SoulCalibur IV – Review

Getestet von | 03.02.2011 um 15:53 Uhr

Aller guten Dinge sind IV

Ende Juli 2008 war es soweit: Nach dreijähriger Entwicklungszeit und unzähligen Verschiebungen betrat Namcos zweite große Prügelreihe neben Tekken den Next-Gen-Ring. Die SoulCalibur-Serie genießt seit ihrem ersten regulären Auftritt auf dem Dreamcast 1998 einen exzellenten Ruf und steht für einsteigerfreundliches Gameplay, ein ausgefeiltes Combosystem, hervorragende Grafik und großen Umfang. Die Frage ist nun: Wird SoulCalibur IV den hohen Erwartungen gerecht? Die Frage ist berechtigt, denn zum ersten Mal wurde ein neuer Teil nicht wie zuvor als Spielhallenversion zum Testen vorveröffentlicht, sondern direkt für die Konsole entwickelt.

3 + 5 = 35

Sobald ihr den Charakterbildschirm aufruft, habt ihr zunächst nur 15 der insgesamt 35 Charaktere zur Auswahl. Der Rest muss entweder freigekauft werden oder lässt sich in den einzelnen Spielmodi freischalten. Einzige Ausnahme bildet hier Yoda, den man im PlayStation Store für 3,99 Euro käuflich erwerben kann. Sämtliche Hauptcharaktere aus SoulCalibur III haben den Weg in das HD-Sequel gefunden. Neu dabei sind die speerbewehrte Hilde, Bösewicht Algol (der auch als Endgegner fungiert) und die zierliche Amy, die bereits in abgespeckter Form im dritten Teil als Gast spielbar war. Apropos Gäste: Namco hat sich auch dieses Mal nicht lumpen lassen und ein paar namhafte Besucher ins SoulCalibur-Universum geholt: Starkiller aus "The Force Unleashed", Darth Vader und der bereits erwähnte Yoda bereichern mit höchsteigenen Movepaletten inklusive der sogenannten Force-Moves das Roster. Dazu gesellen sich noch fünf Bonuscharaktere, die von mehr oder weniger bekannten Mangazeichnern entworfen worden und vom Kampfstil eine exakte Kopie einiger Hauptcharaktere darstellen.

Wem das immer noch nicht reicht, der kann im vom Vorgänger bekannten "Create-a-Soul"-Modus bis zu 50 weitere Haudegen frei nach den eigenen Wünschen komplett neu bauen oder die Standardcharaktere nach Belieben anpassen und umfärben. Das gilt allerdings nicht für Algol und die Besucher aus dem Star Wars- und Mangauniversum. Ein pinker Darth Vader ist nicht drin. Waren im Vorgänger nur sehr abgespeckte Kampfstile für den Baukasten verfügbar, so könnt ihr dieses Mal aus dem Vollen schöpfen. Ein weiblicher Cervantes mit Engelsflügeln, Lesebrille und Fleischspieß? Kein Problem, sofern ihr die Waffen, Accessoires und Rüstungen freigekauft bzw. -gespielt habt.

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Ein Schwert, sie zu knechten…

Bislang bestachen alle SoulCalibur-Episoden durch vielfältige Spielmodi für Einzelspieler. Im vierten Teil ist jedoch nicht viel davon übrig geblieben. Neben dem Arcade- und einem kurzen Geschichtsmodus bleibt für Solisten nur noch der "Tower of Lost Souls". Dort gilt es, alle 60 Etagen des Turmes zu erklimmen, indem man mehrere aufeinanderfolgende Kämpfe gegen vorbestimmte Gegnergruppierungen gewinnt. In diesem Spielmodus werden auch die Eigenschaften der Rüstungen und Waffen wichtig, die einem bestimmte Fähigkeiten verleihen oder Statuswerte erhöhen. Bis zu einem gewissen Level kann man durchaus noch mit den Standardcharakteren vorgehen, dann allerdings sieht man gegen die zunehmend stärkeren CPU-Gegner keine Sonne mehr: Mal lassen sie sich nicht werfen, können nicht aus dem Ring befördert werden oder haben gleich zwei Energieleisten.

Habt ihr eine bestimmte Etage erreicht, so könnt ihr den Turm auch in entgegengesetzte Richtung bearbeiten: Vom Erdgeschoss aus prügelt ihr euch Level für Level nach unten und versucht, mit euren Charakteren solange wie möglich zu überleben. Erfolgreich überstandene Runden geben euch etwas Lebensenergie zurück. Auch hier zahlen sich die Fähigkeiten eurer Ausrüstung aus, denn die KI bestraft jeden Fehler. Stichwort KI: Wenn ihr nicht im Tower unterwegs seid, ist die Intelligenz eurer Computergegner mehr als bescheiden. Zwar blocken eure Wiedersacher mitunter Angriffe, auf die ein Mensch kaum reagieren kann, aber dafür haben sie eine ganz große Schwäche: Ihre Anfälligkeit für Würfe. Selbst auf höchstem Schwierigkeitsgrad könnt ihr eure Gegner mühelos zu Tode werfen und somit leicht und locker alle Kämpfe gewinnen. Das hätte Namco wirklich besser machen können.

