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Singularity – Review

Artikel von | 21.07.2010 um 00:00 Uhr

Zeit für einen neuen Shooter! Raven Software, die Macher von Klassikern wie Wolfenstein oder Quake 4, schickten kurz vor dem großen Sommerloch noch ihr First Person-Action-Spiel Singularity ins Rennen, der durch innovative spielerische Aspekte überzeugen und sich so von der Konkurrenz abheben soll. Zeitreise, Alterungsprozesse und eine packende Geschichte sollen alle bereits abgehärteten Videospieler zum Kauf verleiten.
Ob die Entwickler ihre Versprechen halten können und mit ihrem neusten Streich das Shooter-Genre wirklich revolutionieren oder ob auf uns nur ein weiteres 08/15-Geballere zu kommt, erfahrt ihr in unserem Review.

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Amerikaner & Russen – Klappe, die Zwanzigste!

Das Grundszenario des Spiels scheint zu Beginn eines der Sorte „schon 1000 Mal gesehen“ zu sein. Erzählt wird anfangs die Geschichte zwischen Amerikaner und Sowjets. Doch ihr spielt nicht den realen Geschichtsverlauf nach, sondern ein alternatives Szenario. In den 50er Jahren entdecken die Sowjets auf einer ihrer Inseln E-99, ein chemisches Element, welches unglaubliche Kräfte beinhaltet, den entscheidenden Vorteil im Kampf gegen die USA und damit die Weltherrschaft bringen soll. Doch auf „Kartoga-12“ – besagtes Abbaugebiet – geschehen merkwürdige Dinge. Arbeiter mutieren zu erschreckenden Gestalten und E-99 scheint wohl möglich Kräfte zu haben, die für die Sowjets nicht zu kontrollieren sind. Die Regierung kann solch Ereignisse nicht tolerieren und handelt. Sie beenden mit sofortiger Wirkung den Abbau des Elements, legen Kartoga-12 komplett lahm und verheimlichen die Existenz der Insel.

Doch Jahrzehnte später entdeckt ein Satellit die Insel. Die US-Amerikaner starten eine Aufklärungsmission zum mysteriösen, unbekannten Ort. Genau hier setzt das Spiel ein. Mit dem Hubschrauber ist man auf dem Weg zur Insel, als genau dieser plötzlich abstürzt und man sich alleine – komplett entfernt vom Rest des Teams – auf Kartoga-12 wieder findet. Langsam bahnt ihr euch unbewaffnet und mit viel Angst durch die zerstörten Straßen und Gebäude und erkundigt euch durch Tonbänder, Notizzetteln und kleinen Filmchen über die damalige Situation. Besonders die Tonbänder und Filme zeigen, wie euphorisch die Arbeiter zu Beginn des Projekts noch waren. Genau diese Euphorie steht natürlich im krassen Gegensatz zu den späteren Geschehnissen.
Auch die Atmosphäre der „Geister-Insel“ wird gut eingefangen und durch gelegentliche Flashbacks unterstützt. Hierbei könnt ihr um euch herum kurzzeitig die damaligen Arbeiter sehen, wie sie versuchen, vor der Katastrophe zu fliehen. Zwischenzeitlich dürft ihr sogar selber in diesen Flashbacks mitspielen. Einen echten Nutzen hat das nicht, trägt aber zur Atmosphäre bei. Die Rückblicke, in denen ihr allerdings nur dabei, anstatt mittendrin seid, wirken teilweise etwas langweilig und aufgesetzt.
Doch weiter auf eurer Mission, zum Treffpunkt des Teams zu gelangen: Nach einiger Zeit in der ihr hilflos durch die Gegend gestreift seid, findet ihr auch schon eine kleine Handfeuerwaffe, welche schon früh in Benutzung genommen werden muss. Denn dann trefft ihr erstmalig auf einen der verstrahlten und mutierten Arbeiter – beziehungsweise eher Monster – der Insel. Kurz darauf bahnt ihr euch dann zusammen mit einem Kollegen durch die Arbeiterhorden.
Richtig in Fahrt kommt die Geschichte allerdings erst nach einer guten Stunde. Dann „engagiert“ euch eine Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Wahrheit hinter Kartoga-12 herauszufinden. Eure Aufgabe soll es dabei sein mit dem ZMG (Zeitmanpulationsgerät – dazu später mehr) in die Vergangenheit zu reisen und somit alle Geheimnisse zu lüften und die Gegenwart zu retten. Im gesamten Spiel müsst ihr dann durch „Zeitrisse“ immer wieder in die Vergangenheit und zurück reisen.
Die Geschichte von Singularity ist alles in allem sehr gut gelungen. Sie ist zum Teil zwar einfach gestrickt, kann aber die circa sieben Stunden lang durchweg begeistern. Kleinere Logikfehler mindern den Spaß an der Story nur geringfügig und auch über das sehr naive Denken einiger Nebencharaktere kann man hinweg sehen.

