Sacred 2: Fallen Angel – Review

Getestet von | 25.06.2009 um 00:00 Uhr

Die Engel sind gefallen

Während auf der PS3 noch immer Ebbe in Sachen RPG-Spiele herrscht, schicken die Entwickler von Ascaron die PC Portierung Sacred 2: Fallen Angel ins Rennen. Ob sich diese auch auf der PS3 Konsole bewährt, kann sich in folgender Review ein genaueres Bild davon machen.

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Die Welt am Abgrund

Einst war die T-Energie, eine machtvolle Kraftquelle die für allen Lebens verantwortlich ist, allein dem Volke der Seraphimen vorbehalten. Mit ihrer Hilfe konnten sich jedoch auch die Hochelfen eine höher entwickelte Zivilisation erschaffen. Deren Macht weckte allerdings auch den Neid zahlreicher anderer Völker. In den Wirren des darauffolgenden Krieges gerät die T-Energie völlig außer Kontrolle, die sich darauffolgend über ganz Ancaria, so der Name der Welt, ausbreitet. Mutierte Tiere und Armeen voller Untoter Krieger verwüsten nun vollends das Land. Wie die ganze Sache allerdings nun endet darf der Spieler selbst bestimmen. Je nach Wahl zwischen Schatten und Lichtkampagne entwickelt sich ein anderer Verlauf der Handlung. Wieso die Welt von ihrem dunklen Schicksal befreien, wenn sie unter eurer Herrschaft genau so gut regieren lässt? Leider zeigen auch beide Kampagnen ihre Schattenseiten. So richtig will sich nämlich keine Handlung weiter entwickeln. Grob beschrieben ist mit dem Intro bereits das meiste erzählt. Die in sich geschlossenen Handlungen verschiedener Gebiete die es zu durchreisen gilt, stellen noch das Highlight dar.

Sechs Helden werden gerufen

Mit einen von 6 vorgefertigten Charakteren darf die Reise gestartet werden. Jeder von ihnen besitzt spezielle Eigenschaften, die sich auf das Gameplay völlig unterschiedlich auswirken. So präsentiert sich die Dryade als Fernkämpferin, während ein Schattenkrieger lieber direkt in seine Feinde einschlägt. Sacred 2 ist ein reinrassiges Hack and Slay RPG. Während der Erkundung durch Ancaria steht fast ausschließlich die Konfrontation mit mehreren zugleich angreifenden Gegnern an. RPG-typisch hinterlassen diese nach ihrem Ableben Erfahrungspunkte, die dem (Anti-)Helden im Level aufsteigen lassen. Eine begrenzte Anzahl an Punkten darf nun in die Attribute wie Stärke oder Konstitution investiert werden. Auch spezielle Fertigkeiten dürfen auf diese Weise freigeschaltet werden. Meteor, Kampfrausch, Versklavung. Die Palette an Fertigkeiten könnte umfangreicher und abwechslungsreicher gar nicht sein. Je nach gewähltem Charakter sollte genau überlegt werden was und wie viel dieser erlernen darf. Einer magisch begabten Hochelfe den Schwertkampf näher zu bringen dürfte sich als falscher Weg erweisen. Wer mehr Vertrauen in Waffen und Rüstungen setzt bekommt eine umfangreiche Auswahl geboten, die sich in einem Durchspielen gar nicht alle entdecken lassen. So gibt es etwa Schwerter, Lanzen, Hämmer, Blasrohre, Bögen, etc. An den Spieler lassen sich dagegen bis zu 9 verschiedene Rüstungsteile anbringen. Vom Helm bis zu den Stiefeln wird es dem Gegner dadurch erschwert beträchtlichen Schaden zu zufügen. Zudem sorgen Ringe und Amulette für weitere verstärkte Fähigkeiten. Sämtliche Ausrüstungsteile lassen sich in einer Unzahl an Variationen entweder finden oder bei den zahlreichen Händlern kaufen. Beim Schmied werden diese zudem noch verstärkt. Auch Magie wie Feuer und Eis dürfen eingeschmiedet werden. Gefundene Runen verstärken zudem eine Vielzahl an möglichen Kampf und Verteidigungskünsten. An dieser Stelle kommt auch immer wieder der Runenmeister zum Einsatz, mit dem sich Runen tauschen lassen. Die zahlreichen Objekte fordern allerdings regelmäßig eine Entlastung des durch Gewicht begrenzten Inventars. Sollte gerade kein Händler zur Verfügung stehen darf die überflüssige Ausrüstung auch für einen kleineren Goldpreis zerstört werden. Die Suche nach immer besseren Waffen und Rüstungen und dem eng damit verbundenen aufleveln repräsentiert beinahe das gesamte Spiel. Erfahrungspunkte und Gold lassen natürlich nicht nur die Gegner nach ihrem Ableben fallen. Weit über 500 Nebenquests wurden in der umfangreichen Welt verstreut. Zwar sind dessen Handlungen in der Regel gut inszeniert, ähneln sich von den Aufgaben her allerdings viel zu stark von einander. Fast immer gilt es eine bestimmte Anzahl Gegenstände einzusammeln oder Gegner zu besiegen. Aber auch als Leibwächter gilt es Personen an ihr Ziel zu bringen. Um langes herumirren zu vermeiden werden sämtliche Aufgaben jemals angenommener Quests als weißer Kreis auf der Karte markiert. In seltenen Fällen sorgen diese durch ungenaue Platzierungen allerdings mehr für Verwirrung. Lange Laufwege ersparen die sogenannten Mounts. Einzigartige Reittiere die sich im späteren Verlauf des Spieles für eine Unmenge an Gold erkaufen lassen. So darf die Seraphim mit einem Säbelzahntiger auf Erkundungstour gehen, während dem Inquisitor eine riesige schwarze Spinne zur Verfügung steht. Zwar dürfen schon früher und billiger verschiedenste Arten von Pferden gekauft werden, schränken allerdings auch die Kampf und Magie Optionen auf ein Minimum ein.

