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Tiger Woods PGA Tour 12: The Masters – Review

Artikel von | 13.04.2011 um 00:00 Uhr

Ein wenig früher als sonst ist das neue Tiger Woods PGA Tour in diesem Jahr in die Regale der Spielehändler geliefert worden. Nach vielen zähen Verhandlungen hat EA Sports jetzt endlich auch den elitärsten Golfclub der Vereinigten Staaten von Amerika unter Vertrag nehmen können und präsentiert uns rechtzeitig zum Turnierbeginn in Augusta/Georgia Tiger Woods PGA Tour 12: The Masters. Inzwischen ist der neue Sieger gekührt worden und uns bleibt die Bewertung der Simulation. Was PS3inside vom neuesten Golfspiel aus dem Hause Eectronic Arts hält, erfahrt ihr in dieser Review.

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Road to the Masters

Jährlich stehen die Entwickler vor der erneuten Herausforderung, dem Bestandskunden den Neukauf schmackhaft zu machen. Was bei Tiger Woods 11 geradeso durch die Einfügung des Ryder Cup gelungen ist, könnte bei der aktuellen Auflage durch das prestigeträchtige Masters-Turnier gelingen. Jedes Jahr im April trifft sich die Welt-Elite im Augusta National Golf Club beim ersten Major des Jahres. So überrascht es nicht, dass sich bei Tiger Woods PGA Tour 12 das ganze Spiel um den neuesten Golfclub im Stall von EA dreht. Im Modus Road to the Masters hat der Spieler die Aufgabe, sich vom Amateur bis hin zur Qualifikation des Masters zu kämpfen. Der selbst erstellte Golfer beginnt also auf der amerikanischen Amateur-Tour. Nach den ersten Erfolgen muss er sich auf der Nationwide Tour beweisen, um dann an der Qualifying School aufgenommen zu werden. Wenn dann auch diese Hürde bewältigt wurde, geht es auf die PGA Tour. In der härtesten Profiliga des Golfsports muss sich unser Ego dann die Brötchen verdienen, um am Höhepunkt seiner Karriere angelangt endlich den grünen Rasen des Augusta National Golf Club bespielen zu dürfen. PGA Tour 12 unterscheidet sich also dadurch von den Vorgängern, dass sämtliche Amateur-Schauplätze mit einbezogen wurden. Diese Neuerung ist aber aus deutscher Sicht leider nur insoweit lobenswert, als sie sich leider nur auf die US-Tour bezieht. Die zaghaften Versuche der Vorgänger, die European Tour mit einzubeziehen, sind völlig aus Tiger Woods PGA Tour 12 verschwunden. Dafür ist die US-Tour jetzt mit wirklich allen Facetten vorhanden und lässt den Amateur-Golfer erahnen, wie hart es ist, bis man es als aktiver Spieler in das Fernsehprogramm des Golfchannel geschafft hat.

Bei dieser anstrengenden Karriere werden wir erstmals durch einen Caddie unterstützt, der uns während des Spiels zur Seite steht. Die Trainer-Möglichkeiten des Vorgängers sind verschwunden. Ab sofort hilft uns der Taschenträger beim Entfernung schätzen, Grün lesen und Eisen auswählen. Die Caddie-Optionen sind insbesondere für Einsteiger der Golfsimulation interessant. Risikoschläge werden in rot angezeigt und der sicherste Weg zur Fahne wird regelmäßig vom Caddie vorgeschlagen. Die Sicherheit ist jedoch trügerisch. Die Fähigkeiten unseres Begleiters sind anfangs ziemlich unausgereift und wachsen erst nach mehrmaligen Bespielen der Plätze. Aber selbst dann scheint die KI manchmal nicht ganz sauber zu ticken. Anstatt einen flachen Chip vom Grünrand Richtung Fahne anzuraten, wird vom Caddie so gut wie immer ein hoher Pitch vorgeschlagen. Die Caddie-Optionen sind auf jeden Fall einen Blick wert. Nach ein paar Stunden erscheinen aber selbst dem Golf-Neuling einige Vorschläge zweifelhaft und der ambitionierte Spieler wird den Caddie vermutlich gleich wieder vom Platz jagen.

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Kalter Kaffee

Was absolut nicht mehr geht, ist die veraltete Engine. Während bei anderen Simulationen aus dem Hause EA Sports jährlich an grafischen und spielerischen Verbesserungen gearbeitet wird, tritt Tiger Woods PGA Tour seit Jahren auf der Stelle. Die gleichen lieblosen Zuschauer am Grünrand gepaart mit langweiligen Charakter-Animationen der Golfstars haben wir jetzt oft genug gesehen. Da nützt es auch nicht viel, wenn die eine vielleicht lieb gewonnene Funktion des Trainers durch eine andere Funktion des Caddies ersetzt wird. Zumindest dann nicht, wenn dieser nicht so agiert, wie man es im Profigolf erwarten kann. Viel mehr gibt es zur technischen Seite von Tiger Woods PGA Tour 12: The Masters nicht zu sagen. Wer mehr wissen will, dem seien unsere Kommentare zur PGA Tour 11, 10 und 09 ans Herz gelegt. Seitdem hat sich praktisch nichts geändert und das nervt.

