Spec Ops: The Line – Review

Getestet von | 05.07.2012 um 00:00 Uhr

Deutsche Softwareschmieden sind an einer Hand abzuzählen. Davon erfolgreich und dauerhaft in aller Munde, sind davon noch weniger. Crytek hat den dritten Teil ihrer Crisis Reihe in den Startlöchern und auch Blue Byte hat dauerhaft Strategie Fans mit der Siedler Reihe im Griff. Jetzt versucht ein längst vergessenes Entwicklerteam wieder an die Oberfläche zu kommen. Erstmals positiv aufgefallen mit dem Actionspiel Yager, erschienen im Jahre 2003 für X- Box und PC. Die Rede ist vom 1999 in Berlin gegründeten Entwickler Yager Development. In Zusammenarbeit mit 2K Games, bekannt durch Mafia 2, wollen sie mit einem außergewöhnlichen Shooter die Herzen der Spieler erobern. Gelingt der Aufstieg im Sinne des Phoenix aus der Asche oder bleibt das Team für immer in der Versenkung? Kommt mit nach Dubai und seht selbst.

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Sonne, Sand und Tod

Die Inspiration der Story haben sich wohl die Entwickler von dem, im Jahre 1979, erschienen Kriegsdrama: Apocalypse Now mit Martin Sheen geholt. U.S. Soldaten verfallen im Vietnam Krieg dem Wahnsinn. Eine Spezialeinheit soll die abtrünnigen Soldaten finden und töten. Der verregnete Dschungel wurde durch die trockene, sandige Wüste in Dubai eingetauscht. In diesem fiktiven Szenario wird die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate durch eine Welle anhaltender Sandstürme von der Außenwelt abgetrennt. Viele Menschen sind gestorben und die, die dem Sturm entkommen sind, müssen ums nackte Überleben kämpfen. Das ist der Grund, weshalb die U.S Army die 33ste Kompanie, unter der Führung von Colonel Konrad, ins Krisengebiet entsendet haben. Die Aufgabe ist es, die letzten Überlebenden zu evakuieren. Sechs Monate sind vergangen und der Kontakt zur 33ste ist abgebrochen. Ein seltsames Funksignal ist das einzige was noch zu empfangen ist. Hier kommt ihr ins Spiel. Ihr seid Capt. Martin Walker, ein Soldat der Delta Force Einheit. Zusammen mit euren Kameraden Lugo und Adams bekommt ihr den Auftrag dem Funksignal nachzugehen, um Konrad und die 33ste zu finden. In Dubai angekommen seht ihr das Ausmaß der Zerstörung. Vieles ist zusammen gefallen, selbst die riesigen Wolkenkratzer sehen in diesem Chaos nicht mehr so anmutig aus. Der Wüstensand hat alles verschluckt. Ihr steuert Walker in der Third Person Sicht. Rennen, Schießen, in Deckung gehen, die Spielmechanik ist Shooter Standard und ohne große Innovation. Aber es funktioniert einwandfrei. Zwei Waffenarten, vom Sturmgewehr bis zum Granatwerfer, können mitgenommen werden und es stehen euch drei verschiedene Granatensorten zur Verfügung. Zudem lassen sich Befehle an eure Kameraden weitergeben, die klar zu verstehen geben, welcher Gegner als nächstes dran glauben muss. Ist einer eurer Mitglieder stark verwundet, helft ihr ihm mit einem Knopfdruck wieder auf die Beine. Um nicht in der Shooter Standard Story zu versinken, haben die kreativen Köpfe von Yager, wie schon erwähnt, auf eine ernstere Thematik zurückgegriffen. Die Auswirkung des Krieges auf den Menschen bzw. dem Soldaten. In dieser sind schwer zu treffenden Entscheidungen zu fällen. Walker und seine Teamkameraden treffen hier nämlich nicht auf Räuber oder Terroristen, sondern müssen sich im Kampf gegen die 33ste Kompanie behaupten. Wo sie diese doch finden und unterstützen sollen. Ganz ohne Grund ist diese Kompanie nicht gegen uns. Sie verfolgt ihre eigenen Ziele und das gilt es herauszufinden.

