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RiME im Test – Das Kind von Journey und The Last Guardian

Artikel von | 30.05.2017 um 18:51 Uhr

Auf der gamescom 2013 wurde während der Sony Pressekonferenz ein kleiner Titel namens RiME gezeigt. Das Spiel vom Entwickler Tequilla Works, sollte als PlayStation 4 Exklusivtitel erscheinen. Zuvor war RiME sogar kurzzeitig als Xbox Spiel geplant – doch beide Partnerschaften waren nicht erfolgreich. 2016 haben die Entwickler die Rechte am Spiel wieder für sich erworben und es im Januar 2017 neu angekündigt. Und nach all den Jahren ist das Spiel nun auch endlich erhältlich. Gut gealtert oder hat die Entwicklungszeit letzlich geschadet? Das erfahrt ihr in unserem Test.

Cast Away – Junge auf Insel gestrandet, ohne Wilson

Die Geschichte von RiME fängt damit an, dass Enu auf einer Insel aufwacht. Er ist zuvor mit seinem Boot dort gestrandet und kann sich an nichts mehr erinnern. Auf der Insel ist ein riesiger Turm und der Junge möchte natürlich herausfinden wo er ist und welche Geheimnisse auf der Insel versteckt sind. Zuvor muss er aber erst einen Weg finden, in den Turm zu gelangen und erkundet daher die Umgebung. Er findet bestimmte Statuen, die überall verteilt sind und wohl miteinander verbunden sind. Als die Statuen aktiviert sind, öffnet sich nicht nur ein Pfad zum Turm für ihn, sondern auch ein Fuchs taucht auf. Dieser dient als Begleiter des Jungen und hilft ihm an so mancher Stelle bei der Orientierung. Aber ein weiteres Mysterium begleitet den Jungen. Ein Mann mit einem roten Umhang und Kapuze taucht an manchen Stellen auf, nur um kurz darauf wieder zu verschwinden. Aber wer ist diese mysteriöse Gestalt und was erwartet uns im Turm? Tja, dafür müsst ihr RiME schon selbst spielen.

Eine Besonderheit an der Geschichte des Spiels ist ganz klar, dass zu keiner Zeit gesprochen wird. Man bekommt also alles nur durch die bewegten Bilder und Musik erzählt und kann sich so, an vielen Stellen selbst etwas dazu dichten. An dieser Stelle sei auch gesagt, dass das Spiel auch eine viel tiefere Bedeutung innehat, als man vielleicht vorher gedacht hat. Wir haben nach dem durchspielen auch noch etwas gebraucht, bis wir komplett es verstanden haben. Und so merkwürdig es auch klingt, so spielen die Namen bei der Kapitelauswahl dabei eine besondere Rolle. Und hier ist der Vergleich zu Journey beispielsweise überaus passend. Auch dort war man sich anfangs seiner Taten nicht bewusst, bis es dann Klick gemacht hat und man alles auf eine ganz andere Art und Weise betrachtet. Diesen „Klick-Moment“ gibt es so auch bei RiME und er gibt der Geschichte eine große Bedeutung.

RiME Review Test

The Last Guardian – Auf der Suche nach der Wahrheit, ohne Trico

RiME ist offiziell ein Third-Person Puzzle Action-Adventure. Da das eher nichtssagend für manche sein könnte, ziehen wir mal den Vergleich zu The Last Guardian. Wer auch das nicht gespielt hat, der kann sich Uncharted vorstellen – nur ohne Waffen und mit weniger Action. Also im Endeffekt erkundet man die Welt, löst ein Puzzle und schreitet somit weiter voran. Genau das beschreibt den Kern von RiME ganz gut. Doch zu den klassischen Elementen wie laufen, springen, schwimmen, klettern und Objekte zu tragen, kommt dann auch noch das Rufen dazu. Mit der Stimme kann Enu nämlich mit einigen Kristallen oder anderen Gegenständen interagieren, um beispielsweise ein Feuer zu entfachen. Eine Besonderheit ist hier auch, dass man mit Farben als Hinweis gespielt hat. Mit der Stimme kann man mit allem aus Jade interagieren. Sind die Objekte Gelb oder Golden, kann man physisch etwas mit ihnen machen. Rot sind dann beispielsweise Story-Relevante Elemente. Weiße Markierungen auf der Wand sollen zum Klettern einladen, ebenso wie Gras. Man bekommt also stets eine kleine Hilfe vom Spiel serviert, doch zur Lösung muss man stets selbst finden.

Denn wie weiter oben erwähnt, habt ihr einen Fuchs als Begleiter. Dieser hilft euch zwar bei einigen Wegen, aber serviert die Lösung nicht auf dem Silbertablett. Wir hatten einige Momente bei denen wir relativ lange nach etwas gesucht oder probiert haben, um ein bestimmtes Rätsel zu lösen. Das kann auch etwas frustrierend sein. Gleichzeitig ist eines der Elemente von RiME der Open-World Ansatz. Der Spieler kann nämlich stets entscheiden zu welchem Zeitpunkt er wohin geht und in welcher Reihenfolge er die Rätsel lösen möchte. Manchmal kann es deshalb auch etwas dauern, bis man das nächste Rätsel gefunden hat. Diese sind auch meist in kleine Teilbereiche geteilt und man weiß damit auch, dass die Lösung stets nah ist und keinen Gegenstand von vorher benötigt wird. Apropos Gegenstände. Es gibt auch viele versteckte Dinge in der Welt. Dabei kann es sich um Artworks, andere Kostüme oder sogar Bilder handeln, welche die Story weiter erklären können. Findet man nicht alle auf Anhieb, gibt es damit auch einen Antrieb um den Titel mehrmals durchzuspielen – auch weil man beim zweiten Mal sicherlich eine andere Sicht auf alles hat.

