SAW II: Flesh and Blood – Review

Getestet von | 11.11.2010 um 00:00 Uhr

Jigsaw will wieder spielen
2004 löste ein Film namens SAW einen blutigen Hype aus, die Jahr für Jahr eine weitere Fortsetzung verlangte. Noch dieses Jahr findet die Horror-Thriller Reihe mit dem 7. Teil ihr großes Finale. Im Videospiel-Sektor holt der Jigsaw-Killer dagegen gerade erst zum zweiten Schlag aus. Bereits der Titel von SAW 2: Flesh and Blood verrät das die Entwickler „Zombie Studios“ der Filmreihe in nichts nachstehen wollen. Doch kann die aus den Filmen bekannte Atmosphäre überhaupt in einem Spiel erzeugt werden? Erfährt in der Review ob nur der Jigsaw-Killer seine Opfer quält, oder mit Flesh and Blood gleiches dem Spieler bevorsteht.

Leben oder Sterben?
SAW 2 erzählt nicht direkt die Ereignisse aus dem Kinofilm, sondern hält auch für eingefleischte SAW-Fans einen neuen Handlungsstrang bereit, der zwischen dem zweiten und dritten SAW-Film eine Brücke schlägt. Die Wahl des Protagonisten fällt auf Michael Tapp, dem Sohn von Detective David Tapp, dem wiederum im ersten Teil die Hauptrolle verliehen wurde. Dessen mysteriöser Tod gibt Micheal Grund genug nach dem Jigsaw Killer zu suchen, der als möglicher Täter in Frage kommt. Kurz nach diesem Storyintro findet sich Michael auch schon entführt in Jigsaw´s eigens erbauter Hölle wieder. Allerdings auch noch viele andere Personen, von denen einige Informationen zu Michaels Vater mit sich tragen, dessen Geschichte sich später noch ausweitet. Alles wie es in Jigsaw´s Spiel vorherbestimmt zu sein scheint. Von unerwarteten Wendungen der Handlung oder einer spannenden Erzählweise darf allerdings nicht gesprochen werden. Zwar baut diese zusammen mit der bedrohlichen Umgebung ein gewisses Feeling auf, überschattet aber nicht das Gefühl einer fast schon nebensächlichen Handlung. Nichtkenner selbiger entgehen zudem nicht nur jede Menge Aha-Erlebnisse, sondern riskieren viele Teile der Handlung gar nicht erst zu verstehen. Die eigentlich wirklich interessante und weit komplexere Geschichte steckt vielmehr in den quer verstreuten Notizen und Tonbändern, die von den Ereignissen zwischen den ersten beiden Filmen berichten, bzw. erst richtig auf den Jigsaw Killer und Michaels Vater, David Tapp, eingehen.

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Spiel der Minispiele
Zu Spielbeginn darf als Einstimmung die Eröffnungsszene des Filmes SAW 2 nachgespielt werden. Hier gilt es mit einem Skalpell unter Zeitdruck einen Schlüssel frei zu schneiden, der allerdings unter dem Auge einoperiert wurde. Per eingeblendeter Tasten schneidet Campbell sich nach und nach zum Schlüssel vor, mit der er sich gegensätzlich zum Film befreien kann. Nach der Einführung des Spiels wird allerdings sein Auftritt durch oben beschriebenen Michael abgelöst. Jigsaw hat auch für ihn vorgesorgt, und auf seinen Weg unzählige Fallen versteckt, die den Filmen entsprechend kranker und heimtückischer gar nicht sein könnten. Allerdings auch zum Leidwesen zahlreicher anderer Personen, dessen Leben meist in euren Händen liegt. So muss etwa einer von ihnen angebunden hin und her geschoben werden, da er ansonsten in Flammen seinen Tod findet. Um ihn endgültig aus der Gefahrenzone zu ziehen gilt es nebenbei auch noch unter Zeitdruck das Minispiel Memory zu meistern. Im Grunde besteht ein Großteil des Gameplays darin sich durch diverse Minispiele einen Weg zu bannen. Diese können allerdings durch ihre Vielfalt überzeugen. Beispielsweise müssen Zahnräder so angeordnet werden dass sich ein bestimmtes dreht. Oder Schaltkreise so verlegt werden das alle Lämpchen mit Strom versorgt werden. Immer wieder gilt es auch Türschlösser zu knacken. Hier muss die Kamera an den drehenden Scheiben bis hin zum Schloss dirigiert werden. Bei unverschlossenen Türen folgt allerdings nicht selten eine Falle. In Form einer Schrotflinte oder Fallbeils. Hier offenbart sich unter anderen Gelegenheiten der nächste Gameplay-Aspekt. Quicktime-Events. Während in anderen Spielen nur gelegentlich eine bestimmte Taste gedrückt werden muss, stellen sich diese in SAW 2 als ständiger Wegbegleiter heraus. So auch bei erwähnten Türfallen. Besonders ungewohnt das Kampfsystem, dessen Namen es eigentlich gar nicht verdient. Sobald einer von Jigsaw´s frei gekommenen Gefangenen auf euch zu läuft kommt es zum vorgegeben Tastendrücken. Werden diese zu langsam gedrückt folgt ein Balken, der an der richtigen Stelle angehalten werden muss. um nicht einen Treffer ab zu bekommen. Quer über das Spiel lassen sich auch Waffen wie Baseballschläger oder Nagelkeule finden, die je nach Stärke die Dauer des Quicktime-Kampfes bestimmen. Neben Minispielen und Quicktime-Events kommen auch gut gemachte aber nicht wirklich fordernde Rätsel dazu, von denen manche gelöst werden müssen, um erst die Minispiele absolvieren zu können. So ist etwa ein in der Umgebung markierter Code nur aus einem bestimmten Blickwinkel zu erkennen. SAW 2 ist extrem dunkel geraten, so dass man ohne ständig eingeschalteter Taschenlampe im wahrsten Sinne im Dunkeln tappt. Fast im gesamten Spiel muss sich der Spieler dennoch auf eine fast komplett abgedunkelte Umgebung einstellen, die zwar zur düsteren Atmosphäre beiträgt, ab einem gewissen Punkt allerdings nur noch nervt. Noch dunkler wird es wenn Micheal verletzt wurde. Hier helfen dann nur Heilung bringende Injektionen.

