The Last of Us im Test

Getestet von | 15.06.2013 um 02:01 Uhr

Es ist endlich da: The Last of Us ist das erste Projekt der Jungs von Naughty Dog nach drei Ablegern von Uncharted auf der PlayStation 3 – und mit großer Wahrscheinlichkeit deren letztes Projekt in der aktuellen Konsolengeneration. Spieler aus aller Welt haben diesen Titel heiß erwartet, im Vorfeld wurde das Spiel, das uns in ein postapokalyptisches Szenario entführt, bereits als heißer Anwärter auf „das beste Spiel der Konsolengeneration“ gehandelt. Wir prüfen in unserem Test, was an den Erwartungen und Versprechungen dran ist.

Postapokalypse: Ein Garant für fesselnde Handlung?

thelastofus-beitragThe Last of Us greift eines der derzeit beliebtesten Szenarien in Literatur, Film und Spiel auf: Postapokalypse. Aber nein, es geht nicht um Zombies oder eine Atomkatastrophe, stattdessen sind es Pilzsporen, die Menschen infizieren und zu Monstern machen. Zunächst sind die Infizierten Runner, dann Clicker, schließlich werden sie zu Bloatern, tödlichen Ungeheuern, denen ihr besser nicht über den Weg laufen wollt und solltet.
Wir wollen von der Geschichte von The Last of Us nichts spoilern, da sie selbst erlebt werden muss, dennoch wollen wir euch einen Einblick geben, was uns so beeindruckt hat. Der Einstieg in das Spiel ist überaus gelungen und spielt während des ersten großen Ausbruchs der Infektion. Danach gibt es eine Zäsur von 20 Jahren, wir schlüpfen in die Rolle des Protagonisten Joel, den wir schon aus dem Prolog kennen. Gemeinsam mit seiner Freundin Tess erledigt er diverse Lieferantenaufträge, bis er schließlich von einem Geschäftspartner übers Ohr gehauen wird.
Das führt dazu, dass ihn schließlich für die Organisation der Fireflies, einer Rebellenorganisation, ein ganz besonderer Auftrag erwartet: Das junge Mädchen Ellie tritt in Joels Leben. Ab dann beginnt eine Beziehung der besonderen Art, denn Ellie lässt Joels traurige Vergangenheit wieder aufleben, weswegen er zunächst gereizt auf das Mädchen reagiert. Doch mit der Zeit entsteht eine Basis des Vertrauens, denn in einer postapokalyptischen Welt bleibt keine Zeit für Streit. Es geht ums nackte Überleben, und da muss man eben die Verbündeten nehmen, wie sie gerade da sind.
Die Geschichte sowie die Figuren sind die ganz großen Stärken des Titels, denn sie fesseln und es entwickelt sich tatsächlich immer mehr Spannung und Angst vor dem Ende. Ja, wir sprechen hier ausdrücklich von Angst, denn die Reise zum Ziel ist zeitgleich eine Reise ins Ungewisse.
Leider muss man sagen, dass wir trotzdem in diesem Bereich Abstriche machen müssen. Was sich im Spielverlauf weiterentwickelt, sind leider nur die Beziehungen zwischen den Figuren, nicht aber die Figuren selbst. Diese scheinen nur eingeschränkt am Ende ein anderes Bild abzugeben als am Anfang. Schwerwiegender ist jedoch, dass die Spielwelt insgesamt eher inkonsequent ist und nicht ganz zur Postapokalypse und schon gar nicht zur Zäsur von 20 Jahren passen will: Erstens hat die Natur an vielen Stellen viel zu wenig ihres Raums zurückgefordert, zweitens spiegelt sich kaum wider, dass es in dem zerstörten Amerika vor radikalen Rebellen, den Infizierten und einem gewalttätigen Militär nur so wimmelt. Hier und da befindet sich mal ein Graffiti an der Wand, dort hat sich jemand an einem Baum erhängt, woanders wurde ein Soldat hingerichtet, da er Leute hat hungern lassen. Insgesamt wirkt aber alles viel zu sauber und aufgeräumt – trotz der vielen Rebellen – für die bemerkenswerte Zeit, die man in The Last of Us eigentlich erlebt.
Dafür erwartet den Spieler in The Last of Us ein wahrlich umfangreiches Abenteuer, denn man kann mit einer Spielzeit von rund 20 Stunden rechnen. Währenddessen erwarten euch diverse Umgebungen und Abschnitte, weitere Figuren, über die ihr euch euer eigenes Bild machen solltet, sowie viele Höhen und Tiefen. Doch diese leider bei den Protagonisten.

