Menü

Race Driver: GRID – Review

Artikel von | 27.04.2009 um 00:00 Uhr

Wie lange schon, warten wir auf eine Rennsimulation in Edeloptik mit Lizenzrennern und realistischem Schadensmodell? Die Autohersteller waren damit bisher nicht so ganz einverstanden. Offensichtlich ist es keine gute Werbung, wenn der frisch erschienende M5 auf einem Flachbildschirm als rauchendes Wrack im Graben liegt. Diese Ängste der Automobilindustrie scheinen überwunden und unsere Gebete wurden erhört. Codemaster liefert mit Race Driver: GRID eine Fahrsimulation, die all unsere Wünsche in einem Spiel vereint. Ob das Spiel der Renner wird, sagt euch das Team von PS3INSIDE.de.

Eierlegende Wollmilchsau

Auf den ersten Blick kann GRID nicht beim Innovations-Cup auf dem Siegespodest landen. Der ganze Umfang des Spiels kommt erst nach der obligatorischen Profil-Erstellung und ein paar Versuchen auf freier Strecke zum Vorschein. Hat der frisch erschaffte Fahrer sich seine ersten Sporen auf der Strecke verdient und ordentlich Händler-Angebote bekommen, kann dazu gleich das eigene Racing-Team erstellt werden. Und zwar mit allem was dazu gehört. Das äußere Erscheinungsbild der Team-Cars kann, genau wie die Sponsoring-Verträge, nach eigenem Geschmack verändert werden. Mit der ganzen Mannschaft geht es dann rund um den Globus auf Trophäenjagd. Die Veranstaltungen werden auf dem nordamerikanischen Kontinent, in Europa und in Asien abgehalten. Der Umfang der Disziplinen ist recht protzig. Neben den normalen Rennen und der Jagd nach der besten Rundenzeit, geht es in fetten Muscle-Cars auf die Strecke. Drift-Events gehören ebenso zum Stundenplan. Touge-Rennen werden in Asien abgehalten. Hierbei handelt es sich um Kopf-an-Kopf-Wettkämpfe auf engen japanischen Bergstraßen. Die 24 Stunden von Le Mans dürften wohl auch jedem ein Begriff sein. Am Ende jeder Saison wartet diese Herausforderung auf unseren Titelaspiranten. Wer dann noch ein wenig Kraft oder vielleicht sogar Frust hat, dem sind die Crashderbys zu empfehlen. Völlig egal wie: Hauptsache man schafft es irgendwie über die Ziellinie. Nebenbei müssen selbstverständlich der Fuhrpark gepflegt und erweitert, Sponsor-Gelder verwaltet und neue Team-Kollegen eingestellt werden. Das sind die Aufgaben, die in der GRID-Welt auf den Spieler warten. Es ist wieder einmal das selbst erklärte Ziel, bester Fahrer und bestes Renn-Team der Welt zu werden. Außerhalb dieser Disziplin kann ein einzelner Renntag erstellt und ein ins Auge gefasster Wagen auf einer Testfahrt auf Herz und Nieren geprüft werden. Hat man die KI des Spiels dann irgendwann satt, kann sich natürlich noch online mit anderen Fahrern gemessen werden. Für diesen Stundenplan steht ein umfangreiches Angebot von Fahrzeugklassen zur Verfügung. Der normale Tourenwagen wirkt neben Muscle-Car und Formel-Flitzer geradezu stiefmütterlich.

Screenshot

Lass es krachen

Das Team von Codemasters hat sich als oberstes Ziel „realistisches Schadensmodell“ auf die Fahnen geschrieben. Sämtliche Fahrzeuge zeigen nach Kollision natürliche Verschleißerscheinungen in Form von Beulen, Dellen, Kratzern und abfallenden Karosserieteilen. Der Zustand des Wagens wirkt sich auch auf das Fahrverhalten aus. Der Kollege aus der Boxengasse informiert uns ständig über die Schadenslage und bei Totalschaden gibt es ja noch die Rückblende. Bewegt sich die Karre kein Stück mehr, kann der Spieler einfach zurückspulen bis zu dem Moment, wo das Unglück seinen Anfang nahm. Ein Druck auf die Viereckstaste genügt und schon tun wir einfach mal so, als wäre nichts gewesen. Das gibt kleine Abstriche im Realismusbereich aber ein dickes Plus im Fahrspaß. Aufgrund recht knackigen Schwierigkeitsgrades hält diese Funktion den Frustfaktor niedrig. Es gibt je nach Schwierigkeitsgrad nur eine begrenzte Anzahl an Rückblenden und da niemand gezwungen wird, von diesem Feature Gebrauch zu machen, gibt es von uns dafür ein: Daumen hoch! Die Rennen sind alle gut zu schaffen. Nur bei den Prämien stellt sich die KI ein wenig zickig an. Selbst im leichtesten Schwierigkeitsgrad ist es gar nicht so einfach, diese zu erreichen. Für absolute Frischlinge im Rennbereich kann das schon mal nervig sein. Aber zur Not ist da ja noch die Rückblende. Leichte Abstriche im Realismus gibt es auch für das Fahrverhalten der Fahrzeuge. GRID ist zwar kein Arcade-Racer, an das Fahrverhalten von Gran Turismo oder Colin McRae kann Codemasters Werk aber nicht ganz heran reichen. Auf sandigem Untergrund oder dem Rasenstreifen drehen sich die Renner schon mal im Kreis. Auf trockener Fahrbahn lassen sie sich aber auch ziemlich leicht in der Spur halten. Selbst ohne Fahrhilfen. Hier scheint das Drift-Verhalten der Boliden doch eher im Vordergrund zu stehen.

