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The Gardens Between im Test – Eine surreale Reise durch die Zeit

Artikel von | 22.09.2018 um 17:58 Uhr

Das junge Entwicklerstudio The Voxel Agents ist in erster Linie für Mobile Games bekannt. Mit dem Rätselspiel The Gardens Between wagen die Entwickler aus Melbourne den Sprung auf die großen Konsolen. Ob ihr neuestes Werk durch cleveres Gameplay überzeugen kann, erfahrt ihr in unserem Test.

Freundschaft und Nostalgie

In The Gardens Between reisen wir durch die Vergangenheit der beiden Freunde Arina und Frendt. Während eines Sturms werden die beiden in eine traumartige Welt gezogen, die aus Versatzstücken ihrer gemeinsamen Erinnerungen besteht. Das Spiel erzählt seine Geschichte auf ganz eigene Weise – ohne klassische Narrative und frei von Dialogen. Die surreal gestalteten Level bestehen aus Objekten, die mit der Kindheit der beiden in irgendeiner Weise verknüpft sind. Am Ende jedes Abschnitts sehen wir kurze Szenen aus dem Leben der beiden. In diesen fügen sich die Objekte in einen Kontext. Mussten wir gerade noch das riesige Skelett eines Dinosauriers erklimmen, erfahren wir anschließend, dass eine schöne Erinnerung an einen Museumsbesuch die beiden miteinander verbindet. Nach und nach macht The Gardens Between auf diese Weise die Freundschaft der Protagonisten für uns spürbar und erzählt uns fast nebenbei eine herzerwärmende Geschichte, die uns am Ende sogar eine waschechte Gänsehaut verpasst.

Ein buntes Aquarell

Visuell ist The Gardens Between ein echtes Kunstwerk. Der malerische Stil verleiht dem Spiel einen bezaubernden Charme. Und auch das Design der Level begeistert uns: Jeder Abschnitt wirkt wie ein surreales Gemälde und erinnert zuweilen an Salvador Dalí. Die Level bestehen aus übergroßen Gegenständen, die den Anschein erwecken, zufällig zusammengewürfelt zu sein – Trotzdem ergeben sie eine kohärente Welt, die wir nach und nach erkunden. Die bunte Farbpalette macht das Spiel zu einem echten Hingucker.

Allerdings sollte man nicht allzu viel Abwechslung erwarten: Die jeweiligen Level sehen sich sehr ähnlich und sind immer nach dem gleichen Prinzip aufgebaut. Lediglich die Lichtstimmung ändert sich im Verlauf des Spiels und sorgt für etwas Abwechslung hinsichtlich der Atmosphäre.

Vor und zurück durch die Zeit

In The Gardens Between steuern wir zwei Charaktere gleichzeitig – zumindest mehr oder weniger. Tatsächlich haben wir nämlich keine direkte Kontrolle über die beiden. Wir bewegen sie lediglich durch die Zeit.

Was zunächst etwas verwirrend klingt, ist vom Spielprinzip her sehr einfach und funktioniert überraschend gut. Die beiden Charaktere laufen automatisch auf vorgeschriebenen Wegen. Mit dem Joystick oder den Schultertasten spulen wir die Zeit vor und zurück. Die Level lassen uns aber nicht ohne Hindernisse passieren. Diese gilt es zu überwinden. Dazu haben wir verschiedene Möglichkeiten:

Das Mädchen Arina hält in der Hand eine Laterne. An bestimmten Stellen entzünden wir diese mit Licht. Das ermöglicht uns, Nebel zu verdrängen, der uns am Weiterkommen hindert. Oder wir aktivieren damit  Lichtbrücken, um Abgründe zu überwinden. Gelangen wir mit einer erleuchteten Laterne bis ans Ende des Levels, schließen wir dieses ab.

Ganz so einfach ist das jedoch nicht: Bestimmte Pflanzen absorbieren unser Licht. Also müssen wir Wege finden, diese zu umgehen. Beispielsweise können wir die Laterne auf einem hüpfenden Kastenwesen platzieren, das diese für uns an eine andere Stelle transportiert, wo wir sie wieder entgegennehmen.

