Singstar: Fußballhits – Review

Getestet von | 25.06.2010 um 00:00 Uhr

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 läuft in Hochtouren. Die ganze Welt verfolgt das wohl größte und beliebteste Sportereignis überhaupt mit, freut sich zusammen mit ihr Nationalteam über jeden Sieg und leidet auch mit ihnen. Neben den Public-Viewing-Events in ganz Deutschland kommen auch wieder die heimischen Fußball-Partys in Mode. Und neben den besagten Fußball-Matches und Gästen darf natürlich auch die richtige Musik nicht fehlen. In diesem Punkt kommen Sony mit ihrem neuesten Singstar-Werk zum Einsatz. Ob eben genau dieses für die benötigte Stimmung sorgen kann, oder ob die London Studios mit dem Ableger ein Eigentor geschossen haben, erfahrt ihr in unserer Review.

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54, 74, 90, 2010!

Das Motto der Disc ist unmissverständlich definiert. „Fußballhits“ bietet nahezu komplett das, was man auch erwartet: Songs der Musikgeschichte, die thematisch an den Sport rund um den runden Leder angelehnt sind. Trotz den scheinbar eingeschränkten Möglichkeiten, die Trackliste des Spiels umfangreich und variabel zu gestalten, bietet die neueste Singstar-Scheibe eine vielfältige Variation an so genannten „Fußballhits“. Insgesamt wird der Spieler bei Kauf wieder mit „nur“ 30 Songs belohnt. Diese erstrecken sich von Chartstürmern wie Nelly Furtado mit ihrer Europameisterschaft 2004-Hymne „Forca“ oder Bob Sinclairs Beitrag zur Weltmeisterschaft 2006 „Love Generation“ bis hinzu Ballermannhits a la „Deutschland ist der geilste Club der Welt“. Kommerziell erfolgreiche Titel wie der bekannte WM-Song der Sportfreunde Stiller oder das Bayern-Lied der Toten Hosen dürfen dabei dann natürlich genauso wenig fehlen wie echte Klassiker – „You’ll Never Walk Alone“ oder „Three Lions“ sind beispielsweise vertreten – die jeder musikalische Fußball-Fan kennen sollte.
Neben all diesen Songs sind auch diverse Vereinshymnen vertreten. Echte Hamburger können „Hamburg, meine Fußballperle“ nachsingen und hart gesottene Bayern-Fans haben ihren Spaß mit „Stern Des Südens“. Besonders dieser Aspekt ist für die Fans, die bedient werden, sehr spaßig. Da aber nur eine geringe Auswahl getroffen wurde, kann man es in diesem Punkt nicht jedem Recht machen. Das Thema „Vereinshymnen“ könnte ganz allein eine Singstar-Version füllen, kleine Streitereien auf der Party sind schon so gut wie vorprogrammiert. Wenn es dann allerdings um ein Lied geht, sitzen wohl alle Partygäste im selben Boot – mit dabei ist nämlich auch die deutsche Nationalhymne.

Neben all dem Lob muss natürlich auch Kritik an der Songauswahl ausgeübt werden. Dass man es nicht immer allen angehenden Superstars recht machen kann, ist seit den Anfängen der Karaoke-Serie bekannt. Allerdings lassen den Spieler einige Tatsachen übel aufstoßen. Zum einen wären da die Songs, die definitiv als „Flops“ gelten und immer auf einer Singstar-Version platziert sind. Lieder wie der „Vuvuzela Song“ oder „Everyone’s a Winner“ sind vollkommen partyuntauglich und trüben den Spaß beim Singen. Ein weiterer Nachteil ist das Fehlen vieler Chart-Fußballhits. Auch dass aktuelle Lieder selten auf den Discs vertreten sind, soll Sony nicht unbedingt negativ angerechnet werden. Aber zu vergangenen Großereignissen veröffentlichten bekannte Künstler wie Oliver Pocher oder auch Herbert Grönemeyer Fußballhits, die neben den hauptsächlich auf der Disc befindlichen Partysongs einen guten und abwechslungsreichen Eindruck gemacht hätten.
Das größte Manko in der Abteilung „Tracklist“ ist wohl aber das Recycling des alten Contents. Als auf früheren Ausgaben bereits Fußballhits veröffentlicht wurden, hat man sich bei Sony wohl weniger Gedanken gemacht, später eine entsprechende Kompilation zu veröffentlichen. Jetzt im Nachhinein fühlt sich der ein oder andere Käufer mehrerer Singstar-Spiele wohl aber hintergangen. Egal ob es „Three Lions“ ist, welches bereits auf der allerersten PS2-Version singbar ist, oder „Bayern“, welches sich selbstverständlich auf der „Toten Hosen“-Ausgabe befindet. Mehrere der enthaltenen Lieder findet man bereits auf vorherigen Spielen. Der andere Fall von Recycling betrifft Songs wie die von Tim Toupet oder Höhner. Diese findet man teilweise ebenfalls auf „Après-Ski Party“ & Co. Für „Fußballhits“ wurden sie einfach nur entsprechend umgedichtet. Auch hier gilt wieder: Für geplante Partys keineswegs ein Hindernis, für treue Singstar-Käufer allerdings schon.

