Rocket League im Test – Wenn Fußball auf Rennspiel trifft

Getestet von | 01.08.2015 um 21:10 Uhr

Im Juli 2015 gab es als einen der vielen PlayStation Plus Titel das Spiel Rocket League vom Entwickler Psyonix kostenlos für die PlayStation 4. Bei dem Spiel handelt es sich um den Nachfolger von Supersonic Acrobatic Rocket-Powered Battle-Cars, ein Videospiel bei dem ihr mit einem Auto in einer Arena mit anderen Spielern landet. In dieser gibt es zwei Tore, ein Ball und nur ein Ziel und zwar Gewinnen. Das Spiel dauert 5 Minuten und hat die folgende Richtlinie: Das Runde muss ins Ovale, also ins Tor. Wie sich dieses Spektakel spielt und wie süchtig das ganze letztlich macht, erfahrt ihr in unserem Test.

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Was ist dieses Rocket League und kann man das essen?

Nun, also Rocket League ist kurz gesagt Fußball… mit Autos. Woah, wartet, bitte, das ist nicht so verrückt wie es direkt klingt – also mehr oder weniger. Denn das Spiel hat Tradition, bereits zu Beginn der 1930er Jahre hatte Karl Kappler im echten Leben das Spiel Autoball erfunden und gespielt. Selbst Stefan Raab hat mehrere Veranstaltungen mit dieser Sportart ausgetragen, wieso also nicht ein Videospiel dazu?

Bereits 2008 erschien mit Supersonic Acrobatic Rocket-Powered Battle-Cars der damalige Vorgänger für die PlayStation 3. Doch die verrückte Idee Fußball und Rennspiel zu verbinden, war nicht direkt geplant von den Entwicklern Psyonix. Denn sie haben an einem anderen Konzept gearbeitet und dabei die Unreal Engine 3 genutzt. Ein Rennspiel sollte entstehen und an Prototypen wurde gearbeitet. Ein Entwickler wollte die Physik des Racers testen und hat daher einen Ball einfach mal auf die Map geschmissen. Gefolgt sind Tore, eine Arena und alles drum herum, dass ganze hat den Entwicklern so sehr Spaß gemacht, dass sie das Spiel dann auch umsetzen wollten, wie es letztlich dann auch geschehen ist. Knapp sieben Jahre später, steht mit Rocket League nun der neuste Ableger parat, weiterhin mit der Unreal Engine 3, jedoch diesmal für PlayStation 4 und PC und auch in Next-Gen Grafik.

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Viele Autos, Boost, Stunts, Fliegen, Explosionen und… ein Fußball?

Wenn man so will, dann ist Rocket League eben einfach nur Fußball mit Autos. Auf der anderen Seite sind es eben Autos die Fußball spielen. Egal wie man es letztlich auch sieht, das Spiel macht dennoch mehr Spaß und ist unterhaltsamer als das Szenario klingen mag. Man steuert Rocket League eben wie ein ganz normales Rennspiel, hinzu kommen jedoch noch Boost und Springen. Den Boost sammelt man auf der Map an bestimmten Stellen. Einige Stationen füllen nur einen kleinen Anteil vom Boost, die größeren Füllen es komplett. Das andere Element, das Springen, benötigt man genauso dringend. Nicht nur die Bälle in luftiger Höhe wollen durch einen gekonnten Sprung erwischt werden, sondern auch das schießen selbst geht mit einem geübten Sprung um einiges effektiver, ebenso das Verteidigen und zuletzt auch das Fliegen. Falls ihr euch gerade fragt: Fliegen, hab ich mich da etwa verhört? Nein, denn kombiniert man die beiden Fähigkeiten und nutzt in der Luft den Boost, dann dient dieser als Antrieb um luftige Höhen zu erreichen. All das sorgt für eine unglaubliche Tiefe im Spiel, denn man muss wissen was man tut um zu gewinnen.

