Tiger Woods PGA Tour 09 – Review

Getestet von | 27.04.2009 um 00:00 Uhr

Der Ryder Cup ist gelaufen und Europa hat das erste Mal seit Jahren eine Niederlage gegen die USA hinnehmen müssen. Und das ganze ohne Tiger Woods! Der Guru des Golfs erholte sich ganze acht Monate von einem Schienenbeinbruch. Böse Zungen behaupteten im Vorfeld, dass die Absage des großen Tiger für die USA zu einem Sieg in diesem Prestigeduell der Kontinente führen wird und sie behielten Recht. Jetzt ist Tiger zurück! In der noch jungen Saison hat er bereits bei seinem dritten Turnier seinen ersten Sieg verbuchen können und die Golfwelt erholt sich langsam von den umsatzeinbußen, die weltweit aufgrund Tigers Abwesenheit entstanden sind. Die jährliche Auskopplung von Tiger Woods PGA Tour ist trotzdem pünktlich erschienen und natürlich prüft PS3INSIDE diese Golfsimulation für euch auf Herz und Nieren. Auf zum ersten Tee!

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Was Neues im Bag

Sportsimulationen aus dem Hause Electronic Arts haben ja nicht gerade den Ruf, jährlich einen Innovationspreis zu gewinnen. Der ambitionierte Fan stellt sich also jedes Jahr aufs Neue die Frage, ob sich eine Neuanschaffung lohnt. Bei PGA 09 ist nun erstmals der langjährige Coach und Freund des Champions mit an Board. Hank Haney gibt sich die Ehre und hilft, den eigenen Schwung in den Griff zu bekommen. Direkt zu Beginn des Spiels wird der neue Titelaspirant getestet und von da an schreitet der Coach jedes Mal dann ein, wenn das Ergebnis auf der Runde zu wünschen übrig lässt. Die Skills werden bei jedem Schlag überwacht und durch kleine Übungen kann unter Anleitung von Haney die eigene Performance verbessert werden. Zusätzlich wird auf die ganz besonderen Eigenschaften jedes einzelnen Golffans eingegangen. Der Club Tuner hilft, die Schläger an die Eigenheiten des Spielers anzupassen. Was als „Club Fitting“ zu jedem Profi auf der Tour gehört, findet nun auch Einzug in die digitale Welt des Golfs und macht den Simulationscharakter von Tiger Woods PGA Tour 09 komplett. Alle Schläger können hinsichtlich Loft und Sweetspot verändert werden und wer als Neuankömmling im Golfsport gerade nur Bahnhof versteht, muss auch keine Angst haben: Alles kann, nichts muss! Online ist jetzt endlich ein gleichzeitiges Spiel möglich. Die ewige Warterei auf den Schlag des Gegners hat somit ein Ende. Das GamerNet ist auch fester Bestandteil der Serie geworden und bietet die Möglichkeit, eigene Erfolge online als Herausforderung für andere Spieler weltweit zu veröffentlichen.

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Zu diesem gut ausgestatteten Paket an Neuerungen gehört weiterhin der üppige Umfang, der auch schon aus vorherigen Auskopplungen der Simulation bekannt ist. In der Tiger Challenge werden in dutzenden Herausforderungen Golfspieler der männlichen und endlich auch weiblichen Profiliga zum Duell gebeten und die PGA Tour Saison kann ebenfalls komplett nachgespielt werden. Natürlich sind auch neue Golfplätze aus der ganzen Welt digitalisiert worden. Neben dem Gary Player Country Club, Bay Hill und Wentworth ist auch China als aufstrebendes Golfland entdeckt worden. Der Sheshan Golf Club ist ebenfalls mit von der Partie. Rundum wieder einmal ein gelungenes Paket, das EA auf die Beine gestellt hat.