Das Überleben in einer grausamen Welt

Es dürfte wohl viele verschiedene Erwartungen geben, wenn man unterschiedliche Spieler zu The Last of Us befragen würde. Auf der einen Seite hat man Uncharted im Kopf, einen actionreichen Third-Person-Shooter. Auf der anderen Seite steht die Erwartung an einen knallharten Überlebenskampf. Dazwischen stehen die Faszination und die Grausamkeit eines (post)apokalyptischen Szenarios. Wir würden The Last of Us so beschreiben: Es vereint Elemente aus allen genannten Möglichkeiten, doch vermag es nicht, eines davon zu vervollständigen.
Es gibt beim Gameplay viele Dinge, die man The Last of Us hoch anrechnen muss. Dazu zählt, dass The Last of Us endlich mal ein Spiel ist, das an vielen Stellen entscheiden lässt, wie man vorgeht. Ist man gut, schafft man es komplett schleichend durch das Level. Ganz ohne Konfrontationen. Ansonsten schaltet man einen Teil der Gegner lautlos aus, um sich das Vorgehen zu erleichtern. Versaut man das und möchte es actionreich, ballert man sich eben durch. Auch das klappt; zwar ist Munition häufig knapp, doch wenn man halbwegs mit Bedacht vorgeht und nicht jeden zweiten Schuss danebensetzt, kommt man ganz gut damit zurecht.
Des Weiteren funktionieren die meisten Elemente völlig problemlos. Insbesondere die Stealth-Passagen haben uns überaus gut gefallen. Joel steuert sich meistens problemlos und führt genau die Aktionen aus, die er auch ausführen soll. Gelegentlich gibt es mal Aussetzer, wenn man vor einer Leiter steht, aber darüber können wir an dieser Stelle hinwegsehen.The_Last_of_Us_Welt
Ähnlich wie viele andere Spiele seiner Art bietet The Last of Us die Möglichkeit, selbst Gegenstände herzustellen sowie die Werte der Figur anzupassen. So könnt ihr selbst Messer für lautlose Kills, Medikits oder aber auch Nagelbomben und Ähnliches herstellen. Dennoch ist die Vielfalt dieser Artikel eher begrenzt, zudem könnt ihr jeweils maximal drei davon im Rucksack haben. Auf eurem Weg sammelt ihr die entsprechenden Rohstoffe dafür ein. Darüber hinaus findet ihr regelmäßig Werkbänke, auf denen ihr eure bereits gefundenen Waffen verbessern könnt, also zum Beispiel die Magazingröße erhöhen oder den Rückstoß verringern. Dazu benötigt ihr Teile, die ihr immer wieder findet, sowie eine von insgesamt fünf Erfahrungsstufen. Ein Aufstieg dieser Stufe ist durch Werkzeugsets möglich, die rar in der Welt verteilt sind.
Trotz dieser Möglichkeiten kommt nie wirklich das Gefühl des Überlebenskampfs auf. Schaut man sich ausführlich in der Spielwelt um, so findet man meistens genügend Rohstoffe, um sich mit Gegenständen ausstatten zu können und so für den Notfall gewappnet zu sein. Oftmals muss man sogar Dinge liegen lassen. Medikits und Snacks, die die Gesundheit steigern, findet man ohnehin regelmäßig. Sehr gelungen an dieser Stelle ist die Tatsache, dass das Spiel beim Herstellen von Gegenständen nie pausiert wird. Alles läuft weiter in Echtzeit ab. Somit kann auch das Anwenden von Medikits in brenzligen Situationen zum reinen Nervenkitzel werden.
Für weniger Spannung sorgen die hohe Linearität und die eher geringen Interaktionsmöglichkeiten. The Last of Us lebt von Scripts, die meisten interessanten Dinge funktionieren nur, wenn das Spiel das gerade möchte. Das Bild einer offenen Welt kann kaum länger als über den Beginn hinaus erhalten werden. Später hat man in den Leveln nur selten große Bewegungsfreiheit, man findet höchstens mal versteckte Räume, in denen zusätzliche Rohstoffe und Munition lagern. Besonders negativ aufgefallen sind uns häufig Kampfsequenzen, denn deren Beginn und Ende sind genau markiert. Im Vorfeld lassen sie sich allein aufgrund des Aufbaus des entsprechenden Raumes erahnen, ihr Ende macht sich dadurch kenntlich, dass plötzlich keine Gegner mehr nachströmen und die actionreiche Musik abgeschaltet wird. Danach habt ihr die Umgebung ganz für euch. Spontan trefft ihr fast nie auf Widersacher.

Gutes

+ Fesselnde Story und Atmosphäre
+ Großer Umfang
+ Gelungene Figuren und Beziehungen
+ Gut funktionierende Stealth-Abschnitte
+ Anpassbare Fertigkeiten
+ Man kann Gegenstände herstellen
+ Realistische Waffendarstellung

Schlechtes

- Miserable Tonabmischung
- Häufige KI-Aussetzer
- Stark gescriptete und repetitive Passagen
- Technische Macken (Clippingfehler, Flimmern)
- Hohe Linearität mit wenig Interaktion
- Lange Ladezeiten vor dem Spielbeginn

8.5 Sehr gut

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