Dies bezieht sich allem voran darauf, dass es unglaublich viel Skill benötigt, wenn man dann gegen bessere Gegner gewinnen möchte. Hat man Pech und ist nicht ganz so geübt, so resultiert aus jedem noch so kleinem Fehler ein Gegentor. Doch schieben könnt ihr das nicht auf das Spiel, Rocket League basiert nämlich komplett auf die Hauseigene Physik Engine des Spiels, es gibt nicht so etwas wie ein Momentum oder ähnliches, all eure Taten resultieren entweder aus eurem Skilll oder eben eurer Unfähigkeit. All das sorgt dafür, dass sich das Spiel in zwei Richtungen bewegt. Auf der einen Seite kann jeder noch so kleine Fehler und das damit verbundene Gegentor, euch oder den Teamkollegen richtig zur Weißglut bringen, auf der anderen Seite, freut ihr euch dann bei einem eigenen Tor so richtig, weil ihr wisst, dass es nicht nur ein blöder Zufall war. Diese Emotionalität und Spannung sorgt bei vielen Spielern für eben jene Faszination am Spiel. Wenn aber alle Dämme brechen und ihr auf einen Spieler außerhalb eures Skill-Bereichs trifft, dann ist ein Ergebnis wie 0:10 alles andere als eine Ausnahme. Man muss als Anfänger wirklich durch ein Stahlbad gehen und diese anfängliche Schmach überwinden und jede Möglichkeit zum Lernen mitnehmen – Und das geht am besten mit mehreren Spielern.

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Eine Party mit Rocket League ist eine super Party, für die Gewinner

Bei den Möglichkeiten mit Freunden zu spielen, bietet Rocket League ganz schön viel. Denn von 1vs1, 2vs2, 3vs3, 4vs4 oder auch Handicap-Modi mit 3vs1 oder ähnlichem, ist vieles möglich um die Teammitglieder fair zu verteilen. Dabei geht dies entweder an einer Konsole mit via Splitscreen für bis zu vier Spielern oder eben online mit einem Party System. Ob man dann gegen ein gegnerisches online Team kämpfen möchte, eine Schlacht innerhalb der Freunde oder gegen Bots spielen möchte, das bleibt jedem selbst überlassen. Hinzu kommen dann auch noch Ranglisten Spiele im Modus 1vs1, 2vs2 oder auch 3vs3 – Diese werten eure Siege und Niederlagen ein und je nachdem wie ihr gespielt habt, landet ihr in einem bestimmten Fähigkeitsrang. Das Besondere daran ist nun einmal, dass ihr dann auch Gegner bekommt die ebenso diesem Rang entsprechen. Später sind also Schlachten auf einem Niveau garantiert und die machen das Ganze noch Reizvoller, da dann wirklich jede Kleinigkeit über Sieg oder Niederlage entscheiden kann. Nicht weniger Interessant ist die Tatsache, dass Rocket League eines der wenigen Spiele ist, der einen Multiplayer hat, bei dem PlayStation 4 und PC Spieler zusammen online spielen können.

Wer aber so gar nicht auf online steht oder erstmal alleine trainieren will, dem ist auch jede Freiheit gegeben. Ob in Freundschaftsspielen oder in einem Saison Modus, ihr könnt euer Können langsam gegen die KI verbessern. Diese gibt es in drei Schwierigkeitsgraden und selbst Anfänger sollten nach kurzer Zeit ein Mittel gegen diese finden und siegreich zur nächsten Stufe aufsteigen. Beim Saison Modus kommt eben die Besonderheit hinzu, dass man als eines der festgelegten Teams anfängt und dann eben in einer Saison mit schlussendlicher KO Phase den Sieger des Pokals kürt. Wer gezielter trainieren möchte, für den gibt es auch noch die Trainingshalle.Ob im freien Spiel ohne Gegner oder den drei Trainings Offensiv, Torwart oder Fliegen – man kann dort gezielt seine Schwächen trainieren und Stück für Stück an sich arbeiten. Leider gibt es jedoch keinen wirklichen Einzelspieler Modus mit vielen lustigen Modi, wie noch im ersten Teil.

Um ein Stück von Persönlichkeit in euer Vehikel zu bringen, könnt ihr dieses außerdem optisch individualisieren. Mit jedem gespielten Spiel erhaltet ihr nämlich einen neuen Gegenstand um dieses zu ändern. Sei es ein neues Auto, Farben, Felgen, Hüte, Gravuren oder auch Antennen, mit mehr als 150 Gegenständen sollte jeder die richtigen Items für seinen Geschmack finden. Diese erhält man außerdem freiwillig und ein gezieltes Farmen ist daher nicht nötig und man kann nahezu nix verpassen. In Zukunft sollen außerdem neue Maps (alle kostenlos) und neue optische Items und Autos (beides Kostenpflichtig) ins Spiel integriert werden. Auch Statistik Freunde kommen auf ihre Kosten und finden im Menü allerlei Werte über ihre bisherige Leistung. Anzahl der Tore, Defensiv-Aktionen, Fallrückzieher und alles andere ist dort zu finden um seine Leistung perfekt zu analysieren.

