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Resident Evil 7 im Test – Zurück zu alter Form

Artikel von | Sonntag 29. Januar 2017 um 20:01 Uhr

21 Jahre ist es nun her, seit Chris Redfield und Jill Valentine das alte Herrenhaus in Resident Evil besucht haben. Seitdem ist viel passiert und auch die Resident Evil Reihe hat Veränderungen durchgemacht. Nachdem man mit Resident Evil 4 eine neue Richtung einschlug und wohl den Höhepunkt der Reihe erreicht hatte, ging es von da an stetig bergab. Immer weniger stand der Horror im Fokus und es wurde eher auf Action gesetzt. Seinen negativen “Höhepunkt” fand das Action Feuerwerk 2012 in Resident Evil 6. Bis auf das eher halbgare Resident Evil Revelations 2, war es seitdem sehr still um die Reihe. Doch nun hat das Warten ein Ende. Resident Evil 7 ist da und will sich auf alte Stärken berufen, dabei jedoch mit einer neuen Perspektive für einen frischen Anstrich sorgen. Ob Capcom das Experiment gelungen oder ob es endgültig vorbei für die Reihe ist, verraten wir in unserem Test.

Meine Frau, die Psychopathen und ich

Resident Evil 7 beginnt damit, dass der neue Protagonist, Ethan, eine Nachricht von seiner Frau Mia bekommt. Nachdem er dachte, dass sie tot sei, gibt es nun neue Hoffnung und er macht sich auf die Suche. Dabei verschlägt es ihn nach Louisiana. Hier findet er ein scheinbar verlassenes Anwesen und der Albtraum beginnt. Hier gibt es auch direkt die erste Parallele zu den klassischen Ablegern der Reihe. Wir erinnern uns, auch im Erstling fand man sich in einem Anwesen wieder. Während der anfänglichen Erkundung des Gebäudes werden dierekt ein paar Fragen aufgeworfen, da man hier und da Notizen und Bilder findet. Dieses Schema zieht sich durch das ganze Spiel, doch dazu kommen wir gleich nochmal. Ethan findet seine Frau wieder, doch sie ist verängstigt und will so schnell wie möglich entkommen und wenig später sehen wir auch warum. Denn das Anwesen ist natürlich nicht verlassen. Die Baker Familie bewohnt es und sind ganz besondere Gastgeber. Nachdem sie sich Mia und Ethan gekrallt haben, beginnt das Spiel erst richtig. Auch wenn sich die Situation geändert hat, bleibt das Ziel gleich – Mia wiederfinden und verschwinden. Soviel nun zur Prämisse des Spiel, mehr Details möchten wir auch gar nicht verraten.

Da wir gerade bei den Bakers waren, gehen wir kurz nochmal auf die Charaktere ein. Neben Papa Jack und Mama Marguerite, gibt es noch den Sohn Lucas, die Töchter Zoe und Eveline und das Großmütterchen. So ziemlich all diese Charaktere, wie auch Mia, wirken durchaus interessant, sind jedoch ein wenig dünn präsentiert. Besonders Ethan ist eigentlich nur Spiele-Protagonist 72, ohne jeglichen Wiedererkennungswert oder irgendeine Besonderheit. Das wird auch dadurch unterstrichen, dass seine Reaktionen oft sehr fragwürdig sind. Wenn Leon oder Chris ein Monster sehen und dann so wirken, als wäre es ganz normal, ist es ja verständlich. Bei Ethan ist es einfach nur seltsam, da es oft so wirkt, als würde ihn das alles nur marginal schocken. Stellt euch einfach mal vor, wie ihr reagieren würdet, wenn jemand verbrennt, geköpft oder zerteilt wird, aber immer wieder aufsteht und dabei noch lacht. Nun, für Ethan scheint das fast normal zu sein, da es ihn nach kurzer Zeit schon fast kalt lässt, dass er einen haufen kranke Scheiße erlebt. Mia ist da schon etwas glaubwürdiger, kommt aber nicht über der Rolle des armen Mädchens hinaus. Sie ist einfach nur die Motivation für den Spieler. Was die Bakers angeht, so wirken diese mit Abstand am interessantesten, da man wissen will, was mit ihnen passiert ist und wie und warum. Zwar werden viele dieser Fragen auch geklärt, doch wird das so plump getan, dass es wirklich etwas schade ist. So findet man oft die bereits erwähnten Notizen und Bilder. Nachdem sie anfänglich Fragen aufwerfen, sind sie später dazu da, um wichtige Handlungspunkte zu erklären. Umso schlimmer ist dabei, dass man diese durchaus mal übersehen kann und schon erfährt man manche Details einfach nicht. So sind sowohl Handlung, als auch die Charaktere durchaus interessant, hinterlassen jedoch einen faden Beigeschmack und ein paar offene Fragen. Es wird zwar noch 4 Erweiterungen geben, von denen nur 3 kostenpflichtig sind, doch wenn man diese braucht um das große Ganze zu verstehen, wäre das doch etwas mies.

