Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhattan im Test

Getestet von | 06.06.2016 um 16:00 Uhr

Als Kind haben mich die Teenage Mutant Ninja Turtles allem voran durch die dazugehörige Fernsehsendung begleitet. Als ich dann mit einem Mega Drive die erste Konsole mein eigen nennen konnte, war eines der wenigen Spiele die ich damals hatte Teenage Mutant Ninja Turtles. Das Spiel hat damals viel Spaß gemacht, besonders das relativ simple Gameplay, die besonderen Charaktere und allem voran die Möglichkeit, ganz schnell mit Freunden auf einem Bildschirm zu spielen.

Seitdem ist das ein oder andere Jahr vergangen und auch das ein oder andere Turtles Spiel erschienen, die mal mehr, mal weniger gut waren. Jetzt steht mit Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhattan der nächste Ableger bereit. Diesmal haben sich die Lizenz-Eigentümer Nickelodeon und Activision mit Platinum Games einen besonders renommierten Entwickler ausgesucht. Gerade mit Spielen wie Bayonetta oder Vanquish haben sich die Japaner einen Namen gemacht, mit Transformers Devastation auch eine andere Reihe in ein gutes Videospiel verwandelt und sicher jeder kennt Metal Gear Rising. Doch werden die Turtles genauso gut umgesetzt oder bekommen sie eher eine zweitklassige Umsetzung wie die Legende von Korra? Das erfahrt ihr in unserem Test.

Teenage-mutant-ninja-turtles-mutanten-in-manhattan

Wir wollen die Welt retten Pizza!

Leonardo, Donatello, Raphael und Michelangelo. Das sind die wahnsinnig charismatischen Schildkröten Mutanten die sicherlich jeder kennt. Da haben wir Leonardo, den tollkühnen Anführer, Donatello, den fuchsigen Strategen, Raphael, den mutigen Draufgänger und Michelangelo, den etwas chaotischen Tollpatsch. Sie alle verbindet eine Sache: Leckere Pizza. Natürlich wollen sie auch New York beschützen und den Bösen nicht die Macht über die Stadt oder sogar der Welt überlassen. Aber sind wir mal ehrlich, sie wollen eigentlich nur Pizza essen. Doch etwas hält sie dieses mal davon ab. In Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhattan sehen wir als erstes einen Dialog zwischen Shredder und General Krang, den beiden Oberbösewichten. Sie scheinen etwas Großes zu planen, doch wie groß, dass kann man sich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht vorstellen. Dann wechselt man zu den vier Mutanten Schildkröten, die in der Innenstadt mitbekommen, wie einige Unholde Chaos verbreiten. Man ist den Feinden auf der Spur und merkt dann, dass ein Banküberfall unter der Kontrolle von Bebop stattfindet. Doch das ist der Anfang der Geschichte und so einiges mehr wird noch vorfallen. Die üblichen Schurken sind mit General Krang, Shredder und Rocksteady natürlich auch vertreten.

Das ganze klingt an sich ja ganz nett und verspricht einem ein gutes Grundgerüst für eine spannende Geschichte, auch wenn sie Story selbst wohl sicherlich keinen Preis für Innovation gewinnen würde. Das größte Problem ist, dass man den oben genannten Level in knapp 20 Minuten beendet hat. Insgesamt gibt es im Spiel dann auch nur neun Level, wobei mit 40 Minuten das Maximum an Spieldauer für einen Bereich feststeht. Bei unserem Durchlauf, haben wir für die komplette Geschichte sage und schreibe 4 ½ Stunden gebraucht. Man sollte natürlich noch erwähnen, dass es sich dabei nicht um einen kleinen PSN-Titel für 20 Euro handelt, sondern man stolze 49,99 Euro für die PlayStation 4 Fassung verlangt. Wir haben das mit Absicht schon so früh erwähnt, weil jeder sich Bewusst werden sollte, dass man wirklich ein riesiger Turtles Fan sein sollte, um dieses Preis-/Leistungsverhältnis zu rechtfertigen. Hinzu kommt, dass man beim Multiplayer auch keine neuen Level, sondern lediglich die Story Level ein weiteres Mal spielen muss und höchstens in der Schwierigkeit variieren kann.
Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt und etwas über das Spiel selbst erfahren will, der liest einfach weiter.