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Maus Versus Controller

Einer der größeren Herausforderungen von PC-RPG Portierungen auf Konsole stellt es dar die komplexe Steuerung auf den Controller zu bannen. Sacred 2 darf sich zu jenen Spielen zählen die den Übergang hervorragend überstanden haben. Fingerakrobatik inmitten hitziger Situationen wurde von den Entwicklern gar nicht erst zugelassen. Bis zu 4 Waffen oder Magiearten lassen sich auf jeweils einen der 4 Steuerknöpfe legen. Zeigt beispielsweise eine Waffe beim Gegner keine Wirkung, lässt sich blitzschnell einer der 3 anderen Optionen ausüben, ohne im Inventar herum zu wühlen. Wildes hämmern auf die Tasten muss ebenfalls nicht befürchtet werden. Der jeweilige Befehl wird solange ausgeführt wie die Taste gedrückt wird. Wie mit den Steuerknöpfen verhält es sich auch mit dem Steuerkreuz. Diese können mit den zahlreichen Tränken belegt werden. Während der obere Button für die göttliche Magie reserviert wurde, die zu Beginn des Spiels ausgewählt werden darf. Um den Überblick zu behalten werden sämtliche Befehle unten rechts im Bildschirm angezeigt. Weiteres eine Minimap in der linken oberen Ecke und jeweils ein Lebensenergie und Erfahrungspunkte-Balken auf der rechten Seite. Die Fortbewegung selber findet mit dem linken Analogstick statt, während der rechte für die frei dreh und zoombare Kamera zuständig ist. Für Menü und Interaktion, etwa für das Öffnen von Türen und Truhen, kommen die Schultertasten zum Einsatz. Das Menü selber musste für die PS3 Version komplett umgearbeitet werden. Wodurch es ein wenig an Übersichtlichkeit verloren hat. Als Kompromiss werden sämtliche Ausrüstungsgegenstände nach Stärke untereinander gegliedert. Menüpunkte wie Fertigkeiten, Inventar oder Quest-Informationen lassen sich mit der R1 Taste aufrufen, und mittels Analogstick einzeln als Hauptfenster aufrufen. Die stärksten Rüstungsteile werden mit der Dreieck Taste zudem auch automatisch angelegt. Seltsamerweise wurde auf eine Pause-Funktion verzichtet. Das Spiel läuft ohne Unterbrechung weiter. Egal ob sich der Spieler im Inventar, Startmenü oder im PSN Menü befindet. Wer zwischendurch im PSN eine Nachricht verfasst, sollte sich also auf alle Fälle einen sicheren Ort suchen. Ansonsten droht überraschend der Bildschirmtod. Weiteres kommt auch die Fortbewegung selber etwas zu hektisch rüber. Da der nächstgelegene Gegner automatisch anvisiert wird, fällt dies allerdings nur in engen Gebieten wie Städte oder Höhlen auf.

