The Walking Dead – Review

Getestet von | 31.07.2012 um 00:00 Uhr

Die modrigen, übel riechenden Leichen erfreuen sich seit Jahren wieder wachsender Beliebtheit, sei es durch Kinohits wie Zombieland, Spiele wie Dead Island, oder eben die „The Walking Dead“ Comicreihe, die nun, nachdem sie bereits mit einer TV Serie bedacht wurde, auch mit einem Episodenspiel versucht die Fans zu begeistern. Was die Entwickler Telltale dabei abliefern und ob wir uns der Untoten Horde stellen, oder schreiend weglaufen, erfahrt ihr in dem folgenden Test zu „The Walking Dead“.

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Wie war das damals nochmal?

Der Entwickler Telltale machte in sich in den letzten Jahren vor allem durch Episodenspiele einen Namen, wie unter anderem Sam & Max und Zurück in die Zukunft. Und mit eben diesem Episodenkonzept möchte man nun auch mit dem Spiel zu der Comicreihe „The Walking Dead“ begeistern. Doch hier kommt auch schon das erste Aber, denn während die Abstände zwischen den Episoden bei Sam & Max und Zurück in die Zukunft nur ein paar Wochen betrugen, so durften wir bei The Walking Dead bis Episode 2 knapp zwei Monate warten und auch bis Teil 3 werden wieder knapp zwei Monate vergehen. Schade, denn so vergisst man zwischen den Episoden schon mal das ein oder andere Detail, was durchaus zu folgenschweren Konsequenzen führen kann, denn all unsere Entscheidungen in The Walking Dead haben Einfluss auf den weiteren Verlauf in der aktuellen Episoden und den der noch folgenden. Und bis zur fünften und letzten Episode dürfen wir da wohl noch eine Weile warten.

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Zombies als Retter von dem Knast

Doch widmen wir uns den zwei bisher erschienen Episoden, der Geschichte und den Folgen unserer Entscheidungen. Die Geschichte orientiert sich an der Comicvorlage von Robert Kirkman und nicht wie das im nächsten Jahr erscheinende Spiel von Activision an der TV Serie. Wir schlüpfen dabei in die Rolle von Lee, der gerade auf dem Rücksitz eines Streifenwagens sitzt. Doch warum sitzt Lee dort, ein Missverständnis, wird er von dem Polizisten vor den Zombies gerettet, oder haben wir es hier mit einem Straftäter zu tun? Schnell stellt sich heraus das zu mindestens unser Ziel ein Gefängnis ist und während dem Gespräch mit dem Cop auf dem Fahrersitz wird uns so allmählich klar, wir haben es hier nicht mit dem vorbildlichsten Helden zu tun. Doch mit den Details um Lee‘s Vergangenheit und dem Weg der ihn auf den Rücksitz dieses Streifenwagens führte lässt uns das Spiel zunächst noch im Dunkeln, nur nach und nach dämmert uns die Geschichte um Lee. Aber nun sitzen wir hier und unser Ziel scheint klar, doch bis zum Gefängnis sollen wir nicht kommen, die entgegenkommenden Polizeifahrzeuge und Hubschrauber lassen es erahnen, der Name des Spiels nimmt Formen an. Bruchteile später geschieht dann auch was geschehen muss, ein Untoter läuft über die Straße, unser “Chauffeur“ versucht auszuweichen und wir landen im Straßengraben. Als wir wieder zu Sinnen kommen, erblicken wir über uns am Fahrbahnrand die Silhouetten der umherwandelnden Toten. Der Polizist liegt tot einige Meter vom Auto entfernt. Wir hingegen liegen noch im Auto und haben auch noch unsere Handschellen an. Aus dem Wagen entkommen, müssen wir nun zu dem Cop und die Schlüssel suchen, um uns von unseren lästigen Ketten zu befreien und hier entdeckt unser Protagonist auch gleich, dass Tod nicht gleich Tod heißt und so versucht der wieder zum Leben erweckte Polizist uns zum Mittag zu verspeisen. Glück im Unglück, das neben dem Auto eine Schrotflinte und exakt eine Kugel liegt. Gut gezielt fliegt sogleich die Hälfte des Kopfes des Untoten weg, von dem Krach angelockt tauchen aber schon kurz darauf weitere Untote Zeitgenossen auf. Also schnell die Beine in die Hand nehmen, einen Hügel rauf und im erstbesten Haus nach Hilfe suchen. Dies scheint jedoch verlassen zu sein, nachdem wir uns aber genauer umsehen, ertönt plötzlich eine Stimme aus der Küche, die dem kleinen Mädchen Clementine gehört, dass sich aber nicht in der Küche befindet, sie spricht über ein Walki-Talki mit uns und hat sich im Baumhaus versteckt. Lee und wir machen es uns so fortan zur Aufgabe die Kleine zu beschützen, da sich ihre Eltern wahrscheinlich dem Untoten Mob bereits angeschlossen haben. Doch in der Stadt ist es nicht sicher und so suchen wir einen Weg hinaus aus der Stadt und dabei treffen wir weitere Überlebende und werden bereits in der ersten Episode vor schwerwiegende Entscheidungen gestellt, die über Leben und Tod entscheiden. Aber auch kleinere Entscheidungen in teils beiläufigen Unterhaltungen können später Einfluss darauf nehmen, wie die anderen Charaktere auf Lee reagieren und mit ihm umgehen. Welche Bedeutung diesen ganzen Entscheidungsmöglichkeiten schlussendlich zu Teil kommt, lässt sich nach 2 Episoden nur schwer abschätzen, aber unser Verhalten aus der ersten Episode hatte bereits Einfluss auf Szenen in der folgenden Episode, weshalb wir davon ausgehen können, das unsere Entscheidungen im Spiel auch echte Konsequenzen nach sich ziehen.

