Tokyo Jungle – Review

Getestet von | 17.10.2012 um 00:00 Uhr

Was passiert mit der Welt, wenn wir, die Menschen, nicht mehr auf ihr wandeln? Zwar probierte das überaus gute BBC Studio diese Frage zu beantworten, scheiterte aber bei diesem Versuch kläglich. Sony Japan Studio greift diese Thematik auf und programmierte eine überaus interessantes Spiel.

Wo sind sie hin?
Der Bauch knurrt, in der Wohnung findet der Hund nichts mehr zu essen. So ist er genötigt sich nach draußen zu begeben. Doch schon die ersten paar Schritte sind ein Graus. Tokyo Jungle fängt genau 10 Jahre nach dem Verschwinden der Menschen an. Die Haustiere mussten sich von ihren schönen goldenen Käfigen befreien und machen die Straßen von Tokio unsicher. Doch auch die Nutztiere wie die Zootiere haben es irgendwie geschafft dem Tod von der Schippe zu springen. Doch alles hat seinen Preis. Denn wir wissen, Mutter Natur ist grausam zu jedem. Diese Lektion muss jedes Tier in Tokio früher oder später lernen. So auch der kleine Hund, der durch den großen Hunger nach draußen getrieben wurde. Während die ersten paar Schritte noch einfach zu erledigen waren, und man kleinere Hasen oder Küken jagte, gesellen sich später schon größere Tiere dazu, die auch mehr satt machen. Doch ein Hund ist in der Hierarchie im Großstadtdschungel nicht gerade weit oben. So kommt es, wie es kommen muss und zwei große Tiger versperren dem kleinen den Weg, ja, sie greifen ihn auch an. Und schneller als man denkt, hat der Hund ins Gras gebissen.

So in etwa gehen die Geschichten in Tokyo Jungle aus. Das Spiel ist durch und durch japanisch getrimmt. Das bedeutet vor allem, das Gameplay und Idee vor Grafik und Umfang kommen. Was in Japan guten Anklang findet, kann im Westen glatt untergehen. In diese Kerbe schlägt auch Tokyo Jungle.

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Fleisch oder Pflanzenfresser, das ist hier die Überlebensfrage
Man bekommt insgesamt sage und schreibe drei Spielmodi über, die, tadaa, sich alle gleich spielen. Der Spielmodus Überleben ist das Herzstück. Der Ablauf ist immer derselbe. Man wählt ein Tier, das man entweder freigeschaltet hat oder das schon vorgegeben ist. Und dann fängt der immer gleiche leicht monotone Trott an. Jedes Tier startet bei Jahr 0 und fängt so sein Leben an. Schon das erste Jahr ist eine kleine Herausforderung, denn es kann sehr wohl passieren, dass man schon vor dem ersten Jahr ins Gras beißt. Dies vor allem, weil die Gegner im Random Verfahren platziert werden. Auch die kleineren Aufgaben, die man als Tier erledigen muss, haben ein leichtes Random Verfahren. Zwar sind die Aufgaben mehr oder weniger immer die gleichen, der Fundort aber immer wieder verschieden. Man erhält diverse Gebiete von Tokio, die man von Anbeginn an unsicher machen kann, aber nicht sollte. So muss man in den ersten 30 Jahren, bestimmte Gebiete einnehmen, sich fortpflanzen oder einfach überleben. Falls man die Aufgaben schon erledigt hat, muss man warten, bis man weitere Jahre überlebt hat, um dann neue Aufgaben zu erhalten. Da man das Spiel mit nur einer kleinen Anzahl an Tieren beginnt, sind die Aufgaben sehr wichtig, denn durch verschiedene Spezialaufgaben könnt ihr weitere Tierarten freischalten. Spielt man einen Fleischfresser, so muss man besagtes Tier finden und es erlegen. Hat man sich jedoch für einen Pflanzenfresser entschieden, so reicht es, das Tier zu berühren oder dessen Gebiet einzunehmen. Jedoch wird in jeder Aufgabe explizit beschrieben, was man zu tun hat.

