Pro Evolution Soccer 2015 im Test – Die wahre Simulation für Fußballer?

Getestet von | 19.12.2014 um 18:01 Uhr

Jedes Jahr ist es in der Videospiel Branche eigentlich fast das Gleiche: Call of Duty gegen Battlefield, Assassin’s Creed gegen den Rest oder auch der Klassiker: FIFA gegen Pro Evolution Soccer. Dieses Jahr sind die Verhältnisse jedoch bei allen Kämpfen etwas verschoben. Battlefield erscheint erst im nächsten Jahr, Ubisoft bremst sich selbst aus und PES kommt mit Sicherheitsabstand gegen FIFA und dazu noch einem kompletten Makeover. Ebenso neu ist, dass ich diesmal die Ehre hab den Fußball-Simulations Kampf mit PES gegen FIFA zu vertreten – obwohl ich seit PES 6 kaum einen Ableger über mehrere Stunden spielen „konnte“. Ob ich nun durch PES 2015 zum PES Fan werde, wie vielleicht viele andere oder doch eher froh bin, wieder FIFA zu spielen? Das erfahrt ihr im folgenden Test zu Pro Evolution Soccer 2015.

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Wo…Wo….Wo sind jetzt die Lizenzen?

Nun, wir starten eigentlich direkt auch mit dem wichtigsten Punkt und gleichzeitig auch der größten Kritik an PES 2015, wenn man denn so will. Das sind natürlich die Lizenzen. Vor vielen Jahren war die Regel etwa wie folgt: „FIFA und EA haben die Lizenzen, PES und Konami jedoch die bessere Fußball Simulation“. Das hat sich dramatisch seit PES 2008 geändert und auf der PlayStation 3 konnte PES nie an die alten Teile heranreichen oder den direkten Konkurrenten FIFA überhaupt das Wasser reichen. Die Krönung war dann im letzten Jahr PES 2014. Konami hat den Titel damals mit Absicht vernachlässigt, um noch mehr Arbeit und Zeit in PES 2015 zu stecken, dem Grundstein für künftige Titel und Next-Gen Konsolen. Die Lizenzen jedoch konnte man kaum verändern, da EA bis mindestens 2018 noch die Rechte an den meisten Ligen hält. Dennoch hat sich Konami vor allem für eines eingesetzt: Die Rechte an der Champions League und Europa League. Das sieht dann im Spiel so aus, dass man einen Verein wählen kann und mit diesem entweder die bekannte europäische CL oder eben einen Ableger aus Amerika oder Asien spielen kann. Das ist auch gut gelungen, denn wer kennt sie nicht, die weltweit bekannte Champions League Hymne, die bei jedem Spiel läuft? So auch im Spiel selbst und damit entsteht eine schöne Inszenierung, die sich durch den ganzen Wettbewerb zieht und ein schönes Erlebnis rund um den Ball gewährt.