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Wer die 08er Version besitzt, kann sich über zahlreiche Neuerungen und eine Anpassung des Tourkalenders auf die neue Saison freuen. Ein ganzer Sack voll Mini-Spiele gehört selbstverständlich auch wieder dazu. Sämtliche Menüs und Inhalte sehen im Gegensatz zur Vorgängerversion irgendwie knuffiger aus. Das neue Design überzeugt aber ebenfalls. Neuankömmlinge in dieser Spielart werden sich anfangs von dem Umfang erschlagen fühlen. Das legt sich allerdings und weicht einem Gefühl von Zufriedenheit, weil ein langer Spielspaß allemal gegeben ist.

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An die Hand genommen

Die Steuerung hat sich gegenüber dem Vorgänger so gut wie gar nicht verändert. Der Spieler hat die Wahl zwischen dem klassischen Schwung mit linkem Analogstick und dem 3-Klick-Schwung, der auf Betätigung der R3-Taste eine Anzeige erscheinen lässt. Hier muss zum richtigen Zeitpunkt die X-Taste gedrückt werden, um dem Ball gerade das Fairway hinunter jagen zu lassen. Zur genaueren Dosierung bei halben Schwüngen ist die zweite Variante zu empfehlen. Richtiges Golf-Feeling kommt allerdings nur durch Nachahmung der Schwungbewegung mittels Analogstick auf. Mit den Schultertasten werden die Schläger gewechselt oder dem Ball verschiedene Flugkurven verabreicht. Von Chip über Pitch, Flop und Punch sind sämtliche Schlagvarianten mit der Viereckstaste auszuwählen, die der Sport im Portfolio hat. Die Steuerung ist gut, intuitiv und schnell erlernt, wie schon immer bei Tiger Woods PGA Tour. „Never change a running system“ sollte auch das Motto für die kommenden Auskopplungen der Serie bleiben.

Hübsch anzusehen…

Waren die Fairways und Grüns schon immer. Bei der Grafik hat sich aber wieder einmal nicht viel getan. Positiv fallen die neuen Animationen von Wasser und Wolken auf. In Pebble Beach kommt jetzt richtig Strandfeeling auf, wenn direkt neben dem Abschlag die Wellen ins Gelände brechen. Himmel und Wolken sind kontrastreicher geworden. Die Kamerafahrt vor jeder Spielbahn ruckelt nicht mehr annährend so stark wie beim Vorgänger. Ansonsten wurden leider die restlichen negativen Aspekte der Grafik immer noch nicht ausgemerzt. Die Texturen außerhalb der Fairways sind teilweise sehr hässlich anzusehen. Gebäude und Fahrzeuge sowie teilweise die Bäume im Rough wirken sehr pixelig und leiden oftmals unter sehr starker Treppchenbildung. Offensichtlich hat EA versucht, dieses Problem mit ein wenig Unschärfe zu überspielen, die einfach abseits der Spielbahn eingebracht wurde. Die Zuschauer sind gewohnt schlecht animiert und nicht annährend in der Zahl vorhanden, wie man es bei einem Profiturnier der PGA Tour erwarten kann. Am Abschlag selbst ist auch eine negative Entwicklung zu verzeichnen. Die Spieler wirken aufgesetzt und harmonieren überhaupt nicht mit dem Umfeld. Es sieht außerdem ein wenig merkwürdig aus, wenn der Profi bei Veränderung der Schlagart ohne Bewegung einfach leicht über den Boden gleitet, um den neuen Stand einzunehmen. Außerdem sehen einige der Profis, die ihr Antlitz zur Verfügung gestellt haben einfach zum Weglaufen aus. Night Dougherty macht den Anschein, als sei er vom Vampirismus befallen und Natalie Gulbis und Monty scheinen seit Wochen nichts mehr gegessen zu haben. Die Hautfarben der Profis sehen durch die Bank aschgrau aus und stehen den ansonsten so gut gebräunten Stars überhaupt nicht.

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Das üppige Lizenzpaket inklusiver namenhafter Sponsoren lässt auch nicht darüber hinwegsehen, dass die Grafik sich leicht verschlechtert hat. Das Spiel ist immer noch schön anzusehen und die Animationen von Wasser und Wetter haben sich verbessert. Insgesamt harmoniert das Gesamtpaket aber leider nicht besonders. Butterweiche Schlaganimationen sehen einfach nicht gut aus, wenn sie aus irgendeinem hässlichen Gestrüpp heraus ausgeführt werden.