Der Junge Frendt hingegen hat andere Möglichkeiten, mit Objekten in der Umgebung zu interagieren. Indem er bestimmte Lampions berührt, öffnen und schließen sich Pflanzen. Einige davon geben Licht frei, manche entziehen dieses wieder. Beides können wir zu unserem Vorteil nutzen. Eine andere Art von Lampions beeinflusst die Umgebung oder lässt die Zeit nur für bestimmte Objekte verstreichen. Auf diese Weise rekonstruieren wir unter anderem zerstörte Gegenstände oder Teile der Welt. Oder wir lösen einen Dominoeffekt aus, um neue Wege freizulegen.

Die anfangs etwas abstrakt wirkende Spielmechanik funktioniert überraschend intuitiv. Während wir schrittweise an das Spielprinzip herangeführt werden, ergeben sich daraus immer wieder neue Rätsel. Und hier zeigt The Gardens Between seine größte Stärke: Trotz des simplen Konzepts und der überschaubaren Handlungsoptionen gelingt es den Entwicklern, uns immer wieder vor knifflige Denkaufgaben zu stellen, welche die circa 3 Stunden Spielzeit mit Abwechslung füllen. Insbesondere in den letzten Abschnitten mussten wir unsere grauen Zellen bemühen, um die Logik des Spiels zu durchschauen. Frustmomente kamen dabei zum Glück nicht auf – The Gardens Between ist immer fair und liefert uns auch zum Ende hin immer wieder befriedigende Aha-Momente.

Melancholische Klänge

Der Soundtrack überzeugt auf ganzer Linie. Sphärische Klänge treffen auf atmosphärisches Piano- und Gitarrenspiel. Dabei tritt die Musik die meiste Zeit in den Hintergrund und setzt nur an bestimmten Stellen Akzente. Sie greift die melancholische Grundstimmung von The Gardens Between auf, ohne dabei kitschig zu wirken. Produzent Tim Shiel gelingt ein wundervoller Spagat zwischen elektronischem Ambient-Sound und instrumentaler Musik.

Und auch das Sound-Design kann sich hören lassen. Umgebungsgeräusche wie Regen oder Gewitter unterstreichen die wundervolle Atmosphäre.

Fazit: Ein malerisches Meisterwerk

The Gardens Between macht einiges anders – und vieles richtig. Obwohl wir dem unkonventionellen Gameplay anfangs etwas skeptisch gegenüberstanden, konnte uns das Spiel auf ganzer Linie überzeugen. Es ist bemerkenswert, wie viel die Entwickler aus dieser einfachen Spielmechanik herausholen. Die Rätsel sind ungewohnt und frisch, funktionieren aber hervorragend und verschaffen uns ganz nebenbei angenehme Erfolgserlebnisse.

Dass The Gardens Between auch optisch ein Kunstwerk ist, zeigt sich bereits auf den ersten Blick. Auch wenn dem Spiel etwas abwechslungsreichere Umgebungen sicher nicht geschadet hätten, ist es durchgehend schön anzusehen und hebt sich durch seine surreale Ästhetik von vergleichbaren Genrevertretern ab. Und auch die subtile Erzählweise der Geschichte und der stimmungsvolle Soundtrack begeistern uns.

Schade ist eigentlich nur, dass der Spaß bereits nach wenigen Stunden wieder vorbei ist. Wir hätten uns gerne noch länger in der wunderschönen Welt von The Gardens Between aufgehalten.

The Gardens Between Testbericht

The Gardens Between

  • Release: 20.09.2018
  • Genre: Adventure, Puzzle
  • Entwickler: The Voxel Agents
  • Publisher: The Voxel Agents

Gutes

wundervolles Art-Design
charmante Geschichte
erfrischende Spielmechanik
stimmungsvoller Soundtrack
spaßige Rätsel

Schlechtes

kurze Spielzeit
wenig abwechslungsreich gestaltete Level

9.0 / 10 Must Have

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