Back to the Roots

Während seiner Suche muss Ethan sich vieler Aufgaben annehmen, die öfters auch mal an die alten Teile erinnern. So gibt es wieder versteckte Schlüssel, die spezielle Räume im Haus aufschließen und auch Rätsel sind hier und da mal vertreten. Item Management spielt wieder eine wichtige Rolle, da man nur begrenzt Gegenstände mit sich tragen kann. Doch zum Glück ist auch die altbekannte Vorratskiste wieder mit dabei. Wie gewohnt findet man diese in den sicheren Räumen, gepaart mit beruhigender Musik und Speichermöglichkeit. Heilung und Munition sind auch wieder Mangelware und sollten mit bedacht eingesetzt werden. Nicht selten ist es besser das Weite zu suchen, als sich jedem Gegner zu stellen, zu denen wir gleich nochmal im Detail kommen. Am Anfang ist Ethan nur mit einem mickrigen Messer bewaffnet, kennt man auch von früher, doch im Verlauf kommt er auch an andere Waffen. Mit dabei sind die bekannten Ballermänner wie Pistole, Schrotflinte oder Granatenwerfer. Munition für die Waffen kann nicht nur gefunden, sondern auch hergestellt werden, wo wir bei einem wichtigen Punkt angekommen sind. Im Verlauf des Spiels findet ihr verschiedene Materialien wie Kräuter, Schießpulver oder Brennstoff. Doch am wichtigsten sind die Chemikalien, denn ohne diese sind die eben genannten Materialien praktisch nutzlos. Chemikalien + Schießpulver bringt euch Munition, wohingegen die Kombination mit dem Kraut für Heilung sorgt. So kommt ein leicht strategische Note ins Spiel, da man immer genau überlegen sollte, was man aktuell am nötigsten hat.

Erschwert wird das ganze noch dadurch, dass ihr ja nur begrenzten Platz im Inventar habt und wenn ihr dann voll beladen vor einem wichtigen Schlüssel steht habt ihr die Wahl – Munition oder Heilung wegwerfen um Platz zu schaffen oder nochmal zurück zur letzten Vorratskiste laufen. Letztere könnte jedoch gefährlich sein, da ihr dann ja einen Weg doppelt laufen müsst und dabei trefft ihr dann höchstwahrscheinlich auf Gegner. Diese sind, leider, einer der enttäuschendsten Punkte im Spiel, da es eigentlich nur zwei Arten von ihnen gibt, wobei eine von ihnen, keine wirkliche Gefahr darstellt. Da wären erstmal die häufigsten Gegner, die Molded. Diese sehen ein wenig wie Teerklumpen in Menschenform aus und erinnern ein wenig an Zombies. Sie kommen zwar in ein paar verschiedenen Formen daher, doch im Kern sind sie eigentlich immer gleich. Bei der zweiten Art von Gegnern handelt es sich um Insekten, welche eher ein Hindernis, als eine Gefahr darstellen und auch nur in einem Abschnitt vorkommen. Natürlich gibt es auch Bossgegner und die sind größtenteils auch super gelungen, doch die normalen Gegner sind fast schon langweilig. Wenn ihr dann mal auf einen Gegner trifft, was mit Fortschritt des Spiels immer häufiger der Fall ist, gegen Ende sogar etwas zu häufig, habt ihr die Wahl – Kämpfen oder fliehen. Die Flucht müssen wir sicher nicht groß erklären, den Kampf aber schon.

