Superstars V8 Racing – Review

Getestet von | 05.09.2009 um 00:00 Uhr

The Superstars are coming!
Die Rennspielflaute hat ein Ende. Mit Superstars V8 Racing wirft Entwickler Milestone endlich eine neue Rennsimulation auf den Markt. Ob der Renner hält was er verspricht, oder ob SV8R letztendlich nur ein weiteres Stück Lizenzmüll ist; das gibt’s hier zu lesen.

Gentlemen, start your engines!
Nachdem die Disc eingelegt ist und die Entwicklerlogos an uns vorbeigleiten, geht es auch schon los. Ein fulminantes Intro verspricht Rennaction par excellence und sogleich stürzen wir uns in ein „Schnelles Rennen“ der Italienischen Tourenwagen Meisterschaft. Flink noch einen von 19 Fahrern und eine der zehn Strecken wählen und das Rennvergnügen kann losgehen. Doch die Ernüchterung folgt auf den Gas-Fuß. Die Steuerung ist zu Beginn sehr gewöhnungsbedürftig und wirkliche Fahrhilfen gibt es anfangs auch nicht. Die, in form von Pfeilen, am oberen Bildschirmrand befindliche Bremshilfe zeigt komplett falsche Bremspunkte an und eine Lenkhilfe gibt es ebenfalls nicht. Einsteiger haben es also schwer bei SV8R. Schnell verlassen wir also das Schnelle Rennen und stellen beim antesten der anderen Modi fest, das wir bereits den größten Teil des Spiels gesehen haben. Die Modi sind sich allesamt sehr ähnlich. Ein kleiner Lichtblick im schnöden Renn-Alltag, bestehend aus „Schnellen Rennen“, „Rennwochenenden“ und „Meisterschaften“ ist der Lizenzenmodus. Hier gilt es ähnlich dem gleichnamigen Modus der Gran Turismo Serie, eine Reihe von Herausforderungen zu absolvieren. Leider sind diese allesamt recht ähnlich und vor allem schnell absolviert. Nach etwa einer Stunde erhält man als Belohnung eine Goldtröphäe. Das war es auch schon mit der Abwechslung in Superstars V8 Racing. Ein Karrieremodus fehlt nämlich leider vollkommen. Sehr schade! Doch nicht nur der geringe Umfang stört. Sondern auch das komplette Fehlen der Lizenzen von Mercedes Benz, Maserati und Cadillac. Zumindest Audi, BMW und Jaguar sind vertreten. Insgesamt beinhaltet SV8R zehn verschiedene Boliden von unterschiedlicher Stärke. Dieser Unterschied in der Motorleistung macht sich in den Rennen allerdings nur anhand der Startaufstellung bemerkbar, denn überholt wird so gut wie nie. Die CPU Fahrer bevorzugen den Gänsemarsch. Sie weichen keinen Millimeter von der Ideallinie ab und ist der Spieler im Weg, wird dieser ohne Umschweife von der Strecke geschoben. „Dafür gibt es doch die Strafen“, denkt sich der passionierte Rennspielfreund, doch Fehlanzeige. Die KI wird für’s Rempeln überhaupt nicht belangt, der Spieler dafür umso mehr. Fünf Sekunden Drehzahlbegrenzung lautet das harte Urteil der Stewards bei jedem Rempler oder einer genommenen Abkürzung. Dieses ganze System ist allerdings äußerst fragwürdig. So darf die Schikane in Monza ganz zu beginn einfach Schnurstracks überfahren werden, kommt aber einige Kurven später auch nur ein Rad aufs innere Grün, heißt es runter vom Gas. Eine Drive-through-penalty wäre allerdings genauso öde, denn die Kommandostände in der Box sind vollkommen leer und die Garagen sind geschlossen. Flaggenschwenkende Streckenposten? Ebenfalls Fehlanzeige! Es gibt weder Flaggen, noch Boxenstops. Während eines Rennens kommt also oft gähnende Langeweile auf, denn meist heißt es nur Driver vs. Track. Die KI-Fahrer sind nämlich selbst im höchsten Schwierigkeitsgrad bei entsprechender Streckenkenntnis keine wirkliche Herausforderung.

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Fahrwerk vs. Fahrer
Die anfangs gewöhnungsbedürftige Steuerung macht nach einigen Stunden fahren immer weniger Probleme. Trotz einigen Ungereimtheiten à la „Wieso bin ich denn jetzt im Kiesbett gelandet?!“ geht die Kontrollierbarkeit insgesamt durchaus in Ordnung. Trotzdem hat man nicht immer das Gefühl den Wagen perfekt zu beherrschen. Das liegt vor allem an den unregelmäßig eingreifenden Fahrhilfen, die ab und an den gewollten Drift verhindern und das unbeabsichtigte Übersteuern einfach nicht regulieren wollen. Ein besonders negativ auffallender Punkt sind die Reifen. Weiche Reifen haben zwar einen akzeptablen Grip, halten allerdings nur 1-2 Runden. Mittlere reifen haben eine schlechtere Griffigkeit, verschleißen aber in der gleichen Zeit. Wo ist da die Logik? Denn Boxenstops gibt es nicht, sodass die miese Reifenbalance den Spielspaß schon sehr drückt. Natürlich gibt es Einstellungsmöglichkeiten um das Fahrwerk anderen Strecken und Bedingungen anzupassen, aber man muss schon sehr stark am Rädchen drehen um einen signifikanten Unterschied feststellen zu können.

