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State of Mind im Test – Das deutsche Telltale Spiel

Artikel von | 13.08.2018 um 17:27 Uhr

Vor mehr als zehn Jahren wurde der deutsche Videospiel Entwickler Daedalic Entertainment gegründet. In dieser Zeit hat das Studio allem voran durch Spiele auf sich aufmerksam gemacht, die versuchen eine besondere Geschichte zu erzählen, meist in Form eines Point n‘ Click Adventures. Nun erscheint mit State of Mind ein eher untypisches Spiel für die Hamburger. In diesem 3D Adventure wird die Geschichte, im Stil von Quantic Dream oder Telltale, von einer dystopischen Zukunft im Jahr 2048 in Berlin erzählt. Wie gut das verändertes Rezept gelungen ist oder eben nicht, das erfahrt ihr in unserem Test von State of Mind.

State of Mind Review Test PS4 PlayStation 4 Daedalic Entertainment

Zwischen einer dystopischen und utopischen Zukunft

In State of Mind erleben wir die Zukunft aus zwei Ansichten. Auf der einen Seite gibt es mit Berlin im Jahr 2048 eine dystopische Darstellung der Realität, in der auch Richard Nolan mit seiner Familie lebt. Auf der anderen Seite gibt es wiederum Adam Newman, der in der wunderschönen Stadt City 5 ohne offene Wünsche lebt. Die Geschichte des Spiels beginnt mit dem Autounfall von Richard. Nach der Rückkehr vom Krankenhaus merkt er, dass seine Frau und sein Sohn verschwunden sind. Dafür ist mit Simon nun ein Hausroboter in sein Leben getreten. Sowohl für Richard, als auch den Spieler, stehen damit schon zu Beginn einige offene Fragen im Raum.

Fast gleichzeitig wechseln wir zu Adam, der ebenfalls einen Autounfall hatte. Im Gegensatz zu Richard ist jedoch sein Umfeld nicht davon betroffen. Es dauert aber nicht lange, bis auch bei Adam merkt, dass sein Leben nicht ganz so verläuft, wie er es eigentlich gedacht hat. Im Wechsel erleben wir in State of Mind die Geschichte der beiden Protagonisten, die sich später dann auch kreuzt.

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An dieser Stelle gibt es eine kurze Pause, um euch vor kleinen Spoilern zu warnen.
Auf der Suche nach seiner Familie findet Richard nämlich Kontakte zu einer Untergrundorganisation. Diese war eigentlich davon überzeugt, dass Richard tot ist. Sein Gehirn wurde nämlich in eine virtuelle Welt übertragen, in der unzählige andere Menschen auch schon leben. Einer davon ist Adam, der bisher nicht wusste, dass er eigentlich nur ein Datensatz und kein echter Mensch ist. Die beiden nehmen daraufhin Kontakt auf und versuchen dem Mysterium auf die Spur zu kommen, indem Daten aus der realen in die virtuelle Welt hochgeladen werden. Was genau dahinter steckt, erfahrt ihr aber nur, wenn ihr State of Mind auch selbst spielt.

Gesagt sei jedoch, dass die Geschichte durchaus interessant ist. Denn die Tatsache, dass Menschen irgendwann in eine virtuelle Realität wechseln, um der echten zu entfliehen, kann man sich durchaus vorstellen. Auch die Gedankenspiele, ob das virtuelle Leben dann auch ein wahres Leben ist, sorgt bei Sci-Fi Fans sicherlich für Interesse. Gleichzeitig sind manche Dialoge nicht sofort verständlich oder bieten Raum zur Interpretation, was nicht wirklich schön ist.
An dieser Stelle wollen wir auch erwähnen, dass man zwar Dialoge führen kann und es viele optionale Informationen gibt. Die Geschichte ist jedoch sehr linear und im Gegensatz zu Telltale/Quantic Dream, enthält es keine großen Entscheidungen für die Spieler, um die Geschichte zu verändern.

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Ein bisschen Telltale, ein bisschen Quantic Dream und sehr viele Dialoge

Wer bei State of Mind jetzt ein Action Spektakel mit unzähligen Schießereien und ähnlichem erwartet, der kennt Daedalic Entertainment nicht. Im Fokus steht die Geschichte und statt eines Point n‘ Click Adventures, wie Deponia oder Monkey Island, gibt es nun ein 3D Adventure. Vergleichbar mit den Telltale und Quantic Dream Spielen oder Life is Strange, bietet auch State of Mind eine Geschichte bei der ihr euren Protagonisten frei umher bewegen könnt und dann entweder mit Objekten oder Charakteren interagieren könnt. In Dialogen mit anderen Personen könnt ihr die Story vorantreiben oder mehr Informationen erhalten. Hinzu kommen noch ein Inventar und später noch kleine Minispiele, die teilweise dann auch Rätsel bieten. Besonders anspruchsvoll sind sie kaum, sofern ihr mit Geschicklichkeitsspielen keine Probleme habt. Wer Dialoglastige Spiele nicht mag und stets mit motivierenden Gameplay bei der Stange gehalten werden muss, für den ist State of Mind leider nichts.

