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Tiger Woods PGA Tour 11 – Review

Artikel von | 06.07.2010 um 00:00 Uhr

Das erste Anzeichen eines sich dem Ende neigenden Jahres ist in der Gaming-Szene der Zeitpunkt, an dem EA Sports das Line-Up seiner jährlich erscheinenden Sport-Simulationen in die Regale der Händler stellt. Traditionell gibt sich Tiger Woods zuerst die Ehre. Beinahe wäre es vor dem Hintergrund von Sex-Eskapaden und Trennungsstress des Saubermanns nicht zu einer Neuauflage gekommen. Electronic Arts stellte aber gleich zu Beginn des Skandals um Schniedel Woods klar, dass für das Unternehmen der Sport im Vordergrund steht. So stärkte der Software-Riese dem reichsten Sportler der Welt den Rücken und während sich die Presse wieder auf ihr nächstes Opfer stürzt, können wir uns wieder dem Golfsport widmen. Ob Tiger Woods PGA Tour 11 sich schadlos in die erfolgreiche Serie einreihen wird, lest ihr ohne weitere anzügliche Kommentare nur bei PS3inside.

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Der Anfang vom Ende?

Obwohl EA Sports sich vom Mediengeschehen um Tiger Woods offiziell nicht beeinflussen lassen hat, ist es merkwürdig, dass erstmals nicht nur Tiger das Cover des Spiels ziert. Just in diesem Jahr hat es neben der Nummer 1 der bekannteste Newcomer mit auf die Seite 1 geschafft. Dem 21 Jahre jungen Nordiren Rory McIlroy wird jetzt schon eine erfolgreiche Karriere vorausgesagt. Ob dies der erste Versuch ist, den mittlerweile auch in die Jahre gekommenen Tiger durch einen jungen Nachfolger zu ersetzen, weiß nur Electronic Arts selbst. Solange der Inhalt stimmt, ist dieser Nebenkriegsschauplatz uns aber ziemlich egal. Inhaltlich ist die größte Neuerung der Golf-Simulation die Integration des Ryder Cups. Das traditionsreiche und emotionsgeladene Turnier zwischen Europa und den USA findet dieses Jahr im Celtic Manor Resort in Wales statt. Nachdem vor zwei Jahren die Amis den Europäern die Trophäe abgenommen haben, wird der Heimvorteil den Europäern dieses Jahr hoffentlich wieder zum Sieg verhelfen. Bei Tiger Woods PGA Tour 11 darf jetzt aber schon im Vorfeld des Turniers die richtige Taktik ausprobiert werden. Neben dem Schauplatz des Ryder Cups stehen noch weitere Plätze neu im Programm und selbstverständlich ist direkt zum Release kostenpflichtiger Zusatzinhalt über den Playstation Store verfügbar. Brandneu ist die True-Aim Ansicht. Diese soll einen realistischeren Überblick über den Golfplatz bieten. Der Spieler sieht die Fairways und Grüns jetzt wie im echten Spiel. Das führt zu dem Ergebnis, dass so mancher Schlag praktisch blind ausgeführt werden muss. Die Idee ist ganz nett. Für ein realistischeres Feeling sorgt True Aim aber nicht wirklich und wird von der Mehrzahl der Fans nach Erreichen der dazugehörigen Trophy vermutlich ausgeschaltet bleiben. Besser gelungen ist das ebenfalls neue Fokus-Gameplay. Der Sportler hat jetzt nur noch ein begrenztes Maß an Fokus, der für Putt-Vorschau und Power-Boost genutzt werden kann. Ist die Fokus-Leiste leer, können keine dieser erweiterten Funktionen mehr ausgeführt werden. Der Fokus füllt sich im Laufe der Runde allerdings wieder auf, so dass nur gelegentlich auf die geliebte Putting-Hilfe verzichtet werden muss. Ein mutiger Schritt von EA. Allzu leichtfertig ist man in den letzten Jahren mit Hammer-Abschlägen und Faulheit beim Lesen der Grüns vorgegangen. Damit ist jetzt Schluß… zumindest zeitweilig. Die Tiger Challenge von 09 war letztes Jahr der Tournament Challenge gewichen und wird jetzt durch die Skills Challenge ersetzt. Inhaltlich hat sich aber seit zwei Jahren nicht viel geändert. In kleinen Herausfroderungen gegen die Großen des Golfsports wird der eigene Skill verbessert damit der FedEx-Cup in Angriff genommen werden kann. Live-Wetter und Photo Game Face sind auch noch mit dabei und sorgen mit dem umfangreichen Multiplayer-Part für ein üppiges Gesamtpaket. Ansonsten wurde nur der Trainer wegrationalisiert. Wie in Tigers wahrem Leben halt. Das letzte Update hat vor Beginn des Spiels technische Hinweise zu Playstation Move eingefügt. Dass PGA Tour 11 als eines der ersten Spiele für die kommende Bewegungssteuerung von Sony ausgewählt werden würde, war zu erwarten. Wir hoffen jetzt, dass die Umsetzung mit der Wii-Steuerung mithalten kann. Die HD-Grafik kann es allemal.