Wenig überraschend spielt man mit einem der vier Schildkröten und legt sich am Anfang des Levels auf einen Helden fest, der Rest wird von der KI gesteuert. In der Story kann man zu jeder Zeit den Charakter wechseln, was auch notwendig ist. Leonardo mit seinen Schwertern spielt sich natürlich etwas anders als Donatello mit seinem Stock oder Michelangelo mit seinen Nunchucks. Hinzu kommen dann noch Anpassungen wie Fähigkeiten oder Embleme, doch dazu später mehr. Auf alle Fälle rennen wir in jedem Level durch das Gebiet und suchen nach Feinden. Nachdem wir diese besiegt und Informationen beschafft haben, steigt die Boss-Anzeige. Zwischendurch gibt es dann kleinere Missionen, wie Objekte zu beschützen oder zu transportieren. Ist die Leiste gefüllt, wird uns das Spiel dann zum Boss des Gebiets führen, denn wir dann besiegen dürfen. Danach gibt es durch Zwischensequenzen die Überleitung zum nächsten Gebiet und wir erfahren, dass wir im nächsten Gebiet das gleiche machen dürfen. Das macht ihr dann für einige Stunden, aber nicht viel mehr als fünf, und tada, ihr seid mit dem Spiel durch. Das an sich wäre ja kein Problem, wäre das Gameplay sich nicht selbst im Weg.

3024x1-701_tmntfmv_160106_030

Ein Team müsst ihr sein! Aus… Mutanten Schildkröten

Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhattan ist ein 3D-Kampfspiel wie man es schon oft gesehen hat. Ihr lauft in den Gebieten herum, habt verschiedene Grundangriffe, Fähigkeiten, könnt Objekte benutzen und springen oder klettern. Aber eins nach dem anderen. Mit Viereck macht ihr einen normalen Angriff, mit Dreieck einen Verhältnismäßig schweren Angriff und durch gezieltes Kombinieren der beiden Elemente, könnt ihr dann tolle Kombinationen aus dem Spiel herausholen. Einfacher geht das mit Fähigkeiten. Diese könnt ihr ganz schnell aktivieren und dann einen besonders harten Angriff, einen Angriffsbonus herzaubern oder etwas Nützliches wie einen Supersprung oder eine Teleportation zum Feind durchführen. Einmal benutzt, müsst ihr warten bis die Abklingzeit abgelaufen ist, um sie erneut zu nutzen. Da jeder Turtle vier Slots für Fähigkeiten hat, sollte man diese effektiv nutzen, aber auch schon vor dem Level verteilen. Der Spieler selbst legt nämlich fest, welche Fähigkeiten sein Turtle Team haben soll. Man kann also Leonardo und Raphael als Schadensausteiler, Donatello als Unterstützer und Michelangelo als Heiler durch Fähigkeiten festlegen – oder teilt die Rollen gerecht untereinander auf, sodass jeder Gegner verprügeln und das Team unterstützen kann.

Das ist aber noch nicht alles in Bezug auf taktische Möglichkeiten. Wir können natürlich auch immer von einem Turtle zum anderen Wechseln und die Fähigkeiten manuell aktivieren, ansonsten geben wir der KI die Entscheidungfreiheit darüber. Gleichzeitig können wir die Fähigkeiten verbessern. Am Ende jedes Levels errechnet sich anhand eurer Leistung eine Bewertung mit einer Punktzahl. Diese werden in Erfahrungspunkte umgewandelt. Mit diesen wiederum könnt ihr dann Upgrades kaufen und entweder neue Angriffe lernen oder altbekannte verbessern und damit die Abklingzeit verkürzen. Doch dafür benötigt ihr aber auch einen entsprechenden Level, der ebenso von den gesammelten Punkten abhängig ist. Ebenso am Ende des Levels erhaltet ihr auch einige Gegenstände, abhängig von eurer Spielweise oder den besiegten Feinden, um die Effekte von Emblemen zu verstärken. Was Embleme sind? Diese könnt ihr euch wie permanente Ugrades vorstellen. Ihr sammelt sie nach und nach ein und könnt sie im Menü dann den jeweiligen Turtles zuweisen. Dadurch fügt ihr permanente Effekte wie mögliches Vergiften von Feinden, automatische Heilung oder kürzere Abklingzeiten hinzu.