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Brum Brum macht das Auto, Bling Bling macht das Auto optisch

Optisch sieht Rocket League echt super aus, dies liegt wohl allem voran an der Unreal Engine 3 und der Power der PlayStation 4. Die Arenen sehen super aus, das Gras, die detaillierten Autos und das drum herum sehen spektakulär aus. Lediglich kleine Fehler und auch das ein oder andere Kantenflimmern stören das Bild minimal, das lässt sich aber verschmerzen. Umso nerviger ist jedoch die Leistung die der Titel anscheinend benötigt. Allem Anschein nach wurde der Titel nicht ganz so sauber programmiert oder für die PlayStation 4 optimiert. Denn alleine wenn man nur das Hauptmenü für kurze Zeit laufen lässt, springt die PlayStation 4 den Lüfter dermaßen an, dass man denkt das Rocket League mehr Leistung als The Order, Killzone oder inFamous zusammen benötigt. Doch die Entwickler haben hierfür Besserung mit einem angekündigten Patch versprochen.

Doch nicht nur optisch macht Rocket League einiges her, gerade im Sound ist Rocket League ein Kracher. Die Atmosphäre wenn man in einer Arena das Spiel beginnt, die Uhr abläuft und man losläuft, dazu kommen die Fans aus dem Hintergrund und bejubeln oder bestaunen jede Aktion tatkräftig – tja das macht schon so einiges her. Dazu kommen die Sounds des Autos, die Explosionen bei einem Tor oder des Gegners und die Soundkulisse um das Spiel herum, es klingt einfach genial und das Beste kommt Soundtechnisch noch. Denn der Soundtrack des Spiels im Hauptmenü ist einfach überragend und passt nicht so einem kleinen Indie-Titel, was Rocket League nun einmal ist. Man hört gerne der Musik zu und die einzige Kritik die hier angebracht wäre, ist, dass man den Soundtrack eben nicht im Spiel selbst sondern nur im Hauptmenü hört, etwas schade, aber dann lässt man das Hauptmenü halt einfach laufen.

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Ein Ball der ins Tor rollt, den sollte man nicht aufhalten.. Na super, er hat ihn doch gehalten

Rocket League ist für den Fußball Fan das, was für einen Buch Leser der Film ist. Man nimmt die Kernelemente des Buches, fügt neues hinzu und erhält ein Spektakel, was einen ganz anderen Einblick in die geliebte Materie bringt. Auf der einen Seite hat man nämlich die Kernelemente von Fußball genommen, dazu kommen noch der Aspekt von Rennspielen und alles in allem hat man ein total Abhängigmachendes Spektakel. Auch wenn die Lernkurve etwas Zeit benötigt, um so richtig in Fahrt zu gelangen, so ist dennoch der Spaß von Anfang an garantiert. Besonders im Zusammenspiel mit Freunden macht Rocket League enormen Spaß, da sind die Grenzen zwischen Freude, Trauer und Wut fließend. Es ist einfach das perfekte Spiel für einen lustigen Abend (oder mehrere), etwas für Zwischendurch, was man immer wieder gerne spielt und keine ewigen Erklärungen und Einleitungen benötigt, um verstanden zu werden. Hinzu kommt nunmal, dass der Titel für PlayStation Plus Besitzer bis nächsten Mittwoch kostenlos, es spricht also nix dagegen, Rocket League zu laden und testen.

Gutes

+ Es macht mordsmäßigen Spaß
+ Bis zu 4 Spieler an einer Konsole, online bis zu 8
+ Individualisierung möglich, Grafisch Top
+ Für PlayStation Plus kostenlos

Schlechtes

- Konsole/ Lüfter läuft für so ein Spiel zu stark
- Leider keine Singleplayer Modi
- Kamera leider nicht ganz optimal

9.3 Must Have

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