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Ancaria öffnet seine Pforten

Ancaria ist in mehrere Klimazonen unterteilt. So durchwandert der Spieler im Laufe der Handlung Landstriche wie unter anderem eine Wüste, Dschungel, Vulkaninsel und auch eine tropische Insel. Jedes der Gebiete bevölkert von unterschiedlichen Rassen und Kulturen. Trotz abwechslungsreichen Klimazonen wurde auf Eis oder Schneelandschaften leider gänzlich verzichtet. Diese hätten der Spielwelt als contra zur Wüste sicher gut getan. Je nach Forscherdrang lassen sich auf eurer Reise dafür über 40 Städte und Dörfer entdecken. Dessen Häuser dürfen ausnahmslos betreten werden. Wobei zur Übersicht stets das Dach entfernt wird. Aber auch sonst finden sich abseits der Wege zahlreiche Lager, Ruinen, Bauernhöfe oder Höhlen. Abgesehen von letzteren kommt die gesamte Spielwelt ohne einen einzigen Ladebildschirm aus. Sämtliche Abschnitte sind frei und stufenlos erkundbar. Abgesehen von kleinen Objektfehlern muss der Spieler in Ancaria auch keine unsichtbaren Barrieren fürchten. Abgrenzungen stellen nur das Meer sowie Gebirge dar.

Keine Heldentaten ohne Gegner

Ancaria wird von einer Vielfalt an Monstern beheimatet. Als wesentlicher Bestandteil dieser stellen sich mutierte Tiere wie etwa Ratten und Spinnen dar. Im späteren Verlauf wird auch gegen die Pflanzenwelt gekämpft. Aber auch Fantasie-Kreaturen von untoten Kriegern bis hin zu Orks stellen das Vorankommen in Frage. In der Regel treten Gegner in mehreren Gruppierungen auf, und attackieren den Spieler sofort bei Sichtkontakt. Taktisches Können rückt eher in den Hintergrund. Meist reicht es mit dem Stärksten auf Dauerangriff zu gehen was das Arsenal zu bieten hat. Die restliche Lebensenergie der Angreifer wird zudem zur Übersicht in kleinen roten Balken direkt über dem dazugehörigen Feind platziert. Über die R3 Taste lassen sich zusätzlich noch magische Schwächen und Stärken einblenden. Selbe Beschreibung lässt sich auch auf die zahlreichen Bosse übertragen. Neben erhöhter Stärke und Lebensenergie unterscheiden sich diese leider kaum von herkömmlichen Gegnern. Wer die Pfade zur Haupthandlung verlässt kann sich allerdings mit über 2 Dutzend Bossen messen. Mit etwas Glück winkt als Belohnung zusätzlich zu Gold und Erfahrungspunkten auch seltene bis einmalige Ausrüstungsgegenstände.

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Die Grafik steckt im Detail

Grafisch überzeugt Sacred 2 durch den hohen Grad an detailierten Objekten. Besonders Waffen und Rüstungsteile werden bis ins kleinste realistisch dargestellt. Aber auch die Spielwelt selber wird nicht vernachlässigt. Während in der Wildnis besonders Bäume und Gräser überzeugen, sorgt in Städten besonders ein hohes Maß an Einwohner, die ihrem Tagesablauf nachgehen. Gerade hier kommt es allerdings verstärkt zu Rucklern und Tearing. Zu einem wirklich flüssigen Spielablauf kommt es leider das ganze Spiel hindurch nicht. Außerhalb von Städten fällt es nach einer kurzen Einspielphase allerdings nicht mehr allzu stark auf. Pluspunkte finden sich wiederum in den Licht und Schatteneffekten. Besonders bei gesprochenen Zaubern und dem Tag und Nachtwechsel kommen diese zur Geltung. Den Himmel selber sieht der Held allerdings nur selten. Die Kamera lässt sich zwar zoomen und drehen, aber nie nach oben neigen. Selbige sorgt auch für eine geringe Weitsicht. Meist ist nur der tatsächliche Radius des Bildschirms sichtbar.