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Quicktime all the Time
Gesteuert wird Michael ausschließlich aus der Third Person Perspektive. Immer dabei die frei rotierbare Kamera, die bei jedem Richtungswechsel selbst nachjustiert werden muss. Was nicht weiter negativ auffällt, solange nicht mittels R1 gerannt wird. In engen Räumen geht dabei allerdings nicht selten der Überblick verloren. Noch dazu reagiert die direkte Fortbewegung etwas zu schwammig, mit dem man im Normalfall zwar leben kann, aber bei präziseren Aktionen, wie etwa das Ausweichen von Hindernissen, oft das Überleben erschwert wird. Womöglich der Grund warum sämtliche Kämpfe wie erwähnt durch Quicktime-Events gelöst wurden. Ungewöhnlich gelöst, aber damit dennoch an einer möglichen Katastrophe vorbeigezogen. Weiteres kommt es gelegentlich vor das Michael an den noch so kleinsten Dingen hängen bleibt, was er durch sichtbares ungewolltes Springen deutlich macht. Es lässt sich nicht verheimlichen das sich die Steuerung als das Hauptmanko von SAW 2 herausstellt. Da vom Spiel selber allerdings nicht allzu komplizierte Manöver verlangt werden, fällt diese andersrum gar nicht mal so stark auf. Das Halten der Balance via Sixaxis-Steuerung, während der gleichzeitigen Fortbewegung der L2/R2 Tasten darf noch als anspruchsvollster Fall bezeichnet werden. Was nicht weiter verwunderlich ist, da die zahlreichen Minispiele auch mit simpler Steuerung überzeugen können.

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Sieht düster aus
Um nicht lange darum herum zu reden: Optisch muss SAW 2 leider als zweckdienlich eingestuft werden. Angefangen bei den Charakteren, die weder mit lebensechten Animationen noch mit Details oder sonstigen optischen Reizen ausgestattet wurden. Bei der Inneneinrichtung der zahlreichen Räume sieht es da schon besser aus. Unter anderem verdeutlichen Spinnweben, zerbrochenes Glas und verrostete Gitterstäbe ständig dafür dass in Jigsaw’s Folter-Spielplatz schon lange keiner mehr war. Viel Abwechslung darf später allerdings nicht erwartet werden. In seltenen Fällen durchquert Micheal einen Hinterhof, während es gerade in Strömen gießt. Dieser Regen darf, oder besser gesagt muss als eines der Glanzpunkte von SAW 2 bezeichnet werden. Was auch an den bestenfalls durchschnittlichen Texturen der Gebiete liegt, die immerhin nicht ganz so schwach ausfallen wie bei den Charaktermodellen. Negative Kritik auf hohem Niveau. Was der Optik als einziges wirklich angerechnet werden kann, ist der SAW-Faktor. In dem bedrohlich und verlassen gestalteten Leveldesign, trifft Michael auf eine verunglückte Person nach der anderen. Nicht selten kann gerade noch der ablaufende Countdown betrachtet werden, der auf alle erdenkliche Weise zum Ableben des Opfers führt. Stromschläge, Schrotflinten, mechanische Konstruktionen, etc. Natürlich darf an dieser Stelle nicht die Billy-Puppe fehlen, die einem vorher die „Spielregeln“ über flimmernden Monitor erklärt. Schon gar nicht Jigsaw höchstpersönlich, für den man sich richtig Mühe gegeben hat. Dieser wurde dem Jigsaw spielenden Schauspieler Tobin Bell authentisch nachempfunden. Im wahrsten Sinne ein Lichtblick, in den teilweise zu dunklen geratenen Räumen.