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Die Entwickler haben in Spec Ops: The Line Entscheidungen eingebaut, die hart zwischen der Grenze von Menschlich- und Unmenschlichkeit wandeln. Riskiert ihr zivile Opfer um die Verbrecher zu stellen oder ihr schützt Zivilisten um selbst zur Zielscheibe zu werden. Das ist der schmale Grat oder The Line namengebend für das Spiel. So werden dramatische Momente erschaffen, die den Spieler in den Bann ziehen sollen. Keiner eurer Kameraden, selbst ihr, ist ein Held. Alle sind verletzlich, machen Fehler, leiden bei Verluste und das zeigen diese, auch gerade wenn ihr ungewollt Exekutionen beiwohnt oder unfreiwillig in Massengräbern landet. Dieser Kampf bringt das volle Maß an Brutalität des Krieges mit sich. Das seht ihr, wenn Granaten den Gegner treffen oder weißer Phosphor zum Einsatz kommt. Dieser verbrennt auf grausame Art und Weise jeden den es berührt. In den Feuergefechten ist Munition Mangelware und ihr werdet öfter gezwungen einen Stellungswechsel durchzuführen. Die Gegner KI ist echt gelungen. Flankieren, direktes Attackieren und im richtigen Moment eine Granate werfen, um euch aus der Deckung zu holen. Das setzt den Schwierigkeitsgrad hoch. Zumal Walker auch nur wenige Treffer einstecken kann. Die Checkpunkte sind unfair gesetzt und ihr müsst, beim Ableben, öfters mal eine Ballerei mehr erneut erledigen. Fügt ihr dem Gegner einen direkten, kritischen Treffer zu, beginnt ein Slowmo Effekt und ihr habt ein bisschen mehr Zeit noch weitere Feinde zu eliminieren. Dank diesem Effekt hebt sich das Gefecht vom Einheitsbrei ab. Auch lassen sich brüchige Wände oder Glasscheiben zerstören um den dahinter liegenden Sand auf die Gegner niederprasseln zu lassen. Apropos Sand, ein Sandsturm ist keine Seltenheit. Tritt er auf ist die Sicht gegen null und es können keine Befehle zu euren Kameraden abgegeben werden. Zum Glück haben eure Gegner das gleiche Problem.

Mehrspielerspaß im Sandkasten

Der Multiplayer bietet zu Beginn die Modi Deathmatch, Team- Deathmatch und Objektzerstörung. Durch das Sammeln von Erfahrungspunkten steigt ihr im Rang auf und schaltet so neue Modi, Waffen, Fertigleiten und Ausrüstung frei. Und wie soll es anders sein, der Sandsturm wütet auch hier. Die Karten sind groß und bieten viel Spielraum. Der Multiplayer lässt sich online und auch mit einer LAN Verbindung starten. Er bietet viel Spaß für einen gewissen Zeitraum.

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Etwas für Auge und Ohr

Dadurch, dass ihr die meiste Zeit draußen unterwegs seid, scheint euch die Sonne öfters auf den Pelz. Alles wirkt so hell und die Farben sind satt. Dubai macht außen und in den Gebäuden eine gute Figur. Das selten auftretende Tearing kann man vertreten aber die nachladenen Texturen kommen häufiger vor. Beim Sound wurde alles richtig gemacht. Rockige Melodien, die bestimmte Situationen untermalen und sogar einige Klassiker wie Deep Purple mit Hush sind dabei. Die Synchro der Figuren ist stimmig und passt ins Setting, zumal sie auf Deutsch sind.

Lässt sich aus diesem Sand etwas formen?

Definitiv ja. Dieses Spiel überzeugt in der fesselnden Story und der ernsten, erwachsenen Thematik. Schon lange gab es keinen Shooter mehr der uns so gefesselt hat. Die Standard Steuerung aus bekannten Genre Kollegen passt. Mies sind einige schlecht gesetzten Checkpunkte. Grafisch sowie im Sound wird einiges geboten. Nur das seltene Tearing und die nachgeladenen Texturen trüben die Optik ein wenig. Für erwachsene Shooter Fans eine Kaufpflicht.

Gutes

+ Story fesselt bis zum Schluß
+ Gelungene Gegner KI
+ Rockiger Sound

Schlechtes

- Unfaire Checkpunkte
- Gelegentliches Tearing und nachladen der Texturen

8.5 Sehr gut

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