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The Saboteur – Review

Artikel von | 19.12.2009 um 00:00 Uhr

Es endet in Paris

Mit ihrem letzten Spiel verabschiedet sich das ehemalige Entwicklerstudio Pandemic aus der Spielebranche, die unter anderem durch das Spiel Mercenaries 2 bekannt wurden. So bedient sich auch The Saboteur des Open World Prinzips. In Verbindung mit Paris zur Zeit des 2.Weltkrieges darf auch von einem unverbrauchten Setting gesprochen werden. Kommt das Beste wirklich erst zum Schluss, oder schlug Pandemic´s Glanzstunde schon lange vor dem Auftritt des Saboteurs?

Vive la Résistance

Paris im Jahre 1940. Auch für die Stadt der 1000 Lichter sieht es während der Besatzungszeit deutscher Soldaten inmitten des 2. Weltkrieges düster aus. Sean Devlin, der irische Held und titelgebende Saboteur der Geschichte ist seines Zeichens Rennfahrer sowie Mechaniker. So erlebt er in Saarbrücken schließlich auch seine erste ausschlaggebende Konfrontation gegen die deutsche Wehrmacht, während eines Rennens, in der im der deutsche Soldat Kurt Dierker durch unfaire Mittel den Sieg kostet. Als Sean zusammen mit seinem Freund Jules dadurch in Folge in die deutschen Motorwerke einbricht nimmt das Schicksal seinen Lauf, als Jules während Dierkers Verhör scheinbar aus falschen Gründen ermordet wird. Selber nur knapp entkommen führt ihn sein Rachefeldzug bis nach Paris. Aber auch ein von Rache geleiteter Sean muss einsehen dass er alleine niemals an Dierker rankommen wird. Hier kommt die noch junge französische Résistance ins Spiel. Der Widerstand und gleichzeitiger Auftraggeber ist um einen Saboteur reicher geworden. Zusammen mit Seans ehemaliger Geliebten Skylar und Jules Schwester Veronique, die beide wichtige Rollen einnehmen. Auch wenn die Handlung mitsamt ihrer teils großartigen Inszenierung überzeugen kann, kommen doch einige Elemente leider zu kurz oder wirken aufgesetzt. So etwa der Aspekt Liebe zwischen Sean und Veronique. Sean selber wurde eine durchwegs humorvolle aber dennoch harte Charakteristika spendiert. Tiefgründige und facettenreiche Charaktere dürfen allerdings nicht erwartet werden.