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L’occhio vuoto
Was erwartet man von einem guten Rennspiel? Richtig, eine fulminante Optik! Doch genau hier ist man bei Superstars V8 Racing an der falschen Adresse. Auch wenn die Fahrzeuge an sich ganz gut aussehen und in der Sonne auch hübsch glänzen, ist das Feedback bei einem Unfall hingegen praktisch nicht vorhanden. Denn außer einer eingebeulten Stoßstange gibt es beim Crash mit 200 Sachen in den Reifenstapel nicht viel zu sehen. Keine umherfliegenden Reifen, kein Staub aus dem Kiesbett und fahren kann die Schüssel nach so einem Horror-Crash auch noch. Wie war das doch gleich von wegen Simulation? Die Kameraperspektiven sind auch eher arcadig. Zwei mal Third-Person, einmal Stoßstange und Motorhaube. Von einer Cockpit Ansicht keine Spur. Gerade diese hätte doch ein zumindest einigermaßen realistisches Fahrerlebnis vermitteln können. Wo wir nun schon beim Fahrerlebnis sind, wie steht’s eigentlich mit dem Geschwindigkeitsgefühl? Ums kurz zu sagen ganz, ganz schlecht. Die 260Km/h V/max der Tourenboliden wirken in jeder Kameraperspektive wie schlappe 130. So fällt es auch schwer sich anhand der Geschwindigkeit einen möglichen Bremspunkt „nach Gefühl“ zu suchen, besonders bei nassem Wetter ein nerviges Hindernis. Oh ja, es gibt auch Regenrennen in SV8R, allerdings ohne Regen! Die Strecke ist zwar das ganze Rennwochenende pitschenass, aber es regnet einfach nicht. Sehr interessant! Auch Spritzwassereffekte auf der Kamera existieren nicht, von einer Gischt ganz zu schweigen! Die Streckenumgebung wirkt leer und trostlos, die Schatten weisen Treppeneffekte auf und durchdrehende Räder verursachen in der Stoßstangenperspektive keine Reifenspuren. Die Grafik also durchweg minderwertig.

Motorengebrüll und jubelnde Massen
Genau das erwartet man doch bei einem solchen Spektakel wie der Italienischen Tourenwagen Meisterschaft. Enttäuschung leider auch in diesem Punkt. Die Klangkulisse während der Rennen ist so was von dürftig, dass man den sonst so nervig sabbelnden Kommentator regelrecht vermisst. Auch Hintergrundmusik gibt es nicht, lediglich die Menüs sind mit annehmbarer Techno-Musik untermalt und in den Rennwiederholungen hört man das, was während des Rennens einen wahren Adrenalin Schub bewirken würde. Vollmundig röhrende Rockmusik mit jaulenden Gitarren schmückt die Aufzeichnung des Rennens aus. Wieso nicht so während des Rennens?! Stattdessen gibt es den eigenen Motorensound auf die Ohren. Dieser ist entgegen aller Vermutungen aber doch schön anzuhören und röhrt je nach Auto immer ein wenig anders. Die Konkurrenz hingegen ist nur hörbar, wenn man sich in nächster Nähe befindet. Eine allgemeine Sound Kulisse, wie sie an einer Rennstrecke üblich ist existiert leider nicht. So auch die Fans. Keine Jubelschreie, kein Winken mit der Landesfahne. Milestones Rennsport-Fans sind nun mal eher stiller Natur…

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Uno? No, dodici!
Für all jene, denen der Einzelspieler schnell langweilig wird, haben die Entwickler noch einen Online Multiplayer für bis zu 12 Fahrer dazugepackt. Wer nun die große Abwechslung erwartet wird leider enttäuscht. Der Multiplayer bietet noch weniger Möglichkeiten als der Einzelspielermodus. Es können lediglich einzelne Rennen bestritten werden. Mit dem unwesentlichen Unterschied, dass die Gegner nicht von der CPU gesteuert sind. Trotzdem endlangweilig! Es gibt genug andere Rennspiele, die über einen deutlich besseren Multiplayermodus verfügen. „Eine kleine Meisterschaft, oder ein Rennwochenende gegen Spieler aus der ganzen Welt zu bestreiten, das wäre was.“, so dachten die Jungs von Milestone leider nicht.

Blitzstart oder Kolbenfresser?
Summa summarum bleibt nicht viel übrig, was bei Superstars V8 Racing positiv herauszuheben wäre. Die Steuerung geht in Ordnung, die Lizenzen sind größtenteils vorhanden und animieren den bekennenden Fan dazu, mit jedem Boliden mal einen Ritt zu wagen. Das Spiel macht sogar kurzzeitig Spaß und motiviert durch den, im Ansatz gelungenen Lizenzen-Modus zu einigen Spielstunden. Der Langzeitspaß leidet jedoch durch geringen Umfang und eine nicht vorhandene Atmosphäre. Gravierende Mängel in Grafik und Sound komplettieren das Bild eines eher durchschnittlichen Rennspiels ohne Innovationen und mit magerer Umsetzung. Dieser Titel hätte deutlich mehr Potential gehabt, wenn die Entwickler ein wenig mehr Liebe ins Detail gesteckt hätten. So ist das Endergebnis gerade mal ein Übergangsspiel, dass die Warterei auf den Genre-Primus Gran Turismo 5 um ein paar Tage verkürzen kann.

Gutes

+ reale Strecken
+ hübsche Autos
+ pfundige Motorensounds

Schlechtes

- fehlender Realismus
- triste Atmosphäre
- schlechte KI
- geringer Umfang
- schwerer Einstieg

6.5 Mittelmäßig

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