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Keine Kettensäge, keine Gaitling?

Wie der ein oder andere vielleicht schon erahnt, ist The Walking Dead nicht vergleichbar mit den bisherigen Zombiespielen, wie Resident Evil oder Dead Island. Das Kämpfen fällt so nämlich ganz flach, The Walking Dead spielt sich vielmehr wie Heavy Rain. Dialoge, die damit verbundenen Entscheidungen und Quicktime-Events sind es, was das Spiel ausmacht. Alles dreht sich um die Geschichte und wie diese vorangetrieben und erweitert wird. Und dabei haben wir es mit einer gut erzählten Story zu tun, die einzelnen Charaktere wirken authentisch und ergänzen sich gegenseitig. Verschiedene Story Wendungen lassen das Spiel dabei auch nicht langweilig werden, für Spannung ist fast durchgehend gesorgt. Das einzige was man dem Spiel hier etwas ankreiden kann, dass einige kommende Ereignisse vorhersehbar sind, doch das nimmt die Spannung aus der Erzählung nicht gänzlich raus. Und wo wir schon bei dem Vergleich mit Heavy Rain sind, lässt sich The Walking Dead genauso gut steuern, wie der Hit von Sony? Im Großen und Ganzen können wir dies bejahen, die Steuerung ist zwar nicht so ausgefeilt wie bei Quantic Dreams Meisterwerk, doch sie macht das was sie soll. Über die typischen PS Tasten auf der rechten Seite des Controllers können wir so mit Objekten und Personen agieren und in Gesprächen auswählen was wir Lee sagen lassen wollen. Insgesamt also nicht wirklich komplex und somit sehr eingängig. Das einzige was stört, dass das Spiel die Aktionen manchmal arg verzögert wahrnimmt und wir in der Zwischenzeit schon dreimal auf die Aktionstaste gehämmert haben damit Lee endlich das macht was wir wollen. Das macht er dann zwar auch, aber das Spiel hat sich unsere Eingaben gemerkt und so führt Lee die gleiche Aktion dann gleich dreimal hintereinander aus. Auch etwas unschön ist das Händeln von hektischeren Situationen, gerade wenn die Kameraperspektive wechselt, braucht das Spiel einen kurzen Augenblick um alles wieder richtig zu justieren. Solche Szenen kommen aber recht selten vor, da The Walking Dead sich insgesamt recht gemächlich spielt. Wenn man schon ein paar Worte über die Technik des Spiels verliert, sollte auch der ein oder andere Satz zur Grafik und dem Sound fallen. Bei The Walking Dead hat Telltale da in beiden Fällen gute Arbeit geleistet, der Sound ist stimmig und die englischen Synchronsprecher könnten besser kaum sein und tun somit ihr übriges zur mehr als gelungenen Atmosphäre bei. Bei der Grafik entschied man sich bei Telltale für den bereits von ihnen bekannten Comic-Look und dieser trifft bei The Walking Dead genau ins Schwarze, trägt zur Stimmung bei und verdeutlicht noch einmal, dass sich dieses Game an der Comicvorlage von Robert Kirkman orientiert.

Fazit

Der Zombievirus dürfte mit The Walking Dead nun auch den letzten infiziert haben, gerade weil Telltale einen anderen Ansatz wie die meisten Entwickler von Zombiespielen wählt. Nicht das Abschlachten von den Zombiehorden steht im Vordergrund, sondern die Geschichte um die Überlebenden und dabei leicht hervorgehoben die Geschichte um Clementine. Nur die technischen Mängel stören doch hin und wieder, aber diese sind Dank der klasse erzählten Geschichte leicht zu verzeihen. Bleibt so nur zu hoffen, dass die letzten drei Episoden nicht zu lange auf sich warten lassen, die ersten Zwei sind auf jeden Fall eine Topempfehlung für alle die ein Spiel im Sommerloch suchen oder die ein Storybasiertes Spiel wollen, ohne Schießereien und Kämpfe.

Gutes

+ Storybasiertes Spiel
+ interessante Charaktere
+ Comic-Look

Schlechtes

- Slowdowns und technische Mängel
- recht große Abstände zwischen der Veröffentlichung der Episoden

8.5 Sehr gut

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