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Die Kunst der Sabotage

Ein belebtes atmosphärisches Paris darf dank des Open World Prinzips, wahlweise zu Fuß oder per geklautes Fahrzeug, frei erkundet werden. Neben zahlreichen Landstrichen natürlich auch all die unzähligen Bauten die Paris unverkennbar zu einem Kunstwerk machen. Diese sind nicht nur ein optischer Blickfang, sondern ein erheblicher Teil des Gameplays. Sämtliche Gebäude, einschließlich des Eiffelturms, dürfen hochgeklettert werden. Die Dächer bieten dem Spieler mehrere taktische Vorteile. So können Feindansammlungen wahrgenommen werden bevor selbige auch nur ahnen können welche Gefahr über ihre Köpfe hinweg klettert. Da im Spiel nur dem Saboteur das Klettern gewährt wird, eignen sich die Dächer auch hervorragend als Flucht-Option oder rückenfreier Schusswechsel. Oberhalb der Wege können auch zahlreiche (mehrere hundert) feindliche Anlagen wie Wachtürme, Geschütze oder Suchscheinwerfer viel leichter gesprengt werden. Das bringt nicht nur Geld sondern auch Vorteile mit sich. Gesprengte Anlagen bleiben zerstört und sorgen für weniger Wiederstand bei späteren Missionen. Die sich von Auftragsmorden bis hin zu völliger Zerstörung unterscheiden können. Ein weiteres Spielprinzip das sich auf ganz Paris auswirkt sind die ins schwarz-weiß getauchten Stadtgebiete, die wesentlich mehr Feindaufkommen mit sich bringen. Erst nachdem der französische Widerstand die Kontrolle über die einzelnen Gebiete übernommen hat, erstrahlen diese wieder in ihrer ganzen Farbpracht. Der atmosphärische Unterschied zwischen besetzten und zurückeroberten Gebieten ist enorm. Sprichwörtlich die Licht und Schattenseite von Paris. Durch patroulierende und stationäre Soldaten an jeder Ecke provoziert selbst der vorsichtigste Saboteur irgendwann einen Schusswechsel mit einer Übermacht. Jeder Soldat besitzt seinen eigenen Sichtradius, der auf einer stets eingeblendeten Minimap mitsamt der Gegner sichtbar zum Vorschein kommt. Innerhalb des Radius werden selbst lautlose verdächtige Handlungen, wie klettern oder gezogene Waffen, von Soldaten wahrgenommen. In diesem Fall füllt sich um die Minimap langsam ein kreisrunder Balken. Ist dieser voll wird Alarm ausgelöst, der sämtliche Feinde in Umgebung auf den Spieler hetzt. Nun gilt es aus dem roten, je nach Alarmstufe großen Radius zu fliehen. Damit erlaubt Pandemic zwei völlig verschiedene Arten des Kampfgeschehens. Mit der klassischen Rambo Methode muss bis zum jeweiligen Einsatzziel ständig mit Feindbeschuss gerechnet werden. Erlittener Schaden wird dem Spieler durch Blutspritzer am Bildschirmrand verdeutlicht. Schleicht sich Sean allerdings lieber lautlos an den Feindestrupps vorbei muss oft nicht eine einzige Patrone verbraucht werden. Auch lautlose Nahkampf-Kills sind möglich. Bei Erfolg darf dem Soldaten auch dessen Kleidung angezogen werden, die weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Feinde können zwar unter anderem Verstärkung rufen, Leichen sehen oder die Verfolgung aufnehmen, dennoch stellt sich die vernachlässigte künstliche Intelligenz als das größte Manko des Spieles heraus. Diese lässt dem Gegner viel zu schnell die Suche nach dem Saboteur aufgeben. So kann der Spieler locker in ein Lager eindringen, dort vor allen Augen Wachtürme oder Panzer wegsprengen, und dann selbst mit Verfolgung von Autos und Zeppelins schnell das Weite suchen. Die höchste von 5 Alarmstufen wird zudem selten bis gar nicht auftauchen. Stellt man es noch ein wenig geschickter an wird anstatt des Alarms nur Verdacht erregt. Aber auch im direkten Schusswechsel stehen Soldaten ohne Deckung in der Gegend rum und warten nur darauf erledigt zu werden. Schade. Die Schleichmanöver hätten mit einer besseren KI sicher noch mehr überzeugen können. Unzählige verschiedene Waffen die nach und nach erkauft werden dürfen verdeutlichen das The Saboteur viel Wert auf bleihaltige Auseinandersetzungen legt. Mehrere Schwierigkeitsgrade die auch während des Spieles noch umgestellt werden dürfen bringen dabei für jeden das passende Handicap mit sich.

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Auf den Dächern von Paris

Je nachdem wo und wie sich der Spieler gerade fortbewegt steuert sich The Saboteur mal gut mal schlecht. Als hakelig stellen sich die Klettereinlagen dar, die auf sämtlichen Gebäuden möglich sind. Besonders um sich nach oben oder seitlich entlang zu kämpfen erfordert Geduld, da einzelne Sprünge doch etwas träge daherkommen. Diese bilden auch keine Herausforderung, da durch simples drücken der Kreuz-Taste sofort die nächstmögliche Kante ergriffen wird. Bei vielen historisch einzigartigen Gebäuden bedarf es dafür Vorausplanung und Aufspüren der Kletter-Route. Diese wird oft nur durch gelb leuchtende Lampen verdeutlicht. Auf den Dächern präsentiert sich allerdings schon das nächste Problem. Oft klammert sich Sean ungewollt an einen Vorsprung fest, obwohl die Absicht bestand eigentlich darüber hinweg zulaufen. Ein Schutzmechanismus der anders betrachtet diverse Stürze in den Tod verhindert. Zu Fuß auf ebenen Wegen lässt die Steuerung keine wirkliche Kritik zu. Während die Analogstick einmal mehr für Fortbewegung und Kameraführung zuständig sind, dienen die Schultertasten, neben Schleichmanövern, in erster Linie der Nutzung von Waffen und Sprengstoff. Von denen sich je 2 Arten auf die Steuerkreuz-Tasten legen lassen. Springen, Interaktion, Nahkampf und sich fallen lassen werden über die Symbol-Tasten getätigt. Natürlich darf sich als dritte Fortbewegungsart auch ans Steuer eines geklauten oder gekauften Wagens gesetzt werden, die sich heutzutage höchstens in einem Museum wiederfinden. Abgesehen von den schnelleren Sportwägen steuern sich die meisten Fahrzeuge etwas schwerfällig, lenken sich nach einer gewissen Eingewöhnungszeit jedoch ohne weitere negative Kritik. Dank einer übersichtlichen, über das Menü aufrufbaren, Karte inklusive Routenplaner und Verzeichnis sämtlicher relevanten Orte muss auch niemals befürchtet werden sich zu verfahren.

