Thunder Wolves – Review

Getestet von | 05.07.2013 um 11:10 Uhr

Auf eins ist in der Videospielbranche Verlass: Komme was wolle, das Genre der gepflegten Arcade-Action wird wohl nie aussterben. War es jedoch noch vor zwei Jahrzehnten das prägende Genre auf den heimischen Konsolen, wurden Arcade-Games mittlerweile zu einem Nischenprodukt degradiert. Doch kein Grund zur Sorge: So leicht geben sich Entwickler und Publisher nicht geschlagen und nun ist es bitComposer Games, die ihr PSN-Spiel ins (Helikopter-)Rennen schicken! Ob sich ein Ausflug in schwindelerregende Höhen lohnt oder „Thunder Wolves“ eine Bruchlandung hinlegt, erfahrt ihr in unserem Review!

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DAS WOLFSRUDEL BEREIT FÜR DIE MISSION

Der Einstieg in Thunder Wolves funktioniert schnell und unkompliziert. Nach kurzer Zeit ist der Spieler in die Rolle des Piloten Max und ebenso in seinen Helikopter geschlüpft, um schnellstmöglich die brachiale Action hautnah mitzuerleben. Denn um mehr geht es im Grunde bei Thunder Wolves nicht: schnelle und irrwitzige Gefechte machen den Kern des Spiels aus und es braucht nicht lange, bis auch der letzte Hobby-Pilot dieses Prinzip verinnerlicht hat.
Nach einem schnellen Tutorial, welches die Grundlagen perfekt erklärt und auch Anfänger des Genres gut an das Spiel heranführt, darf sich der Spieler an die erste der dreizehn Missionen wagen. Diese sind recht abwechslungsreich gestaltet, sodass jedes Metier eines zukünftigen Helikopter-Piloten angeschnitten wird. Mal müssen bestimmte Ziele wie feindliche Panzer und Flugobjekte zerstört werden, ein anderes Mal muss die eigene Stellung verteidigt werden. Selbst kurze Exkursionen in ein Bodenfahrzeug oder eine Mini-Drohne bleiben dem Spieler nicht verwehrt und lockern das sonst schon recht dynamische Spielgeschehen noch weiter auf. Jede Mission ist dabei beliebig oft wiederholbar, um seine eigenen Skills stetig zu verbessern und den Highscore in die Höhe zu treiben. Gelingt es in hohen Lüften dann auch noch, gewisse Leistungen zu vollbringen, wird der fleißige Pilot mit freischaltbaren Designs und Helikoptern belohnt.

Thunder Wolves besticht vor allem durch seine vielen interessanten Waffen und Ausweichmanöver. Die voll manuelle Steuerung gibt dem Spieler darüber hinaus ein gewisses Gefühl von Freiheit, sodass die brachiale Action auch oft zu fordern weiß – allerdings erst im höchsten Schwierigkeitsgrad. Selbst die mittlere Schwierigkeitsstufe richtet sich noch voll und ganz an unerfahrene Zocker – eine Herausforderung wird hier vergebens gesucht. Noch spaßiger wird die Heli-Action aber im lokalen Coop-Modus, in dem alle Missionen auch mit einem befreundeten Piloten absolviert werden können. An einen Online-Modus wurde hingegen nicht gedacht, lediglich Ranglisten und Highscores machen es möglich, sich mit Spielern rund um den Globus zu messen.

Explosionen, wo das Auge auch hinsieht!

Explosionen, wo das Auge auch hinsieht!

HOUSTON, WIR HABEN EIN PROBLEM

So weit, so gut. Doch auch Thunder Wolves hat seine Schattenseiten, die es zu erwähnen gilt und maßgeblich daran schuld sind, dass das Action-Game nicht den totalen Höhenflug hinlegt, sondern eher im Mittelmaß stecken bleibt. Denn trotz abwechslungsreicher Missionen macht sich nach einiger Zeit das Gefühl breit, die Luftschlachten scheinen doch eher belanglos und eintönig zu sein. Hartgesottene Fans werden mit dem Spielprinzip ihren Spaß haben, doch Neueinsteiger oder „Teilzeit-Gamer“ des Genre „Arcade-Action“ werden schon bald das Gefühl nicht mehr los, dass die Abwechslung nur Schein sei und das Gameplay selbst zu monoton gestaltet ist. „Gut“ hingegen ist, dass dieses Gefühl nicht lange Zeit hat aufzukeimen: Nach circa vier bis fünf Stunden ist das Abenteuer beendet und somit im Großen und Ganzen auch jeglicher Reiz verloren das Spiel noch einmal anzurühren. Highscore-Jäger werden zwar die ein oder andere Mission wiederholen, um wichtige Punkte zu ergattern, der Großteil der Spieler wird Thunder Wolves nach erstmaligem Durchspielen aber wohl auf der Festplatte verstauben lassen.Des Weiteren hadert es an der Feinjustierung. Zum einen sei die Unübersichtlichkeit während der hastigen Gefechte zu erwähnen. Teilweise verlieren Hobby-Piloten viel zu schnell die Übersicht über das Geschehen auf dem Bildschirm – ein Faktor, unter dem auch schnell der Spielspaß leidet. Ein anderes Beispiel aus der Rubrik „Gut gedacht, schlecht gemacht“ sind die zahlreichen Bosskämpfe. Klassische Bossgegner sind typisch für das Arcade-Genre und wecken auch oft ein kleines Retro-Gefühl. In „Thunder Wolves“ sind die finalen Gefechte allerdings etwas lustlos und langweilig aufbereitet, das echte Gefühl eines Bosskampfes mag nicht so recht aufkommen.