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Real Golf

Die Bewegungssteuerung Move eignet sich bestens für Tiger Woods PGA Tour 12. Wer die Golfsimulation bereits seit Jahren mit dem Controller spielt und noch nie einen echten Golfschläger in der Hand gehalten hat, dem kommt das Gefuchtel und die Körperhaltung etwas befremdend vor. Golfamateure wundern sich hingegen über die realitätsgetreue Umsetzung ihrer Lieblingssportart. Der Spieler entwickelt nach etwas Eingewöhnungszeit ein gutes Ballgefühl, das dem des Controllers zumindest gleichwertig ist. Ansonsten ist die Steuerung über das Pad weitestgehend gleich geblieben. Die 3-Klick-Steuerung ist etwas versteckt und nicht mehr direkt im Spiel zu aktivieren. Wenn die Voreinstellungen jedoch geändert werden, kann man sich auch dieser lieb gewonnenen Funktion wieder bedienen. Für Spielerfahrung bekommt unser Ego Punkte, womit Schlagkraft, Ballgefühl und Schwungebene verbessert werden können. Auch der Caddie profitiert von unseren Erfolgen. Wenn bestimmte Ziele erreicht werden, bekommt der Spieler auf dem betroffenen Golfkurs zuerst eine Bronze-Medaille. Dadurch verbessert sich auch der eigene Caddie, sodass er bei der nächsten Runde auf diesem Platz bessere Ratschläge geben kann. Somit sinkt die Fehlertoleranz beim Grün-Lesen und beim Einschätzen der Schläge. Nicht erwähnt werden muss, dass sich diese Fähigkeiten weiter verbessern, wenn man Silber und Gold erspielt hat.

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Was die Lizenzprodukte angeht, ist EA Sports noch gieriger geworden. Echte Schlägersätze können weiterhin im Spiel frei geschaltet werden. Der Weg dahin ist jedoch inzwischen noch länger geworden. Zuerst ist unser Amateur also an den ganzen Schrott gebunden, den EA Sports für den Pro Shop geschaffen hat. Das trägt nicht unbedingt zum Realismus bei. Zusätzliche Golfartikel gibt es dann, wenn zusätzliche Spielerfahrung gesammelt wird. Dann kann der Sponsor gewechselt werden und der Spieler kann sich an einem neuen Schlägersatz erfreuen. Der freundliche Hinweis, dass sämtliche Artikel gegen Bezahlung im PS-Store erworben werden können, darf natürlich nicht fehlen. Das gleiche gilt für zusätzliche Golf-Kurse. Grundsätzlich ist PGA Tour 12 dahingehend gut bestückt. Die zusätzliche Verfügbarkeit neuer Kurse drängt sich jetzt aber sogar schon im Einzelspielermodus auf. Wenn man also sämtliche Turniere auf der „Road to the Masters“ auch wirklich spielen möchte, sollte vorher ordentlich Guthaben auf das PSN-Konto geladen werden.

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Out of Bounds

Tiger Woods ist vermutlich aufgrund des Sexskandals nicht mehr so werbefähig wie damals und deshalb auch vom Cover des Spiels verschwunden. Auch im Spiel taucht er nur noch sporadisch auf, während er früher durch Videosequenzen praktisch überall präsent war. Die Zeiten sind vorbei und diesem Zustand trägt die fast schon langweilig wirkende Aufmachung von Tiger Woods PGA Tour 12: The Masters Rechnung. Wer schon jahrelang gewartet hat, um endlich den Augusta National Golfclub spielen zu können, kommt wohl nicht an diesem Spiel vorbei. Allen anderen sei von einer Neubeschaffung abgeraten. Veraltete Engine, keine Atmosphäre und keine Berücksichtigung europäischer Belange sprechen dieses Jahr gegen PGA Tour. Weiterhin ist zu bemängeln, dass der Eindruck der Spieler-Abzocke bei PGA Tour sehr aufdringlich ist. Während der Online-Pass ja schon etwas länger den Gebraucht-Käufer bestraft, werden vorhandene Lizenzartikel erst gegen Kohle rausgerückt. Wer sich dem Online-Spiel verweigert, hat auch Einbußen hinzunehmen. Viele Golfplätze sind nur gegen Bezahlung bespielbar und das dämpft den Eindruck vom großen Umfang der Golfsimulation. Mag sein, dass Golf ein Sport für Besserverdiener ist. Wenn sich das aber auch in der Videospielsimulation niederschlägt, wird es bald sehr still um Tiger Woods PGA Tour werden. Selbst eingefleischte Fans verlieren langsam die Geduld. Für einen Vollpreistitel wollen wir auch einen Vollpreisumfang und nicht nur die veraltete Spielgrundlage mit überall auftauchenden Hinweisen, was man sich noch Tolles dazu kaufen kann. Der Golfsport-Fan wird so leicht über 100€ los und das sind wir bei dieser Engine nicht mehr bereit zu zahlen.

Tiger Woods PGA Tour 12: The Masters Testbericht

Tiger Woods PGA Tour 12: The Masters

  • Release: 31.03.2011
  • Genre: Sport
  • Entwickler: EA Sports
  • Publisher: Electronic Arts

Gutes

Endlich Augusta
Einsteigerfreundlich durch Caddie-Hilfe

Schlechtes

Veraltete Engine
Online Abzocke

7.5 / 10 Gut

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