The Beatles: Rock Band – Review

Getestet von | 05.11.2009 um 00:00 Uhr

Sie haben eine ganze Generation begeistert, sind Vorbild für viele Künstler Und haben nicht zuletzt die Musikgeschichte in vielen Hinblicken geprägt.

Eine Band, welche über 10 Nummer-Eins-Hits allein hierzulande hatte, eine Band, dessen Musik selbst die jüngste Generation noch kennt – eine Band wie die „Beatles“.

Doch gerade bei dieser „Boyband“ der Sechziger ist die Masse auf dem ersten Blick eher skeptisch, wenn es um eine Videospielumsetzung ihrer Musik und Historie geht. Doch haben es Electronic Arts und Harmonix, Entwickler der Rock Band-Serie, geschafft, die Pilzköpfe geschickt zu verpacken und ein musikalisches und spielerisches Highlight zu schaffen? Sämtliche Antworten auf eure Fragen findet ihr in unserer Review.

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Revolution?

Große Veränderungen darf man auch beim ersten Bandspezifischen Rock Band-Ableger nicht erwarten. Die Spielmechanik ist nach dutzenden Guitar Hero und Rock Band-Spielen immer noch die gleiche: Mit einem Plastikinstrument eurer Wahl dürft ihr entweder alleine oder mit euren Freunden rocken. Dabei gilt es, im richtigen Moment die Noten auf dem Bildschirm zu treffen. Gelingt dem Spieler das, erhält er Punkte und Sterne. Anders als gewohnt können hier allerdings keine eigenen Spielfiguren gestaltet oder neue Elemente gekauft werden. Das hat aber auch einen guten Grund: Hauptsächlich soll euch das Spiel die Beatles und ihre Karriere vermitteln. Fiktive Rocker würden die gesamte Atmosphäre zerstören – und die Lizenzgeber wahrscheinlich verärgern.
Neue Spielelemente finden sich aber natürlich auch in diesem Spiel wieder. Das nennenswerteste ist hierbei wohl der Harmoniegesang. Nun ist es möglich, bis zu drei Mikrofone anzuschließen und demnach auch zusammenzuträllern. Die Darstellung, jeder Spieler hat sein eigenen Pfeil für die Notenlinie, ist zwar etwas wirr und teilweise unübersichtlich, tut dem daraus entstehenden Spaß aber keines Falls einen Abbruch.
Ein zweiter, besonders für Anfänger interessanter Punkt ist der neue „No Fail-Mode“. Hierbei könnt ihr drauf losspielen und Fehler machen, ohne dass diese schlecht gewertet werden. Diese Neuerung ist allerdings nicht nur für Anfänger, sondern auch für Partys gut. Frustmomente verabschieden sich mit diesem Modus komplett.

Ein Punkt, der von Spielern im Vorhinein kritisch beäugt wurde, war der Schwierigkeitsgrad. Rocker, die Musikspiele nur spielen, wenn ein Song fordernder ist als der andere, haben hier eindeutig nichts zu suchen. Trotzdem sei gesagt, dass das gesamte Spiel doch nicht so leicht ist, wie Anfangs angenommen. Besonders der Gesang und der Schlagzeug-Part haben es in sich. Aber auch Gitarren und Bass-Spieler haben auf jeden Fall ihren Spaß. Denn genau darauf ist das Spiel ausgelegt. So gut wie jeder Song macht Spaß zu spielen und das gesamte Spiel ist abwechslungsreicher als gedacht. Und die Drummer unter euch, die selbst mit der Karriere noch unterfordert sind, haben noch die Möglichkeit ihr Können bei den Beatle-Beats unter Beweis zu stellen.

