The Shoot – Review

Getestet von | 07.11.2010 um 00:00 Uhr

In Arcade Spielhallen sorgen bis heute noch Lightgun-Shooter für Begeisterung. Mit Move hat Sony die Chance, das Railshooter-Erlebnis aus den Hallen ins eigene Zuhause zu bringen. The Shoot ist der erste Titel, der diesem Konzept nachgeht. Doch anders als seine Genreverwandten bietet das Spiel keine übertriebene Gewaltdarstellung und düsteren Locations. In The Shoot ist der Spieler der Star eines Films und muss seine Widersacher zwar ausschalten, schießt aber auf Pappfiguren, Roboter oder kitschige Skelette. Kann Sony mit dieser familienfreundlichen Gestaltung punkten? Trumpft die Steuerung mit dem Move durch Präzision auf? Wir haben uns dem kritischen Blick des Regisseurs ausgesetzt und verraten, ob sich The Shoot in unsere Herzen geschossen hat.

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Wilkommen im Film

Viele Kinder träumen davon, eines Tages in einem gefährlichen Actionfilm aufzutreten. Mit The Shoot ermöglicht Sony dies jetzt – jedenfalls virtuell. Der Spieler übernimmt die Rolle eines bekannten Stars, der in mehreren Umgebungen seine Schusskünste unter Beweis stellen muss. Der Move wird zur Waffe. Auf dem Bildschirm folgt ein Fadenkreuz den Bewegungen des Motion Controllers. In fünf Locations mit je vier Drehtagen muss der Regisseur begeistert werden, indem den Kreaturen das virtuelle Leben ausgepustet wird. Bereits im Tutorial wird klar, dass der Titel mit USK12 Freigabe hauptsächlich Familien ansprechen will. Die Gameplayelemente werden kindgerecht erklärt. Die Synchronstimme wirkt überdreht aber freundlich und benutzt keine Ausdrücke, die Jüngere nicht oder falsch verstehen können. Gestartet wird die Schauspielkarriere im Wilden Westen. Die Kamera huscht über eine sandige Straße. Saloons lassen sich erblicken. Ein Güterzug macht sich am Rande breit. Explosive Pulverfässer stehen an jeder Ecke. Die Ansicht verändert sich, die Kamerafahrt endet bei Kisten und Fässern, hinter denen Papp-Banditen auftauchen. Nun liegt es also am Spieler, die Gegner auszuschalten. Nach der Beseitigung mehrerer Feinde wechselt die Kamera erneut ihre Position. Sogenannte Railshooter bedienen sich am Konzept, dass die Kamerafahrt das Laufen übernimmt. Der Spieler kann sich also voll aufs Zielen und Schießen konzentrieren. Das funktioniert bei richtiger Kalibrierung recht gut. Es gibt Momente, in denen das Fadenkreuz nicht auf den Spieler hört, aber ein präzises Schießen ist meist möglich.

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Und Schuss!