3024x1-701_tmntfmv_160106_148

Doch auch das war nicht alles. Wie es sich für einen Ninja gehört, könnt ihr nämlich auch Shuriken werfen. Entweder um Feinden etwas zu schaden oder Gegenstände in Kugeln zu öffnen. Diese Sammelgegenstände sind in den Level besonders gut versteckt und benötigen neben einem guten Auge, auch manchmal etwas Geschick. Ein riesigen Gebäude hochklettern, einen Riesensprung machen oder oben erwähnten Shuriken werfen. Hinter den Sammelgegenständen verstecken sich manchmal neue Embleme oder noch besser, ihr bekommt einen der seltenen Comics. Dabei handelt es sich um die originalen Comic-Cover der Schildkröten Mutanten und diese können im Hauptmenü angeschaut werden. Man findet auch immer wieder Verbrauchsgegenstände. Dabei kann man aktiv vier Stück nutzen um sich beispielsweise zu heilen. Im jeweiligen Gebiet hat man dann auch öfters die Möglichkeit in das Versteck zurückzukehren und die vier Gegenstände mit anderen zu ersetzen, wenn man sie dann im Inventar hat. Sie zeigen sich auch als besonders nützlich in brenzligen Situationen, ist man doch öfters mal am Rande des Todes. Hat man nämlich sein Leben komplett aufgebraucht, verkriecht man sich in seinen Panzer und hat einige Sekunden Zeit, vom Team wiederbelebt zu werden. Gelingt das nicht, wird man für eine bestimmte Zeit im Versteck landen und muss erst wieder durch Pizza zu Kräften kommen. Zuletzt könnt ihr auch manche Wände hochklettern oder auf Seilen oder Treppengeländern rutschen.

Das wäre dann in etwas alles, was das Spiel in Bezug auf das Gameplay zu bieten hat. Man merkt einfach, dass es nichts Neues oder Innovatives zu bieten hat, womöglich war es auch nie das Ziel der Entwickler so etwas zu erreichen. Nur leider macht das Spiel nicht so viel Spaß, wie man es sich erhofft hat. Öfters läuft man einfach von einer Gegnerwelle zur nächsten und schnetzelt sich da durch. Dann kommen noch einige sehr nervige Feinde hinzu, die unendlich Bomben oder Lasergeschosse von sich geben und man einfach frustriert seinen Tod akzeptieren muss. So viele unterschiedliche gibt es auch nicht und lediglich die Anzahl stellt sich später dann als Problem heraus. Durch die gleiche Routine von Feinden besiegen und Objekten beschützen, bis man den Boss erreicht hat, findet sich auch nicht so viel Abwechslung wieder. Hier und da gibt es schon unterhaltsame Momente, bei dem der Spieler einen größeren Roboter steuern darf oder die Bande mal ein paar lustige Sprüche von sich gibt, während den Zwischensequenzen. Doch hält sich das schon sehr im Rahmen. Neue Fähigkeiten zu erlernen und zu testen sind da schon einige Highlights im Gameplay.