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Feel The Beatlemania

Der wohl beeindruckendste Spielmodus ist die Karriere. In The Beatles: Rock Band werden nicht einfach nur hintereinander weg die Songs gespielt. Das Team von Harmonix, welches bei der Entwicklung des Spiels im Übrigen von den noch lebenden Beatles unterstützt wurde, hat unglaublich viel Liebe und Mühe in diesen Modus gesteckt. In chronologischer Reihenfolge wird die Karriere der Pilzköpfe nachgespielt. Fängt an mit den ersten Auftritten in der Ed Sullivan Show und endet letztendlich in der Abbey Road. Die verschiedenen Standorte sind hierbei realitätsnah nachgestellt und sehr atmosphärisch. Zwischen den verschiedenen Auftritten verdeutlichen kleine Comic-Clips noch den Werdegang der Band.
Wahre Beatles-Fans und die, die es noch werden wollen dürfen sich vor allem über die enorme Menge an Zusatzinhalten freuen. Schreitet ihr in der Karriere voran und erfüllt bestimmte Vorgaben erhaltet ihr Fotos, Videos und Tonaufnahmen – selbstverständlich alles Originalaufnahmen und bisher unveröffentlicht. Des Weiteren gibt es zu den Fotos noch Informationen über die Beatles, Chart-Platzierungen, Erfolge der Band und sonstige wissenswerte, teilweise skurrile Tatsachen. Wer sich wirklich für die Band, und nicht nur für die Musik interessiert, hat in diesem Punkt auf jeden Fall einen Anreiz die etwas kurz geratene Karriere komplett auszuschöpfen.

Ingesamt 45 Songs dürft ihr nämlich nachspielen. Bei genauerem Betrachten fehlen zwar einige Hits, wie z.B. „Hey Jude“, mit musikalischen Highlights der Beatles hat Harmonix allerdings keinesfalls gegeizt. Ob es die „Yellow Submarine“ ist, welche besingt werden darf oder die „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ – der bekannteste und wichtigste Teil ist integriert. Trotzdem ist der Inhalt im Vergleich zu anderen, aktuellen Vollpreisspielen etwas mager. Guitar Hero 5 beispielsweise bietet fast das Doppelte an spielbaren Liedern zum selben Preis.
Wer von den Beatles allerdings nicht genug bekommen kann, hat die Möglichkeit, seine Songliste im Beatles Store aufzustocken. Bis Dezember sollen in regelmäßigen Abständen drei zusätzliche Alben hinzugefügt werden.
Besitzer alter Rock Band-Versionen werden wohl das Feature des Song-Exports vermissen. Für Rock Band 1 und dem AC/DC-Track Pack gab es die Möglichkeit, alle Songs in Rock Band 2 zu importieren. Dies ist jetzt zwar nicht mehr möglich, hat aber auch wieder einen triftigen Grund: Würden die Beatles-Songs mit der normalen Rock Band-Engine gespielt werden, würde der Charme, welcher das Spiel ausmacht, verloren gehen.

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Von Unterwasserwelten und wunderschönem Klang

Den Großteil dieses Charmes machen die so genannten „Dreamscapes“ aus. Bei allen Songs, welche in der legendären Abbey Road produziert wurden, finden sich die Beatles im Hintergrundvideo nach kurzer Zeit in Traumwelten wieder und spiegeln somit die Stimmung des jeweiligen Songs wieder. Während ihr in „Yellow Submarine“ titelgetreu mit einem gelben U-Boot das Meer besuchen dürft, spielen McCartney & Co. In „Here Comes The Sun“ auf einem Blumenüberfluteten Hügel. Schön anzusehen sind diese Traumszenen auf jeden Fall.
Auch drum herum stimmt grafisch alles. Das ganze Spiel, von den Ingame-Videos bis hin zum Noten-Highway, ist sehr bunt und in einem leichten Comic-Look gehalten. Das passt auf jeden Fall gut zu den Beatles und zu den fröhlichen 60ern. Nicht nur die Umgebung, auch die Beatles selbst sind sehr ausgefallen designt. Zwar weniger realitätsgetreu, dafür umso amüsanter und durchgeknallter.
Alt eingesessene Rock Band-Spieler haben anfangs wohl Probleme mit dem in Pastelltönen gehaltenen Noten, werden aber auch früher oder später damit klarkommen. Diese Farben passen insgesamt einfach besser in das sowieso schon großartige Gesamtbild.

