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Tales of Graces F – Review

Artikel von | 13.09.2012 um 00:00 Uhr

Jedes Märchen beginnt mit: “ Es war einmal…”. Wie der Anfang einer Geschichte über Generationen hinweg beibehalten wurde, so blieb auch, seit Erscheinen des Erstlings im Dezember 1995, der Titel „ Tales of…“ unverändert. Damals auf dem Super Nintendo waren es die Tales of Phantasia, entwickelt vom japanischen Studio Namco. Die“ Tales of…“- Reihe erschien auf verschiedenen Plattformen mit teilweise nicht zusammenhängenden Teilen. Namco heißt jetzt Namco Bandai und in Japan ist der Ableger Tales of Graces f seit Dezember 2010 für PlayStation 3 erhältlich. Knapp zwei Jahre mussten die Europäer warten bis es hier im August 2012 erschien. Hat das Warten sich gelohnt? Es heißt: „ Der Bund der Freundschaft übersteht die Ewigkeit.“ Lest weiter und findet es heraus.

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Es war einmal…

…der elf jährige Junge Asbel und sein kleinerer Bruder Hubert. Söhne des Fürsten Aston Lhant im gleichnamigen Fürstentum Lhant. Asbel, gesegnet mit einem enormen Forscherdrang, ist wieder einmal, gegen Anordnung seines Vaters, außerhalb der Stadt unterwegs. Begleitet wird er von Hubert. Auf ihrer Erkundungstour treffen sie auf ein, unter Amnesie stehendes, Mädchen. Asbel nimmt sich seiner an, um herauszufinden wer es ist und woher es kommt. Das Mädchen erhält den Namen Sophie. Eines Tages kommt Besuch aus der Hauptstadt Barona. Es ist der junge Prinz Richard und sein Gefolge. Asbel und Sophie freunden sich mit ihm an und schließen einen Pakt der Freundschaft. Als Zeichen dieser Freundschaft ritzen sie ihren Namen in einen Baum ein. Die nachfolgenden Ereignisse sind eher unangenehmer Art. Sophie stirbt bei einem Angriff und damit nicht genug, gab Fürst Aston seinen Sohn Hubert in die Obhut einer Familie im Reich Strahta. Asbel versteht die Welt nicht mehr und nach einem heftigen Streit mit seinem Vater, verlässt er Lhant. Asbel wollte nie das Erbe seines Vaters antreten, sondern lieber ein Ritter der königlichen Armee werden. So kehrt er seiner Heimat den Rücken zu und verlässt Familie und Freunde. Sieben lange Jahre sind vergangen. Asbel ist am Ende seiner ritterlichen Ausbildung und die Situation der Fürstentümer hat sich verschärft. Fendel zieht in den Krieg gegen Lhant und Asbels Vater stirbt bei dem Kampf. Asbel unterbricht die Ausbildung, um seiner Stadt und seiner Familie beizustehen. Unterwegs macht er die Bekanntschaft mit einem mysteriösen Mädchen. Es ist Sophie und wieder mal erinnert sie sich an nichts. Asbel nimmt sie auf, um herauszufinden, was geschehen ist. Der Krieg bringt die damals getrennten Freunde und Familienmitglieder wieder zusammen. Allerdings sehr verändert, erwachsen und ernster wirkend. Die damaligen Ereignisse haben tiefe seelische Wunden hinterlassen. Hubert ist Kommandant der Strahta Armee, die damals beste Freundin Cheria ist Heilerin in Lhant und ihr trefft auch Richard wieder, der seiner Nachfolge als König beraubt wurde. Nun gilt es diesen Krieg abzuwenden und den Pakt der Freundschaft neu aufleben zu lassen.