Es gibt verschiedene Arten von Gegnern, in unserem Western-Beispiel Banditen. Die meisten sind ebenfalls mit (einer) Waffe(n) ausgerüstet und schießen ab und an zurück. Eine andere Gruppe beschäftigt sich mit dem Werfen von Objekten. Banditen schmeißen Messer oder Dynamit. Bei Bewurf muss das Objekt noch in der Luft abgeschossen oder ausgewichen werden. In einem solchen Fall tauchen Pfeile auf dem Bildschirm auf, die Ausweichmöglichkeiten signalisieren. Ein einfacher Schwenk des Controllers in die gewünschte Richtung reicht aus. Mehrere Feinde lassen sich durch Explosionen auslöschen. Dafür gibt es Hilfen wie die angesprochenen Pulverfässer. Hindernisse hingegen sind unschuldige Passanten oder Geißeln. Auf dem Spielfeld tauchen des Öfteren hilflose Bürger auf, die nicht beschossen werden sollten. Auch gibt es Feinde, die Geißeln vor sich führen, da sie so schwerer zu treffen sind. Werden Passanten oder Geißeln getroffen, kann man sich auf Ärger vom Regisseur gefasst machen. Auch wenn der Spieler von feindlichen Angriffen erwischt wird, leert sich die „Regisseur-Leiste“. Ist diese leer, fordert er einen Schnitt und macht euch zur Sau. Nach fünf verbockten Versuchen kann das gesamte Kapitel mit allen 5 Drehtagen wiederholt werden – das sollte aber nicht allzu oft vorkommen. Der Schwierigkeitsgrad ist zum Bestehen der Szenen relativ niedrig gehalten. Die „normalen“ Gegner greifen kaum an, geworfene Objekte segeln lange in der Luft, bevor sie Schaden anrichten. Um aber Highscores zu knacken und Medaillen/Sterne (dazu später mehr) zu gewinnen, ist große Treffsicherheit gefragt. Als Hilfe erweisen sich drei Fähigkeiten, die durch längere Trefferserien frei werden. Eine Slow Motion Funktion erfordert 4-5 Treffer in Folge und lässt das gegnerische Handeln in Zeitlupe erfolgen. Aktiviert wird sie durch eine 360° Drehung des Körpers, was – anders als das recht genaue Gesamtgeschehen – zu Frustration führen kann. Die Bewegung wird nicht immer erkannt, wertvolle Zeit wird beim nutzlosen Drehen verschwendet. Auch die Auslösung der anderen beiden Zusätze hat das ein oder andere Mal nur mit Glück zu tun. Eine Schockwelle, die alle Gegner auf dem Bildschirm zerstört, wird mit einem Schuss zu Boden aktiviert. Der Move zeigt nicht mehr auf den TV-Screen, sondern auf den Boden. In die Luft wird er beim Schnellfeuer gerichtet. Die letzte Hilfe erbietet sich nach einer langen Trefferserie und wird mit einem Schuss in die Luft aktiviert. Dadurch wird die Pistole zu einer Art Maschinengewehr mit schneller Schussrate. Fehlschüsse werden in der Zeit des Schnellfeuers nicht beachtet, die Serie hält an. Zu allem Überfluss bringt die Aktivierung der Fähigkeiten einen weiteren Fehler mit sich. Es kommt nicht selten vor, dass nach der Betätigung die Kalibrierung des Moves zurückgesetzt wird. Wird der Controller in die Mitte gerichtet, ist das Fadenkreuz plötzlich viel weiter links zu sehen. Es muss erneut kalibriert werden, was den Spielfluss ungemein stört. Hoffentlich handelt es sich dabei nur um einen Fehler, der mit einem Patch beseitig werden kann und auch wird. The Shoot mag nicht unbedingt das Paradebeispiel für perfekte Move-Steuerung sein. Für Spaß mit Kollegen, der Familie oder auch allein reicht die Motion-Kontrolle dennoch aus. Das Spiel fängt die Atmosphäre beliebter Arcade-Lightgunshooter gut ein. Und das, obwohl das kinderfreundliche Konzept stark von dem eines Time Crisis oder The House of the Dead abweicht. Das Gameplay ist leicht zugänglich, die Hilfen bringen frischen Wind ins Geschehen. Leider wird die gesamte Zeit über mit derselben Waffe gespielt. Die Munition ist nicht begrenzt, nachgeladen werden muss auch nicht. So fällt ein taktischer Punkt weg, der dem Gameplay sicherlich nicht geschadet hätte.

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Nicht viel drin

Der Umfang des Spiels kann leider auf keiner Ebene punkten. Das Spiel bietet die angesprochene Karriere mit fünf Locations. Darunter befinden sich der Wilde Westen mit Banditen, ein Sci-Fi Szenario auf Untergrundstraßen mit Robotern. Ein weiterer Film auf dunklen Straßen und in Fabriken handelt von Gangstern. Neben einem Unterwassersetting mit allerlei Kreaturen ist ein Zombiefilm unser Favorit. In „gruseligen“ Wald- und Burggebieten treiben Zombies aus Holz ihr Unwesen. Jeder dieser Filme hat vier Szenen. Leider dauert keine davon länger als 5 Minuten, sodass jeder Film etwa 20 Minuten beansprucht. Bei nur fünf Locations sollte also keiner länger als 2 Stunden mit der Karriere beschäftigt sein. Im Punktemodus lassen sich einzelne Szenen nachspielen, wodurch Sterne verdient werden. Hier ergibt sich leider nichts anderes als in der Karriere. Für Abwechslung soll der Herausforderungsmodus sorgen. In jedem Film sind mehrere Puzzelteile versteckt, die bei der Punktejagd abgeschossen (und so eingesammelt) werden. Sind alle Teile einer Location gefunden worden, lässt sich eine Herausforderung passend zur Thematik spielen. Bei begrenzter Munition müssen fliegende Zielscheiben abgeknallt werden. Je nach Trefferzone auf der Scheibe werden Punkte verteilt – so lautet die Herausforderung im Wilden Westen. Die Suche nach den Puzzelteilen macht Spaß, ist aber auch schnell wieder um. Die Herausforderungen sind eine nette Idee, fesseln aber kaum. Oft werden die meisten Spieler die einzelnen Aufgaben nicht wiederholen. Weiterhin verfügt das Spiel über Mehrspielermöglichkeiten. Den mauen Umfang kann der Multiplayermodus aber nicht ausgleichen. Ein zweiter Controller kann jederzeit einsteigen und gegen oder mit dem eigentlichen Spieler Punkte sammeln. Dies gestaltet sich als nette Zugabe für den Spaß, nicht aber für die Abwechslung.