SAW-SOUndtrack
Akustisch erlebt das Ohr seine Höhen und Tiefen. Fans der SAW Filme nehmen besonders ersteres wahr. Wie im grafischen Sinne besticht auch hier vor allem Tobin Bell, alias Jigsaw. Wie in den Filmen sorgt seine ruhige unheimliche, meist über die Billy-Puppe gesprochene, Stimme für das nötige Feeling. Allerdings ausschließlich im englischen Originalton. Auf eine Lokalisierung der Sprachausgabe wurde verzichtet und stattdessen mit Untertiteln versehen. Abgesehen von Jigsaw gibt es bei den Sprechern kaum Highlights. Selbst die wenigen Dialoge von Micheal bewegen sich im Durchschnitt. Dafür wurde auch beim Soundtrack Wert auf jenen der Filme geachtet, die im Spiel auch wunderbar hervorgehoben werden. Überhaupt ein weiteres Beispiel das SAW 2: Flesh and Blood fast ausschließlich und höchstens an wahre SAW-Fans empfohlen sei. Ansonsten schlägt der Soundtrack einen ruhigen Ton ein, der während der normalen Erkundung nicht selten komplett ausgeschaltet wird. Akustische Effekte, wie etwa das übliche Geräusch einer in den Kopf einschlagenden Nagelkeule, präsentieren sich ebenfalls eher unauffällig, was hier natürlich wieder als Minus-Punkt angesehen werden muss.

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Game Over
Da hat der Jigsaw Killer zu stark am Spiel gesägt, bzw. die Entwickler zu wenig daran gefeilt. Um es auf den Punkt zu bringen kann SAW 2: Flesh and Blood in keinem Bereich wirklich überzeugen. Die Fortbewegung reagiert viel zu träge, warum wohl ein Großteil des Spieles allein aus Rätsel, Minispielen und Quicktime-Events besteht. Letzteres nimmt auch noch das gesamte „Kampfsystem“ ein. Auch wenn besonders die Minispiele gut umgesetzt wurden, sinkt die Motivation aufgrund der Anzahl nach und nach fast völlig in Frustration ab. Technisch sieht es auch nicht besser aus. Zwar darf die teilweise zu stark verdunkelte Grafik jetzt nicht als Totalausfall bezeichnet werden, ist aber aufgrund schwacher Texturen auch weit vom heutigen Standard entfernt. Wie auch der Soundtrack kann die Levelgestaltung allerdings die für das Spiel so nötige Atmosphäre erzeugen. Hier haben die Entwickler Wert darauf gelegt SAW 2 gegenüber den Filmen so authentisch wie möglich zu halten. In Form runtergekommener Innenräume und den SAW-typischen Fallen und Foltermaschinen. Besonders Jigsaw alias Schauspieler Tobin Bell wurde gelungen umgesetzt. Allerdings täuscht auch das nicht von dem mageren Gesamtbild hinweg. Genau genommen kann das 9-15 Stunden andauernde Überleben wirklich nur den SAW Fans empfohlen werden, mit zugedrücktem Auge einen Blick zu riskieren. Allein schon wegen der Handlung die ohne Filmkenntnisse schon nach kurzer Zeit in Verwirrung endet, aber auch sonst keine wirklichen Highlights mit sich bringen.

Gutes

Soundtrack aus den Filmen
teils kurzweilige Minispiele
Atmosphäre erzeugendes Leveldesign

Schlechtes

Durchschnittliche Texturen und Animationen
Kampfsystem bestehend aus Quicktime-Events
fast ständig vorhandene Minispiele
Steuerung schwammig
Handlung nur von SAW Fans nachvollziehbar
schlecht platzierte Checkpoins
Innenräume häufig zu stark abgedunk

7.0 Gut

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