Rainbow Moon – Review

Getestet von | 07.08.2012 um 00:00 Uhr

Immer wieder wagen sich Studios in Genre hinein, wo sie vorher einen großen Bogen darum gemacht haben. Ob die Entwickler von SideQuest – Studios die ersten Schritte in das Taktik Genre gut überstanden haben? Wir finden, ja.

Ein ferner Planet
Auch wenn die Geschichte von Rainbow Moon mit einem stylischen doch recht kurzen Comic Intro versehen wurde, wird sie später doch eher nebensächlich gestaltet. Ein Held namens Baldren kämpft auf einem fernen Planeten gegen seinen ärgsten Widersacher. Durch einen dummen Zufall aber schalten die beiden ein Portal auf und reisen auf dem exotischen Rainbow Moon. Wobei dieser „Mond“ nichts mit unserem Namensvetter gemeinsam hat. Denn dieser „Planet“ ist bevölkert von exotischen Tieren, Bevölkerung und vieles anderen. Nur das Dumme, als die zwei Kämpfenden das Portal geöffnet haben, wurden nicht nur der Held und sein Gegner auf den Mond transportiert, sondern auch ganz viele eklige Monster, die das Land jetzt überrennen. Baldren kann das, wie urtypisch für dieses Genre, nicht auf sich sitzen lassen und sucht einen Weg, um in seine alte Heimat zurückzukehren, Rainbow Moon von diesen ekligen Monstern zu befreien sowie auch endlich seinen Erzfeind zu besiegen. All dies macht er im klassischen Sinne nicht alleine, sondern im Verlauf der Story stoßen die üblichen klischeehaften Gruppenmitglieder dazu, die ihm tatkräftig unter die Arme greifen. Doch bevor das Ganze so richtig interessant wird, beißt man sich seine Zähne an dem doch recht zähen Einstieg aus. Rainbow Moon ist nichts Anderes als ein klassisches Taktik JRPG, das sehr wohl mit den Genreplatzhirschen eines Tactic Orgre oder dem Final Fantasy Strategie Ableger Lions War mithalten kann. Auch wenn das Spiel nicht an die oben genannte Qualität heranreichen mag, müssen sich die Entwickler dafür nicht verstecken.

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Klassischer Spielverlauf
Zwar ist der Spielverlauf recht klassisch gehalten, bekommt aber hin und wieder was Neuartiges spendiert. Das fängt schon am Anfang des Spiels an. Man wird fast erschlagen von der Möglichkeit seinen Schwierigkeitsgrad zu wählen. Sowohl für Neuanfänger bis zu den Hartgesottenen dieses Genres findet man den passenden Schwierigkeitsgrad, samt kleinere Einstellungen, die vor allem dem Anfang der Geschichte zu Gute kommt. So darf der Spieler einstellen, ob er mehr EXP erhält, mehr Items am Anfang zur Verfügung hat oder schon gewisse Fähigkeiten in seinem Repertoire vorhanden sein sollten. Doch kaum hat man diese erste Hürde übersprungen, kommt der erste große Dämpfer. Es ist zwar wunderbar auf Englisch zu genießen, da aber deutsche Entwickler an diesem Spiel gearbeitet haben, ist es verwunderlich, dass die Textnachrichten und auch sonstige in Englisch gehalten wurden. Zwar wird man selten überfordert von den Texten, aber hin und wieder erscheinen Quests, bei denen man nicht genau weiß, was man nun genau erledigen sollte. Auch die Quests selbst, die man erledigen muss, sind Altbekannte. So muss man hin und wieder Items, Gegenstände oder Personen suchen oder finden, das besagte Stück wieder zurückbringen, sammeln oder simpel einfach jemanden um die Ecke bringen. Doch die meisten Nebenquests werden nicht einfach so aufgeschaltet, man muss sie aktiv suchen. Die meisten Einwohner von Rainbow Moon haben kleinere Quests auf Lager, wo man hin und wieder darauf stößt, wenn man etwas Passendes erledigt hat oder per Zufall herangekommen ist. Rainbow Moon hat zwar eine lineare Storytelling, aber alles drum herum ist im Open-World-Fieber gehalten. Der Spieler entscheidet selbst, welches Gebiet er erkunden möchte, ob er jetzt der Hauptstory nachgeht oder einfach die Umgebung nach Item, Gegenstände oder eben Nebenquests absucht. Denn davon gibt es genügend. Vieles wird auch gebraucht, um seinen Heldentrip auf Rainbow Moon angenehm gestalten zu können. Das Einzigartigste an dem Spiel ist, dass die Helden Proviant mit sich herumtragen müssen. Denn ihr Essverhalten sollte man stets im Auge behalten. Sinkt die Leiste gen Null, werden die einzelnen Helden unbrauchbar, brauchen für jede Aktion doppelt so lang und ziehen auch nicht mehr genügend Lebenspunkte ab. In den Dungeons braucht man dringend ein paar Fackeln, um sich orientieren zu können und nicht alle paar Meter in Gegner reinzulaufen. Items, die die Gegner fallen lassen, können verkauft werden, doch die besten Items mit hohen Attributen sollte man für die Ergänzung der Waffen und Ausrüstung zurückbehalten. Denn hin und wieder geistern auf der Weltkarte die üblichen Händler herum, die man auch sonst in jedem RPG zu Gesicht bekommt. So gibt es Heiler, Hotelier, Verkäufer von Items / Fähigkeiten, sowie einen Level Up Verkäufer. Der Level Up-Verkäufer ist dafür da, um seinen eigenen Held noch ein bisschen mehr zu individualisieren als sonst. Durch jede Tötung bekommt man eine oder mehrere Regenbogenperlen. Mit diesen Perlen kann man zusätzlich seine Stärke, Geschwindigkeit, Glück oder sonstiges in kleinen Schritten erhöhen. Doch nur der Charakter, der den Kill gemacht hat, wird schlussendlich mit diesen Perlen belohnt.

