auf dem Board an. Wenn die Tricks im Endeffekt aber dann doch nicht so ausgeführt werden, wie man es selber will, ist solch ein Feature gänzlich nutzlos. Alle Schneehasen müssen sich selbstverständlich auf eine ähnlich schlechte Steuerung und vor allem auf eine noch lieblosere Spielerfahrung gefasst machen. Der Snowboard-Modus scheint anfangs zwar wirklich noch spaßiger zu sein, als sein Skate-Pendant, im Endeffekt wurde er aber scheinbar nur „hingeklatscht“, um letztendlich vielleicht doch noch ein klitzekleines Verkaufsargument zu haben.

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Hawk meets Cell Shading

Auch grafisch war „Ride“ zum letzt jährigen Release auf keinen Fall ein Meilenstein. Viel mehr befand sich diese – wie auch das restliche Spiel – auf einem grauenvollen Niveau. Grund genug für Entwickler Robomodo, den gesamten Grafikstil über den Haufen zu werfen und etwas vollkommen Neues für die alteingesessene Spieleserie auszuprobieren. Das Ergebnis dürfen wir in „Shred“ bestaunen, auch wenn sich nach Anblick dieses Experimentes der ein oder andere wohl doch die grauenvolle „Ride“-Grafik zurückwünscht. Was auf Screenshots noch recht akzeptabel aussah, ist in der Realität einfach der blanke Horror. Beschreiben lässt sich die Grafik als ein angedeuteter Cell Shading-Mix. Dieser Comiclook ist aber viel zu inkonsequent umgesetzt worden. Das Leveldesign hingegen ist durchaus ertragbar, genauso wie die wenigen der Realität nachempfundenen Skater & Snowboarder. Mit diesem müsst ihr euch im Übrigen auch spielerisch vergnügen – eine eigene Spielfigur kann man nicht erstellen.
Der Soundtrack des Spiels ist des Weiteren so, wie das gesamte Spiel: Einfach nur schrecklich! Wovon die „Tony Hawk“-Franchise früher gelebt hat – der rockige und einfach nur stimmige Soundtrack – davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Eine eigenartige Auswahl an unpassenden Musikstücken ist das, was nach all den Jahren von „Tony Hawk“ übrig geblieben ist, recht repräsentativ für das gesamte Spiel.

Tote Hose

Offline dürft ihr wie im Vorgänger mit bis zu acht Leuten immer abwechselnd vor dem Fernseher um die Wette skaten. Dies macht zwar immer noch mehr Spaß, als alleine vor dem Fernseher rumzuhampeln, die mangelhafte Steuerung macht aber auch die Mehrspielererfahrung zu einer gänzlich schlechten. Kurz kann der Wettkampf gegeneinander mit Sicherheit überzeugen, auf lange Sicht hin bleibt aber auch dieser Modus unangerührt.
Habt ihr all eure Freunde mit dem Spiel vergrault, so dürft ihr zu mindestens noch online nach Gleichgesinnten suchen. Ernsthaft bewerten konnten wir von PS3inside den Online-Modus nicht, da wir schlichtweg keine Mitspieler gefunden haben. Suchen kann man wohl so lange wie man will, im Endeffekt wird dieses Schicksal wohl jedem potentiellen Online-Spieler treffen.

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Ab in den Schredder

Vielleicht startet Activision im nächsten Jahr einen weiteren Versuch, Sportarten gibt es schließlich noch genügend. Dass der Skateboard-Controller in Zukunft aber einen ernsthaften bekommt, bleibt unwahrscheinlich. Mit „Tony Hawk: Shred“ wurde nämlich ein Stück Software auf dem Markt geworfen, das sich im Vergleich zu seinem völlig miserablen Vorgänger in so gut wie keinem Punkt verbessert hat. Das Spiel selber kann zu keinem Zeitpunkt motivieren und langweilt viel zu schnell. Grafisch entwickelte sich das Spiel gar zurück, der Soundtrack stellt den absoluten Tiefpunkt der Serie dar. Doch wäre das alles vielleicht noch verkraftbar, ist es die Steuerung via Skateboard nicht. Im höheren Schwierigkeitsgrad ist „Shred“ einfach unspielbar und auch auf „Casual“ gelingt viel zu wenig so, wie man es selber will. Hinzu kommt ein im Vorfeld groß angekündigter Snowboard-Modus, der sich letztendlich genauso spielt, wie sein Skate-Pendant, und zwar einfach schlecht. Doch auch „Shred“ hat seine guten Seiten: Man muss es nicht kaufen. Keiner wird gezwungen, eine solch schlechte Erfahrung machen zu müssen. Und Hobby-Skater auf aller Welt können nur das hoffen, was sie bereits nach „Ride“ gehofft haben: Hoffentlich ist jetzt Schluss.

Tony Hawk: SHRED Testbericht

Tony Hawk: SHRED

  • Release: 28.10.2010
  • Genre: Sport
  • Entwickler: Activision
  • Publisher: Activision

Gutes

- bereitet zu mindestens auf "Casual" einige Minuten Spaß

Schlechtes

- Steuerung, die das Spiel unspielbar macht
- auf Dauer langweilend und demotivierend
- mieser Grafikstil
- schlechter Soundtrack
- Online-Modus nicht spielbar, da Server leer

5.0 / 10 Nur für Fans

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