Skylanders: Giants – Review

Getestet von | 24.11.2012 um 00:00 Uhr

Mit Skylanders startete Activision 2011 eine neue Marke, die nicht nur bei Kindern für Begeisterung sorgte. Die unverbrauchte Idee, sammelbare Spielzeugfiguren in ein Videospiel einzubinden, bescherte dem Publisher beachtliche Verkaufszahlen und einige Awards im Kindersegment der Konsolenspiele. Wen wundert es bei solch einem Erfolg, dass nun auch ein Nachfolger Kinderaugen zum Funkeln bringt? Skylanders: Giants setzt auf das bewährte Prinzip des Erstlings, will aber mit neuen Figuren und größeren Gebieten überzeugen. Kann das Sammelfieber sich auch in einem weiteren Teil bewähren? Setzt sich der ehemalige Überraschungstitel als Pflichttitel für die Jüngeren unter uns durch? Wir haben das Kind in uns gefragt und sind dem Spielzeug auf Tuchfühlung gegangen.

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Spielzeug erwacht zum Leben

In einer Welt, in der Spieler von einem Krieg in den nächsten ziehen und eine halsbrecherische Action-Szene die nächste jagt, sind neue Spielkonzepte mehr Segen denn je. Publisher Activision, mit der Call Of Duty Serie selbst maßgeblich am Shooter-Boom beteiligt, nahm sich der Herausforderung an und schuf mit der Skylanders Marke etwas Neues. Das Prinzip ist einfach erklärt: Putzige Spielfiguren lassen sich über ein „magisches Portal“ in die virtuelle Welt befördern, wo das Plastik zum Leben erweckt wird. Auf dem Bildschirm gilt es, die Charaktere auf einem Abenteuer zu begleiten und mit neuen Fähigkeiten auszustatten. In linearen Spielabschnitten bietet die Story nette Adventurekost. Begleitet wird diese von ulkigen Zwischensequenzen, welche die Geschichte um den wiederkehrenden Super-Bösewicht Kaos liebe- und humorvoll erzählt. Auch wenn der Titel aussieht wie ein Jump’n’Run, steckt in Skylanders weniger „Jump“ als uns lieb wäre: Springen ist nicht ‚drin, was dem Spiel leider enorme Möglichkeiten nimmt. Wir hätten uns gewünscht, dass das Konzept der zum Leben erweckenden Portale mit spaßigen Jump’n’Run Einlagen gepaart wird. Skylanders stapft nicht in die Spuren von Spyro, Ratchet & Clank oder Jak & Dexter, sondern lässt die Figuren, auf Grund und Boden verdammt, Level für Level auf Sammelaufgaben stürzen. Dabei müssen sich die tapferen Helden allerlei Gegnerhorden stellen. Mit den Figuren individuell zugeordneten Angriffen lassen sich Kreaturen aller Art besiegen. Von nervigen Kleinviechern bis hin zu großen Boss-Monstern reicht das Gegner-Spektrum, das euch mit massig Erfahrungspunkten belohnt. Sowohl Erfahrung als auch Fähigkeitsstufe werden in die reale Welt übernommen – ein kleiner Chip in jeder Figur speichert Informationen über das virtuelle Dasein. Die Jagd nach Erfahrungspunkten treibt uns an, doch das Spielgeschehen fällt schnell in das immer gleiche Schema. Etwas mehr Abwechslung als seltene Railgun-Abschnitte hätte den Skylanders sicher nicht geschadet.

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Mehr Geld = mehr Spaß?!

