Spelunky im Test – Ein kleiner Schatz oder nur ein Plus-Indie Titel zum vergessen?

Getestet von | 22.10.2014 um 17:26 Uhr

Jeden Monat bekommen PlayStation Plus Besitzer neue Spiele für die PS4, PS3 und PS Vita. Im Oktober waren es große Titel wie Driveclub (mehr oder weniger), Batman: Arkham Asylum oder auch Dust. Die meisten Spieler werden sich mit diesen Spielen vergnügen und den Rest womöglich als „Indie-Zeug“ abstempeln und höchstens mal im Einkaufswagen parken, weil es ja kostenlos ist. Wir schauen mal auf einen solchen Indie-Titel und haben uns Spelunky mal genauer angeschaut. Ob sich dieses Abenteuer lohnt, oder ob Spelunky zu den üblichen Indie-Spielen zum Ignorieren einreihen sollte – das werden wir uns mal anschauen.

Es geht tief in die Unterwelt – wieder und wieder und wieder….

Ursprünglich erschien Spelunky von Mossmouth auf dem PC, im August 2013 folgte dann auch die Portierung auf PlayStation 3 und PS Vita. Anfang Oktober folgte dann die PlayStation 4 Version, die nicht nur kostenlos für PS Plus Besitzer ist, sondern durch Cross-Buy auch für PS3/Vita Käufer ohne Zusatzkosten spielbar ist. Wir konzentrieren uns ausschließlich auf die PlayStation 4 Portierung im Test, die natürlich die ein oder andere Verbesserung mit sich bringt.

Aber erst einmal einen kleinen Schritt zurück. Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt. Ihr seid in guter alter Indiana Jones Manier ein Entdecker auf der Suche nach Gold, Reichtum und Macht. Nun gut, die Macht findet ihr zwar nicht wirklich, dafür aber jede Menge Gold. Ihr landet in einer Höhle und müsst euch euren Weg zum Schatz freimachen. Ihr startet stets am obersten Punkt und müsst euch von dort zum Ausgang manövrieren, doch dieser Weg wird garantiert hart sein. Angefangen von den Minen, kommt ihr zum Dschungel, gefolgt von den Eishöhlen, danach kommt der Tempel und falls ihr dann noch lebt, kommt die Hölle. Eins sei schon mal gesagt, ihr werdet euch, gerade anfangs, fast ausschließlich in den Minen aufhalten und wenn ihr es mal weiter schafft und euch freut, dann wartet nur der nächste Bereich auf euch noch härter wird. Wer also mit Frust (omnipräsent), Wut (gleichermaßen), Freude (hält sich in Grenzen) oder harten Spielen (was Spelunky ist) nicht umgehen kann, der sollte den Titel vielleicht überspringen oder nur in Maßen spielen.

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Ich pack mir eine Tasche, nehm mir alles mit was ich sehe und finde viel Frust

Jetzt wo wir euch schon mal topmotiviert haben, geht es weiter mit dem Gameplay. Spelunky ist ein 2D Plattformer bei dem ihr von oben nach unten gelangen müsst, das am besten ohne zu sterben und mit viel Geld und Gegenständen dabei. Gut, was einfach klingt, muss es auch gleich nicht sein. Wer zu ungeduldig ist und einfach durchrennen will, der wird schnell von Stacheln durchbohrt, von Fledermäusen, Spinnen oder Schlangen getötet, von einem Pfeil erwischt, ihr wisst worauf ich hinaus möchte und das waren nur die leichten Hindernisse. Achja und natürlich könnte ihr euch von euren eigenen Bomben erschlagen werdet, zumindest hab ich das gehört und natürlich nie selbst erlebt. Und wo wir gerade zufällig bei Bomben sind, von dieses habt ihr anfangs immer drei stück, gepaart mit drei Seilen an einem Enterhaken, um doch mal nach oben zu gelangen. Wie ihr nun wisst gibt es Unmengen an Möglichkeiten zu sterben, daher ist mit Abstand das wichtigste die Situation zu kennen, richtig einzuschätzen und schlau zu handeln. Anfangs könnte euch das vielleicht etwas überfordern, doch ihr lernt schnell aus euren Fehlern und versucht diese dann zu vermeiden, um jedesmal noch etwas weiter zu kommen – bevor ihr letztlich doch wieder sterbt. Aber gleichzeitig seid ihr zu einem gewissen Grad auch zu Mut gezwungen, denn wenn ihr das Level nicht innerhalb von 2:20 Minuten schafft, dann erscheint ein Geist und tötet euch mit einer Berührung – als gäbe es nicht schon genug Probleme.