Kritik daran ist aber ganz klar, dass selbst hier eine Lizenzlücke existiert, die besonders uns Deutsche hart trifft. Zwar sind Vereine wie Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United, Bayern München, Schalke oder natürlich auch Makabi Tel Aviv (die feste Größe im Europäischen Fußball) komplett mit Trikot, Spielern, Werten und ähnlichem im Spiel enthalten – jedoch fehlen entscheidende wichtige Konkurrenten. In England hat man das so gelöst, wie man es aus PES kennt: Aus Arsenal FC wird North London, aus Manchester City wird Man Blue und Liverpool kurzerhand zu Mercyside FC. Wappen, Trikot und Name des Vereins sind anders und damit kann man leben, da die Spieler mit Namen und Werten zumindest spielbar sind. Anders jedoch in Deutschland. Bayern München, FC Schalke und Bayer Leverkusen – das wars auch schon. Die Aufmerksamen unter euch werden sich natürlich Fragen: Hat man etwa Borussia Dortmund vergessen, die vor zwei Jahren sogar fast die Champions League gewonnen und auch aktuell gut dabei sind? Nein, eher hat sie Konami vergessen, beziehungsweise einfach nicht ins Spiel genommen. Auch ein „Ruhepott 09“ für den BVB 09 oder ähnliches sucht man vergeblich. Selbst die Europa League ist komplett von Deutschen Vereinen befreit, eine Manager-Karriere in der Bundesliga kann man in PES vergessen, außer man will mit Bayer Leverkusen die spanische Liga rocken. Hier stellt sich eben die Frage: wie sinnvoll oder spaßig ist eine Champions League/ Europa League mit Lizenz wenn nicht einmal alle realen Vereine dabei sind, sondern dafür kleinere aus unwichtigeren Ländern? Man stelle sich mal Herr der Ringe ohne Frodo vor, nun, auf Wiedersehen Mittelerde. Man merkt einfach deutlich wie sehr man die Lizenzen dann doch braucht, um ein Fußball Spiel auch wirklich an den Käufer zu bringen und wie viel sowas ausmacht. Wer also Gladbach, Dortmund, Stuttgart, Hamburg oder sonst ein Fan deutscher Clubs ist, aber kein Problem hat, mit anderen Mannschaften zu spielen, dem wird das natürlich egal sein. Aber ist trotzdem einfach schade, wenn man sich mal überlegt, wie viele Käufer allein wegen der fehlenden Mannschaften stets zu FIFA greifen, trotz des womöglich besseren Gameplays bei PES – zu dem wir jetzt kommen.

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Pro Evolution Soccer ist tot – lang lebe Pro Evolution Soccer 2015!

So schlimm, so unfertig, so komplett falsch es auch war, Pro Evolution Soccer 2014 als unfertiges Spiel auf den Markt zu hauen, so richtig war die Entscheidung von Konami sich beim nächsten Ableger mehr Zeit zu lassen. Nicht nur eine Veröffentlichung die später stattfand, sondern auch eine komplett neue Engine, viele Gameplay Neuerungen und Verfeinerungen kamen deswegen hinzu. Hier kommt auch der Punkt, an dem wir meisten hadern müssen. Auf der einen Seite sind beides Simulationen und drehen sich um Fußball, doch der Ball dreht sich ganz schön verschieden. FIFA ist schnell, es bietet den besseren Einstieg für Anfänger und bietet sofortigen Spaß durch viele Hilfen und auch einfachen Ballführung. PES ist hingegen fast schon etwas träge, es hängt viel vom Können des Spielers ab und während ein Anfänger zwar gegen den CPU 4:0 gewinnt, kann ein online Spiel gegen einen Profi schnell mal 0:10 enden. Viele Details entscheiden hier, ohne Übung geht nichts. Man kann in den Einstellungen viele Hilfen und Nebensächlichkeiten deaktivieren und dadurch eben freie Hand über seine Spielart erhalten und ist nicht ganz so begrenzt. Es ist eher ein Spiel für Fußball-Puristen und Taktiker, als für kleinere Fußball-Fans, die nur mal etwas spielen wollen. Ohne Übung und Erfahrung geht nichts und wenn ihr mal gegen einen richtig guten Spieler verliert, dann merkt ihr auch wie viel ihr noch lernen könnt und welche Fehler ihr künftig vermeiden solltet.