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Die Welt Ephinea

Zu Beginn des Abenteuers seid ihr mit dem Elfjährigen in einer sehr linearen Umgebung unterwegs. Die Story möchte vorangetrieben werden und da ist kein Platz für ausschweifende Erkundungstouren. Meistens ist es auch gar nicht möglich, den Weg zu verlassen, da Wiesen und Felder nur in den seltensten Fällen begehbar sind. So gestaltet sich die Umgebung sehr schlauchartig. Die meiste Zeit seid ihr zu Fuß unterwegs. Verlaufen könnt ihr euch nicht, denn mit einem Knopfdruck ruft ihr die Weltkarte auf und kontrolliert eure Route. Hier können bereits besuchte Orte angezeigt und jegliche Information darüber eingeholt werden. Oder betätigt L1 und eine Info hilft euch dabei euch daran zu erinnern, was als nächstes zu tun ist. Natürlich bietet Ephinea eine Vielzahl an Städten, Dörfern und Dungeons. Aufgeteilt ist die Welt in drei Kontinente, die unter anderem Schnee- und Wüstenlandschaften bieten. Ein Besuch in den Städten und Dörfern lohnt sich immer, denn hier gibt es ein breites Angebot an nützlichen Gegenständen, Waffen und Ausrüstungen. Auch in den Gasthäusern lassen sich Aufträge annehmen, die von hilfsbedürftigen Bürgern aufgegeben worden sind. Später gibt es die Möglichkeit, mit der Währung Gald, Schiffe anzuheuern oder den Turtlez Express zu nutzen. Turtlez nennen sich die fahrenden Händler, die euch die verschiedensten Ausrüstungsteile und Items anbieten. Wirklich schade ist, dass die Städte nicht belebter sind. Die Straßen sind menschenleer und oft seid ihr allein in den Gassen unterwegs. Für Reisende ist Ephinea wunderbar, aber für Rätselfreunde ist kein Platz. Die Rätsel beschränken sich auf Kisten schieben und Schalter betätigen. Mit dem weiteren Spielverlauf steht euch der Turm der Herausforderungen zu Verfügung, in dem eure Party bestimmte Gegnergruppen erledigen muss. So müsst ihr euch bis zur obersten Etage durchkämpfen. Für Langzeitmotivation neben der Hauptstory ist also gesorgt.

Wissen ist Macht

Neben der spannenden und etwas vorhersehbaren Hauptstory liegt das Augenmerk auf dem Kampfsystem. Ihr werdet Stück für Stück in ein sehr umfangreiches System eingeführt, in dem die Grundlagen des Kampfes auf den Titel und dessen Fertigkeiten ausgelegt sind. Das System beruht auf einem Jobsystem. Wird dem Charakter ein Titel zugeteilt, kann dieser bis zu fünf Fertigkeiten erlernen. Darunter sind neue Angriffe, Resistenzen gegen bestimmte Gegnertypen oder die Erhöhung der eigenen Attribute. Jedes eurer Mitglieder kann bis zu fünfzig Titel erlernen. Freigeschaltet werden diese im Laufe des Abenteuers. Benötigt werden Fertigkeitspunkte ( FP), die nach jedem Kampf ausgeteilt werden. Ist eine dieser Fähigkeiten erlernt, bleiben diese dauerhaft mit dem Charakter verbunden. Die Gruppe kann aus max. vier Leuten bestehen, dabei ist der Gruppenführer frei wählbar. Die Gegner sind sichtbar und der Kampf startet bei Berührung. Dabei wechselt ihr in eine Kampfarena. Der Ablauf eines Kampfes kann von automatisch bis manuell eingestellt werden. Wobei automatisch nur in den anfänglichen Kämpfen genutzt werden sollte. Die nächsten Konfrontationen werden fordernder, deshalb sollte auf halb automatisch oder manuell gestellt werden. Der Unterschied besteht darin, die Abläufe selbst zu koordinieren und nicht der KI zu überlassen. Die Kameraden KI kann mit einer Strategie versehen werden, damit lässt sich ein gemeinsames Ziel angreifen oder ein bevorzugtes Kampfverhalten einstellen. Eine gute Mischung aus Angriff, Block und Ausweichen führt zum gewünschten Erfolg.