Zu Hilfe kommen euch jede Menge nützliche Gegenstände die im Level verstreut sind. Die Level sind aber komplett zufallsgeneriert aufgebaut und können mal mehr oder weniger schwer sein. Man sollte aber stets für den härtesten Fall gerüstet sein und möglichst immer einen Stein oder anderen Gegenstand bei sich tragen für Gegner oder Fallen. Besonders nützliche Items wie einen Jetpack, eine Schrotflinte oder ähnlichem könnt ihr mit viel Glück im Level oder bei Gegnern finden oder beim Händler für euer gesammeltes Geld erwerben. Ihr habt zwar anfangs Seile, Bomben und stets eine Peitsche für die Gegner dabei, aber wer mal eine Bombe sparen will und sich einfach in die Action wagt ohne Rücksicherung, der könnte bei der nächsten Falle schon sein Ende finden. Damit das Spiel nicht zu früh endet habt ihr anfangs vier Leben, doch eine Falle oder ein Gegner könnte euch auch sofort platt machen, unabhängig davon ob ihr ein oder zehn Leben habt. Außerdem gibt es in fast jedem Level eine Frau in Nöten, die von euch gerettet werden will und euch bei einer sicheren Abgabe am Ausgang, mit einem Kuss und somit einem Bonusleben belohnt – außerdem kann man sie auch werfen um sich gegen Feinde zu währen – aber das macht doch keiner.

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Was herausragend bei Spelunky ist, ihr müsst stets eure Situation Abwegen und die möglichst beste Auswahl treffen. Wenn ihr nur noch eine Bombe habt und diese zum Retten der Frau benötigt, weil ihr nur noch ein Leben habt, müsst ihr schauen ob sich das lohnt. Denn kurze Zeit später könntet ihr die Bombe für einen Feind oder zum Weiterkommen benötigen, dann bringt euch die Frau auch nichts. Das gleiche gilt bei Gegenständen, ihr könnt immer nur einen bei euch tragen, dies bezieht sich auch auf die Frau. So müsst ihr entweder immer einen Gegenstand ein paar Meter tragen, ablegen, zurück laufen, aufnehmen, wieder nach vorne laufen, den Gegenstand wechseln und wieder laufen – wenn dazwischen noch Fallen oder Feinde sind, dann kann sich das schnell rächen. Taktik ist mit Abstand das wichtigste in Spelunky. Ihr solltet deshalb auch an jedem Abhang, durch längeres drücken des Steuerkreuz nach unten , um die Kamera hinunter zu richten und Höhe und Gefahren abschätzen zu können. Das gleiche muss stets nach oben gemacht werden um von Gefahren Abstand zu nehmen. Das alles ist aber nur ein kleiner Einblick in die Welt von Spelunky, denn es gibt so viel zu erforschen, neue Feinde, geheime Bereiche, viele nützliche Gegenstände und viele, also wirklich sehr viele Wege zum Sterben.

Die fiese Schlange könnte neben einem sitzen

Den Abenteuer Modus kann man aber nicht nur alleine erleben, es gehen lokal bis zu vier Spieler an einer Konsole. Das könnte den Spielspaß ungemein steigern, aber Vorsicht. Nicht nur das die Leben, Bomben und Seile etwas aufgeteilt wurden, die größte Gefahr ist stets der Freund neben einem. In vielen Situationen helfen sich die beiden zwar und können Gefahren besser lösen, aber durch „Friendly Fire“ stirbt man fast schon öfter als durch die Fallen oder Feine im Level. Es kann passieren, dass einer einen Stein bei sich trägt und eine Spinne erledigen will, blöd nur wenn der Freund davor steht oder im letzten Moment selbst die Tat durchführen möchte und durch eben jenen Stein erwischt wird. Ohne Absprache ist Spelunky im Koop natürlich auch witzig, aber die Charaktere sterben am laufenden Band. Es könnte auch in Folge dessen zu einer Folge-Attacke des Freundes durch ein Bomben-Gewitter hageln – leider nicht zu verhindern. Sofern einer der beiden aber alle Leben verloren hat, wird er als Geist durch Level fliegen können. Was irgendwie dumm klingt, kann aber hilfreich sein. Denn er kann nicht nur einige Fallen auslösen, sondern auch durch Pusten eine kleine Attacke durchführen. Beim Tot verliert er außerdem alle Items und der Freund kann sich dieser zugute machen, bis er einen Sarg zum Wiederbeleben findet, gerade nachdem man den Geist gerade schätzen gelernt hat. Ganz wichtig ist aber, dass die Kamera immer nur auf einen Spieler, den Spieler1, gerichtet ist. Dieser trägt dann als Zeichen dafür eine weiße Fahne mit sich, wer also zu eifrig davon eilt, der verliert nicht nur die Kamera, sondern womöglich auch sein Leben durch Feinde oder nach Ablauf eines Timers sofern er es nicht ins Blickfeld der Kamera schafft. Wenn der Spieler jedoch stirbt, dann bekommt der Überlebende dafür die weiße Fahne. Schade nur, dass dies nur lokal und nicht online geht.