Wie kann man den Unterschied am besten erklären? Bei PES hat man die Kontrolle über den Ball, bei FIFA eher Kontrolle über den Spieler. Bei PES 15 wirkt es so, also sei der B Ball frei – er ist unabhängig vom Spieler und klebt nicht am Fuß, es spielt sich eben wie eiin richtiges Fußball Spiel. Spieler reagieren realistisch und je nachdem was man nun drückt, kann man anders reagieren. Sei es ein Dribbling, Ballahname, Stoppen, Schießen – hier hat es Konami wirklich gut geschafft das Fußball Erlebnis realistisch zu gestalten. Es gibt einfach nicht dieses feste Schema wie es bei FIFA nunmal der Fall ist. Es ist das Spiel für den Fußballer, der weiß, wie er sich wann verhalten muss, damit der Ball ihm dann folgt. Schüsse sind dann auch Bälle die herum fliegen und keine berechneten Aktionen, die den Ball so fliegen lassen, wie eben der Spieler einfach nur gedrückt hat und durch Ziel und Schusshilfen assistiert wird. Es ist einfach für den Profi gedacht, denn sowohl in der Defensive, als auch Offensive, kann man gegen einen erfahrenen Spieler keinen Stich sehen und das nicht durch die Mitspieler-KI oder „Totale Defensive“, sondern durch das Steuern der eigenen Spieler.

Jedoch hat dieses freies Steuern von Spieler und Ball eben auch ein paar Nachteile, die gerade die KI betreffen. Nennen wir es an dieser Stelle mal den „erzwungenen Ballgewinn“, dieser läuft dann wie folgt im Spiel ab: Spieler 1 hat den Ball und läuft auf Spieler 2 zu. Spieler 2 berührt zwar den Ball, aber haut weder den Gegenspieler weg, noch kann er klar den Ball für sich gewinnen, da der Ball 1-2 Meter von den beiden weg rollt. Da jedoch Spieler 1 den Ball verloren hat, bewegt sich dieser kein Stück und bleibt stur stehen, bis zu dem Moment, wo Spieler 2 zum Ball laufen kann und ihn trotz größerer Entfernung locker erreicht, da Spieler 1 sich ja nicht bewegt. Solche Situationen kommen öfter mal vor und es scheint beinahe so, als ob die KI danach nicht wüsste was zu tun ist und überfordert wäre, da der Ball zwar nicht wirklich weg ist, der Zweikampf für ihn jedoch verloren ist. Ebenso hat diese Ballfreiheit den Vorteil, dass man Pässe frei und nach beliebig durch Feld hauen kann. Das sorgt natürlich bei der Verteidigung für große Probleme, da diese ab und an mehr Lücken als ein Schweizer Käse hat.

Hinzu kommen jedoch manche komische Situationen, wo der Ball einfach 5 cm an einem Verteidiger vorbei kullert, ohne dass dieser überhaupt zuckt, anstatt einfach den Fuß rein zu stecken. Ähnlich fühlt es sich bei dem Torwart an, der die meisten Probleme mit einem Halbstarken, Halbpräzisen und Halbflachen Schuss direkt neben sich hat.Ein Schuss in den Winkel gilt dann fast schon als Risiko-Variante da der Torwart ansonsten echt gut halten kann. Es wirkt manchmal einfach so, als wäre die KI nicht schlau genug, um auf bestimmte Situationen zu reagieren. Besonders online fällt es auf, da man oft einfach einen Pass mitten durch die Abwehr durch bekommt und gegen einen schnellen Spieler wie Ronaldo oder Messi nicht mehr verteidigen kann. Sind beide Spieler jedoch auf einem hohen Niveau, so finden extrem spannende und anschauliche Spiele statt – da fliegen Bälle herum und nachdem man drei Lupfer über 30 Meter gespielt hat und einen Volley als Abschluss noch von außerhalb reinmacht, bewundert man das Tor zwar, weil sowas in FIFA beispielsweise nicht möglich ist, aber leider auch im echten Leben nicht ganz. Wer einmal Fußball gespielt hat, der wird diese Freiheit lieben und wissen, wie er in der ein oder anderen Situation reagieren soll.

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Gutes

+ Sehr realistisches Gameplay
+ Durch Erfahrung wird man stets besser (kein Momentum)
+ Super Aufmachung auf und neben dem Platz
+ Champions League Lizenz bringt Stimmung

Schlechtes

- Wie immer fehlende Lizenzen
- Etwas schwerer Einstieg für Einsteiger
- Menues und Kommentatoren nicht so prickelnd

8.9 Sehr gut

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