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SSX – Review

Artikel von | 27.03.2012 um 00:00 Uhr

Fun-Sportarten liefern generell immer eine gute Vorlage für Videospiele – das hat vor allem die letzte Konsolengeneration gezeigt. Sei es Skateboarding, Mountainbiking oder auch Snowboarding, allesamt hatten sie ihre Daseinsberechtigung. Dann kam die Playstation 3 und damit scheinbar das Ende dieser Ära. Lange mussten Fans – insbesondere Hobby-Snowboarder – warten, bis sie endlich neues Futter bekommen. Nun bringt EA jedoch SSX auf den Markt und lässt somit die totgeglaubte Serie wieder auferstehen. Was taugt der neueste Ableger rund ums Snowboarden? Ob ihr ein echtes Highlight erwarten könnt oder ob SSX eine totale Bruchlandung ist, erfahrt ihr in unserem Review!

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Bereit für die Mission

Fangen wir ganz vorne an: SSX führt den Spieler zu den unterschiedlichsten Pisten und Abfahrten auf der ganzen Welt. Die besten Extremsportler haben es sich zum Ziel gesetzt, diese wohl weltweit gefährlichsten Abfahrten zu meistern und haben in diesem Sinne das „Team SSX“ gegründet. Einer der Profis hat allerdings wenig Lust auf Teamwork-Snowboarding und spaltet sich von der Gruppe ab. Er will die neun „Deadly Descents“ alleine befahren und der ganzen Welt somit sein Talent zeigen. Die logische Folge ist ein unerbittlicher Wettkampf zwischen den beiden Parteien und es liegt in der Verantwortung des Spielers Griff das Handwerk zu legen. Man kann von dieser Rahmenhandlung denken was man will, klar ist jedoch, dass sie während des Spiels kaum präsent ist und auf großen Strecken bedeutungslos ist. Der Fokus liegt nun mal auf der spielerischen Herausforderung. Doch wenn Ausschnitte der Story präsentiert werden, dann durchaus interessant. So wird die Geschichte in kleinen Comic-Fetzen erzählt und die verschiedenen „Deadly Descents“ in eindrucksvollen Rendervideos vorgestellt. Wie erwähnt gibt es neun dieser Gebiete und es ist bewundernswert, wie diese thematisch gestaltet wurden. Wer glaubt, dass sich Snowboard-Strecken nicht nennenswert voneinander unterscheiden können, der liegt falsch. Jede Strecke, jedes Gebiet, hat seine eigenen Kniffe, die es heraufzufinden gilt. Den Entwicklern ist es durchaus gut gelungen Herausforderungen wie eisige, tödliche Kälte passend in die verschiedenen Abfahrten zu integrieren und so macht es immer wieder aufs Neue Spaß, sich zu der jeweiligen finalen Strecke hinzuarbeiten – das gesamte Spiel über.