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Die Angriffe werden Artes genannt und sind in drei Kategorien aufgeteilt. Die A-Artes werden in einem Fähigkeitenbaum aufgeführt, der in Klassen aufgeteilt ist. Wenn ein Angriff erfolgreich durchgeführt wurde, steigt die Klasse auf und eine Kombo mit weiteren Angriffen ist möglich. Allerdings kosten diese Kombos dann Serienkapazitätspunkte (SK). Aber keine Angst, wenn die SK verbraucht sind füllen sich diese nach einer kurzen Zeit wieder auf. Im Blockzustand sogar schneller. Die nächste Kategorie sind die E-Artes. Diese Angriffe sind mit Magie versehen. Jeder in eurer Gruppe besitzt eine begrenzte Anzahl von Slots, in denen die erlernten Fähigkeiten angelegt werden können. Zum Schluss gibt es noch die mystischen Artes. Diese sind zugleich die mächtigsten. Auch hier gibt es eine Steigerung mit mehreren Leveln. Diese Form des Angriffs kann nur in einem Eleth- Schub aktiviert werden. Lasst ihr keinen Treffer des Gegners zu, füllt sich die Eleth-Anzeige. Ist diese voll, verfällt die Gruppe in einen Schub und Kombos lassen sich, ohne SK zu verbrauchen, problemlos aneinanderreihen. Leider besitzt der Feind die gleiche Anzeige. Im Kampf ist es zudem jederzeit möglich, die Schwachstellen der Gegner einzusehen und die Taktik mit den dazugehörigen Artes zu wechseln. Schafft ihr sogar eine perfekte Angriffsserie, dann winken zusätzliche Boni am Ende des Kampfes. Wie schon erwähnt, ist das Kampfsystem sehr umfangreich, aber mit der nötigen Einarbeitungszeit kein Problem mehr. Das Aussehen der Angriffe und die Effekte können sich sehen lassen. Allerdings bei mehreren Gegnern und gleichzeitigen Angriffen, geht auch mal die Übersicht verloren. Am Ende eines jeden Gefechts, erhält die Gruppe Erfahrungspunkte für den Levelaufstieg, Gald und FP. Die besiegten Gegner lassen auch Monstermaterialien und Scherben fallen, mit denen ihr eine Menge anstellen könnt. Damit sind wir beim nächsten Thema, dem Dualisieren. Im Grunde genommen gebt ihr eure gesammelten Materialien ab, um für einen geringen Beitrag neue Dinge erschaffen zu lassen. Anlaufstellen sind die fahrenden Händler oder die Läden in der Stadt. Mit dem Dualisieren lässt sich Essen kochen, Ausrüstung verstärken bzw. verändern und es können neue nützlichere Sachen hergestellt werden. Das Dualisieren motiviert und macht Spaß, gerade weil es viele Kombinationsmöglichkeiten gibt. Nur so lassen sich einzigartige Ausrüstungsgegenstände erschaffen. Eine weitere Hilfe im Kampf und für unterwegs ist der Eleth-Mixer. Im Mixer können Speisen und Materialien auf eine begrenzte Anzahl von Slots gelegt werden. Die Speisen haben die Auswirkung im Kampf, einen zu stark geschwächten Charakter automatisch wieder auf die Beine zu helfen und je nach Speise mit positiven Zuständen zu unterstützen. Auch das Herstellen eines Materials ist mit einer prozentualen Abhängigkeit möglich. Das verbraucht Eleth-Substanz, die bei jedem Händler gegen Bares aufgefüllt werden muss. Wird der Mixer oft gebraucht, steigert sich das Fassungsvermögen.

Bunt und froh ist die Welt

Die Tales of…- Reihe bekam in der Vergangenheit schon einige Manga Anime Spin offs auf DVD spendiert und genauso sieht dieses Spiel aus. Allerdings bestehen nur die Sequenzen aus reinen Animegrafiken, während die Spielegrafik im Comic Look gehalten wurde. Hier ist der Ursprung des Spiels zu erkennen, denn der liegt auf der Wii von 2009. Dementsprechend ist die Technik veraltet. Die Umgebungen sind detailarm aber das Figuren- und Monsterdesign ist gut gelungen. Das Aussehen erfüllt jedes Klischee genauso der Rockig-Popige Sound. Die Boss- Kämpfe sind mit klassischer, orchestraler Musik untermalt und motivieren, unbedingt zu gewinnen. Die englische Synchronisation mit dem deutschen Untertitel erfüllt seinen Zweck. Die Portierung ist im Großen und Ganzen geglückt.

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Zum niederknien oder davonlaufen?

Tales of Graces f kommt einfach zu spät nach Europa. Technisch unterliegt es den aktuelleren Titeln. Dennoch ist es ein von Grund auf solides Rollenspiel mit einem komplexen Kampfsystem und einer schönen Story, voll von Intrigen, Freundschaft und Verrat. Wer die Vorgänger mochte und auch sonst keine Scheu vor Japan RPGs hat, kann beruhigt zugreifen. Anhänger westlicher Rollenspiele sollten vor einem Kauf lieber antesten.

Tales of Graces F Testbericht

Tales of Graces F

  • Release: 31.08.2012
  • Genre: Rollenspiel
  • Entwickler: Bandai Namco
  • Publisher: Namco Bandai

Gutes

+ Umfangreiches Kampfsystem
+ Schöne Story

Schlechtes

- Technisch veraltet
- Leblose Städte
- Umgebungen schlauchartig

7.5 / 10 Gut

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