Menü

Tomb Raider Definitive Edition – Unser haarigster PS4-Test

Artikel von | 30.01.2014 um 19:49 Uhr

Im letzten Jahr beglückte uns Crystal Dynamics mit einem Serienreboot rund um die allseits bekannte Videospieleikone und Archäologin Lara Croft. In unserem damaligen Test konnte uns Tomb Raider nur eingeschränkt überzeugen, denn obwohl es gute Ansätze gab, trübten viele technische Macken sowie ganz zentral die Entwicklung der Protagonistin unseren Gesamteindruck. Nun kehrt Tomb Raider mit der überarbeiteten Definitive Edition zurück und landet auf der PlayStation 4. Ob uns die neue Fassung überzeugt?

Lara hat die Haare schön!

Mit der Ankündigung der Tomb Raider Definitive Edition sorgten Square Enix uns Crystal Dynamics für einige erheiterte Gemüter in unserer Redaktion, denn besonderen Fokus legte man für die überarbeitete Fassung auf die TressFX Haare der Protagonistin sowie die verbesserten “Dreckeffekte”. Natürlich wurde insgesamt noch mehr verändert, kurzum: Tomb Raider läuft auf der PS4 in 1080p und (größtenteils) mit 60 Bildern pro Sekunde, zusätzlich bekam Lara ein überarbeitetes Charaktermodell spendiert und einige weitere optische Verbesserungen wurden durchgeführt.
So macht die Tomb Raider Definitive Edition technisch einen durchaus sauberen Eindruck, auch wenn man nicht zu sehr hinter die Kulissen blicken sollte. Laras neues Modell gefällt uns insgesamt gut, auch die TressFX Haare können überzeugen, auch wenn sie wie durch ein Wunder immer noch nicht nass, dreckig oder klebrig werden und somit noch weit vom Realismus entfernt sind – Vielleicht hatte aber auch nur 3 Wetter Taft (mit Langzeitwirkung) seine Finger im Spiel, frei nach dem Motto: Die Frisur hält!
Noch besser zur Geltung als in der Originalfassung von Tomb Raider kommen durch scharfe Texturen und die hohe Auflösung die teils beeindruckenden Schauplätze, die uns durch die gelungene Geräuschkulisse noch mehr in ihren atmosphärischen Bann ziehen. Zusammen mit der weiterhin guten Bevölkerung der Spielwelt durch Tiere und der gelungenen Vegetation führt das zu einer insgesamt stimmungsvollen und glaubwürdigen Spielwelt.
Zu tief hinter die Kulissen sollte man deshalb nicht blicken, da es immer noch an vielen Stellen nur so vor Clippingfehlern wimmelt und auch die Kollisionsabfrage nicht immer einwandfrei funktioniert. So schweben Objekte in der Luft oder bewegen sich einfach durch andere hindurch. Öfter weiß das Spiel auch nicht so recht, wo Lara gerade positioniert werden soll, so funktioniert das Springen auf bestimmte Objekte nicht richtig, im Extremfall kann es sogar passieren, dass ihr durch den Boden ins Endlose stürzt (siehe Bildergalerie).