Um in Skylanders Fuß zu fassen, muss der Spieler also nur eine Figur auf das im Starterpaket vorhandene Plastikpodest stellen und schon kann‘s losgehen. Durch das recht einfache Prinzip steht Spielern allen Alters nichts mehr im Wege, die zahlreichen Skylanders auf die Mattscheibe zu zaubern. Von den kleinen Figuren gibt es nämlich eine ganze Menge. Activision läd mit verschiedenen Charakterarten zum Sammeln ein. Die Figuren sind in acht verschiedene Elemente unterteilt, die im Spiel von großer Bedeutung sind. Neben den über 30 Figuren aus dem Vorgänger „Spyro‘s Adventure“ steht dem Käufer ein großes Arsenal an Figürchen aus Plastik zur Verfügung. Für Preise zwischen 10€ und 15€ sind einzelne Charaktere zu erwerben. Bundles bestehend aus drei Figuren sorgen durch einen Preis von knapp 25€ für leichte Ersparnis. In den Sammelmöglichkeiten von Skylanders liegt nicht nur eine große Stärke, leider auch eine gewisse Schwäche. Das Sammelfieber ist ansteckend und man stockt seine Skylanders-Sammlung gerne auf. Leider sind Spieler, die ihre Geldbeutel schonen wollen, in der Spielwelt eingegrenzt. Der Kauf weiterer Figuren ist erforderlich, um alle Areale betreten zu können. Gewisse Bereiche sind nur für Charaktere eines bestimmten Elements betretbar. Wer also alle Gebiete der Spielwelt entdecken will, muss einen Skylander jedes Elementes besitzen. Das Hauptspiel lässt sich zwar mit jeder beliebigen Figur von vorne bis hinten absolvieren, es hat jedoch einen fiesen Beigeschmack, hier und da an schimmernden Sperren vorbeizuhuschen. Viele und vor Allem wertvolle Sammelobjekte gehen dem sparsamen Zocker durch den Lappen. In Giants auch an Bord, wie der Titel andeutet: Giants! Beim Starterpack ist neben zwei normalen Figuren ein Riese enthalten, weitere lassen sich erwerben. Große Figuren sind für ihre Durchschlagskraft bekannt, müssen aber mit Einbußen in ihrer Beweglichkeit zurecht kommen. Das sorgt für einen taktischen Aspekt, da der Wechsel zwischen den Figur-Arten an vielen Stellen weiterhilft. Der Wechsel gelingt angenehm schnell; Figur auf dem Portal austauschen und fertig. Wer weitere Exemplare der Spielzeugfiguren hat, kann mit einer weiteren Person in Ko-op Genuß kommen. Wird der neue Spieler angemeldet, muss nur noch die zweite Figur auf das Portal gestellt werden. Das klappt schnell und ohne Probleme, tolle Umsetzung der Mehrspielerkomponente! Der Ko-op Modus ist nicht nur auf die Story beschränkt; es gibt Arena-Kämpfe, bei denen ihr euch alleine oder zu zweit behaupten könnt. Für noch mehr Langzeitmotivation gibt es allerhand Herausforderungen, die Spieler an ihre Grenzen bringen. Auch wenn Online-Spiele, wie im Vorgänger, nicht möglich sind, verfügt das Spiel über einen großen Umfang.

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Optischer Fehltritt und gelungene Akustik

Die Optik des Titels ist ein zweischneidiges Schwert. Die Zwischensequenzen sind liebevoll gestaltet und setzen die Figuren nett in Szene. Grafisch tut das Spiel für die Jüngeren unter uns das Übrige, kommt aber kaum über das Niveau eines Wii-Titels hinaus. Die Umgebungen sind kitschig gestaltet, können aber nicht mit Glanz überzeugen. Die Darstellung bombastischer Effekte bleibt wie zu erwarten auch aus. Kindgerechter Stil hin oder her – optisch wäre in Skylanders: Giants mehr drin gewesen und es wirkt an allen Ecken und Kanten etwas altbacken. Klangtechnisch schneiden die Skylanders besser bei uns ab. Die deutsche Synchronisation zeugt von guter Arbeit. Die Stimmen sind passend verteilt, was sich besonders in den Zwischensequenzen auswirkt. Lacher sind vorprogrammiert, dank stimmiger Vertonung. Auch die physischen Beigaben lassen sich sehen. Das Portal wirkt recht robust und hochwertig. Aufleuchtende Farben sind ein nettes Extra und auch die Kabellänge von knapp 3 Metern ist gut gewählt. Die Figuren aus Plastik machen mit hübsch ausgearbeiteten Details ordentlich ‚was her. Wahre Sammler können sich die kleinen Spielhelden getrost ins Regal stellen.

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Fazit

Skylanders: Giants schafft es, das Kind in uns für sich zu gewinnen. Die lockere Spielführung, die witzige Story und die etlichen Figuren lassen Kindherzen höher schlagen. Wer der Magie des Portals entkommt, stößt aber schnell auf Schwächen. Das Spielgeschehen gestaltet sich abwechslungsarm, das Schema eines klassischen Jump’n’Runs hätte dem Titel besser getan. Auch Grafisch kann „Giants“ keinen Preis gewinnen. Die Spielfiguren haben einen recht happigen Preis, noch dazu wird der Kauf weiterer Charaktere zum Muss, um die gesamte Spielwelt erkunden zu können. Und trotzdem ist der Reiz groß, gleich in den nächsten Elektroladen zu stürmen und sich die Taschen mit neuen Figuren vollzustopfen. Das Konzept um den Portalmeister, der physische Figuren zu virtuellem Leben erweckt, ist eine tolle Idee, das Plastik ist hübsch anzusehen. Die Jagd nach EP-Punkten und der Verbesserung der Spielhelden macht süchtig, besonders wenn ein weiterer Spieler im unkomplizierten Koop-Mouds teilnimmt. Käufer des Spiels erhalten für ihr Geld eine nette Spielerfahrung. Wie viel Geld die Skylanders einem im Endeffekt aber wert sind, muss jeder für sich entscheiden – eine Chance sollte man den Figuren allemal geben.

Gutes

+ tolle Einbindung von Spielfiguren...
+ ...die hübsch gestaltet sind
+ Jagd nach Verbesserung macht süchtig
+ es gibt eine Menge zu tun
+ grandiose Koop-Möglichkeiten

Schlechtes

- fader Beigeschmack, wenn keine weiteren Figuren gekauft werden
- Spielprinzip ist zwar einfach zugänglich, aber schnell abwechslungsarm
- kein Online-Spiel möglich
- bleibt grafisch hinter seinen Möglichkeiten

7.0 Gut

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