Atmosphärisch angehaucht

Ascaron hat sich im Bezug auf den Sound für eine ruhige Hintergrundmelodie entschieden, die sich sowohl in Städten als auch bei Feindkontakt ändern. In letzteren Fall sorgt die temporeichere Soundkulisse für den nötigen Schwung in den Kämpfen. Mehr Eindruck schinden allerdings die zahlreichen Soundeffekte, die etwa von Waffen und Zaubern ausgehen. Auch Laute der Reittiere und Mounts wie der Säbelzahntiger wirken glaubhaft. Während der Vertonung verschiedenster Kriegsrufe konnten die Entwickler ihrem Humor freien Lauf lassen. Rufe wie „Wir sind Orks“ oder „Was? Schon vorbei? Hab noch gar nicht angefangen!“ gehören da noch zu den harmloseren Sprüchen. Wie auch die jeweilige Spielfigur haben auch die Einwohner so manch Spruch auf Lager. Musiker auf den Marktplätzen spielen als besonderen Gag zudem die Lieder der Metal Band „Blind Guardian“. Im Gegensatz zu den zahlreichen Nebenquests werden die Quests der Haupthandlung ebenfalls vertont. Klingen allerdings, wie die Handlung selber, etwas unmotiviert.

Wenn ein Krieger nicht mehr ausreicht

Wer sich nicht gerne alleine gegen eine Übermacht an Feinden gegenüber stehen sieht, kann auf die Hilfe von bis zu 3 weiteren Spielern zählen. Je nach Wahl darf die Verstärkung sofort einem laufenden Spiel beitreten oder wird direkt eingeladen. So lässt sich die gesamte Spielwelt mitsamt ihren Quests im Team spielen. Zu zweit darf auch an einer Konsole gespielt werden. Mit Ausnahme des Host-Spielstandes werden freigelegte Orte der Karte, sowie abgeschlossene Quests jedoch nicht gespeichert. Gold, Erfahrungspunkte und sämtliche Objekte dürfen allerdings in den eigenen Spielstand übernommen werden. Letzteres ermöglicht auch das Handeln zwischen Spielern, die ähnlich wie bei den virtuellen Händlern ablaufen. Besonders die extrem seltenen Set Rüstungsteile stellen sich als beliebte Tauschobjekte dar. Leider dürfen nur jeweils Charaktere zusammen spielen die entweder die Licht oder Schattenkampagne gewählt haben. Zudem wurde mit einer maximalen Differenz von Level 10 dafür gesorgt das schwächere Spieler niemals auf stärkere treffen. Die Stabilität der Server lässt sich bestenfalls als verbesserbar beurteilen. Verstärkte Ruckler und ganze Serverabsturze treten zwar nicht ständig auf, dürfen aber auch nicht als selten bezeichnet werden.

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PS3 Übersiedlung überstanden?

Freunde von Hack and Slay Rollenspielen kommen mit Sacred 2 voll auf ihre Kosten. Besonders das Level Up System und die Suche nach immer stärkeren Ausrüstungsgegenständen sorgen für gewaltiges Suchtaufkommen. Wer auch nur einen der 6 möglichen Charaktere in die Nähe der Level 200 Grenze bringen möchte, wird allein mit diesem Aspekt des Spieles mehrere hundert Stunden verbringen. Für Wiederspielwert sorgen auch viele freischaltbare Schwierigkeitsgrade, dessen hochgelevelte Charaktere mitsamt Inventar übernommen werden können. Jeweils eine Schatten und Lichtkampagne sorgen für weitere Motivation. Die Handlung selber stellt sich allerdings als einer der größten Schwächen dar. Neben langweiliger Erzählweise wird der ohnehin schon zu kurz geratene Handlungsstrang nur oberflächlich behandelt. Den etwas über 500 Nebenquests dagegen hätte mehr Abwechslung gut getan. Eine bestimmte Anzahl Gegner besiegen, Leute eskortieren oder das einsammeln von Gegenständen gehört schon zu den Hauptaufgaben fast sämtlicher Quests. Negativ erwähnt werden sollten auch die Ruckler, die sich besonders in Städten bemerkbar machen. Sacred 2 zieht einige negative Punkte mit sich. Wer über diese jedoch hinweg sehen kann bekommt ein süchtig machendes Hack and Slay RPG das auf der PS3 mit so gut wie keiner Konkurrenz zu kämpfen hat.

Gutes

+ Umfangreiche abwechslungsreiche Spielwelt
+ Zahllose Möglichkeiten der Charakter Entwicklung
+ Motivierendes Level Up System

Schlechtes

- Haupthandlung langweilig und oberflächlich
- Aufgaben der Nebenquests wiederholen sich
- Ruckler und Tearing, besonders in Städten

8.0 Sehr gut

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