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Taktisches Gameplay von gestern?
Zu Beginn des Abenteuers schlägt man sich urtypisch alleine durch die Gegnerhorden. Solange man alleine auf Rainbow Moon zwischen den Sträuchern hindurchrennt, ist der taktische Touch gleich Null. Sobald die ersten Stunden verflogen sind und das erste Partymitglied sich dem Helden angeschlossen hat, fängt das Kampfsystem an sich langsam aber stetig sich zu entfalten.
Es gibt zwei Möglichkeiten sich in Kämpfen zu verstricken. Die eine Möglichkeit ist, die Gegner, die auf der Weltkarte herumlaufen, gleich anzugreifen oder ihnen aus dem Weg zu gehen. Die zweite Möglichkeit ist der Zufallsmodus. Der Zufallsmodus läuft ständig nebenbei und zeigt immer nach ein paar Metern eine Gruppe an Gegnern, die man bekämpfen kann. Diese Möglichkeit braucht man vor allem, wenn es darum geht, die Partymitglieder in der Stufe zu erhöhen, da die Gegner, die frei herumlaufen nicht wirklich respawnen und wenn doch, so sind die Gruppen viel zu leicht zu schlagen. Sobald die Truppe auf drei Mitglieder angewachsen ist, fängt der Spaß erst richtig an. Doch leider muss man sich mit der maximalen Anzahl von drei Mitstreitern in der Party begnügen, auch wenn man mehrere Charaktere zur Verfügung hat. Der Kampfverlauf ist stetig derselbe. Kaum hat man die Herausforderung angenommen, wechselt man von dem Planeten zu einer Arena, wo man in isometrischer Ansicht seine Helden durch das Spiellevel scheucht. Im klassischen, rundenbasierten Modus, kommt jeder Charakter nacheinander zum Zug. Man hat genügend Zeit, um seine nächsten Angriffe, Verteidigung oder Unterstützung vorauszuplanen, sofern man die passenden Attribute vorher gekauft und der richtigen Person zugeordnet hat. Auch sonst birgt das Kampsystem nichts Neues. So sind die Angriffe wie üblich, die Spezialleffekte tödlich und die Unterstützungsmagie, die man hin und wieder bekommt lebenswichtig. Doch auch die Gegner haben ein großes Repertoire an Fähigkeiten, die sie ohne Wenn und Aber einsetzen. Zwar durchschaut man die KI recht schnell, doch bei den zahlreichen Bossen, die verteilt worden sind, beißt man sich hin und wieder die restlichen Zähne aus.

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Kleinere Unreinheiten
Wie schon mal genannt, ist Rainbow Moon ein klassisches taktisches JRPG mit feinem Open-World-Aspekt. Die Spielwelt ist in einem malerischen Comic-Touch gehalten und erstreckt sich über mehrere Inseln. Dank dem Schiffsverleiher und der Warp-Portale wird die Reise zwischen den einzelnen Gebieten oder Inseln deutlich vereinfacht. Wer die Umgebung sorgsam abgrast, findet nebst Münzen auch Items, Ausrüstungen und spezielle Fähigkeiten, die man für die Charaktere freischalten kann. Doch so schön das Ganze auch klingen mag, Rainbow Moon kann einen für eine bestimmte Zeit lang fesseln, flaut aber mit jeder Spielstunde ab, bis man genervt ist vom ganzen durchschaubaren Gameplay, denn man muss sich vieles merken. Sei es die Position in den Dungeons, die Angriffsmöglichkeiten der KI, die Orte zur Vollendung der Nebenquests. Aber auch simple Features wie das Essen nerven mit der Zeit, da der Platz für diese Items doch recht eingeschränkt ist. Auch, dass die maximale Anzahl an Mitkämpfern stark begrenzt ist, oder dass der Level Up Verteiler erhebliche Nachteile für Charakterklassen, die heilen oder unterstützen, birgt. All dies sind zwar kleine Sachen können, aber im Verlauf der Spielstunden erheblich nerven. Denn mit Rainbow Moon ist man lange beschäftigt. Denkt man, dass man nach gut 20 Stunden langsam aber sicher dem Ende entgegenkommt, so muss man mit Schrecken feststellen, dass das Spiel immer noch am Anfang verweilt. Rainbow Moon kann man für wenig Geld im PlayStation Network erstehen, und man ist mit Sicherheit einige Monate damit beschäftigt.

Gutes

- Kunterbunte Anime-Welt
- Simples, einfach zu verstehendes Gameplay
- Open-World-Aspekte

Schlechtes

- Zäher Einstieg
- Monotones Gameplay
- Nur auf Englisch zu haben

8.0 Sehr gut

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