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Das alles hört sich recht simpel und einfach an. Ist es auch. Dennoch wird man den Game Over Bildschirm öfter sehen als einem lieb ist. Denn die Natur ist gemein. Hin und wieder brechen Krankheiten aus, giftiger Regen peitscht vom Himmel herab, Pflanzen und Kadaver verfaulen und bergen so ein hohes Sterberisiko. Auch kommt es häufiger vor, dass sich die Sicht verschlechtert. Ist dies der Fall, ist die Minikarte gleich unbrauchbar, da man Feind oder Freund geschweige denn Futterplätze nicht mehr erkennen kann und nur dann überlebt, wenn man weiß, wo in welchen Ecken in diesem Gebiet eventuell noch Futter zu finden ist. Hinzu kommt noch, dass durch die einzelnen Naturkatastrophen in den Gebieten das Futter ausgeht und man so gezwungen wird, in ein anderes Gebiet zu wechseln, um überleben zu können. Je weiter die Jahre verstreichen, desto stärker werden die Tiere. Musste man sich am Anfang noch mit Hunden und Hyänen rumschlagen, gesellen sich in den späteren Jahren Bären, Wolfs- und Löwenrudel hinzu. Überlebt man anschließend noch länger, sieht man sich Wesen aus der Urzeit gegenüber. Hört sich doch alles ein bisschen seltsam an, oder? So ist es erfreulich, dass die Tiere hin und wieder auf spezielle Items stoßen, die in ihrem Überlebenskampf wichtig sein können. So gibt es hin und wieder Wasserflaschen, Dörrfutter oder Sonstiges, was den Kampf ums Überleben erleichtert. Auch typisch japanisch, gibt es hin und wieder Kleidungsstücke für die Tiere, die nicht nur witzig aussehen können, sondern auch die Attribute eurer Tiere verbessern, sodass das Überleben ein wenig länger gewährleistet wird.

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Neben dem Überlebensmodus könnt ihr auch an der Story versuchen, die jedoch erst nach und nach freigeschaltet wird. Hierfür müsst ihr im Laufe der Zeit im Überlebensmodus verschiedene Hinterlassenschaften der Menschen finden, die euch auch eine Idee bezüglich des Verschwindens der Menschheit liefern. Habt ihr genügend Berichte gefunden, so habt ihr die Möglichkeit, ein weiteres Kapitel im Storymodus zu spielen, in dem ihr nicht nur etwas über die Besonderheiten der verschiedenen Tierarten lernt, sondern auch einiges über verschiedene Herangehensweise und Steuermöglichkeiten erfahrt. Die Hintergrundgeschichte an sich setzt sich jedoch ganz langsam und Stück für Stück zusammen. Wer also genau wissen möchte, was mit den Menschen geschah, sollte sich der Herausforderung stellen und die verschiedenen Berichte sammeln.

Wem es auf die Dauer alleine zu langweilig wird, der kann sich mit einem Freund vor die Konsole setzen und in einem kooperativen Mehrspielermodus versuchen, der Wildnis Herr zu werden. Dabei teilt ihr euch einen Bildschirm und müsst euch absprechen, hat jedoch ein Spieler die Führung übernommen, so folgt der andere automatisch. Nun heißt es: Gemeinsam überleben, kooperieren – Und hier macht der Kooperative Modus seinem Namen alle Ehre, denn wer nicht auch auf seinen Gefährten achtet und ihm in gefährlichen Situationen zur Seite steht, hat schneller verloren als man denkt. Beißt euer Gefährte ins Gras, ihr konntet jedoch fliehen, so habt ihr die Möglichkeit, ihn wieder zu erwecken und es noch einmal zu versuchen. Manchmal kann das Ganze schon ein wenig verwirrend sein, besonders wenn sich beide Spieler erstklassige Weibchen gesucht haben und dann jeweils mit fünf Nachkommen durch die Gegend ziehen.

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Monotoner Spielablauf
Auch wenn uns das Spiel auf der Gamescom überzeugen konnte, so ist der monotone Spielverlauf nicht von der Hand zu weisen. Außer fressen, Gebiete einnehmen, paaren oder kämpfen macht man nix in Tokyo Jungle. Auch fängt man mehrheitlich immer am gleichen Punkt an. Und der ganze Ablauf ist eigentlich immer und immer wieder derselbe. Doch irgendwie kann das Ganze überzeugen. Nach jedem Tod seines Tieres, ist man im ersten Augenblick sauer, geht aus dem Spiel. Nur um nachher noch einen Versuch zu starten. Wir können uns nicht genau erklären, voran das liegt, denn Grafik und Steuerung sind auf dem Niveau der PlayStation 2 geblieben. Die Menüstruktur ist unübersichtlich, der Soundtrack ist noch japanischer als das gesamte Spiel. In keinster Weise passen die fetzigen Disko oder Metallklänge zum Geschehen auf dem Bildschirm. Man kann hier wirklich sagen, durch und durch ein japanisches Spiel, das vor allem für den japanischen Markt produziert wurde. Tokyo Jungle ist und bleibt ein Geheimtipp, denn man mindestens einmal gespielt haben sollte.

Gutes

- Interessante Thematik
- Leicht zu erlernen, schwer zu meistern
- Toller Kooperativermodus

Schlechtes

- Grafik, Sound, Steuerung alles sehr schwammig oder schlecht
- Leicht monotoner Spielverlauf

9.0 Must Have

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