Singstar: Guitar – Review

Getestet von | 06.11.2010 um 00:00 Uhr

Nicht schon wieder! Das wird der erste Gedanke von vielen gewesen sein, als sie erfuhren, dass Sony einen weiteren Ableger ihrer Karaoke-Serie, die in der Vergangenheit wahrscheinlich für wahnsinnige Einnahmen im Hause Sony sorgten, veröffentlichen wollen. Nun ist Singstar: Guitar im Handel erhältlich und erstmalig in der lange Geschichte von Singstar riskieren die Entwickler der London Studios etwas Neues. „Guitar“ ist nicht nur das Motto des neuesten Teils, sondern beschreibt das Spiel, welches auf einen neuen Gitarren-Part setzt, in seiner ganzen Fülle. Ob Sony ein erneuter Erfolg gelungen ist oder ob Singstar das Gitarre spielen den Großen überlassen sollte, erfahrt ihr in unserem Review!

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Chart-Pop oder Heavy Metal?

Habt ihr das Spiel in eure Playstation eingelegt und euch bei Bedarf mit einer Plastik-Klampfe oder einem Mikrofon ausgerüstet, kann der Spielspaß auch schon losgehen. Gleich nach einigen Move-Warnhinweisen – obwohl das Spiel zu keinem Zeitpunkt den Motion Controller unterstützt – fällt das neue, kurze, knackige Intro auf. Ihr habt richtig gehört: Zum ersten Mal seit gefühlt dutzenden Ablegern hat es Sony endlich geschafft, mal wieder ein neues Opening zu gestalten! Ein gutes Omen? Jedenfalls geht es vorerst ab da wie gewohnt weiter. Das Menü wurde nicht in die Änderungsschneiderei geschickt, hier ist alles wie gehabt übersichtlich. Ein schneller und intuitiver Spieleinstieg stellt damit überhaupt kein Problem dar. Sind alle Spieler bereit und sämtliche Einstellungen hinter sich gebracht worden, bekommen die potentiellen Superstars von Morgen einen ersten Einblick in die Trackliste des Spiels.
Und bereits auf dem ersten Blick fällt einem ein erstes großes Manko auf: Wieder einmal haben Entwickler und Publisher sich nicht dazu durchdrängen können, mehr als 30 Songs auf die Disc zu pressen. Andere Spiele des Genres schaffen es mittlerweile auch, bis hin zu 90 Lieder und mehr zu bieten. Und da kann die Auswahl an Musikstücken noch so gut sein, im Vergleich hängt Singstar einfach extrem zurück. Doch werfen wir einen genaueren Blick auf die Tracklist. Dass man bei einem Singstar-Spiel – auch wenn der Fokus auf Gitarrenmusik liegt – kein Hard Rock, Heavy Metal oder ähnliches erwarten kann, sollte klar sein. Viel mehr erwartet einen eine bunte Mischung aus Pop, Chart-Rock und auch einigen alten Nummern. Seit der ersten Präsentation auf der GamesCom hat sich auch einiges getan. Die international bekannten Künstler werden hierzulande von nationalen Musikgrößen unterstützt. So darf man sich auf die neueste Single-Auskopplung der „Toten Hosen“ genauso freuen wie auf den Exportschlager „Tokio Hotel“. Wer mehr Wert auf ältere Nummern legt, ist mit Titeln von „The Clash“ oder „Queen“ aber auch gut bedient. Alles in allem gilt wieder einmal, dass die Trackliste natürlich den Geschmack eines jeden einzelnen treffen muss. Dass dies bei einer solch bunten Mischung schwer ist, sollte aber verständlich sein. Und die, die mit der Auswahl nicht ganz so zufrieden sind, haben natürlich auch wieder die Möglichkeit, sich ihre eigene Songbibliothek aus Liedern aus dem SingStore zusammenzustellen. Reine Sänger können hierbei auf eine mittlerweile gigantische Palette an Songs zurückgreifen. Gitarristen wird momentan noch recht wenig Nachschub angeboten. In diesem Punkt sollte man Sony aber vertrauen können – das Angebot des SingStore wird in Zukunft mit Sicherheit auch in Punkto Gitarren-Songs noch ordentlich aufgestückt.