Journey – Schöne Landschaften und Gebiete, ohne Schal

Der Vergleich zu Journey kommt nicht von ungefähr. Auch RiME kann mit einem ähnlichen Stil glänzen und bietet dabei wunderschöne Panoramen. Der Cel-Shading/Comic Stil ist an manchen Stellen zwar dementsprechend grob, aber letztlich ist es ein Indie-Spiel und hat andere Stärken als nur die reine Grafikpower vorzuweisen. Beispielsweise gibt es einige unterschiedliche Gebiete mit einem anderen Setting. Da haben wir die fast tropische Insel mit einem schönen Strand und kristallklarem Wasser, aber auch eine öde Wüste, verborgene Unterwasser Gebiete oder auch verregnete Ruinen. Daraus ergibt sich ein runder Mix und sehr viel Abwechslung, gerade weil auch die Musik und sich damit die ganze Stimmung ebenso ändert. Insgesamt also sehr hübsch und künstlerisch, hinzu kommen die oben erwähnten Farben als Akzente – Es passt also zur Geschichte und das allein ist schon mehr, als bei manch anderem Spiel.

Auch der Sound gibt wenig Raum für Kritik. So passt er sich der Situation an und schafft stets eine passende Atmosphäre. Größtenteils ist er sehr ruhig und entspannend, außer es gibt mal die ein oder andere Actionreichere Szene. Die oben erwähnte Stimme von Enu als Gameplay Element ändert sich auch je nach Situation. Manchmal schreit er mit voller Kraft, in anderen Situation spürt man dann seine Ungewissheit und Angst. Weniger Toll ist dafür an einigen Stellen die Steuerung. Wie bei The Last Guardian, ist auch RiME manchmal etwas haklig bei der Steuerung und das ein oder andere mal sind wir wegen einer Kleinigkeit gestorben oder mussten die Taste mehrmals drücken, bis die Aktion erfolgte. Das hält sich aber insgesamt in Grenzen.

Ansonsten gab es einige Stellen bei der die Bildrate etwas runter ging und einmal ist das Spiel auch komplett abgestürzt – aber das ist in Anbetracht der Spielzeit noch im Rahmen. Apropos Spielzeit. Laut Entwickler Tequilla Works, beträgt diese beim ersten mal etwa 6-10 Stunden. Wir waren bereits in 5-6 Stunden fertig und konnten den Abspann bestaunen. Natürlich variieren die Zeiten, je nachdem wie schnell man die Rätsel knackt, doch bei einem Preis von 34,99 Euro muss man sich, trotz mehrmaligen durchspielen, überlegen, ob sich der Titel lohnt oder man lieber auf ein Angebot warten sollte.

RiME Review Test

RiME – Laufen, Klettern, Rufen und Puzzlen, mit Geshichte

Wer ruhige Spiele mit einer tieferen Bedeutung, wie Journey oder The Last Guardian mag, der wird auch RiME lieben. Der Kern des Spiels ist eindeutig die Geschichte und die lässt einem nach dem durchspielen auch kurz innehalten und nachdenken, statt nur Einheitsbrei zu sein. Das Gameplay bietet die klassischen Elemente wie Laufen und Springen, bekommt durch die Stimme aber auch ein weiteres Element für die Rätsel hinzu. Die sind das zentrale Spielelement und variieren von Einfach bis … weniger einfach. Trotzdem ist die Lösung meist in der Nähe und selbst wenn es etwas länger dauern und frustrieren kann, sind sie trotzdem nicht auf dem Niveau von Dr. Kawashimas Gehirnjogging, The Witness und Konsorten. Die Grafik ist künstlerisch und es gibt vieles zu bestaunen, gerade mit dem Sound kommt stets eine passende Atmosphäre zusammen. Der größte Kritikpunkt ist sicherlich das Preis-Leistungsverhältnis. Mit dem Preis von 34,99 Euro bekommt man zwar eine intensive Erfahrung, die dann aber nach einigen Stunden fast abrupt endet. Ist RiME aber im Angebot, dann solltet ihr spätestens dann zugreifen.

RiME Testbericht

RiME

  • Release: 26.05.2017
  • Genre: Adventure
  • Entwickler: Tequila Works
  • Publisher: Tequila Works

Gutes

+ Schöne Story die in Erinnerung bleibt
+ Atmosphäre durch Grafik und Sound super
+ Rätsel sind gut gemacht

Schlechtes

- Spielzeit etwas zu kurz
- Wegfindung kann manchmal frustrierend sein
- Steuerung etwas träge

8.1 / 10 Sehr gut

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