Das Wichtigste bei einem Musikspiel ist aber immer noch die Musik und der Sound. Dieser schlägt sich, in Betracht der Tatsache, dass die Lieder teilweise 40 Jahre alt sind, unheimlich gut. Alles klingt glasklar, ohne Abnutzungserscheinungen. Dies hängt wohl auch mit der Veröffentlichung der „Remastered“-Versionen aller Beatles-Alben zusammen. Das Spiel greift komplett auf diese neuen Versionen zu und bietet dadurch einen phänomenalen Sound.
Atmosphärisch bietet das Spiel viel, aber besonders das Publikum, das zu mindestens in der ersten Hälfte des Spiels auftritt, kann nicht ganz mit dem von alten Teilen mithalten. Während in RB1+2 noch richtig mitgegangen und mitgesungen wurde, fühlen sich die in Ohnmachtfallenden Teenie-Mädchen in diesem Spiel schon etwas starr an.

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Get the Party Started

Rock Band ist und bleibt aber nun mal ein Party-Spiel, das ist beim Beatles-Ableger nicht anders. Erst wenn die Band voll ist, das heißt im besten Falle Gitarrist, Bassist, Drummer und bis zu drei Sänger, macht das Spiel besonders Spaß. Das Band-Spiel ist in The Beatles: Rock Band nämlich weiterhin auf allerhöchstem Rock Band-Niveau. Und wer keine Lust hat zusammenzuspielen, kann natürlich auch gegeneinander ran. Egal an welchem Instrument, in zwei verschiedenen Versus-Modi können zwei Spieler gleichzeitig gegeneinander spielen. Das macht zwar nicht ganz so viel Spaß wie das Zusammenspielen als Band, ist aber durchaus gelungen und empfehlenswert.

Alle im Spiel befindlichen Multiplayer-Modi sind auch online absolvierbar. Egal ob das die Karriere, ein schnelles Band-Spiel oder einer der Versus-Modi ist, alle könnt ihr entweder mit zufällig ausgewählten Spielern oder mit Freunden aus eurer Freundesliste spielen. Der Online-Modus läuft durchweg flüssig und erhöht den Spielspaß auf ein Maximum.

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The End

Harmonix hat es auch diesmal wieder geschafft: Sie haben ein grandioses Spiel entwickelt, welches die breite Masse beigeistert. Die hohen Erwartungen, welche Spieler und Musikwelt an sich hatten, haben sie bravourös erfüllt und teilweise übertroffen. Die Songliste, die bewusst nur aus Beatles-Songs besteht, ist im Großen und Ganzen zwar etwas klein geraten, dafür aber umso intensiver. Die größten Hits der Beatles sind dabei, nur wenige vermisst man schmerzhaft.
In vielen Punkten hat man experimentiert und Neues versucht. Der Grafikstil passt perfekt zu den Jungs aus Liverpool und die Dreamscapes sehen großartig aus. Den Sound kann man von heutigen Liedern qualitativ kaum unterscheiden und lediglich die Live-Stimmung lässt sich kritisieren.
Das Sahnehäubchen des Ganzen ist dann noch der Harmonie-Gesang. Besonders zu dritt in einer ganzen Band macht er richtig Spaß und bringt wenigstens einen leichten, neuen Wind in das langsam überfüllte Musikspiel-Genre. Der neueste Rock Band-Ableger ist hiermit allen Beatles-Fans – und natürlich die, die es noch werden wollen – ausdrücklich an’s Herz zu legen.

Gutes

+ gelungener Karriere-Modus
+ umwerfende Sound-Qualität
+ „Dreamscapes“ drücken Kreativität sehr gut aus
+ Harmonie-Gesang sehr gelungen
+ sehr viele Extras

Schlechtes

- Etwas wenig Songs
- Live-Atmosphäre nicht ganz so dicht wie in Vorgängern

8.5 Sehr gut

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