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SBK 09 – Review

Artikel von | 27.12.2009 um 00:00 Uhr

Let the WSBK Championship beginn!

Mit dem Videospielableger zur Superbike World Championship erreichte uns kürzlich ein weiterer Titel aus dem Hause Black Bean Games. Das Entwicklerstudio Milestone, welches auch schon an der Rennsimulation Superstars V8 Racing, kurz SV8R beteiligt war, legte auch bei SBK 09 hand an. Ob dabei ein ähnlich schlechtes Rennerlebnis zustande gekommen ist, wie in SV8R, lest ihr auf der folgenden Seite.

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Die Hand am Startknopf

Nach einer kurzen Ladezeit beginnt auch schon das Intro, welches uns auf äußerst ansprechende Weise über den Inhalt des Spiels informiert. Heiß umkämpfte Rennen, auf noch heißeren Maschinen. Genau das wünscht man sich doch für ein Motorradrennspiel, oder? Vorweg gesagt: Da haben die Entwickler wohl ein bisschen zu viel versprochen, denn wie jemand, der um die Weltmeisterschaft fährt fühlt man sich zu keinem Zeitpunkt des Spieles. Vielmehr beginnt unser Erlebnis als Superbike Fahrer ziemlich öde. Das Menü ist fast das gleiche, wie in SV8R und bietet dementsprechend wenige Möglichkeiten. Außer einer Weltmeisterschaft, einem Rennwochenende, dem klassischen Einzelrennen und der Trainingssession wird dem Spieler nämlich nichts geboten. Karrieremodus Fehlanzeige! Zudem sind die Menüs gespickt von Ladezeiten. Zwischen Boxenaufenthalt und Rennen liegt mitunter fast eine Minute. Das ist deutlich zu lang! So starten wir nach der Wartezeit also als Stammfahrer in unsere angewählte Weltmeisterschaft. Max Neukirchner, der einzige Deutsche im Feld soll es richten und den Routiniers á la Noruyuki Haga oder Tom Sykes beweisen, dass auch wir Deutschen einen heißen Reifen fahren können. Voller Enthusiasmus starten wir also gleich in das erste Training. Die Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Die Steuerung der 200PS Bikes ist ein Graus für jeden Autofahrer. Dinge wie Fliehkraft oder Haftung des Hinterrades spielen im Auto eine eher untergeordnete Rolle. Auf dem Motorrad sind diese Faktoren allerdings die, die über Sieg und Niederlage entscheiden. So muss man sich als Biker damit anfreunden ein „Nachbremsen“ in Kurven zu vermeiden, da ansonsten fix der Ausrutscher ins Kies folgt. Auch die R2-Taste sollte am Ende einer Kehre behutsam verwendet werden. Drückt man der PS Schleuder nämlich zu viel V-Power in den 4-Zylinder, kann schnell der unter allen Motorradfahrern gefürchtete „Highsider“ auftreten. Das Hinterrad rutscht weg, erhält sofort wieder Grip und katapultiert den Fahrer im hohen Bogen von der Strecke. Meist folgt die Maschine aus Solidaritätsgründen ihrem Besitzer. Dann heißt es erst mal Krankenhaus und Ausfall. Ja, richtig gelesen, Ausfall. Denn auf Realismus wird in SBK 09 sehr hohen Wert gelegt. So gibt es beispielsweise auch Fehlstarts und die Fahrzeugphysik ist so nah an der Wirklichkeit, dass der Spieler schon fast für’s wirkliche Fahren auf der heimischen Rennstrecke üben kann. Fantastisch für Realitätsfanatiker, ein Drama für alle Anfänger. Milestone sei dank werden dem unerfahrenen Piloten enorm viele Fahrhilfen geboten. Diese reichen von der Bremskrafterhöhung, die, man glaubt es nicht, wirklich notwendig ist über die Kippsperre bis hin zum „Highsidervermeidungssystem“ via ASR. Anfängerfreundlich ist SBK also schon mal, doch wie sieht’s nach einiger zeit im Sattel aus? Die Eingewöhnungsphase ist auch bei absoluten Neulingen recht kurz. Es dauert höchstens eine Stunde, bis man sich auf der Maschine, bei aktivierten Fahrhilfen schon ziemlich sicher fühlt. Schaltet man diese dann allerdings aus, folgt das böse Erwachen. Nahezu unmöglich erscheint einem die entsprechende Trophäe, bei der es ein Rennen auf dem Schwierigkeitsgrad Profi komplett ohne Fahrhilfen zu gewinnen gilt. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn jeder kleine Fehler kann das Aus bedeuten. Insgesamt ist aber außer den Trophäen keine große Herausforderung in SBK 09 geboten. Dies mag auch durch den fehlenden Karrieremodus bedingt sein. Die Platintrophäe ist mit etwas fahrerischem Können und viel Durchhaltevermögen in nicht mehr als zwei Tagen erreicht. Spätestens ab da bietet das Spiel auch keine Abwechslung mehr und man hat eigentlich so ziemlich alles gesehen. Schade. Ein Karrieremodus hätte den faden Singleplayer deutlich aufgepeppt! Trotzdem ist SBK in Sachen Physik und Realismus einfach eine Spielspaßgranate.