3024x1-701_tmntfmv_160106_037

Nicht jede Pizza die gut aussieht, schmeckt auch gut

Auch in Bezug auf die Grafik ist Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhattan leider nichts Besonderes. Wie bereits in Transformers Devstation, wurde auf einen Cel-Shading Look gesetzt. Dieser gibt dem Spiel auf der einen Seite einen schönen Comic-ähnlichen Stil, der gut zum Original passt, gleichzeitig ist es rein vom Aussehen eben kein Augenschmaus und es ist auch kein Wunder, dass der Titel auch auf der PlayStation 3 läuft – erinnert es einen PS4 Besitzer auch an diese Zeit. Das alles wäre an sich ja kein Problem, würde da nicht Platinum Games dahinterstehen, die mit Bayonetta gezeigt haben, wie gut ein Hack ‘n‘ Slash in Bezug auf Gameplay und Optik funktionieren kann. Genauso der Preis ist eben der gesamten Qualität des Spiels nicht gerecht. Denn die einzige Motivation nach dem durchspielen von knapp fünf Stunden ist, dass man nochmal eine andere Schwierigkeit ausprobieren oder in der Rangliste besser platziert sein möchte. Man kann nämlich im Menü seine gesammelten Punkte mit seinen Freunden vergleichen, jedoch fehlen hier und da Werte und machen die Statistik kaputt. Eine andere Motivation ist der Mehrspieler. Wobei auf einen lokalen Koop verzichtet wurde, dabei hat der die alten Titel eigentlich ausgemacht und würde hier einiges zum Spielspaß zutragen. Also bleibt einem der online Modus mit seinen Freunden oder zufälligen Mitspielern. Hier ist aber nicht so viel los und man würde auch dort die immer gleichen Story Level spielen.

Was uns auch sehr negativ aufgefallen ist, ist der Sound. Die eher mittelmäßig deutsche Synchronisation ist bei einem so kleinen Lizenztitel fast schon zu erwarten und ist da gar nicht unser Hauptproblem. Viel schlimmer ist die Soundabmischung. Man spielt einen Level und sowohl die Stimmen der Turtles wie auch der Funksprüche von April sind in normaler Lautstärke, aber in den Zwischensequenzen sind die Stimmen so leise, dass die Hintergrundgeräusche oft lauter sind. Man sollte also lieber seine Fernbedienung neben sich liegen haben. Auch die KI-Begleiter machen manchmal etwas eigensinnige Sachen und bleiben an Ecken hängen oder laufen gegen Wände. Das spielt selbst läuft jedoch ganz solide. Es gibt aber einige wenig durchdachte Feinde, beziehungsweise Gebiete, die einen etwas nerven und nicht besonders kreativ im Leveldesign sind. In einem Level waren wir in der Kanalisation mit mehreren Ebenen. Man durfte immer wieder die gleichen Wege ablaufen, am Ende ein Tor öffnen und unten erneut das gleiche machen. Das ganze läuft komplett linear ab und die Level bieten, abgesehen von den Sammelgegenständen, auch wenig Motivation zum Erkunden. Aber dafür sieht man verschiedene Settings von einer Stadt, bis hin zur oben genannten Kanalisation, bis hin zu einer Stadt und einem Gebäude, in dieser Stadt.

tmnt-mim-screens-08

Ist auch eine halbgare Pizza eine gute Pizza?

Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhattan ist ein Spiel, dass man in dieser Form schon oft gesehen hat. Der Story-Modus ist alles in allem natürlich viel zu Kurz und bietet auch von der Geschichte nichts wirklich Spannendes. Gerade die Turtles mit dem ein oder anderen Spruch sind da etwas auflockernd und unterhaltsam. Das Gameplay ist ebenso wenig besonders, wer aber mit etwas anspruchsloserem Geschnetzel, mit Kombos und Fähigkeiten kein Problem hat – der wird auch seinen Gefallen am Spiel finden. Man muss sich aber bewusst sein, dass die Rangliste, der Schwierigkeitsgrad und der mögliche Koop die einzigen Motivationen für mehr Spielzeit sind. Denn ganz klar sind 49,99€ für die PS4 und selbst auch 39,99€ für die PS3 Version zu viel für einen Story Modus der nur knapp fünf Stunden Länge besitzt und nicht von sich überzeugen kann. Da hat selbst The Order: 1886 mehr zu bieten gehabt – und das hat was zu bedeuten. Da haben sich die Spiele mittlerweile an den Filmen ein Beispiel genommen und trotz neuen Machern, dennoch enttäuscht.

Gutes

+ Lustige Momente mit den vier Turtles
+ Im Multiplayer kann es Spaß machen...

Schlechtes

- ... jedoch kein Splitscreen Koop
- Viel zu kurze Story (für den Preis)
- Sound und Grafik nicht das wahre

5.5 Fans only

Kommentare

Du hast etwas zu sagen?

Jetzt einloggen oder registrieren um ein Kommentar zu schreiben

Das könnte dich auch interessieren