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Online-Pass, nein Danke!

Eine technische Neuerung hat sich EA Sports für den Kunden ebenfalls einfallen lassen. Die Spiele aus diesem Hause sollen zukünftig über den sogenannten Online-Pass verfügen. Der Publisher lockt mit Goodies, die sich hinter einer Aktivierung verstecken. So soll ein neuer Driver wohl darüber hinweg täuschen, dass diese Aktivierung notwendig ist, um die Online-Modi von PGA Tour 11 zu nutzen. Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Gamer, die sich vorwiegend auf dem Gebrauchtwarenmarkt die Spiele besorgen. Der Code ist nämlich nur einmal einlösbar. Will der Zweitbesitzer der Disc ebenfalls in den Genuss des Netzwerkvergügens kommen, wird eine „geringe Gebühr“ fällig. Damit beschreitet der Publisher einen neuen Schritt in eine hässliche Richtung. Nachdem die Serie seit zwei Jahren bereits mit Mondpreisen für Zusatzinhalte glänzt, scheint der Anschein der Abzocke sich jetzt endgültig zu bestätigen.

Move it

Allzu gerne hätten wir schon den Schläger mit Move virtuell geschwungen. Da wir auf die Hardware noch warten müssen, können wir zur Software-Umsetzung in PGA Tour 11 leider noch nichts sagen. Aber wir haben ja noch den Dualshock-Controller und damit steuern sich die Profis gewohnt komfortabel. Der Precision Putter hat sich etabliert und sorgt für realistisches Putt-Feeling mittels linkem Analogstick. Das Schlagmenü hat sich ein wenig verändert. Während die letzten Jahre noch der Schläger zu sehen war, wie er sich für verschiedene Effekte anders ausrichten ließ, ziert heute nur ein roter Punkt auf dem Ball die Stelle, wo er getroffen werden soll. Das HUD ist ein wenig unübersichtlicher geworden. Das wirkt sich aber nicht auf die Spielbarkeit aus und ist vermutlich auch eine Frage der Gewöhnung. Ein Druck auf R3 wählt die alternative Schwungsteuerung aus. Auch das ist gewohnt flüssig und intuitiv. Die Steuerung hat sich nicht verschlechtert, wird ihren Höhepunkt aber hoffentlich erst Ende des Jahres erreichen, wenn wir die Move-Schlaufe um die Handgelenke wickeln können.

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Da hilft kein Betteln und kein Flehen