Zu guter Letzt bietet auch die Hintergrundgeschichte genügend Angriffsfläche. Die trashige Story rund um eine Söldnerarmee und ein Drogenkartell hat nette Ansätze, wird aber nur durch Dialogfetzen und kleineren Cutscenes während der Missionen erläutert. Viel Tiefe wird so aber nicht vermittelt. Genre-Fanatiker bringen nun möglicherweise das Argument auf, dass ein Arcade-Shooter durch sein Gameplay, und nicht durch eine tiefgründige Geschichte, zu bestechen wissen sollte. Doch wäre der Story-Aspekt durchaus eine Möglichkeit gewesen, sich zumindest teilweise von der Konkurrenz abzuheben.

Abwechslung ist geboten! Hier: Als Bodeneinheit im Panzer unterwegs

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BOOM, BOOM, POW

Die Inszenierung von „Thunder Wolves“ ist mit Sicherheit einer der großen Stärken des Spiels. Nicht eine Sekunde vergeht ohne großen Krawall, vielen Explosionen und einen Bildschirm voller bunter Farben. Und genau das haben die Entwickler gut umgesetzt: Von bitComposers PSN-Game erwartet man keine Simulation, sondern ein actionreiches Arcade-Abenteuer und der grafische Stil unterstreicht die Intention des Studios deutlich. Auch die Effekte wissen zu überzeugen und lassen den Piloten regelrecht in das Gefecht eintauchen. Völlig unnötig sind dann aber die technischen Patzer, die das Gesamtbild deutlich trüben. Die Kulissen selbst sind eher schwach gestaltet und grafische Details sucht man ebenfalls vergebens. Hinzu kommt, dass „Thunder Wolves“ bei imposanten Gefechten des Öfteren dazu neigt, mit einem unsauberen Bild und viel Ruckeln zu brillieren. Angesichts der Masse an solch Schlachten kann auch dieses Problem dem Spieler mehr als einmal böse aufstoßen.

Ein wenig kann immerhin mit den Sound wettgemacht werden. Potentielle Käufer sollten keine atemberaubende Soundkulisse erwarten, doch die Explosionen und Gefechte sind in Punkto Sound nett in Szene gesetzt, sodass ein klein bisschen Hubschrauber-Action auch in das heimische Wohnzimmer einfliegen kann. Die englischsprachigen, oft sehr zynischen Kommentare des Piloten fangen darüber hinaus nicht – wie oft bei Videospielen – an zu nerven, sondern sind immer nett anzuhören.

VOLLTREFFER ODER STURZFLUG?

Letztendlich lässt sich „Thunder Wolves“ als ein solider Arcade-Game mit einer annehmbaren Inszenierung, guten Ansätzen und vielen, kleinen Baustellen festhalten. Wo die Missionen noch durch abwechslungsreiche Aufgabenstellungen begeistern, fehlt es dem Gameplay selbst am nötigen Feinschliff, um ganz oben mitzufliegen. „Thunder Wolves“ ist lediglich ein gewöhnlicher Helikopter-Shooter, der technisch zu wenig leistet, um die inhaltlichen Defizite auszugleichen. Doch nicht falsch verstehen: Hartgesottene Fans des Genres werden nichtsdestotrotz gut bedient, sollten aber nicht die große Revolution erwarten. Allen anderen empfiehlt es sich, vor Kauf lieber drei Blicke auf das PSN-Game zu werfen, bevor man sich für den großen Flug wappnet.

Gutes

+ gute Inszenierung der Dauer-Action
+ nette Soundkulisse
+ spaßiger Offline-Coop
+ bewährtes Arcade-Gameplay...

Schlechtes

- ...dem es allerdings an Innovationen fehlt
- grafisch nur unteres Mittelmaß
- sehr kurzes Abenteuer
- zeitweises Dauerruckeln

6.5 Mittelmäßig

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