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Schlag den Raab: Das 2. Spiel – Review

Artikel von | 20.11.2011 um 00:00 Uhr

Die Suche nach wirklich guter Samstagabend-Unterhaltung im deutschen Fernsehen stellt sich immer öfter als richtig schwierige Aufgabe dar. Wer weiß schon wie es weitergeht mit Wetten, dass ..? und Dieter-Bohlen-Sprüche muss man sich schon zur Genüge von Montag bis Freitag von noch unsympathischeren alten Leuten in Schule oder auf der Arbeit antun. Doch da gibt es ja noch Stefan Raab als Alternative, nun auch zum zweiten Mal als Videospiel.

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Ich schlag den Raab

Seit über fünf Jahren lädt Stefan Raab in eine lange Samstagabend-Show zur besten Sendezeit mehrere Kandidaten ein, von denen nach kurzer Vorstellung der Zuschauer letztendlich den wahren Herausforderer bestimmt. In 15 Runden geht es dann nicht nur um die Mettwurst sondern um mindestens 500.000 Euro, dabei entwickelt sich je nach Ausgeglichenheit der Gegner schon mal ein vier- bis fünfstündiger Fernsehmarathon. Nach anfänglichen Schwierigkeiten avancierte das Format durchaus zum Erfolg und wurde auch in andere Länder verkauft. Neben dem bekannten Entertainer Stefan Raab ist es offensichtlich eine sehr eigenwillige Mischung aus Wettbewerben, die die Zuschauer vor die Flimmerkiste lockt – von diesen befinden sich auch einige im zweiten offiziellen Videospiel wieder. Wer keine Lust hat im Einzelspieler-Show-Modus gegen Raab anzutreten, der kann auch einzelne Disziplinen im freien Modus ohne jeglichen Druck zocken oder sich auch im Mehrspielermodus mit bis zu sieben Spielern an einer Konsole austoben. So macht das Spiel am meisten Spaß, auch wenn Stefan eine ganz schön herausfordernde Nuss sein kann. Ein klassischer Online-Multiplayer fehlt jedoch leider, dafür gibt es ein paar freispielbare Extras wie Kostüme oder neue Herausforderungen im freien Modus. Nach der Spielfigur-Auswahl wählt man dann noch aus mehr als 600 vorgegebenen Namen aus, mit dem man im Spiel dann auch angesprochen wird. Eigentlich nur eine Kleinigkeit, die aber nicht unterschätzt werden sollte, es bringt Atmosphäre.

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Wir haben doch keine Zeit

Moderator Steven Gätjen führt durch die virtuelle Sendung, von den 25 insgesamt verfügbaren Herausforderungen setzt sich jede Show aus 15 davon zusammen, für die es immer mehr Punkte gibt: Für das erste Spiel etwa gibt es einen Zähler, beim zweiten deren zwei, bis letztendlich für das 15. Spiel auch 15 Punkte vergeben werden. Dementsprechend kann eine Sendung auch bereits viel früher beendet werden, im ungünstigsten und einseitigsten Fall werden aber immerhin elf Herausforderungen ausgespielt. Elton übernimmt als Quiz-Master bei „Blamieren oder Kassieren“, nur einem von vielen Quiz-Varianten bei Schlag den Raab – Das 2. Spiel. Der Lerneffekt gestaltet sich durch einen Fragenkatalog von weit mehr als 5.000 Fragen sehr hoch, besonders hervorhebenswert ist die Integration der kompletten theoretischen Führerscheinprüfung für Klasse B. In eine ähnliche Kerbe schlagen noch „Stimmt´s?“, „Wann war was?“, „Wer lügt?“, „Wer weiß mehr?“. Konzentrationsaufgaben werden bei „Kopfrechnen“, „Marienkäfer“, „Was ist das?“ sowie „Töne merken“ gestellt – Geografiekenntnisse dagegen in „Länderumrisse“ und „Wo liegt was?“ abgefragt. Außer den etwas langatmigen Glücksspielen „Schätzen“ und „Würfeln“ stehen noch die Geschicklichkeits- und Aktionsvarianten „Axtwurf“, „Hammerwurf“, „Baseball“, „Schießen“, „Nageln“, „Dosenwurf“, „Superkorb“, „Fangen“, „Shuffleboard“, „Geld zählen“ und zu guter letzt „Zeitfahren“ auf dem reichhaltigen Programmplan. Viel falsch machen kann man als Spieler hier eigentlich nicht, auch weil vor jeder neuen Herausforderung eine informative Texttafel inklusive klar verständlicher Spiel- sowie Steuerungsbeschreibung erscheint. Wer trotzdem erstmal ein Gefühl bekommen möchte, wählt dann kurzerhand die ebenfalls spielbare Übungsrunde. Ärgerlich sind kleine Fehler, die sich eingeschlichen haben: Praktisch und theoretisch bereits entschiedene Spiele werden stur zu Ende gespielt, obwohl es gar nicht mehr nötig wäre. Die Punktetafel interessiert auch niemanden mehr wirklich nach einem verwandelten Matchball. Alles in allem könnte zwar alles noch ein wenig dynamischer sein, dafür wirken viele wichtige Elemente deutlich runder als noch im misslungenen Erstlingswerk.