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Im Westen nichts Neues

Nicht nur die teilweise fragwürdige Auswahl an Liedern kann genau diesen Käufern Übel aufstoßen. Die Jungs von Sony haben es auch nach gut 35 (!) Singstar-Editionen nicht geschafft, nennenswerte Neuerungen in das Spiel zu implementieren. Die seit einigen Spielen enthaltene – und auch hier perfekt funktionierende – Sprachsteuerung ist selbstverständlich genauso dabei wie die Möglichkeit, Playstation 2-Kompilationen abzuspielen. Von den kürzlich angekündigten Features ist aber weit und breit noch nichts zu sehen. Zur Veröffentlichung des Reviews wurden sowohl der versprochene Online-Modus, als auch die Möglichkeit, mit der PSP Setlists zu erstellen, noch nicht in das Spiel implementiert und tragen somit auch nicht zur Wertung bei.
Das Grundprinzip überzeugt aber erneut und macht ein weiteres Mal deutlich, warum die Karaoke-Reihe solch einen immensen Erfolg feiert. In Punkto Spielmodi werden die Käufer mit der üblichen Kost verwöhnt. So werden die Mehrspieler-Partien wieder in den Mittelpunkt gestellt. Zum einen darf man sich wieder sowohl auf kompetive als auch auf kooperative Gesangseinlagen freuen. Der Harmoniegesang rückt bei dieser Ausgabe in den Hintergrund. So gut wie keiner der Songs unterstützt richtige Harmonien, also Stellen, an denen der eine Sänger andere Textpassagen singen muss als sein Kumpane. Der „Gib das Mikro weiter“-Modus erfüllt mal wieder vollkommen seinen Zweck und ist auch immer noch das Markenzeichen für die Partytauglichkeit der Reihe. Insgesamt acht Spieler dürfen hier gegeneinander antreten und in verschiedenen Spielchen ihre musikalische Ader zeigen. Auch wieder in diesem Teil wurde keinen Wert auf Spielspaß für Solisten gelegt. Der vorhandene Einzelspielermodus macht keinen Spaß, auf eine Karriere wurde auch in „Fußballhits“ wieder zu Recht verzichtet.

Auch in Sachen Online-Anbindungen gibt es keine Revolution. MySingstar funktioniert immer noch, lässt nach all der Zeit aber den Glanz, den es am Anfang versprühte, vermissen. Im Laufe der Zeit versuchte man zwar, das Produkt frisch zu halten. Die „Revolutionen“ wie Clubs schlugen aber deutlich fehl und sind nur unnötiges Schmuckwerk. Ein Online-Modus wurde – wie bereits erwähnt – für Juni angekündigt, bisher aber noch nicht veröffentlicht. Ob genau dieser neuen Schwung in das Online-Leben von Singstar bringen kann, ist noch ungewiss.

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Die alte Leier…

Wenn man in der Vergangenheit im Hause Sony gekonnt etwas ignoriert hat, dann war das der Wunsch, HD-Material bereitzustellen. Bereits in „Volume 1“ wurden HD-Videos versprochen – selbstverständlich nur „soweit möglich“. Genau dies hat sich auch nach gut 2 ½ Jahren nicht geändert. Auf der Verpackung wird immer noch mit HD-Videos geworben, finden tut man diese aber auch in „Fußballhits“ nicht. Zugegebenermaßen: Viele der Videos sind bereits älter und würden demnach auch nicht das volle Potenzial des Formats ausreizen, man könne aber zu mindestens Bemühungen zeigen und sie optisch aufpolieren. Auf Grund der Entscheidung, aber genau dies nicht zu machen, ist auch der erneute Unmut der Spielerschafft verständlich. Ob man sich in Zukunft einsichtig zeigt, bleibt abzuwarten. Allerdings kann man nur ein weiteres Mal bitten, diesen Punkt in Zukunft stärker zu berücksichtigen.

Eins macht das Entwicklerstudio aus London aber auch nach sechs Jahren noch richtig. Die Soundqualität überzeugt zu hundert Prozent und schließt qualitativ nahtlos an ältere Teile an. Leider ist es wieder nicht bei allen Titeln möglich, den Originalgesang auszuschalten. Einen echten Abbruch tut dieser Fakt dem Spielspaß aber nicht.

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Eigentor oder Siegestreffer?

Sony und die London Studios präsentieren sich mit „Fußballhits“ von ihrer guten Seite. Passend zur Weltmeisterschaft wird ein neues Songpaket – und es sei erwähnt: Es handelt sich auch dieses Mal um nichts Weiteres – veröffentlicht, welches thematisch perfekt an das Großereignis angelehnt ist. Der wichtigste Aspekt ist in diesem Falle definitiv mal wieder die Partytauglichkeit. Dank der im Großen und Ganzen gelungenen Trackliste und den altbekannten Spielmodi wird genau dieser Punkt zweifelsohne erfüllt. Auf der Disc befinden sich überraschend wenig echte Flops, lediglich das Fehlen einiger Chartstürmer oder das Song-Recycling lassen sich kritisieren.
Mehr erreicht man mit dem neuen Ableger allerdings auch nicht. Die Technik befindet sich auf selbem Niveau wie zuvor auch, Innovationen lassen noch auf sich warten. Für die gelegentlichen Partysänger definitiv kein Grund, diesen Teil auszulassen. Anspruchsvollere Fans der Serie – besonders die, die mit dem Thema „Fußball“ eher weniger zu tun haben – können aber dieses Spiel getrost auslassen, ohne viel zu verpassen. Besonders diese freut möglicherweise die bereits angekündigten „Singstar Dance“ und „Singstar Guitar“ mit Move- und Gitarren-Support. Diese lassen auf neue, spielerische Freude hoffen. Solange kann man mit diesem – und wohl mit weiteren, bald erscheinenden – Singstar-Spiel aber mal wieder viel Spaß haben und der ein oder andere Party zu Schwung verhelfen.

Gutes

Schlechtes

8.0 Sehr gut

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