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Pro Evolution Soccer 2012 – Review

Artikel von | 01.10.2011 um 00:00 Uhr

Der Rasen ist gemäht, die Schuhe sind geputzt und das Leder hat den richtigen Luftdruck. Es ist Zeit, die neue Saison einzuläuten. Anwärter auf den Meistertitel der Saison 2011/2012 sind wieder die gleichen Teams, die seit Jahren um die Schüssel kämpfen. Den Anstoss im ersten Spiel hat heute Konami und die zweite Halbzeit wird dann EA Sports beginnen. In der ersten Hälfte nehmen wir also Pro Evolution Soccer 2012 unter die Lupe. Wir haben die Mannschaft von Konami auf Herz und Nieren geprüft und werden beim Halbzeitpfiff unsere Einschätzung der Hardcore-Simulation abgeben. Wer wissen will, wie sich PES in dieser Saison auf dem Spielfeld macht, liest am besten einfach weiter.

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Die Aufstellung

Der erste Blick auf das Menü scheint vertraut. Neu ist der Welt des Fussball – Modus, der unter anderem die bekannten Spielvarianten Werde zur Legende und Meister-Liga beinhaltet. Außerdem ist dort der neue Klub-Boss – Modus enthalten. Nachdem die Karriere als Spieler und als Trainer in den vorgenannten Spielvarainten gestartet werden kann, kann der neue Klub-Boss mit den Finanzen jonglieren und den bevorzugten Klub zumindest auf dem Papier ganz nach vorne bringen. Die Trainingsaufgaben sind auch zurück und geben gleich zu Beginn einen guten Überblick über die neuen spielerischen Möglichkeiten in PES 2012. Die neuen Spielvarianten fallen etwas mager aus. Das ist aber nicht so tragisch, weil PES schon immer einen dicken Umfang hatte. Endlich erhalten auch die sozialen Netzwerke Einzug in unsere Videospiele. Über myPES können via Facebook Spielstatistiken im Freundeskreis verglichen und eigene Turniere und Ligen erstellt werden. Da muss jeder selber wissen, ob er das braucht?! Die klassischen Spielvarianten der Meister-Liga und Werde zur Legende haben keine großen Neuerungen erfahren. Konami versucht, den tristen Fussball-Alltag durch Interviews, Konferenzen und Gesprächsrunden aufzulockern. Das gelingt aber nur bedingt. Die Events wirken stocksteif, sehen immer gleich aus und verleiten nach einer gewissen Zeit dazu, einfach nur schnell auf Weiter zu klicken. Zu den Lizenzen muss nicht mehr viel gesagt werden. Dieses Jahr ist die Champions League mit dem FC Bayern und Bayer Leverkusen mit an Bord. Ansonsten verschafft nur noch die Nutella-Werbung an den Banden für so etwas wie realistisches Marketing-Feeling des heutigen Fussballs.

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Gar nicht so einfach

Der Spieler von Pro Evolution Soccer will keinen Arcade-Kick. Der Spieler von Pro Evolution Soccer will knallharten Realismus, gepaart mit kompletter spielerischer Freiheit. Und genau das bekommt der Spieler von Pro Evolution Soccer 2012. Die Steuerung ist bockschwer und nicht gerade fehlerverzeihend. Das ist nichts Neues. Bei PES 2012 werden aber auch viele Konami-Veteranen während der ersten Matches auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ergebnisse im zweistelligen Bereich sind die absolute Ausnahme. Wie im echten Fussball eben. Neu ist, dass der Spieler nun auch unmittelbar das Teamwork steuern kann. Mit der Mitspieler-Steuerung kann entweder der nächste Mann direkt zum Tor geschickt oder sogar manuell die Laufrichtung festgelegt werden. Zusätzlich können freie Mitspieler mittels R3 direkt in den kommenden Steilpass geschickt werden. Das hört sich nicht nur kompliziert an. Das ist es auch und erfordert dementsprechend viel Übung. Letztendlich sind aber genau diese Feinheiten das bisschen Freiheit, was die Fans von PES so lieben. Beim ballführenden Spieler kann mit R2 das Dribbling gesteuert werden, sodass Antäuschungen, Geschwindigkeitswechsel und Spitze, Hacke, eins zwei drei den Gegner zur Verzweiflung bringen. Die Steuerung ist enorm verbessert worden. Das beinhaltet jedoch auch jede Menge Frustration in den ersten Spielstunden. Bis die neuen Kniffe in Fleisch und Blut übergegangen sind, wird wohl auch der PES-Profi einige Zeit auf dem Trainingsplatz verbringen müssen.