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Sesam, Altere!

Während die Story des Horror-Shooters keineswegs innovativ ist, aber trotzdem auf gewisse Weise überzeugen kann – lässt sich am Spielprinzip die extreme Durchschnittlichkeit erkennen. Alles funktioniert zwar sehr gut, war bis auf wenige Ausnahmen aber bereits in anderen Shootern zu finden. Die Spielmechanik selber ist bereits altbacken. Ihr habt die Möglichkeit, bis zu zwei Waffen gleichzeitig aufzunehmen, könnt springen, euch ducken, müsst an einigen wenigen Stellen des Spiels eure Tauchkünste unter Beweis stellen, durch Lüftungsschächte krabbeln und selbstverständlich eure Gegner töten. Zu Beginn dürft ihr aus drei Schwierigkeitsgraden auswählen. Aber selbst auf der höchsten Stufe sollten all diese Aufgaben keine ernsthaften Probleme bereiten. Früh im Spiel wird euch auch die Chance gegeben, an Waffenschränken eure Ausrüstung zu verbessern. So könnt ihr zum Beispiel die maximale Munition erhöhen, die Reichweite oder den Schaden verbessern. Über das gesamte Spiel über erhaltet ihr einige Waffen. Auch hier wurde wieder das gesamte Standard-Repertoire bedient.
Positiv anzumerken ist, dass Singularity in Bezug auf die Heilung gegen den Strom schwimmt. Während die Selbstheilung voll in Mode und eigentlich gar nicht mehr wegzudenken ist, müsst ihr hier wieder auf altbekannte Heilungspakete setzen. Des Weiteren wird auch vor jedem wichtigen Punkt gespeichert, sodass ihr selbst ohne diese Pakete – die es in den leichteren Schwierigkeitsgraden überall zu finden gibt – frustfrei spielen könnt.
Zu mindestens der Hauptaspekt des Spiels bietet zum Teil Innovationen. Bereits früh im Spiel findet ihr das bereits angesprochene „Zeitmanipulationsgerät“ (kurz ZMG), mit denen ihr lauter lustige Sachen anstellen könnt. Neben der storyrelevanten Funktion, durch die Zeit zu reisen, bietet es auf dem ersten Blick auch spielerisch einige Abwechslung. Zum einen könnt ihr Objekte altern lassen oder erneuern. So bringt ihr kaputte Elektronik auf Kartoga-12 wieder zum laufen oder repariert Kisten, mit denen ihr an neue Orte gelangt. Auch Feinde können gealtert werden. Dies macht man vielleicht anfangs, später im Spiel wird diese Funktion aber einfach nur noch unnütz. Diese und ähnliche Angriffe verbrauchen viel ZMG-Energie – die sich zwar von alleine wieder auflädt, dies aber verdammt langsam – und sind im Vergleich zum altbekannten „Abknallen“ auch einfach nicht effektiv genug. Ebenfalls mit dem ZMG erhaltet ihr die Möglichkeit, schwere Gegenstände durch eine Art Telekinese durch die Luft fliegen zu lassen und an anderen Stellen wieder abzulegen. Auch dies ist nur zu Beginn „witzig“ und wird viel zu schnell eintönig. Ein Grund dafür ist wohl, dass die Entwickler sich auch viel zu wenig Gedanken gemacht haben, was man spielerisch alles mit dieser Technik anstellen kann. Auf Rätsel trifft man sehr selten und wenn, dann sind es immer wieder die gleichen. Mehr Abwechslung hätte der ZMG-Technik und dem Spiel im Allgemeinen sehr gut getan.
Ein weiteres Spielelement der Sorte „das sieht interessant aus, ist es aber eigentlich gar nicht“, ist das Seeker-Gewehr. Mit diesem habt ihr die Möglichkeit, die Flugbahn der Kugel selber zu bestimmen. Interessant ist dies am Anfang auf jeden Fall, aber spätestens nach dem zehnten Mal hat man den Dreh zu 100 Prozent raus und somit auch nur noch wenig Spaß mit der Waffe. Dann greift man doch lieber zum Standard, da es mal wieder effektiver und schneller ist.