Letztes Jahr haben wir bereits unser Flehen für eine grafische Verbesserung öffentlich kundgetan. Seit Jahren ist keine Verbesserung der Grafik zu verzeichnen. Bei Tiger Woods PGA Tour 11 verzichtet EA Sports jetzt sogar ganz auf grafische Hinweise in der Werbung. Nach der ersten Runde wissen wir bereits weshalb. Die Grafik hat sich nicht verändert. Zumindest nicht zum Guten, es scheint sogar eine leichte Verschlechterung zu sehen zu sein. Die Gesichter der Profis sind nicht mehr so fein animiert wie vor zwei Jahren. Der Tiger selbst sieht sogar nachlässig bearbeitet aus. Da hilft auch kein Flattern der Shirts, dass jetzt allgegenwärtig ist. Golfplatz, Spieler und Kulisse sehen aus wie immer. Da muss gar nicht mehr erwähnt werden, dass das Publikum nicht gerade der Atmosphäre förderlich ist. Das dicke Lizenzpaket hilft dem Realismus wieder auf die Sprünge und der Soundtrack ist dieses Jahr genial. Für den Rest des Sounds, Kommentatoren und Atmosphäre gilt das gleiche wie für die Grafik: Nichts neues! Vermutlich wird erst ein deutscher Spieler die Weltrangliste anführen müssen bevor EA Sports eine deutsche Synchronisation der Golfsimulation auf den Markt bringen wird. Das sind alles Störfaktoren, die die Fans der Serie gewohnt sind und die sich nur deshalb verschmerzen lassen, weil PGA Tour eine insgesamt sehr gute Golfsimulation ist. Was aber auch den harten Kern der Fans auf die Palme bringen wird, sind die immer noch langen Ladezeiten. Besonders im GamerNet dauert es ewig, bis die auf uns wartende Challenge in Angriff genommen werden kann. Läuft das Spiel erstmal, dann auch gewohnt flüssig. So langsam sollte sich EA Sports aber was einfallen lassen. Es wäre schön, wenn sie die zusätzlichen Einnahmen aus dem Online-Pass in eine neue Grafik-Engine stecken würden. Aber auch das bleibt wohl vermutlich wieder einmal nur Wunschdenken.

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Europa oder USA?

Der alle zwei Jahre wiederkehrende Kampf der Kontinente führt sich auch im umfangreichen Online-Spielmodus von PGA Tour 11 fort. Im Online Team-Play können maximal 24 Spieler für die Ehre ihrer Heimat antreten. Es wird simultan gespielt. Diese Neuerung ist glücklicherweise nicht dem Rotstift zum Opfer gefallen. Es wäre äußerst lästig, nach jedem Schlag auf 23 Mitspieler zu warten bis man selbst wieder am Zug ist. Das gleichzeitige Spiel läuft flüssig. Mit all den umherfliegenden Golfbällen kommt man sich aber eher wie auf einem Golfplatz in Beirut vor. Das GamerNet ist die zweite Säule des Online-Parts und den Kennern schon bekannt. Hier gibt es keine Neuerungen. Die waren aber auch nicht nötig. Die Jagd nach den verschiedenen Challenges der Community ist makellos, mal abgesehen von den Ladezeiten. Play the Pros ist den meisten auch schon bekannt. Hier wird ebenfalls unverändert die US-PGA Tour Live nachgespielt. Der Online-Part macht inzwischen mehr als die Hälfte des Umfangs von Tiger Woods PGA Tour aus. Das macht die Tatsache noch schlimmer, dass nur der Erstkäufer in den vollen Genuss dieses Spielerlebnisses kommt.

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Wieder im Clubhaus

Was bleibt noch übrig, wenn wir die ganzen Minuspunkte aus dem oben geschriebenen Text abziehen? Immerhin noch eine wirklich gute Golfsimulation. Tiger Woods PGA Tour 11 hat es durch ein paar technische Neuerungen und der Einfügung des Ryder Cups wieder einmal zur Kaufempfehlung geschafft. Der Online-Pass, der teure Download-Content und der technische Stillstand hinterlassen aber einen bitteren Beigeschmack auf der Zunge. Der technische Stillstand der letzten Jahre wurde immerhin jedes mal durch spielerische Innovationen wieder ausgeglichen. Jetzt macht EA Sports eindeutig einen Schritt in die falsche Richtung! Der Ryder Cup reicht nicht aus, um all die Nachteile wieder auszubügeln. Es wird vermutlich Zeit für ein wenig Konkurrenz auf dem Gebiet der Golfsimulationen.

Tiger Woods PGA Tour 11 Testbericht

Tiger Woods PGA Tour 11

  • Release: 01.07.2010
  • Genre: Sport
  • Entwickler: EA Sports
  • Publisher: Electronic Arts

Gutes

Ryder Cup Feeling
Riesiger Umfang
Genialer Soundtrack

Schlechtes

Technisch keine Innovationen
Lange Ladezeiten
Nicht zum Wiederverkauf geeignet

8.0 / 10 Sehr gut

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