Screenshot

Heiter Sonnenschein

Für ein dynamisches Wettermodell war kein Platz mehr. Auf der ganzen Welt scheint ständig die Sonne. Da sich das Fahrverhalten unter den verschiedenen Klassen aber nur marginal unterscheidet, wäre eine realistische Umsetzung der Regeneffekte wohl eh nicht zu erwarten gewesen. Das Wetter-Minus wird aufgrund der grandiosen Grafik auch schnell wieder vergessen. GRID sieht richtig gut aus! Die Licht- und Schatteneffekte auf den polierten Lacken der Rennwagen sehen genauso gut aus wie bei GT5 Prologue. Der Unterschied ist aber, dass Lack und Allgemeinzustand des Fahrzeugs am Ende des Rennens meist nicht mehr so gut aussehen wie bei GT5 Prologue. Bei Hochgeschwindigkeitsfahrten gerät man fast in einen Temporausch. Das Geschwindigkeitsgefühl wird gut wiedergegeben. Die Effekte der durchdrehenden Reifen und der Gummiabrieb auf der Fahrbahn gehören selbstverständlich auch mit zum Programm. Etwas weniger Tearing hätte der Grafik gut getan. Dafür läuft GRID auf konstant satter Framerate. Tausende von Zuschauern säumen die Strecke und sind am Fotografieren und Jubeln. Die Fankulisse ist auch situationsbezogen. Das normalerweise gleich bleibende Jubeln schwankt schnell in entsetztes Aufschreien um, wenn unser Team-Leader seinen Renner in die Reifenmauer setzt. Die Sounds der Fahrzeuge klingen aber leider alle irgendwie gleich. Die Kommandos über Funk aus der Boxengasse sind glasklar und geben während des gesamten Rennens Auskunft über Platzierung und Zustand des Wagens. Viel wert wurde auf das Schadensmodell gelegt. Die Bandbreite reicht vom Kratzer oder leichten Riss in der Windschutzscheibe bis hin zur fehlenden Frontschürze oder Stoßstange. Hängt diese noch am seidenen Faden, bewegt sie sich physikalisch korrekt in jeder Kurve, bis sie dann letztendlich doch das Zeitliche segnet. Herumliegende Autoteile oder gar ganze Wracks sind besonders bei den Crash-Events eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Insgesamt hat GRID genug Effekte unter der Haube. Die Grafik ist vom Feinsten und der Sound ist auch nicht zu verachten.

Auf zur Massenschlacht

Bei einer Rennsimulation darf ein vernünftiger Mehrspielermodus natürlich nicht fehlen. Dieser kann online oder via LAN bestritten werden. Ein Splitscreen-Modus fehlt wieder einmal. Die obligatorischen Funktionen für das Erstellen, den schnellen Beitritt und die erweiterte Benutzersuche sind mit an Bord. Zusätzlich können in einer privaten Sitzung Außenstehende ausgeschlossen werden. Die eigentlichen Rennen können wieder normal oder mit Wertung gespielt werden. Die Events laufen ruckelfrei für bis zu zwölf Mitspieler. Ansonsten bietet der Online-Modus keine nennenswerten Neuerungen.

Screenshot

Phönix aus der Asche?

Die Race Driver Serie wurde mit „GRID“ komplett überarbeitet. Codemasters entfernt sich ein wenig von Realismus pur und nähert sich der Burnout und NFS-Riege. Zumindest beim Fahrgefühl lassen sich die Ähnlichkeiten nicht verleugnen. Colin McRae ist mit dieser Taktik bei DIRT auch gut gefahren. Diese Art von Rennsimulation macht einfach nur Spaß. Ein authentisches Rennerlebnis sieht dagegen anders aus. Deshalb sollten die absoluten Realismus-Fetischisten einen Bogen um GRID machen. Die breite Masse wird dieses Spiel jedoch ansprechen: Geniale Optik an Autos, die sich keiner leisten kann, gepaart mit einem richtig guten Schadensmodell… klasse! Die Team-Funktionen hätten ruhig ein wenig vielfältiger ausfallen können aber ansonsten gibt es nichts zu meckern. Codemasters Werk ist nicht perfekt aber durchaus zu empfehlen.

Race Driver: GRID Testbericht

Race Driver: GRID

  • Release: 30.05.2008
  • Genre: Rennspiel, Simulation
  • Entwickler: Codemasters
  • Publisher: Codemasters

Gutes

Realistisches Schadensmodell
Dickes Lizenzpaket
Gelungene Optik

Schlechtes

Keine Wettereffekte
Kein Splitscreen
Realismusgrad „mittel“

8.5 / 10 Sehr gut

Deine Meinung? Let's Chat!

Jetzt einloggen oder registrieren um ein Kommentar zu schreiben

Anmelden