In diesen drei Modi können sich Einzelspieler austoben, Gold, Waffen und Rüstungen gewinnen und werden zudem mit einem brandneuen Spielelement bekannt gemacht: Dem Critical Finish. Zum ersten Mal in der Serie könnt ihr die Rüstung eurer Gegner zerstören und so ihre Abwehr reduzieren. Malträtiert ihr dauerhaft eine bestimmte Körperzone (Kopf, Oberkörper oder Rumpf), bricht irgendwann die schützende Rüstung und ihr verursacht in dieser Zone mehr Schaden. Wenn euer Kontrahent dagegen oft und ausdauernd blockt, so färbt sich seine Seelenleiste von Blau über Grün und Orange zu Rot. Sobald die Leiste dann zu blinken beginnt, steht euer Gegner kurz vor einem Seelenausfall. Dabei zerbirst die komplette Rüstung mit einem Knall und ihr habt zwei Sekunden Zeit, um alle vier Aktionstasten gleichzeitig zu drücken und den Gegner mit einem Critical Finish sofort zu besiegen. Dieses Feature bringt dem Spielverlauf eine neue taktische Dimension und sorgt für mehr Action im Kampfverlauf.

Kämpfer aller Länder vereinigt euch…

Der Offline-Mehrspielermodus lässt sich kurz abhandeln: Es gibt einen normalen VS-Modus und einen Special Versus, in dem die Fähigkeiten der Waffen und Rüstungen aktiviert sind. Zu mehr konnte sich Namco nicht durchringen. Auch hier wurde in der Vergangenheit mehr geboten.

Dasselbe gilt für den Onlinemodus, der sein Debüt in der Serie feiert. Hierbei kämpft ihr entweder in zwanglosen Freundschaftsspielen oder im Ranglistenmodus, wo ihr euch durch Siege Level erarbeitet und so immer weiter nach oben steigt. Getrübt wird der Onlinespaß allerdings durch teils starken Lag, der gerade bei Beat’em Ups nicht unproblematisch ist. Grenzüberschreitende Matches sind in Zentraleuropa bei guter Internetverbindung okay, aber gegen Spieler aus den USA oder Japan ist mit extremer Verzögerung zu rechnen. Die Verbindungsqualität wird vor jedem Match in Form von ein bis fünf Balken angezeigt. Hier empfiehlt es sich, nur gegen Spieler zu kämpfen, die mindestens vier Balken haben, denn sonst werden die Matches nahezu unspielbar.

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Es ist fast alles Gold was glänzt

Auf der technischen Seiten gibt sich Namco keine Blöße. Die Charaktere wurden fein säuberlich ausmodelliert und mit knackscharfen Texturen überzogen. Hier wurde teilweise mit verschwenderisch vielen Polygonen gearbeitet, was man am eindrucksvollsten an Darth Vaders Helm und an Ivys prallen Rundungen sehen kann. Nicht ganz so opulent sind die einzelnen Stages ausgefallen, die teilweise nur spärlich bebaut und mit einfallslosen Fototapeten im Hintergrund verziert wurden. Das ist allerdings nur ein kleiner Makel. Neu ist dafür die Möglichkeit, durch Wandtreffer neue Bereiche einer Stage freizulegen. Auf den aus den früheren Episoden bekannten Renderbombast wurde in SoulCalibur IV komplett verzichtet. Die wenigen kurzen Zwischen- und Endsequenzen werden in Spielgrafik präsentiert, was bei der Grafikpracht aber zu verschmerzen ist.

Wolle Rose kaufe?

Dem kauflustigen Kunden bietet Namco im PlayStation Store ein paar Kostümpakete (kosten zwischen 0,99 Euro und 1,99 Euro), den bereits erwähnten Yoda (3,99 Euro) und als besonderes Schmankerl den Soundtrack aus SoulCalibur II. Für 14,99 Euro bekommt ihr 15 Titel, die ihr den einzelnen Stages im Spiel zuordnen könnt. Das bietet sich durchaus an, da die Originaltitel meist uninspiriert vor sich hin plätschern. Für die ganz Faulen gibt es noch einen kostenpflichtigen Patch, mit dem ihr alle Bonuswaffen auf einen Schlag freischaltet, ohne dafür auch nur ein Match zu bestreiten.

Was gibt es sonst noch über SoulCalibur IV zu sagen? Um die Ladezeiten zu verkürzen, könnt ihr im Optionsmenü 2,3 GB Daten auf der Festplatte installieren. Dieser Vorgang dauert allerdings fast 30 Minuten. Wer den Titel zur Probe spielen will, der findet im PlayStation Store eine Demo, die aber nicht in Deutschland angeboten wird.

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Round 1 – Fight?

Als SoulCalibur-Fanboy der ersten Stunde fällt mir ein Fazit nicht leicht. Das Spiel punktet in Sachen Grafik und Charaktervielfalt, enttäuscht aber beim unausgereiften Onlinemodus und viel zu geringem Umfang für Solisten. Der mächtige Editor lässt zum ersten Mal kaum einen Wunsch unerfüllt und motiviert auch auf lange Sicht die Kreativköpfe. Was mir persönlich fehlt, sind mehr freispielbare Extras, denn das war ein Punkt, mit dem die früheren Episoden immer glänzten. Hier hätte Namco deutlich mehr machen können. Insgesamt denke ich, dass jeder Beat’em Up-Fan SoulCalibur IV eine Chance geben sollte, denn das Kampfsystem ist ideal für Einsteiger geeignet, bietet aber auch viel Tiefgang für Profis. Denn um die 50 bis 80 Moves (und die dazugehörigen Combos) pro Charakter zu lernen, vergeht viel Zeit und viele Matches.

Grafik: 84
Sound: 74
Gameplay: 88
Inhalt: 82
Multiplayer: 87
Score: 85

Gutes

Schlechtes

Undefiniert

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