Hierbei wird quasi wie in einem Ego-Shooter agiert, mit einem kleinen Unterschied. Ethan hat nämlich die Möglichkeit zu blocken. Dabei hält er sich die Arme schützend vors Gesicht oder den Körper und kann so den Schaden dämpfen, jedoch ist er dann für einen kurzen Moment handlungsunfähig, was bei mehreren Gegner problematisch werden kann, im 1 gegen 1 aber überlebenswichtig ist. Sollte der Gute doch mal zu viel Schaden eingesteckt haben reicht ein Blick ins Inventar, wo ihr durch eine Smartwatch angezeigt bekommt, wie es um Ethans Gesundheit steht. Dieser könnt ihr durch Steroide auch permanent erhöhen. Ihr findet sie sehr selten in der Spielwelt oder in Vogelkäfigen. Diese sind immer verschlossen und nur mit den antiken Münzen zu öffnen. Auch diese sind in der Welt verteilt. Für 3 Münzen gibt es dann beispielsweise die Steroide, für 9 hingegen gibt’s die Magnum und für 5 könnt ihr die Fähigkeit bekommen, schneller nachzuladen. Je nach Schwierigkeitsgrad gibt es verschiedene Items in den Käfigen und auch die Zahl der Münzen variiert. Neben Einfach und Normal gibt es noch den Irrenhaus Modus. Hier geht es richtig zur Sache und neben mehr Gegnern, sind diese auch anders positioniert und es gibt eine weitere Art Münzen. Mit diesen könnt ihr eure Attribute verbessern, quasi mehr Angriff oder Verteidigung. Dies ist aber nur im Irrenhaus Modus möglich. Dieser wird auch dadurch erschwert, dass ihr nur begrenzt Speichermöglichkeiten habt. Anders als bei Leicht und Normal, müsst ihr nämlich Kassetten verwenden zum speichern. Sie sind begrenzt und nehmen Plätze im Inventar ein. Wiederspielwert ist also gegeben und mehrmaliges durchspielen wird sogar belohnt. So gibt es zum einen mehrere Enden, aber auch freispielbare Gegenstände wenn ihr besondere Vorgaben erfüllt, wie bei den früheren Teilen. Übrigens gibt es noch andere Kassetten im Spiel als die zum speichern. Vereinzelt findet ihr VHS Kassetten und Videorekorder, mit denen ihr vergangenen Ereignisse nacherleben könnt und sogar selbst spielt, was eine nette Idee ist.

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Resident Evil VII Testbericht

Resident Evil VII

  • Release: 24.01.2017
  • Genre: Action, Horror, Survival, VR-Spiel
  • Entwickler: Capcom
  • Publisher: Capcom

Gutes

- Unglaubliche gute, anspannende Atmosphäre
- Super Optik gepaart mit subtilem, aber effektivem Sound
- Nette Ideen wie spielbare Flashbacks
- Erinnert spielerisch oft an die alten Teile

Schlechtes

- Viel zu geringe Gegner Vielfalt
- Gegen Ende zu wenig Horror und zu viel geballer
- Rätsel zu leicht und selten
- Handlung und Charaktere oft nur durch optionale Textdokumente näher beleuchtet

8.4 / 10 Sehr gut

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