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Spielen wie Flasche leer

Die unzähligen taktischen Möglichkeiten sind nur dann befriedigend, wenn sie spielerisch stark umgesetzt werden. Daran haben wir bei PES 2012 allerdings unsere Zweifel. Die KI der eigenen Mitspieler ist sowohl im Legenden-Modus als auch in der Meister-Liga teilweise unverständlich. So läuft der ballführende Mitspieler häufig direkt auf der Aus-Linie, was zu häufigen Spielabbrüchen und Einwürfen führt. Auch in der Abwehr wissen die Flügel manchmal nicht, was die Mitte macht. So führen gelegentliche Missverständnisse zu Gegentreffern. Das ist im Profifussball zwar auch möglich. In PES 2012 kommt dieses frustrierende KI-Verhalten aber überdurchschnittlich oft vor. Die Fehlpässe gehören zu FIFA wie Weissbier zum FC Bayern. Allerdings ist hier mit etwas mehr Übung auch schnell das erreicht, was wir wollen: Der gelungene Steilpass in die Spitze. Positiv ist, dass die gesamte Abwehr jetzt schnell nachrückt. Während des angreifenden Spiels ist somit gekonntes Dribbling oder schnelles Sprinten gefragt. Der Anfänger steht somit in den ersten Matches nicht selten vor einer kaum zu durchdringenden Abwehrmauer. Im Gegensatz zum Vorgänger hat sich die KI insgesamt verbessert. In einzelnen Situationen führt das Verhalten der Mitspieler jedoch zu Stirnrunzeln und somit kann PES damit keine Pluspunkte sammeln.

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Hübscher Schweini

Die technische Seite hat sich ansonsten leicht verbessert. Die Gesichter der Spieler sehen realistischer aus als noch bei PES 2011. Die Bewegungen sind feiner und durch die neuen spielerischen Möglichkeiten sieht das Spielgeschehen besser aus. Abseits des Spielfeldes hat Konami sich aber keine Mühe gegeben. Die Stadien wirken sehr steril und die Fans sind als eine graue Masse auf die Ränge geklatscht worden. Die Videosequenzen sind mit leichtem Flimmern durchzogen. Der Sound ist leider komplett misslungen. Die Fans reagieren nur auf den Abpfiff. Ansonsten sind während des kompletten Spiels keine Stimmungsschwankungen auf den Rängen zu verzeichnen. Die Kommentatoren tragen auch nicht gerade zu brasilianischem Fussball-Feeling bei. Die Sprüche wiederholen sich häufig, sind nicht auf Mannschaft und Spieler zugeschnitten und wirken daher unpassend und anonymisiert. Hört sich fast so an, wie das aktuelle Tageshoroskop. Der Text passt einfach auf Alles und Jeden. Wir haben jetzt die negativen Aspekte hervorgehoben, wollen die positiven aber nicht verschweigen. PES sieht insgesamt besser aus als der Vorgänger. Es ist aber nicht zu übersehen, dass die Simulation sich immer mehr vom Casual-Gaming entfernt. Pro Evolution Soccer ist eben für den gemacht, der alles beeinflussen will.

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Abpfiff

Hat Pro Evolution Soccer 2012 sich spürbar zum Vorgänger verbessert? Nicht wirklich. Es bietet nahezu den gleichen Umfang und gleiche Technik. Die Videosequenzen im Legenden-Modus und während der Meister-Liga wirken lieblos. Allein die spielerische Seite wurde verfeinert und so scheint Konami an die glanzvollen Zeiten längst vergangener PS2-Versionen anknüpfen zu wollen. Momentan ist PES jedoch weder Fisch noch Fleisch. Wenn PES Hardcore-Taktiker ansprechen soll, die mit viel Training das beste aus König Fussball rausholen wollen, dann sollte Konami aufhören, mit Umfang und Qualität von FIFA mithalten zu wollen. Denn nur so können zumindest eingefleischte PES-Fans zufrieden gestellt werden. So wünschen wir uns für nächstes Jahr etwas mehr PES und etwas weniger FIFA für PES 2013.

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Pro Evolution Soccer 2012 Testbericht

Pro Evolution Soccer 2012

  • Release: 29.09.2011
  • Genre: Sport
  • Entwickler: Konami
  • Publisher: Konami

Gutes

MyPES (wers braucht?!)
Unendlich viele Taktikmöglichkeiten

Schlechtes

Unpersönliche Kommentatoren
Öder Fansound
Kaum Lizenzen
Gelegentliche KI-Fehler

8.5 / 10 Sehr gut

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