Tricksen, Boosten, Klotzen

Im Grunde besteht SSX aus nicht mehr als eine Aneinanderreihung von verschiedenen Events. Doch diese gestalten sich recht abwechslungsreich, sodass selten Langeweile aufkommt. Der Spieler muss sich mit circa einer Hand voll unterschiedlicher Eventtypen zufrieden geben, sollte damit aber eigentlich kein Problem haben. Auf den Boss-Stages – die erwähnten Deadly Descents – gilt es meist, „einfach“ nur das Ziel zu erreichen. Auf anderen Pisten müssen dann mal eine gewisse Anzahl an Konkurrenten hinter einem gelassen werden oder im direkten Duell mit einem Kontrahenten die höchste Trickpunktzahl erreicht werden. Da die verschiedenen Events recht gut gemischt sind, fällt die eher geringe Abwechslung gar nicht so schwer ins Gewicht.
Die große Frage, die sich Fans der ersten Stunde wohl stellen werden, ist bisher aber nicht beantwortet. Orientiert sich SSX spielerisch eher an Skate – ebenfalls aus dem Hause Electronic Arts – und setzt somit auf einen wesentlich höheren Realismusgrad als es noch zu PS2-Zeiten der Fall war oder setzt man auf Altbewährtes und entführt den Spieler in eine Welt voller übertriebener Jumps, Tricks und hohem Arcade-Faktor? Bereits das anfängliche Tutorial, in dem ihr aus dem Helikopter geworfen werdet und minutenlang in der Luft unterwegs seid, weist deutlich die Richtung auf, in die das Spiel gehen will. SSX ist Arcade pur! Sowohl in der klassischen, als auch in der neuen Steuerungsvariante kommt dieses Gefühl äußert gut zum Tragen. Erstere Steuerungsmöglichkeit orientiert sich an älteren Board-Games und fokussiert die vier Buttons X, Viereck, Kreis und Dreieck zum Tricksen. Mit den Schultertasten können jene Tricks modifiziert und ausgeschmückt werden. Die neue Variante ist zwar nicht merklich besser oder schlechter, spielt sich aber definitiv erfrischender. Auch hier kann man einen Vergleich mit Skate wagen und es fällt schnell auf, dass dieser nicht weit hergeholt ist. Die Tricks werden im Grunde mit dem rechten Analogstick gesteuert und auch hier wieder mit den Schultertasten modifiziert. Teilweise wirkt diese Steuerungsart etwas direkter und intuitiver, doch welche geeigneter ist, muss jeder für sich selbst herausfinden. Das Trickrepertoire erstreckt sich dabei über verschiedenste Grabs wie den „Nose Grab“ oder den „Stalefish“ bis hin zu Grinds – wirklich alles ist dabei, was das Snowboard-Herz begehrt. Dass die Standard-Tricks im Endeffekt dann aber doch ein wenig mager ausfallen, fällt ebenfalls kaum auf. Zum einen seid ihr permanent damit beschäftigt eure Kombi aufrechtzuerhalten und in immer höhere Dimensionen schrauben zu lassen. Genau da setzt auch schon der zweite Aspekt des ausgeklügelten Trick-Systems ein. Durch Durchführen eurer Stunts und möglichsten langen Kombi füllt sich die am unteren Bildschirmrand befindende Boost-Leiste und euer Trickrepertoire wird um 24 besondere Tricks aufgestockt. Doch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange: Wird auch eure Tricky-Leiste gefüllt, stehen euch weitere 24 einmalige Tricks zur Verfügung und die Herausforderung, dass Beste aus seiner Situation zu machen, steigt rapide an. Kombis werden anspruchsvoller und man versucht immer mehr – bis es schief geht und man wieder bei Punkt Null anfangen darf.

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Zeitreise in der weißen Hölle

Arcade-Steuerungen funktionieren sehr direkt und verzeihen bei Funsportarten dieser Art auch gerne mal den einen oder anderen Fehler. Das war schon immer so und ist auch beim neuesten SSX der Fall. Von einem Trend hin zur Casual-Schiene kann da nicht gesprochen werden. Dies scheint viel eher bei zwei anderen Features der Fall zu sein. Auf der einen Seite kann das Spiel mehrmals während einer Session zurückgespult werden, um Fehler wiedergutzumachen. Zum anderen bietet das Spiel das Überspringen eines Events an, wenn ihr mehrmals in diesem versagt. Doch auch in diesen Punkten können wir euch beruhigen: Das Spiel springt auf Grund dieser Features nicht mit auf den Casual-Zug auf. Das Zurückspulen muss beispielsweise sparsam eingesetzt werden, um einen nicht zu großen Rückstand zu gelangen. Des Weiteren hilft diese Funktion auch erfahrenen Spielern, schönere und wirkvollere Kombis aufzuziehen. Das Überspringen eines Events ist ebenfalls vollkommen optional. Selbstverständlich ist die Versuchung des Öfteren groß, den Service in Anspruch zu nehmen. Doch geht eben dies auf die virtuelle Geldbörse, da der potentielle Verdienst auf der Strecke bleibt. Und genau dieses Geld ist für einen anderen Hauptaspekt des Spiels wichtig: Die Wahl der richtigen Ausrüstung. Neben Boards kann beispielsweise auch überlebenswichtiges Equipment gekauft werden, welches besonders für die „Deadly Descents“ entscheidend sein kann. Nur so kann die Überlebenschance erhöht werden und das jeweilige Rennen ohne Probleme gewonnen werden. Schade nur, dass Ausrüstungs- und Equipmentkauf recht halbherzig umgesetzt wurde und mehr ein nerviges Anhängsel darstellt. Etwas mehr Tiefgang hätte diesem Teil des Spiels gutgetan. Ähnlich verhält es dich mit den unterschiedlichen Charakteren. Alle weisen zwar individuelle Stärken und Schwächen auf, im Endeffekt fühlen sich aber auf dem Board alle Spielfiguren ähnlich an.

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Zeig es deinen Freunden – und der ganzen Welt!