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Neben dem Abenteuer Modus gibt es auch noch den Todeskampf. Mit Seilen und Bomben ausgerüstet geht es in einem mickrigen Beriech ums Überleben. Das hat zwar was von Bomberman, aber ist eigentlich ein unübersichtlicher Kampf der zu 95% in einem Bombengewitter und dem sofortigen Ende endet. Wer die ersten Sekunden überlebt hat und seinen Charakter wieder im Blick hat, dann weiß man selbst nicht wie das überleben gelingen konnte und dann folgt erst sowas wie ein Kampf. Als letzten Modus gibt es noch die Tagesaufgabe. Dort beginnt ihr ganz normal in den Minen und müsst euch bis zum Ende durchkämpfen. Das Besondere dabei ist, das ihr nur einen Versuch habt und jeder Spieler auf der Welt das gleiche Level meistern muss. In einer Bestenliste könnt ihr dann euer Können vergleichen, entweder in absolvierter Zeit oder gefundenem Geld. Das Spiel an sich bietet zwar genug Abwechslung, aber neben diesen drei Modi gibt es sonst keine im Spiel. Doch durch geheime Charaktere (die nur ein anderes Aussehen haben), gibt es noch jede Menge Geheimnisse im Spiel wie den Tunelmann für Abkürzungen, geheime Bereiche oder einzigartige Gameplay Elemente, die nur zu gerne erforscht werden wollen, wie Opferschreine, einen Schwarzmarkt oder den Endboss um nur einige zu nennen.

Peitsche, Hut, Western-Outfit – Ich bin ja wie Indiana Jones!

Für die PlayStation 4 haben die Entwickler nochmal an der Technik des Spiels gefeilt und eine Auflösung von 1080p hinbekommen. Das Spiel selbst ist natürlich sehr hübsch, ist aber letztlich nur ein Indie-Spiel und kein AAA-Titel mit fotorealistischer Grafik – aber gut, dass würde zu dem Spiel auch gar nicht passen. Eine weitere Neuerung der PS4 Version ist, das sich das Tagebuch mit dem Touchpad öffnen und blättern lässt, ob das als große Neuerung verkündet werden kann, darüber lässt sich streiten. Dennoch ist es das Tagebuch an sich sehr nützlich, dort erfahren wir nämlich was es mit den Feinden, Fallen oder Gegenständen auf sich hat und lernen dann fürs nächste mal dazu. Der Sound ist ganz nett und mit etwas Abwechslung, je nach Level und Situation, eine gute Stütze zum Gameplay und gibt ein schönes „Adventure Schatz-Such-Feeling“ – falls es denn sowas gibt.

Haben wir den Schatz gefunden oder haben auf dem Weg dahin schon aufgegeben?

Wir wollen Spelunky nicht als Geheimtipp bezeichnen, dafür fehlt es vielleicht an etwas. Sicher ist aber, jeder sollte dem Spiel zumindest eine Chance geben. Es kann anfangs frustrierend sein, doch wer diese Phase erstmal überwunden und den Dreh raus hat, dann will man das Spiel unbedingt noch durchspielen und den gut geschützten Schatz finden. Durch stets vorhandene Herausforderungen, gepaart mit vielen Geheimnissen erlebt der Spieler stets etwas komplett Neues und will noch mehr erkunden. Wer also eine Herausforderung möchte, gerade wer durch PlayStation Plus Spelunky sowieso kostenlos für PS4/PS3/Vita besitzt, der sollte sich mal zu Spelunky wagen und vielleicht den 0815 Shooter kurz beiseitelegen. Wer das Spiel aber kaufen möchte, es kostet 14,99 Euro, dann sollte bei dem Preis vielleicht erst die Demo probieren, Videos anschauen oder auf ein gutes Angebot warten.

Gutes

+ Viel zu entdecken
+ Fordernd und gleichzeitig spaßig
+ Sehr abwechlungsreich

Schlechtes

- Manchmal etwas unfair
- Koop leider nur offline möglich
- Fuer Anfaenger vielleicht sehr hart (Frust)

8.7 Sehr gut

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