Beim Sound wurde offensichtlich das Paket aus der Vorgängerversion übernommen. Hinzu kommen ein paar neue Kommentatoren, die aber auch nicht richtig zum Gesamtgeschehen passen. Es hört sich an, als wenn eine Studiotonspur einfach über die Hintergrundgeräusche der letzten Version gelegt wurde. Hier fehlt ebenfalls einfach ein wenig mehr Harmonie und die Kommentare selbst sind einfach langweilig und mit einem total abtörnenden englischen Akzent gesprochen. Die Tatsache, dass sämtliche In-Game-Informationen mitsamt Sprachausgabe immer noch nicht in unserer Muttersprache zu hören sind, macht die Soundbewertung auch nicht leichter.

Beim Gameplay muss sich EA dieses Mal aber nichts vorwerfen lassen. Die Spielabläufe sind in der Regel flüssig. Insgesamt hat der technische Aspekt einen kleinen Schritt zurück gemacht. Das Spiel läuft dafür endlich flüssig und oftmals sind die Animationen hübsch anzusehen… aber leider nicht immer.

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Zu viert im Flight

Der Multiplayermodus ist seit Jahren fester Bestandteil des Spiels. Im Simultaneous Play muss nicht mehr endlos gewartet werden, bis der Gegner seine Schlägerwahl vorgenommen und seinen Stand eingenommen hat. Jeder spielt für sich und anhand der farbigen Leuchtspuren ist ersichtlich, wo der Gegner seinen Ball hingeholzt hat. Ein Leaderboard und die Lobby sind obligatorisch und fast alle Spielarten stehen zur Auswahl. Die Matches laufen flüssig und der Voice-Chat funktioniert einwandfrei. Dieses neue Feature des gleichzeitigen Spiels erhöht den Onlinespielspaß ungemein. Ebenso viel Laune macht das GamerNet. Hier sind die abenteuerlichsten Schläge, Rekordrunden und Asse eingestellt und werden durch die Community täglich erweitert. Diese Herausforderungen eignen sich für das schnelle Spiel zwischendurch und laden zum Nachahmen ein. Selbst im Singleplayer sind diese Herausforderungen mit eingebunden. Wurde ein Rekord aufgestellt, so wird während der Einzelspielerrunde darauf hingewiesen. Ist die Herausforderung geschafft, so gibt es die begehrten GamerNet-Punkte also auch im Singleplayer gutgeschrieben. Zusätzlich können im Playstation Store neue Golfplätze gegen Bares erworben werden. Bis jetzt wurden Firestone und Spyglass Hills eingestellt. Der Preis von acht Euro pro Golfplatz sollte allerdings noch einmal überdacht werden. Das geht gar nicht!

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Das 19. Loch

Mag sein, dass das Team USA ohne Tiger auskommt. Freunde des digitalen Golfschlägers kommen es nicht. Die neue Auskopplung kann durch gesteigerten Umfang und sinnvolle Verbesserungen im Multiplayer überzeugen. Technisch ist Tiger Woods PGA Tour 09 nicht ganz einwandfrei. Grafik und Sound sind nicht weniger gut als der Vorgänger. Aber leider auch nicht besser. Auf jeden Fall ist diese Golfsimulation dank Trainer und Equipment-Anpassung realitätsnäher denn je, ohne dabei auf den Spielspaß zu verzichten. Electronic Arts hat es wieder zu einer Kaufempfehlung für Neueinsteiger und Besitzer der Vorjahresversion geschafft. Auch wenn es diesmal denkbar knapp war! Auf einen Schönheitspreis sollte sich diese Auskopplung aber nicht bewerben. Für dieses Jahr wünschen wir uns mehr Feinschliff an der bestehenden Engine. Spielerisch gibt es an dieser Golfsimulation praktisch nichts mehr zu verbessern.

Gutes

Gigantischer Umfang
Realitätsgetreu
GamerNet perfektioniert

Schlechtes

Grafisch unausgereift
Soundatmosphäre
Teurer Downloadcontent

8.5 Sehr gut

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