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Technisch kein Samstagabend-Highlight

Technisch wird Schlag den Raab – Das 2. Spiel seiner TV-Vorlage nur oberflächlich gerecht, optisch und akustisch dafür umso mehr. Der Wiedererkennungswert ist allgegenwärtig vorhanden, wirkt aber an allen Ecken und Enden sehr billig produziert. Im Jahr 2011 müsste ein weitaus professionelleres Erscheinungsbild drin sein. Negativ ins Auge fiel insbesondere das spielerisch gelungene „Schießen“ aus der Ego-Perspektive, wo die Spielumgebung beinahe wie die ersten dreidimensionalen Gehversuche der Labyrinth-Shooter Anfang der 90er Jahre aussieht. Andere Wettbewerbe, etwa Outdoor-Disziplinen wie „Baseball“ oder „Zeitfahren“ sehen in ihrer Detailarmut deutlich annehmbarer aus. Stefan Raab, Elton sowie Moderator Steven Gätjen treten im comichaften Kartikatur-Look auf, völlig überzeichnet mit hoher Stirn, Porzellan-Zähnen und Überbiss. Was im Ansatz durchaus witzig aussieht, verliert durch fehlende Mimik inklusive spärlicher Animationen an Charme – aber das kennt man ja aus ähnlichen Partyspielchen, der gemeine Gelegenheitsspieler stört sich auch gar nicht am lächerlich animierten Publikum. Es gibt aber auch Punkte, die durchaus TV-Atmosphäre erzeugen, dazu gehört das authentisch nachgearbeitete Studio, bekannte optische sowie akustische Einspieler und nicht zuletzt Original-Kommentare der drei Figuren. Die sind zwar zahlreich eingesetzt – laut Verpackung 350 Audiokommentare – wiederholen sich aber relativ oft und passen nicht selten nur bedingt zur jeweiligen Situation. An diesen Stellen merkt man schon eine gewisse fehlerhafte Feinabstimmung. Die stimmt dann aber glücklicherweise bei der Steuerung, die sich per Gamepad etwas präziser anfühlt als mit optionalem Playstation Move.

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Hans-Martin wäre begeistert: Das Fazit

Schlag den Raab – Das 2. Spiel ist eine überraschend solide Minispiel-Sammlung. Es gibt viele kleine Mängel, die zwar bei einer Live-Show passieren können, in einem gut geplanten Spiel aber nicht sein müssten. Interessante Quizspiele und nicht zuletzt der komplette Fragenkatalog zum PKW-Führerschein Klasse B bewahren diese Umsetzung vor dem Sturz ins Quotentief – der Lerneffekt ist nämlich nicht zu unterschätzen. Was Präsentation sowie sich ständig wiederholende, oft unpassende Sprachsamples angeht besteht noch der größte Steigerungsbedarf. Ein Geheimtipp für Partyspieler.

Schlag den Raab – Das 2. Spiel Testbericht

Schlag den Raab – Das 2. Spiel

  • Release: 13.10.2010
  • Genre: Party
  • Entwickler: bitComposer Games
  • Publisher: Namco Bandai

Gutes

+ Wiedererkennungswert
+ 25 Minispiele
+ Quiz-Spiele mit Lerneffekt
+ umfangreicher Fragenkatalog
+ gute Gamepad-Steuerung
+ Führerscheinfragen Klasse B enthalten

Schlechtes

- wenige langatmige Spiele
- Detail-Fehler stören Atmosphäre
- Kommentare wiederholen sich zu oft
- keine richtige Mimik
- schwache Grafik
- Move-Steuerung etwas unpräzise

7.0 / 10 Gut

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