Ähnlich wie auch Telltale oder Quantic Dream, hat auch das Adventure von Daedalic kleine Probleme mit der Steuerung. Der Charakter ist ähnlich schwer zu navigieren wie in den Beispielen und man hat das Gefühl, man steuert gerade ein riesiges Flugzeug und nicht nur eine einzelne Person. Hilfreich ist hier das Rennen, aber um mit bestimmten Punkten zu interagieren, muss sowohl der Charakter in der nähe davon stehen und die Kamera darauf ausgerichtet werden. Man gewöhnt sich mit der Zeit daran, schwerfällig ist es dennoch. Ihr könnt es euch also in etwa so vorstellen: Ihr nehmt Uncharted, entfernt die Schlusssequenzen, die Actionszenen mit Explosionen, macht die Rätsel noch etwas leichter und schon habt ihr State of Mind.

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Ein Hauch von Vergangenheit in der Zukunft

Daedalic Entertainment hat mit State of Mind einen eher einzigartigen Grafikstil eingesetzt. Vergleichbar mit Ubisofts Grow Home, bietet das 3D Adventure einen ähnlichen Low-Poly Effekt. Dadurch wirkt nahezu alles etwas grob und kantig, passt aber zum futurischen Settings des Spiels und sieht man auch nicht so oft. Sicherlich ist aber nicht jeder Spieler ein Fan davon und kann sich damit anfreunden und so wirkt State of Mind auch nicht wie der aktuelle State of the Art.

Beim Ton gibt es wenig zu meckern. Als ein deutsches Entwicklerstudio gibt es selbstverständlich auch eine deutsche (neben der englischen) Sprachausgabe. Diese ist wie zu erwarten auch sehr gut, durch den Grafikstil aber nicht Lippensynchron. Bei bestimmten Charakteren merkt man lediglich, dass diese nicht mit ganzer Leidenschaft dabei waren oder ungewollt komisch daherkommen. Die Musik hingegen war überaus stimmig, schön und gut platziert.

Wir müssen aber auch erwähnen, dass es beim Spielen mit unserer PlayStation 4 Pro zu einigen Abstürzen gekommen ist. Diese haben sich zwar beim erneuten Laden erledigt, unschön ist aber nichtsdestotrotz. Bei unserem Durchgang haben wir knapp 10 Stunden gebraucht, hinzu kommen noch 2-3 Stunden falls ihr die Platin Trophäe bekommen wollt. Bei einem Preis von 39,99 Euro für die PlayStation 4 Version ist das natürlich durchaus etwas wenig, besonders da es kaum Wiederspielwert gibt.

State of Mind Fazit – Das ist doch verrückt, oder nicht?

Ohne Point n’ Click, war State of Mind natürlich auch für Daedalic Entertainment etwas Neues. Die Geschichte aus der Zukunft ist durchaus interessant und hat einen Bezug zur möglichen Realität, auch wenn es an vielen Stellen etwas abwegig ist. Durch die Möglichkeit die Charaktere zu tauschen, bekommt man unterschiedliche Blickwinkel spendiert und dadurch zwei Geschichten gleichzeitig erzählt. Das Gameplay ähnelt den Spielen von Telltale oder Quantic Dream und bietet zwar wenig Herausragendes, ist dafür aber mit Minispielen gespickt und sorgt so immer wieder für etwas Abwechslung. Davon hätte es aber mehr geben können und auch die Steuerung ist ähnlich träge wie bei den anderen.

Den Low-Poly Stil sieht man in einem 3D Spiel eher selten und daher wirkt dieser bei State of Mind auch besonders, ist aber auch nicht wirklich so ein Hingucker wie es beispielsweise Detroit: Become Human war. Beim Ton pendelt es zwar etwas, aber er ist stets auf hohem Niveau. Auch die mehrfachen Abstürze sind selten für ein PlayStation 4 Spiel und bei einer Länge von etwa 10-15 Stunden etwas zu viel des Guten. Ihr bekommt mit State of Mind eine interessante Geschichte erzählt, aber ohne großen Wiederspielwert müsst ihr euch überlegen, ob euch die 39,99 Euro nicht etwas zu viel sind und ihr nicht lieber auf ein Angebot warten wollt. Trophäen Sammler bekommen nach spätestens 15 Stunden die gewünschte Platin Trophäe und dazu noch eine spannende Geschichte.

State of Mind Testbericht

State of Mind

  • Release: 15.08.2018
  • Genre: Adventure
  • Entwickler: Daedalic Entertainment
  • Publisher: Daedalic Entertainment

Gutes

+ Spannende Geschichte
+ Einige Minispiele sorgen für Abwechslung

Schlechtes

- Kurze Spielzeit ohne Wiederspielwert
- Keine Entscheidungen in der Geschichte
- Steuerung etwas träge

7.0 / 10 Gut

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