Der Story-Modus hat einen vergleichsweise geringen Umfang und so wundert es nicht, wenn man sich schnell nach Abwechslung und etwas Neuem sehnt. Ein Blick wert – und vielleicht sogar das Herz des Spiels – ist definitiv der Explore-Modus. In 150 verschiedenen Events, also dem Vielfachen von dem, was man aus dem normalen Modus gewohnt ist, müsst ihr euer Können beweisen und nach Belieben auch die Rekorde eurer Freunde brechen. Bei jedem Spielstart werden euch die neuesten Errungenschaften der Friendlist angezeigt und mit einem Klick kann die jeweilige Herausforderung gestartet werden. Leider ist dieses RiderNet die einzige Onlineanbindung, auf einen direkten Onlinemodus wurde komplett verzichtet, ebenso wie auf lokale Mehrspielermöglichkeiten. Aus der Not macht man aber eine Tugend und so unterhält auch das auf Wettkampf ausgerichtete RiderNet-Prinzip langfristig.
Ein dritter entscheidender Spielmodus sind die globalen Events. Wieder spielt man nur gegen Bestwerte anderer User, allerdings in einem viel größeren Ausmaß. Ist die entsprechende Teilnahmegebühr entrichtet, so hat der Spieler unendlich viele Versuche, um das Beste aus sich herauszuholen und sich letztendlich eine möglichst hohe Platzierung in diesen zeitlich begrenzten Wettkämpfen zu sichern, um dementsprechend seine virtuelle Geldbörse aufzustocken. Besonders diese beiden Spielmodi machen den Reiz von SSX aus und sorgen dafür, dass ein jeder langfristig Spaß mit dem Titel haben kann. Da wirkt dann auch die eigentliche Kampagne etwas bleich gegen und eher wie ein netter Bonus.

Geschwindigkeitswahn vs. fehlender Detailreichtum

Betrachtet man die technische Seite des Spiels, so fällt auf, dass diese weniger stark überzeugen kann wie der spielerische Aspekt. Zwar schafft es SSX aus der Eintönigkeit einer Schneelandschaft relativ viel herauszuholen und mit netten Umgebungen aufzutrumpfen, doch fehlt einfach im Detail die richtige Finesse. Der Weitblick beispielsweise lässt stark zu wünschen übrig, man erhält selten das Gefühl von wirklicher Freiheit, wie man es sich bei einem Snowboard-Spiel wünscht. Auch die Animationen der Charaktere wirken zum Teil etwas holperig und unausgereift und der Schnee ist nicht wirklich dynamisch und bleibt zu oft einfach viel zu starr. Nichtsdestotrotz wird das atmosphärische Gesamtbild nicht getrübt, da meist der Geschwindigkeitsrausch für das nötige Vergessen der Mängel sorgt. Brettert man die Pisten in einem unglaublichen Tempo hinunter, so überkommt den Spieler auch mal die Angst, die Strecke zu verfehlen und ins tiefe Nichts zu fallen. Dies ist den Entwicklern deutlich gut gelungen.
Ebenso ein goldenes Händchen bewies man bei der musikalischen Untermalung. Die Synchronsprecher agieren zum Teil zwar etwas übertrieben, haben aber glücklicherweise eine recht beschränkte Einsatzzeit. Das Portfolio des Soundtracks umfasst 50 Songs, die während des Spiels je nach Aktion auch live geremixt werden. Die Auswahl dieser Songs ist im Grunde auch recht gelungen und enthält nur wenige Fehlgriffe.

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Die Snowboard-Revolution?

SSX macht vieles richtig und nur wenig falsch. Electronic Arts haben ein gelungenes Comeback gefeiert und sämtliche Lorbeeren, die im Voraus vergeben wurden, darf das Spiel ohne Wenn und Aber annehmen. Spielerisch wirkt das Gesamtkonzept sehr ausgereift. Durch die Abstufung in drei verschiedene Trickzonen wird der Spieler immer wieder aufs Neue motiviert, alles zu geben und sämtliche Kombis perfekt zu landen, umso noch größere Erfolge erzielen zu können. Die einzelnen Spielmodi sorgen für langhaltende Motivation und besonders der direkte Vergleich mit Freunden fördert den Wettkampfgeist und somit den Elan des Spielers. Eine umfangreichere Onlineanbindung oder auch lokale Mehrspielermodi wären zwar wünschenswert gewesen, beinhalten aber vielleicht auch das Potential für einen Nachfolger. Denn eins ist klar: Will EA noch eins drauflegen, müssen sie sich mächtig ins Zeug legen. SSX liefert eine fast makellose Spieleerfahrung mit dem entscheidenden Etwas.

SSX Testbericht

SSX

  • Release: 01.03.2012
  • Genre: Sport
  • Entwickler: Electronic Arts
  • Publisher: Electronic Arts

Gutes

+ ausgeklügeltes Tricksystem
+ motivierende Spielmodi
+ gutes Geschwindigkeitsgefühl
+ interessanter RiderNet-Modus...

Schlechtes

- ...der weitere Mehrspielermodi leider ausschließt
- grafisch einige Unstimmigkeiten

8.5 / 10 Sehr gut

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