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Zerstörungswut

Auch die Optik des Railgunshooters trägt zum Familieneindruck bei. Auf realistische oder übertriebene Darstellung mit abgetrennten Körperteilen und literweiße roter Flüßigkeit wird hier völlig verzichtet. Ein Comiclook soll bei jüngeren Spielern punkten. Die Grafik an sich ist auch gar nicht mal schlecht. Die Locations und Szenen haben ihr eigenes Flair und überzeugen mit vielen verschiedenen Farben. Es gibt diverse Umgebungszerstörungsmöglichkeiten. Es ist schön anzusehen, wie eine Holzveranda in sich zusammenfällt und Deckungen nachgeben. Auch die Feinde sind schön gestaltet, wiederholen sich aber in ihren Filmen zu oft. Die Gegnervielfalt gibt drei Arten pro Location her. In einzelnen Szenen eines Films wechseln sie leider nicht, es gibt immer wieder die sich stark ähnelnden Widersacher zu sehen. Die Animation der Feinde gibt nicht mehr her, als es die Beschaffenheit vorschreibt. Dass Papp-Gangster nicht laufen können, versteht sich von selbst. Dass einfaches Aufploppen und Herumwackeln aber die einzigen Animationen sind, muss nicht sein. Noch dazu gibt es in The Shoot einige technische Mängel zu sehen. Fallende Framerates sind keine Seltenheit. Der Sound weiß ebenfalls nicht ganz zu überzeugen. Die herrlich überdrehte Stimme in den Tutorials sorgt für gute Stimmung, die nervigen Kommentare des Regisseurs hätten aber eine bessere Vertonung verdient. Die Musikuntermalung lehnt sich an die jeweilige Thematik an. Die Songs stören zwar nicht, dudeln aber lieblos vor sich hin. Spannungsaufbau durch passende Klänge sieht anders aus – oder hört sich genauer gesagt anders an.

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The Shoot erfüllt sowohl sein Familienkonzept, als dass es auch Spielhallenfeeling aufbringt. Leichte, zugängliche Ballerkost, gepaart mit auflockernden Hilfsfähigkeiten bekommt der Spieler geboten. Die Steuerung mit dem Move-Controller funktioniert zumeist gut, hat aber auch seine Schwachstellen. Das haben wir in anderen Motion-Titeln schon besser gesehen. Die kitschige Grafik passt zum Geschehen und mit zwei Moves macht die Karriere gleich noch mehr Spaß. Was spricht da gegen den Railgunshooter? Der Titel hat ein großes Problem – der Umfang. Die Karriere ist nach zwei Stunden durch. Der Punktemodus bietet nichts anderes als eben die Karriere. Die Suche nach Puzzelteilen in den einzelnen Szenen gefällt, kann die Spielzeit aber nur um wenige Stunden, wenn nicht Minuten verlängern. Die gute Idee, Herausforderungen basierend auf den jeweiligen Thematiken anzubieten, wurde mit mangelnder Abwechslung zunichte getrieben. Schade eigentlich, denn das Spiel hätte als erster richtiger Lightgunshooter auf der PS3 durchstarten können. Durch den sehr schwachen Umfang lohnt sich der Kauf zum Move-Vollpreis nur für die wenigsten.

Gutes

Schlechtes

6.5 Mittelmäßig

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