Klonkrieger Returns – Definitive Edition

Während technisch also zumindest an der Oberfläche verbessert wurde, so hat sich auf anderen Ebenen kaum etwas getan. Soll heißen: Vom Gameplay und vom Inhalt her bekommt ihr genau das gleiche Spiel wie letztes Jahr serviert. Die Steuerung wurde 1:1 auf den DualShock 4 Controller übertragen und funktioniert hier sehr gut. Das Touchpad wird zum Öffnen der Karte und zum Navigieren dort benutzt, ebenso kommt ein anderes Feature des neuen Controllers zum Einsatz, nämlich die Lightbar, die gelb-rot flackert, wenn ihr eine Fackel angezündet habt.
Auch in diesem Tomb Raider könnt ihr euch spätestens in der zweiten Spielhälfte auf Ballereinlagen à la Gears of Lara freuen. Schon innerhalb der ersten Spielstunde entwickelt sich die unsichere Studentin Lara Croft zur zerstörungswütigen Rambine. Die Entwicklung derselben bleibt dabei an einigen Stellen auf der Strecke, obwohl wir es mit durchaus dramatischen Szenen zu tun bekommen.
Dass nur oberflächliche Verbesserungen durchgeführt wurden, merkt man auch daran, dass uns auf der Insel immer noch ein ganzes Heer von Klonkriegern erwartet. Nein nein, natürlich ist auch die Definitive Edition kein Crossover mit Star Wars geworden, doch für die grausamen Männer auf der Insel, die wir pausenlos abknallen, hatte es während der Entwicklung des Spieles wohl nur für einige wenige Charaktermodelle gereicht, sodass wir immer wieder die gleichen Menschen zu Gesicht bekommen. Wir werden Tomb Raider diesen Makel verzeihen, falls sich in der Zukunft noch herausstellen sollte, dass es sich bei dem Ausflug nach Yamatai bloß um ein Reality-TV-Programm handelte, das Lara mit den Worten “A Survivor is born” mit Bravour gemeistert hat. Erhört uns, Crystal Dynamics!
Zwischenzeitlich erfreuen wir uns immer wieder an den optionalen Gräbern sowie den Sammelobjekten, die Tomb Raider in großer Anzahl bietet. In den Gräbern finden dann auch Rätselfreunde ein bisschen was zu tun, auch wenn sich die meisten Herausforderungen recht fix lösen lassen. Das anspruchsvollste aller Rätsel befindet sich unserer Meinung nach dann doch kurz vor dem Ende des Hauptszenarios. Die Sammelwütigen unter euch können sich auf die Suche nach Relikten, Geocaches und Tagebüchern machen – Oder Lara mit einer Fertigkeit ausstatten, die die Sammelobjekte bei Aktivierung des “Überlebensinstinkts” vorübergehend sichtbar macht.
Insgesamt gibt es in Tomb Raider also Einiges zu tun, auch wenn sich das Spiel recht schnell abschließen lässt. Insbesondere wenn ihr die Originalfassung schon gespielt habt, werdet ihr immer wieder erstaunt sein, wie weit ihr schon fortgeschritten seid. Lediglich zum Sammeln aller Objekte müsst ihr noch etwas mehr Zeit in der Spielwelt verbringen, ebenso wie das Ausweiden von genügend Tieren, um die entsprechenden Trophäen zu kassieren. Außer dass ihr noch einige Erfahrungspunkte sammelt, hat das Jagen nämlich absolut keinen Zweck – Der Survival-Aspekt fehlt in der Tomb Raider Definitive Edition immer noch komplett!

Hübsche Kulissen wie diese können überzeugen.

Kulissen wie diese können überzeugen.

Ein Ausblick auf die nächste Lara

Tomb Raider hat uns in der Definitive Edition durch die wesentlich sauberere Technik etwas besser gefallen als noch auf der PlayStation 3. Rein optisch kann das Spiel nun auf alle Fälle beeindrucken und die ohnehin schon starke Atmosphäre der Schauplätze zieht noch mehr in ihren Bann. Für ein echtes Next-Gen Erlebnis hätten nur auch unter der Haube Dinge verbessert werden müssen, sodass es nicht mehr ständig zu Clipping-Fehlern kommt oder die Kollisionsabfrage versagt. Auch spielerisch hat sich freilich nichts getan, sodass die actionüberladenen Ballerorgien die ruhigen und wesentlich stärkeren Passagen immer noch überwiegen. Auch der völlig missachtete Survival-Aspekt fehlt natürlich immer noch.
Fest steht: Mit einer soliden technischen Grundlage, TressFX Haaren und Besinnung auf die starken Elemente des Spieles ist Lara gewappnet für weitere Abenteuer, über die uns Crystal Dynamics sicherlich schon bald mehr wissen lässt. Wir würden uns freuen, dann wieder mehr Erkundung und Rätselarbeit leisten zu dürfen und weniger Fokus auf Ballerei zu erleben. Bis dahin ist die Tomb Raider Definitive Edition aber sicherlich vor allem für diejenigen eine gute Wahl, die das Spiel bisher noch nicht kannten. Trotz der Schwächen gehört es momentan noch zu den stärksten Spielen auf der PlayStation 4!

Tomb Raider Definitive Edition 2

Tomb Raider – Definitive Edition Testbericht

Tomb Raider – Definitive Edition

  • Release: 31.01.2014
  • Genre: 3rd Person Action, 3rd Person Shooter, Action, Adventure
  • Entwickler: Crystal Dynamics
  • Publisher: Square Enix

Gutes

+ Hübsche Kulisse
+ 1080p/60FPS
+ Beeindruckende Atmosphäre
+ Realistische Vegetation und Tiere

Schlechtes

- Clippingfehler und kleinere Framerateprobleme
- Survivalaspekt fehlt komplett
- Laras Entwicklung teils unglaubwürdig
- Ballerorgien statt Rätseln und Erkundung

8.2 / 10 Sehr gut

Deine Meinung? Let's Chat!

Jetzt einloggen oder registrieren um ein Kommentar zu schreiben

Anmelden