Leider ist nicht nur das Konzept selber viel zu 08/15. Auch die Entscheidung, komplett lineare Levelverläufe anzubieten, die keinerlei Freiraum lassen, könnte viele potentielle Käufer böse aufstoßen lassen. Andere Spiele haben bewiesen, dass schon allein kleine Stellen, an denen man Entscheidungsfreiheiten hat, dem Spieler ein ganz anderes Gefühl geben und somit das Spiel auch besser wirken lassen. Genauso linear wie das Spiel selber sind die Möglichkeiten, Objekte altern zu lassen. Die ganze Insel ist komplett zerstört. Oft läuft man an Dingen vorbei und wüsste nur aus Interesses halber gerne, wie diese erneuert aussehen. Anwenden kann man es aber tatsächlich nur bei Kisten, Stromkästen oder irgendwelchen Türen. Schnell langweilt einen also auch dieses „innovative“ Feature. Letztendlich wären dann noch die Missionen. Diese erinnern auch an jeden anderen Shooter und bieten nichts Neues.
Nach all der harschen Kritik sei aber gesagt, dass Singularity spielerisch nicht so schlecht ist, wie es scheint, es bietet einfach absolut nichts neues Spannendes. Spiele wie „Call of Duty“ haben aber in der Vergangenheit bewiesen, dass Entwickler nicht immer mit Hände voll Innovationen auftauchen müssen, um ihr Spiel gut zu machen. Und so ist es eben auch hier.

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Eine düstere Insel…

Singularity kann aber in gewissen Punkten auch vollends überzeugen. Zum einen wäre da die Atmosphäre. Das, was vermittelt werden soll, kann auch vermittelt werden. Die durchgehend bedrückende Stimmung passt zur Umgebung und zu den Ereignissen der Insel. Der Spieler weiß, was alles auf Kartoga-12 vorgefallen ist und es bleibt ihm beim Spielen im Gedächtnis. Die Schock-Momente, bei denen etwa Gegner aus Ecken herausspringen, wirken eher billig und aufgesetzt, die Kulisse und das Spielgeschehen generell weiß aber zu gefallen. Unterstützt wird die fabelhafte Atmosphäre durch Gegenstände, die in der Spielwelt verstreut sind und spielerisch keinen Nutzen haben, aber dem Spieler wieder dieses bestimmte Gefühl geben. So kann man beispielsweise mit Telefonen oder Schreibmaschinen interagieren, die passende Geräusche von sich geben. Die Spielabschnitte in der Vergangenheit reichen atmosphärisch nicht an die in der Gegenwart heran. Dafür hat man zu mindestens in genau diesen durchgängig ein flaues Gefühl im Magen.

Aber auch technisch spielt der Shooter auf einem hohen Level. Grafisch gibt es so gut wie nichts zu bemängeln. Alles wirkt sehr ausgereift und man bekommt immer eine schöne Kulisse geboten. Auch in den eher düsteren Orten der Insel verliert sie nicht an Qualität. Die Texturen sind zwischenzeitlich für einen kurzen Moment zwar etwas matschig, diese Probleme bestehen allerdings nie lange. Hinzu kommt, dass die Grafik dem Stil perfekt angepasst wurde und somit auch alles wie eine Einheit wirkt. Tearing oder ähnliche Probleme treten glücklicherweise nicht auf.
Die Effekte von Singularity reihen sich wieder in den Durchschnittsbrei ein. Lediglich der Alterungsprozess von Gegenständen kann sich wieder einigermaßen hervorheben. Wenn Kisten & Co. erneuert oder gealtert werden, kann man anfangs auf jeden Fall über die schöne Darstellung staunen. Ein extrem wichtiger und immer wieder enttäuschender Punkt für (deutsche) Spieler ist die Freude an Zensur der Kontrollstelle für Unterhaltungssoftware. Auch bei diesem Spiel waren die Verantwortlichen bei der USK wohl wenig angetan vom Abtrennen von Körperteilen und übermäßiger Darstellung von Blut. Dieses sehen zwar auch Spieler hierzulande, allerdings in extrem abgespeckter Version. Wer generell kein Problem mit dieser Tatsache hat, soll sich auch keineswegs beirren lassen – spielerisch entstehen keine Nachteile.