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Schwarz-weiss trifft Farbe

Optisch überzeugt Paris besonders durch die stufenlosen Übergänge von farbigen zu den schwarz-weiss Bereichen, die sich zu Spielbeginn deutlich in der Überzahl befinden. In diesen Bereichen stechen nur einzelne Farbtöne hervor. Etwa die zahlreichen roten Flaggen, dessen Hakenkreuze in der deutschen Version durch schlichte Kreuze ersetzt wurden. Im gesamten lautet das optische Zauberwort: Atmosphäre. Egal wo sich der Saboteur gerade aufhält, stets wird einem das Gefühl vermittelt sich wirklich im besetzten Paris zu befinden. Technisch kann Pandemic´s letztes Werk besonders in der Nahaufnahme überzeugen. Etwa die Straßen in der Innenstadt, die durch einzeln gesetzte Backsteine auffallen. Aber auch die Gebäude spiegeln ein überzeugendes detailiertes Paris wieder. Zu guter letzt schließen sich der positiven Kritik auch Effekte wie etwa Explosionen oder nicht selten auftretender Regen an. Grafische Abstriche müssen dagegen besonders auf dem Land hingenommen werden. So erscheinen weiter entfernte Objekte wie etwa Bäume stark zurückgesetzt, und wirken völlig verwaschen. Noch mehr fällt die hölzerne Mimik sämtlicher Charaktere und Passanten auf, die sich besonders in den Zwischensequenzen bemerkbar macht. Gerade hier wurde auch der Grad an Details zurückgeschraubt.

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The Sound of Music

Wie klang die Pariser Musik in den 40-iger Jahren? In The Saboteur bittet sich nun die Gelegenheit diese Frage sich zu beantworten. Das Spiel startet in einem Bordell in dessen beginnende Handlung bereits im Hintergrund eine großzügig bekleidete Sängerin eine von mehreren Songs über die Lippen lässt. Weitere Songs dürfen in fast jedes Auto eingebaute Radio beliebig umgeschaltet werden. Leider wiederholen sich diese nach gewisser Zeit immer wieder. Die Soundeffekte dürfen dagegen als zahlreich beschrieben werden. Explosionen, Gewitter, Sirenen, Schusswechsel, Aufrufe über Lautsprecher oder etwa die typischen Geräusche diverser Fahrzeuge kommen zudem stets glaubwürdig rüber. Die deutsche Sprachausgabe kann ebenfalls überzeugen, holt aber bei weitem nicht das Maximum an Qualität der deutschen Sprecher raus. Passanten sprechen dagegen stets in französischer Sprache, und lassen nur durch ihre Tonart erahnen was hier einem vorgeworfen wird. Anders bei Sean, der zu verschiedensten Gelegenheiten den passenden Spruch parat hat.

Lohnt sich der Widerstand?

In der Liga der Open World Spiele muss sich The Saboteur keinesfalls verstecken. Es wirft eher die Frage auf wieso nicht schon früher Paris in dieser Art umgesetzt wurde. So präsentiert sich auch die Handlung trotz verbrauchtem 2.Weltkrieg Szenario auf neue erfrischende Weise. Die ohne sekundäre Aktivitäten um die 20 Stunden Spielzeit mit sich bringen. Unzählige historische Gebäude die wie alles im Spiel hochgeklettert werden dürfen, vermischen sich zudem mit einer erstklassigen Atmosphäre, die besonders in den schwarz-weiss besetzten Gebieten deutscher Soldaten zu überzeugen weiss. Grafik und Sound erreichen für ein Open World Spiel insgesamt ein gutes Niveau, kommen aber nicht an die Königsklasse diverser anderer PS3-Highlights ran. Zu erwähnen sei auch das sich die Entwickler scheinbar so manches Spielelement aus anderen bekannten Spielen abgeguckt haben. Neben zahlreichen Déjà-Vu´s zu GTA finden sich unter anderem auch MGS Elemente in den Schleichmanövern wieder. Ob einem dies gefällt muss jeder für sich selber entscheiden. Umgesetzt wurden sie jedenfalls gar nicht mal so schlecht. Ein mehr als würdiger Abschluss eines ehemaligen Entwickler-Studios namens Pandemic.

The Saboteur Testbericht

The Saboteur

  • Release: 03.12.2009
  • Genre: Action, Stealth
  • Entwickler: Pandemic Studios
  • Publisher: Electronic Arts

Gutes

stimmungsvolle Atmosphäre
kunstvoller Grafikstil
frei zugängliches Paris
zahlreiche unterschiedliche Waffen
wahlweise Stealth-Taktik oder offener Kampf

Schlechtes

hakelige Steuerung beim Klettern
hölzerne Mimik sämtlicher Charaktere
viel zu schwache KI, besonders im Kampf

8.0 / 10 Sehr gut

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