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Vier auf einen Streich

An Spielmodi wird einem nahezu das alles serviert, was man bereits aus den Vorgängern kennt. Entweder alleine, mit oder gegen einen anderen Spieler, oder in der ganzen Gruppe könnt ihr Singen und Rocken, bis die Nachbarn verängstigt aus ihren Häusern fliehen. Erstmalig ist dies dank neuen Gitarren-Part auch mit bis zu vier Spielern gleichzeitig möglich. Dabei schlüpfen zwei Spieler in die Rolle des Gitarristen, die anderen Beiden schwingen sich ans Mikrofon. Allerdings ist es mehr als schade, dass die Gitarrenspieler es dann mehr als schwer haben – die Spur ihres Instruments bekommt auf dem Spielbildschirm nämlich reichlich wenig Platz und muss sich mit einem schmalen Streifen am Rand zufrieden geben. Hier gäbe es mit Sicherheit eine bessere Lösung, den Platz besser aufzuteilen. Generell merkt man Singstar die Unerfahrenheit in Sachen Instrumenten in Musikspielen an. Der gesamte Gitarren-Part wirkt viel zu lieblos gestaltet, sowohl optisch als auch inhaltlich. Abgesehen von dem extremen Platzmangel bei vielen Spielern ist der Noten-Highway, also das hauptsächliche Spielelement, ein optische Zumutung der schlimmsten Art und Weise. Auf dem blauen Untergrund kommen schlecht gestaltete Noten hinunter – ohne jegliche Art von stimmigen Design oder Effekten. Besonders, da das restliche Spiel recht stimmungsvoll und ausgearbeitet wirkt, enttäuscht es, dass man sich auch beim neuen Aspekt nicht etwas mehr Mühe gegeben hat. Des Weiteren ist das Spiel definitiv nichts für Plastik-Rocker, die bereits genügend Erfahrung mit „Guitar Hero“ und „Rock Band“ sammeln konnten. Für Partys ist es sicherlich geeignet, erfahrene Spieler werden aber zu keinem Zeitpunkt gefordert. Dies liegt unter anderem an dem Fakt, dass das Spiel nur drei verschiedene Schwierigkeitsgrade bietet und nicht wie die Konkurrenz vier. Zu diesen Hauptmankos kommen dann noch einige kleinere Problemchen, die das Spiel unnötig verschlechtern. Das Tremolo beispielsweise ist eine einzige Katastrophe. Es ist viel zu laut eingestellt und die Nutzung verschlimmert den Sound eines Songs merkbar. Auch, dass zusätzlich gespielte Note nicht als Fehler gewertet werden, könnte Profis böse aufstoßen.
Doch kauft ihr euch das Spiel wegen der gewohnten Singstar-Erfahrung, kann nicht viel falsch gemacht werden. Diese ist immer noch einmalig gut und besonders in der Gruppe ein Heiden Spaß. Gröbere Fehler in den Texten oder der Notation sind nicht aufgefallen. Nur der Wegfall der Anzeige, wie lange der Song bereits läuft und wann er beendet ist, ist unverständlich, sollte aber beim Singen selbstverständlich nicht weiter stören.

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The Same Procedure As Every Singstar

Wie bereits erwähnt, ist die grafische Umsetzung des Gitarren-Parts absolut nicht gelungen. Im restlichen Spiel hat sich im Vergleich zu den Vorgängern grafisch nicht viel – besser gesagt gar nichts – getan. Mal wieder hat man es versäumt, HD-Material bereitzustellen. Ob dies den Jungs von Sony jemals gelingt, bleibt zu bezweifeln. Sonst kann man bei dieser Art Spiel nicht viel falsch machen. Die Menüs und verschiedenen Anzeigen sind gut gestaltet und harmonieren gut miteinander. Der Sound bietet gewohnte Qualität. Die Songs sind gut abgemischt, bei keinem hat man das Gefühl, dass er zu laut oder leise sei.
Die restliche technische Umsetzung ist natürlich auch wieder auf einem hochklassigen Niveau. Die Framerate ist solide, kleinere Hänger und Aussetzer, wie man sie zu Teilen noch in den letzten Teilen miterleben musste, fallen im neuesten Ableger überhaupt nicht auf.

In der Online-Welt nichts Neues…

…mit Ausnahme des ‚echten’ Online-Modus, der vor einiger Zeit per Patch nachgereicht wurde und ermöglicht, mit Freunden (allerdings wirklich nur mit Freunden, die sich auf der eigenen Kontaktliste befinden!) Gesangsduelle abzuhalten. Doch sonst ist tatsächlich auch hier alles beim Alten: Es ist immer noch möglich, eigene Videos und Schnappschüsse hochzuladen. Es ist immer noch möglich, andere Meisterwerke zu bewerten, in Clubs einzutreten und Freundschaften zu schließen. Wie aber auch schon zuletzt sind all diese Features eher etwas für Singstar-Neulinge. Spieler, die bereits mehrere Singstar-Teile haben und sich schon ausführlich mit den Community-Funktionen beschäftigt haben, sind mittlerweile zum Großteil wohl nur noch gelangweilt vom anfangs euphorisierenden Netzwerk.

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Rock It Out!

Mit „Singstar: Guitar“ wurde ein erster Versuch gestartet, sich langsam von dem Image abzuwenden, dass die Serie lediglich auf der Stelle stehen bleibt und sich nicht weiterentwickelt. Dieser Versuch ist im Grunde genommen gründlich in die Hose gegangen. „Singstar: Guitar“ ist als Singstar betrachtet ein solides Spiel. Eine abwechslungsreiche Songliste und eine technisch einwandfreie Umsetzung machen das Spiel zu einem guten Ableger der Karaoke-Serie. Was man sich aber bei der mangelhaften Integrierung des Gitarren-Features gedacht hat, wird wohl ein Rätsel bleiben. Optisch ist dieses ein absoluter Graus. Darüber hinaus wirkt es generell viel zu lieblos gemacht. Hinzu kommen kleinere Fehler wie das unausbalancierte Tremolo oder aber auch ein für erfahrene Spieler zu leichte Schwierigkeitsgrad.
Letztendlich kann gesagt werden, dass hier nicht zugeschlagen werden sollte, wenn es einen auf den Gitarren-Modus ankommt und ähnliche Qualität wie bei „Guitar Hero“ und „Rock Band“ erwartet. Kauft man das Spiel aber wegen dem Karaoke-Part, so kann nichts falsch gemacht werden.

Gutes

- ausgewogene und abwechslungsreiche Tracklist,...
- Gesangs-Part gewohnt Spitze
- wie immer perfekt geeignet für Partys

Schlechtes

- ... aber leider wieder nur 30 Songs
- Gitarren-Part wirkt noch zu unausgereift
- des Weiteren lieblos gestaltet und zu leicht

7.5 Gut

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