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Der Blick in den Rückspiegel

Auch grafisch hat SBK 09 einiges zu bieten, wenn auch nichts weltbewegendes. Die Bikes sind sehr schön animiert und lassen das Herz eines jeden Motorradjunkies höher schlagen. Das Gleiche gilt für die Fahrer. In der Lederkombi ist jede Falte zu erkennen und bei einem Sturz zerkratzen die einzelnen Sponsorenaufdrucke. Ein fall für Realitätsfreaks! Die Umgebungsgrafik ist, wie in vielen Rennspielen allerdings nicht gerade der Bringer. Die Weitsicht ist beschränkt und ab und zu treten Kantenflimmern, sowie matschige Randtexturen auf. Von Zuschauern kann nicht die Rede sein. Schon aus der Ferne ist deutlich zu sehen, dass es immer die selben zehn Pixelmännchen sind, die zu einem Pappaufsteller zusammengefasst wurden. Dies hat natürlich auch einen enormen Einfluss auf die Atmosphäre. Eine solche ist praktisch nicht vorhanden. Schon die lieblosen Tipps des Fahrzeugingenieurs werden beim zweiten mal durchlesen langweilig und sind zudem vollkommen belanglos. Man fühlt sich während des Rennens so, als ob man mit 19 weiteren Fahrern auf einer Strecke mitten in einem absolut zivilisationsarmen Kaff um die Wette rast, um sich am Ende als Erster auf dem kläglich animierten Siegerpodest eine Champagnerdröhnung geben zu können um die ganze Misere zu vergessen. Schrecklich! Trotzdem überwiegen grafisch insgesamt die positiven Aspekte des Spiels. Die schön animierten Fahrer, Bikes und die dynamische Cockpitperspektive, bei der der Spieler jede Bewegung des Piloten nachvollzieht machen die maue Umgebungsgrafik locker wieder wett.

Ist die schon an?

Entgegen der Grafik läuft im akustischen Bereich von SBK 09 so einiges falsch. Die Motorräder „schreien“ viel zu wenig. Der Motorenklang ist dumpf und flach. Wer jemals das vergnügen hatte auf einer Suzuki GSX-R, Honda Fireblade oder Kawasaki Ninja zu sitzen, weiß wie sich das anhören müsste. Von dieser Offenbarung ist SBK Welten entfernt. Darüber hinaus klingen alle Maschinen mehr oder weniger gleich. Schade! Ein weiterer Negativaspekt ist die fehlende Geräuschkulisse seitens der Zuschauer. Keine Jubelschreie, keine Druckluftfanfaren und das schlimmste, es gibt weder einen Kommentator, noch musikalische Untermalung. Pfui Milestone! Insgesamt ist die klangliche Untermalung des Titels somit mehr als dürftig und sicherlich auch mit einer der Gründe, wieso die Atmosphäre so überaus steif und langweilig ist.

Die große Sause…

Exakt das ist der Online-Modus von SBK 09 nicht. Die Begriffe Online Meisterschaft und Team Meisterschaft lassen zwar die Münder feucht werden, doch das servierte Mahl ist alles andere als deliziös. Nicht nur, dass es wenige Fahrer gibt, die dem allgemeinen Onlinetrend frönen, sondern auch die Tatsache, dass diese bei einer Meisterschaft oft mittendrin abbrechen und man sich mit lediglich einem anderen Piloten um den Sieg duelliert, erteilen dem Spielspaß einen kapitalen Getriebeschaden. Dazu kommt noch, dass ein lokaler Multiplayer vollkommen fehlt. Wenn der Kumpel auch mal fahren will, muss also das Pad herumgereicht werden und ein direktes Duell ist nicht möglich. Lediglich im Zeitfahren können die Fähigkeiten des jeweils anderen mit den eigenen gemessen werden. Besonders im Multiplayer hat Milestone also großes Potential verschenkt, denn das Rennen um Ehre und den ersten Platz ist unter menschlichen Mitspielern deutlich höher ausgeprägt, als gegenüber den gesichtslosen KI-Gegnern.

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World Champion oder Totalschaden?

Was bleibt also am Ende eines langen Rennwochenendes übrig? Im Grunde nicht viel. Nach einigen immer gleichen Rennen, bei mieser Atmosphäre ist der Spieler schnell demotiviert. Auch die implementierten Trophäen können den Spielspaß nur unwesentlich steigern, da ein störender Bug existiert. Erhaltene Trophäen werden gar nicht, oder erst einige Tage später im Menü freigeschaltet, was jedem Trophyhunter selbstverständlich ein Dorn im Auge sein wird. Einzige Lichtblicke sind der hohe Grad an realistischer Fahrphysik vom allerfeinsten und einer durchaus gelungenen Grafik mit der einen oder anderen Macke. Für jeden Motorrad Fan ist SBK 09 allerdings genau das richtige, um die Wartezeit auf den hoffentlich besseren Nachfolger SBK 10 oder die Konkurrenz aus dem Hause Moto GP zu verkürzen. Gelegenheitsrennfahrer sollten lieber bei altbewährtem á la Tourist Trophy oder ganz beim Autorennen bleiben.

SBK 09: Superbike World Championship Testbericht

SBK 09: Superbike World Championship

  • Release: 29.05.2009
  • Genre: Rennspiel
  • Entwickler: Milestone
  • Publisher: Black Bean

Gutes

+detailgetreue Bikes und Fahrer
+hoher Realismusgrad
+aufgrund vieler Fahrhilfen einsteigerfreundlich

Schlechtes

-unterirdische Atmosphäre
-realitätsfremde Motorensounds, sowie...
-...stumme, steife Zuschauer
-viel zu geringer Umfang
-(Trophäen-) Bugs
-ewig lange Ladezeiten

7.0 / 10 Gut

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