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Durchschnitt²

Zum Sound gibt es nicht viel zu sagen. Auf einem solch hohen Niveau wie die Grafik befindet er sich beispielsweise nicht, auch hätte man noch viel mehr herausholen können. Der richtige Sound und die passende Musik sind teilweise das A und O. Bei Singularity stört die eher – mal wieder nur – durchschnittliche Soundkulisse selten. Gröbere Fehler treten nicht auf, es ist aber einfach mal wieder so, dass man es auch deutlich besser hätte machen können. An Stellen, wo eine dezente Hintergrundmusik sehr gut gepasst hätte, wartet man vergeblich auf solch eine. Der Rest der Soundkulisse, Dinge wie Waffengeräusche, Schreie & Gestöhne, liegen auf einem soliden Level.
Neben der Schnitte der USK gibt es ein weiteres Feld in Videospielen, vor welchem sich viele deutschsprachige Spieler fürchten: Die Synchronisation. In den vergangenen Monaten sind wenige Spiele erschienen, die eine grausame Synchronisation haben, wie wir es von früher kennen. Genau diesen Trend setzt Singularity fort. Zum einen sind die deutschen Synchronstimmen der US-Amerikanischen Spielfiguren sehr gut gelungen. Sie wirken echt und keinesfalls billig. Auch die Stimmen der russischen Charaktere wissen zu überzeugen. Lediglich der Akzent scheint teilweise etwas aufgesetzt. Alles in allem müssen Videospiel-Freunde in diesem Falle keine Angst haben und können beruhigt den deutschen Ton laufen lassen. Die Möglichkeit, mit englischer Synchronisation zu spielen, besteht allerdings auch, sofern man die Systemsprache ändert.

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Gut gegen Böse

Kaufgrund für viele Spieler ist die Spielzeit und die Motivation auf längere Zeit hin. Reine Singleplayer-Spiele landen oft nach dem ersten Mal in der Ecke oder – noch viel schlimmer für Entwickler und Publisher – werden gar nicht erst gekauft, sondern nur für kurze Zeit ausgeliehen. Mit anderen Worten: Ein Mehrspielermodus ist für Videogames heutzutage bereits so gut wie Pflicht. Offline kann man sich nur alleine durch Kartoga-12 kämpfen, ein Koop-Modus gibt es nicht (auch nicht über das Internet). Allerdings besteht die Möglichkeit, sich mit Freunden und Feinden in Mehrspielergefechten zu messen. Hierbei können insgesamt zwölf Individuen in zwei verschiedenen Spielmodi gegeneinander antreten. Zum einen bekämpfen sich in „Kreaturen gegen Soldaten“ die zwei verfeindeten Lager. Ganz in alter Team-Deathmatch-Manier gewinnt dabei das Team, welches nach Ablauf der Zeit die meisten Kills auf seinem Konto verbuchen kann. In „Extermination“ muss ein Trupp insgesamt drei Punkte einnehmen, der andere muss dies selbstverständlich verhindern.
Der Multiplayer des Shooters ist okay, mehr aber auf jeden Fall nicht. Man merkt, dass Raven Software im Nachhinein wohl nur noch schnell eine zusätzliche Motivation und ein zusätzliches Kaufargument mit einfügen wollten. Die Modi-Auswahl ist mehr als mager und wirklich lange begeistern kann der Mehrspieler-Modus nicht. Das Hauptaugenmerk bei Singularity liegt definitiv auf dem Einzelspieler-Modus. Freunde der gepflegten Online-Schlacht haben bei Singularity also definitiv nichts verloren.

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Kapitulation oder Sieg?

Singularity. Was ist es nun letztendlich? Ist es zu Recht einer der Titel, der kaum Beachtung findet und bei all den großen Namen heutzutage untergeht? Muss sich der Shooter hinter der Konkurrenz verstecken? Oder ist es ein Spiel – beinahe schon Meisterwerk – welches innovativ in die richtige Richtung geht? All diese Fragen kann man deutlich mit „Nein“ beantworten. Singularity muss sich nicht hinter anderen Spielen verstecken und sollte definitiv auch mehr Beachtung finden. Genauso wenig ist es aber neu oder innovativ. Singularity ist in Punkto Spielmechanik gewohnte Shooter-Kost, die von vorne bis hinten unterhalten kann. Es ist ein Spiel, dessen „Innovationen“ leider viel zu wenig durchdacht und dadurch unnütz werden.
Es sei aber auch gesagt, dass es in sehr vielen Punkten gut ist. Zum einen wäre da die unterhaltsame Geschichte, die das alternative Weltszenario gut vermittelt. Auf der anderen Seite befinden sich die sehr gute Atmosphäre und die technisch einwandfreien Aspekte. Die Grafik ist auf einem ordentlichen Niveau und auch die Synchronsprecher haben gute Arbeit geleistet.
Letztendlich mangelt es also wirklich „nur“ an der fehlenden Abwechslung und der spielerisch durchschnittlichen, linearen und zu sehr bekannten Spielart. Shooter-Fans werden gut unterhalten werden, zum Meisterwerk hat es aber definitiv nicht gereicht

Singularity Testbericht

Singularity

  • Release: 25.06.2010
  • Genre: Ego Shooter, Shooter
  • Entwickler: Raven Software
  • Publisher: Activision

Gutes

Schlechtes

7.5 / 10 Gut

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